Valse de Chopin

Bearded wizard listening to a gramophone while fairies fly nearby

Letzte Tropfen fallen ins Klavier, auch Kastagnetten. Oh du lieber Augustin, alles ist hin. Letzte Folgen tropfen ins Horn, auch Stosszahn. Steuerzahlen drehen Steuermänner um und um.

Bauhm herrscht über sein Lied. Das Lied tötet, gewiss. Das Lied lähmt, auch. Dreimal tönt es noch, eine letzte Wendung nimmt es. Bauhm spricht nur vom Glück, wenn es am Horizont steht, blau und grün, über Teichen blinkend.

Mondherr liebt die Valse
Triste, öde Meere
Füllen sich mit Wasser,
Schnee läg auf Bergen,

Die nur schwaches Gold
Geben, Gold, was hat er
Denn davon, sein Stolz
Grösser als Mad Hatters,

Der im Träumen weiter
Kam und doch verkam
Draussen in den Mühlen,
Wo der Hase tanzt,

Hatter liebte Jazz,
Blut und Kurzhaar-Schafe,
suchte lang nach Gas
Für den Hasen-Schlaf,

Mondherr aber lässt
Regenmeer beschallen,
Schwer vom Glück gepresst,
Blut im Aug vom Wollen,

Das er Sollen nennt.
Ach, du kleines Glück,
Klein, privat, es brennt,
Lind und weich wie Gold,

Liedlich, niemals lieblich,
Feen hält er hold
Dort in seiner Hütte,
Füttert sie mit Groll.

Mondherr liebt die Valse
Triste
, doch Mad Hatter
War viel schlimmer, damals,
Trank aus unsern Pütten.

Traum einer Wäscherin

Rabbit miners excavating lunar craters while insect soldiers patrol nearby

Flüstern, flüstern. Halsbeuge, Ellenbeugen. Flöte, auch Piccolo. Wind in Haaren, Karauschen.

Bauhm kehrt niemals zurück. Die Laffen dort, die schaffen still. Die Nässe eines Kusses reisst den Schleier herunter. Gaffende Staffeln, Treppenläufe, Ohrentraufen. Endlich weit weg.

Hasen hassen Mondherrs Gruben,
Mondherrs Kräne, Mondherrs Knechte,
Mondherrs Mechas, Hasen lieben
Stille, nasse Orte, achten

Auf die Zeiten-Schosse, abseits
Dieses Kraters, lieben Brachen,
Wo der Mondherr Laderampen
Bauen lässt, sie hassen Sachen,

Die sie hier behalten. Stampfen
Dringt aus Schächten, Schluchten. Jenseits
Liegt das Regenmeer, die Sümpfe
Kann man riechen, manchmal schmecken,

Hasen lieben das, die Winde, Schatten,
Wo das lange Ohr sich strecken,
Recken kann, sind dort daheim,
Wo beschleichen Mondlicht-Schnecken

Die den Teich nahe kommen,
Drin die Abertausend Hasen
Rotten, die des Mondherrs Schergen
Reingeschaufelt haben, Hasen

Voller Träume, bleiche Hände,
Weiche Ohren, leicht im Sterben,
Feucht im Leben, lasst uns schweigen.
Hasen liegen nicht in Särgen.

Mondherrs Knechte hassen Hasen,
Tote Hasen, schwache Hasen,
‘s gibt zu viel davon, verdammt.
Mondherrs Knechte möchten rasen.

Beide hassen Mondherrs Gruben,
Mondherrs Mechas, Mondherrs Kampf,
Niemand hat sich je erhoben
Gegen diese Stirn im Land.

Zweimal leben

Mondkrater mit grüner Erde und Hasen

Benanntes stirbt, sofort. Kaum Zeit für eine Klarinette, auch Bassklarinette. Keine Stimme mit Ton. Nennst du es, greifst du in kühlen Sand. Sonne grünt dir nimmer. Schrei nur, hauche deine Angst aus. Masse dir nochmals Benanntes an. Stirb, Fant.

Bauhm wünscht tierisch zu sterben, auf dem dem Feld aus Messingklappen. Ein Fluss von Speichel fliesst hindurch. Aber es ist still, wie im Arm eines Geigers. Aus den Wolken tropft die Schminke des Orients.

