Vaterschaft / Surtovuodet

White swans forage in a marsh beneath floating catfish and glowing moons

Schwer die Nacht im Torfteich, Tanz der Gelsen,
Erdig wächst das Moos am feuchten Felsen,

Trink im stillen Wasser, schau wie Hälse
Fliegend kehren um die Zeit, auf welche

Niemand kommt, niemand sinnt, den Welsen
Gleich gebürt der Nacht der Tod des welschen

Lachens, das nicht kümmert deine Wünsche,
Überm Morr Gebrüll von weissen Elchen,

Über Vertrauens-Hernien Sternen-Schalen,
Schwer die Nacht im Torfteich, feuchte Felsen

Rücken endlich engste Ängste weiter,
Ängste Engen schieben Notenhälse

Tief in Kehlen voller Braungeleucht,
Kommt zu mir, niemand sorgt um Felsen.

Mut oder Die Welt des Bengt Claasen war einfach und überschaulich

Man with walking stick passing seals and deck chairs beneath a stranded shipwreck

Claasen wollt es einfach nicht den Streichern lassen,
Was an Haltung kaum noch möglich schien,
Wollte auch nicht mehr zurück als halten, was
Weder streng gesprochen nochmals modisch war,

Was an Haltung kaum mehr möglich schien,
Kam entgegen, liess ein wenig atmen, was,
Weder streng gesprochen nochmals modisch war,
Kielte auf, als hielt es auf, entfiel der Hand,

Kam entgegen, liess ein wenig atmen, was
Jedenfalls, so Claasen, tiefer kippen lasse,
Aufgekielt, als hielt es auf, entfiel der Hand,
Fielen auch Kadenzen ein und Schrippen zu,

Jedenfalls, so Claasen, tiefer blicken lasse,
Claasen wollt es einfach nicht den Streichern lassen,
Fielen auch Kadenzen ein und Schrippen zu,
Claasen wollt es einfach nicht den Streichern lassen.

Unkraut vergeht nicht

People gathering, eating, and resting beneath a decorated banyan tree

Taugenichts und Nichtsnutz, deine Nadeln wellen
Über Land wie Zeitform, Beter-Rufe schellen,
deine Rinde rötet sich im Schein der Lampen,
niemand will verwachsnes Holz, du schütest Schlampen,
die im Reich des Tauschs nicht Ruhe finden sollen.

Willst nichts mehr als mehren jene selten hellen
Träume, die dem Geld so leicht und träg entschnellen,
Sorgst mit deinen Schatten für die vielen armen Schlampen,
Taugenichts und Nichtsnutz.

Warst noch nie der Stoff für Balken oder Pellets,
Wächst fürs Einfach-Wachsen, wurdest uns zur Quelle,
endlich jemand, der nicht rechnet mit den Taten,
sondern gar nicht zählen, nicht mal spät in Raten,
kann, du Schlampen-Denkmal  machst nichts auf die Schnelle,
Taugenichts und Nichtsnutz.

Sprache haben

Abandoned scrapyard filled with crushed vehicles beneath dark storm clouds

Erst der Kehllaut, wahr und schmerzlich,
lehrte man uns, macht uns sterblich,
Quatsch mit Sosse, keiner suchte
Erst den Kehllaut, wahr und schmerzlich,
sondern fing an, aufgekratzt,
fiels ins Wort den andern, sagte,
Bis der Kehllaut, wahr und schmerzlich,
Ihm die Rede endlich nahm.

Schaumann vor seinem Schöpfer

Von Autor/-in unbekannt – Osmo Apunen: Itsenäisen Suomen historia 1: Rajamaasta tasavallaksi, s. 96. Weilin+Göös 1991. ([1])Image record page in Finna: musketti.M012%3AHK19411105%3A246Image record page in Finna: museovirasto.2B1F57DD517572448110B2C9989FA361, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20910010

Durft ich das, den Menschen töten,
der für einen andern tat,
eingeflogen wie die Schwäne?

Sprach ich nicht die andern Sprachen,
Russisch, Schwedisch, halb Verrat?
Durft ich das, den Menschen töten,

durft ich deshalb an ihm Rache
üben, weil er mich nicht vertrat?
Eingeflogen wie die Schwäne,

war er doch auch Mann und Vater,
Schenkte, was man von ihm erbat.
Durft ich das, den Menschen töten,

der vielleicht nichts weiter dachte,
als an seinen Wohlstand, tat,
eingeflogen wie die Schwäne,

was geheissen, uns entfachte,
weil er nur nach unten trat?
Durft ich das, den Menschen töten,
eingeflogen wie die Schwäne?

Mutterschaft – Sortovuodet

Barred bird perched beside a nest with a cracked egg

Lässt der Kuckuck nicht sein Ei allein?
Trauert Fichte ihrem Zapfen nach?

Zwingt die Starin Starenkind ins Nest?
Singt der Schwan dem jüngsten Sommer nach?

Guten Tag, Frau Herren, dürft ich bitten,
Endlich ihre Herrschaft aufzuheben?

Sind die Fichtenwurzeln Fichtenkinder?
Trauert Fichte ihrem Zapfen nach?

Kann der Torf sich lösen aus dem Moor?
Fühlt der Kirchturm ohne Storch die Schmach?

Guten Tag, Frau Herren, dürft ich bitten,
Endlich ihre Herrschaft aufzuheben?

Singt die Grille noch im nächsten Winter?
Kennt der Frosch die vielen Quappen noch?

Fällt der Apfel gern von seinem Stamm?
Schwimmt der Hecht den eignen Schuppen nach?