Zweimal leben wir, das erste Mal
Existieren wir, als könnten wir
Leben, aber niemand kennt die Zahl
Tier, die uns gegeben ist, und mal

Hastet Hasenblut in uns, und dann
Wieder eselt uns der Geist, gerufen
Mädchenhell, ein Schall vom grünen Damm,
Der im Osten uns bedroht, herunter,

Hier im Krater trägt die Stimme weit,
Kling martinshornlang aus, am Ufer
Pocht es an die Türen, bebt im Schritt,
Zeichnet jenes Mal mit schnellen Kufen,

Mal des Hasenhüpfers, Nagelschrift rot
Über Brust und Schenkel, schreiend kommt
Wärme übers Eis, und knirscht das Brot
Zwischen Ukas, Boten, Order, summt

Mondherr seine falsche Mond-Rengaine,
Spiegelgrün und ohne Spiel, die Wunde
Öffnet sich, wir leben, auch der Regent,
Zweimal, hör gut hin, mein erster Kunde,

Meister Lampe, denn beim zweiten Mal
Lebt man endlich so, als ginge’s ums
Ganze, lebt, als hätt’ man eine Wahl,
Lebt ganz ungeniert, und bis zum Rumms

Weiss man endlich, was zu leben hiesse,
Esel mehr als Hase, Mensch als Zahl,
Meister Lampe, höchste Stille stiesse
Kerkertüren auf, Tatoos aus Zahl,

Niemand kennt uns dran, und könnten
Unsre Schreie Mondherrs Killer killen,
Pforten orten, durch Gesetze sprinten –
Meister Lampe, komm doch, kille-kille.

Schmitella

Craftsman stirring chocolate over a forge beside Nutella products

Jeder ist schon seines Schmiedes eignes Glück.
Kommt die schöne Stelle? Geh doch schon mal stiften!
Lagenwadungen voller Veggies, Zapzarap –

Geh doch lieber stiften, Freundchen, als zu driften,
Veggie hin und Veggie her, den Traum zu liften.
Jeder ist schon seines Schmiedes eignes Glück.

Blicke voller Wurst, daraus den Ort errichten,
Wo das Glück auf braunem Amboss kaum gewichtet.
Lagenwadungen voller Veggies, Zapzarap –

Schluck um Schluck zarapt in schnellen Schiften,
Gut und Blut als Bodensatz von Überschriften.
Jeder isst schon seines Schmiedes eignes Glück.

Streich nur schon mal bisschen Wut auf weiche Triften,
Braune Sticker mit den Dickpicks dann beschriften,
Lagenwadungen voller Veggies, Zapzarap –

Kommst nicht weiter, steckst in marktgerechten LiftenFest, bist raufgeruntert, musst das Leben shiften,
Jeder ist schon seines Schmiedes eignes Glück,
Lagenwadungen voller Veggies, Zapzarap – 

Zweite Ernte / Andeddo rabu

Young traveler embracing a weathered survivor in an overgrown field

Dich auch, dich auch, du mein Schatz, von hinten
Schön wie vorne, auch wenn dir die Schinte
Abgezogen wurde, schmiegst dich wie ein Handschuh
An an mich, du bleibst, umfasst voll Unruh
Mich von hinten, willst mich halten, binden,

Du mit deinem Schilfhaar, trägst die Rinde
Tief darinnen, Bauhm wird uns nicht hindern,
Liebt er doch wie du ein neues Tabu –
Dich auch, dich auch.

Dich, mein Schatz, kann nur der Traum erfinden,
Der gewildert hat auf Zeit da hinten,
Haut und Knochen, streichelst mich mit Ubu,
Bist von hinten-vorne halb die Seekuh,
Halb der Reiz dazu, geringelt wie die Schinte –
Dich auch, dich auch.

Virtuosität: Mimesis

Paganini und Liszt duellieren vor Chartres

Gibt es etwas, das dir anliegt, das du anverlangst?
Dinge, die dich finden, Orte, die ich suchen, längst
Ausgetragne Liebe, unverhohlne Schuldpapiere?
Lagerst du im Nahen immer noch Geduldsrapiere,
Deine Karpfenzungenspitzen für entfernte Ängste?

Gibt es etwas, das du mehr als vieles abverlangst?
Läufe, die dich binden, Namen, die dich halten, längst
Ausgeübte Triebe, etwa gar Geheim-Scharniere,
Gibt es etwas, das dir anliegt?

Gibt es etwas, das du auszusingen noch verlangst,
Bögen, die verstrichen, Saiten, die gerissen, längst
Aufgeriebne Freunde, neue Tasten fürs Klavier?
Hältst du vor mit wenig Kraft vielleicht noch ein Turnier?
Schlüpfst in fremdem Federkleid erneut in alte Ängste?
Gibt es etwas, das dir anliegt?

Vorwände

Photo by Thomas Elliott on Pexels.com

Passen muss es, passen –
Frei sein hiesse, hiesse
Eingestehen, lassen –
Niemand kann es wissen,

Frei sein hiesse, hiesse
Nicht mehr wollen, sollen –
Niemand kann es wissen,
Lange warten, weilen –

Nicht mehr wollen, sollen –
Niemals kann es passen,
Lange warten, weilen –
Immer muss es passen –

Niemals kann es passen –
Passen muss es, passen,
Immer muss es passen,
Passen muss es, passen.

Das Neinland

Das Neinland ist keine Pufferzone, denn Erz und Harz sind dort fast verwandt. Die Väiki Hiisä haben viel von ihrem Berserkertum abgelegt, wohnen in Plushäusern. Hätte Tapiola dort das Sagen, könnte man ihm weder die Holdern noch die Espen anrechnen, vielleicht die Bären. Einige Einschränkungen sind dennoch vorab zu machen: aufgrund eines übermässigen Gebrauchs von ERTeeren gleicht es in vielen Teilen dem Berg, wo ein Tal ist. Das langsame Wetter im Neinland steht vermutlich damit im Zusammenhang, dass die vormals langmütigen Frauscher umsichtig genug waren, die indomitabeln Inkunabeln vorzeitig mit einem Bann zu belegen. Die Küüsi Hiisä sind im Neinland ausgestorben. Nur einem Eiland nahe Thailand im See des glitzernden Wassers findet man noch ein Paar von ihnen. Das Neinland ist keine Pufferzone, hier raffiniert niemand Kohle oder verfeinert den Klang von Harfen. Obwohl die Neinländer, neintausend an der Zahl, als allgemein gleichmütig gelten, darf man die jüngeren Generationen gelassen für nur noch vorsichtig halten. Eine andere Wendung des Lebens nehmen die wenigsten. Ob es in den umstehenden Ländern noch ERTeeren gibt, muss hier offen bleiben. Erz und Harz sind fest verwandt, das heisst, der Gesang des Erzes vermischt sich zu bestimmten Zeiten mit dem Lied des Harzes. Das ist sicher einer der Gründe für die Berserkerlosigkeit der Väiki Hiisä. Hätte Tapiola dort das Sagen, müsst man mit mehr Jahäusern rechnen. Die Zeichnungen in den Schrotfeldern haben eine Schönheit, die an Iguanadone denken lässt. Als ein Pufferland, das es nicht ist, muss man Neinland geben, dass ausser der gelegentlichen Fehden um die Gummistiefel oder um den Stützstrumpf kaum etwas passiert, das die Gleichmut des Erzes erschüttert oder die Langmut des Harzes verstört.

Overheal / Overshoot

Italian seaside restaurant with diners, erupting volcano, coastal road, and signs reading STRADA STATALE 145 and RISTORANTE LA SPIAGGIA

Unverhohlen liegt es tiefer, grad erreichbar.
Gründlich schläft Metall, mit nichts vergleichbar.

Träumt nicht, träumt noch nicht, im Süden hört man nichts,
Weder Gutes noch Verkehrtes, Kelpwald, Kühlschrank, brauchbar,

Trauerfälle wie zur Pestzeit, nordwärts liegt
Fleischgewicht auf Heide, over, mit nichts vergleichbar,

Einfach, morgens Rost, abends Frost, schlicht,
Schwer wie Golems, gottgerichtet, hör mal, Nachbar,

Hortest Schlüsseldrehen, Däumchendrehen, rechts
Rohbau, links die Rate, Roger, mit nichts vergleichbar,

Juckt doch keinen, Gott ist Gott, Maschine nicht,
Sprechen, stürzen, Lethe, Overheal ist machbar,

Bitte kommen, machbar, niemand steht im Licht
Eines Sorrent-Abends ohne Strafe, gleichsam

Brand im Hirn, ein kahler Kalk, palmenschlicht,
Hier Maschinengott und dort, mit nichts vergleichbar,

Rohbau, Restbau, wer weiss, Riesenechsen, nicht
Mal der Bärenklau wächst hier, blad wird ruchbar,

Dass die Inseln schwanken, werden Menschen sterben,
Sprechen, stürzen, Lethe, Traum mit nichts vergleichbar,

Schlüssel, Däumchen, Schlüssel, willst wohl ewig leben,
Stehst auf kahler Höh’, die Felsenwacht, unerreichbar,

Juckt doch keinen, jeder sieht’s, Golems drehen
Däumchen, Schlüssel, Bäumchen, bist mit nichts vergleichbar.