Guten Tag, Frau Herren, dürft ich bitten,
Endlich ihre Herrschaft aufzuheben?

Bejahen

Horned fantasy character holding a skull staff among a nighttime crowd

Nun… ich liebe Menschen, die bejahen,
Wer ich bin und wie ich bin… ein Glück…
So verrückt und schlicht kann nur Gedicht…
Schwer zu sagen… selten kann ich nahen

Mir selbst ohne Abscheu… kann’s kaum wagen
Mich zu lieben… wer mich je entdeckt…
Mich… ich liebe Menschen, die bejahen,
Wer ich bin und wie ich bin… geglückt

Wie Gedichte, die Geschichten machen
Jenseits meiner… jenseits meiner Sicht…
Streng und eingeschränkt vom Wunsch nach Licht,
Wärme, Zeit fürs Schreiben… schnell entfachter
Hass… ich liebe Menschen, die bejahen,
Wer ich bin und wie ich bin… ein Glück…

Seelensteine

Von Kotivalo – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=43601822

Steine können glücklich sein, sie sterben nie.
Niemand fragt nach ihnen, jeder weiss sie leer.
Glimmt es nicht in ihnen? Fällt das Festsein schwer?

Hielt mein Herz das aus, das Warten ohne wie,
Warten, ja, worauf? Sie brüten vor sich her.
Steine können glücklich sein, sie sterben nie.

Loht nicht tief verschlossen jene Spiel-Partie,
die die Jätit warfen, lange schon ist’s her?
Niemand fragt nach ihnen, jeder weiss sie leer.

Kummakivi träumt vom Gletscher, der ihn trieb.
Ukonkivi brennt darauf, Akka bald zu sehn.
Steine können glücklich sein, sie sterben nie.

Leuchtet Dunkles mehr, Geballtes, Dichtes, wie
Leben sie vom Innehalten, kaum vergehn?
Niemand fragt nach ihnen, jeder weiss sie leer.

Hielt ich ihre Dauer, niemand fühlte nie,
wie ich berge leicht und hüte mein Geleer.
Steine können glücklich sein, sie sterben nie.
Niemand fragt nach ihnen, jeder weiss sie leer.

Erste Ernte

Person crawling through mossy wetlands near a remote wooden cabin

Regen, nicht als Regen, ehe Gott dich fällt,
Komm hinein, mein Armer, ehe Gott dich fällt,

Läufst schon lange durch das dunkle Aussen,
Irrst mit breitem Grinsen, ehe Gott dich fällt,

Süsser kleiner Freund, so komm in meine Arme,
Trotz und Harz im Herzen, ehe Gott dich fällt,

Scheu dich nicht, gib auf, gib zu, die Wege enden,
Birken leben flüchtig, ehe Gott sie fällt,

Scheu doch nicht so sehr, ich will dich herzen,
Komm hinein, mein Süsser, ehe Gott dich fällt,

Aus mit Flüchten ist es nun, und auch mit Suchen,
‘s gibt nichts zu finden, ehe Gott dich fällt,

Leuchtest immer noch sehr hell, weinst in Scherzen,
Hast Geduld bewiesen, ehe Gott dich fällt,

Mehr Geduld als mancher, lass mich spenden
Trost und Langmut im Warmen, ehe Gott dich fällt,

Lass es zu, wie lange warten meine Arme
Schon auf dich, mein Kleiner, ehe Gott dich fällt,

Hier im Reich des schönen Schmutzes, kalt ist’s draussen,
Streng und schlicht das Finden, ehe Gott dich fällt,

Komm hinein, mein Freund, bevor nicht Gott dich fällt,
Scheitern ist wie Lieben, ehe Gott dich fällt,

Schleppst auch viel zu lange deinen Mutterkuchen,
Lass es zu, mein Lieber, ehe Gott dich fällt.

Weder nützlich noch verständlich

Busy city sidewalk with pedestrians and a digital information kiosk

Will ich nutzen, wenn ich schreibe, nutzen?
Habe nichts zu sagen, nichts hinzuzufügen,
Nichts wird Armut töten, will nicht lügen,
Denn Gedichte haben keinen Nutzen,

Weder Arm noch Hand, ätherisch, nutzen
Unverbrüchlich Ton und Takt, genügen
Einfach, können bein- und fusslos nutzen.
Habe nichts zu sagen, nichts hinzuzufügen,

Nichts wird Krankheit töten, Trauer stutzen,
Liebe heilen, sing, Gedicht, aus Krügen:
Dieses Nun, es sagt dir, komm nach drüben,
Dieses Nun, ist unverrücklich Nutzen.
Will ich nutzen, wenn ich schreibe, nutzen?

—

Tust gut dran, kannst ruhig deine Ohren putzen,
Putze nur, Musik ist nicht nur instrumental,
Sprache kann und will das auch, fundamental,
Gründlich schönen Dreck vertonen, statt zu putzen,

Nichts verstehen, fürs Gedicht ist das von Nutzen,
Instrumental, und Sinnverwirrung zentral,
Tust gut dran, kannst ruhig deine Ohren putzen,
Putze nur, Musik ist nicht nur instrumental,

Unumgänglich jenen, die sie übernutzen,
Ohne Ohr, Verstand, Geduld, Musik ist mental,
Putze nur, die Worte sind nur ornamental,
Stutze nur, wenn deine Ohren sich verdutzen,
Tust gut dran, kannst ruhig deine Ohren putzen,
Putze nur, Musik ist nicht nur instrumental.
Habe nichts zu sagen, nichts hinzuzufügen.