Beschwörung

Photo by Nancy B. on Pexels.com

Ohne – sterben – leben. //: anlegen. Dünen. ://
Dünen – ohne – Revier. Dauern – möchte – einfach.
Ich – möchte – einfach – sterben. Ohne. Fahrzeuggebundene Einstiegshilfe.
//: dünen – ich – nur :// Leben – sterben – oh-ne.

Dauern. Fahrzeuggebundene Ein – ein- ein – dünen. Leben – einfach – möchte.
Ohne – einfach – sterben. Dauern – ohne – Revier.
Möchte – einfach – leben. Möchte – einfach – ohne.
//: ohne. ohne. :// Dünen – ohne. Sterben – ich.

Einfach – nur. Einfach. Revier. //: dünen-dünen. ://
Ohne – leben – sterben. Ohne – fahrzeuggebundene Einstiegshilfe – dauern.
Möchte – ich – leben – nur. //: Dünen – dauern. ://
Ohne. Ich – möchte – Leben – nur – ohne.

Ich – möchte – einfach – sterben – nur – ohne.
Ich – möchte – nur – sterben. Dünen. //: Revier. ://

Gedicht für 4 Stimmen

Photo by Jorge Urosa on Pexels.com

Heim. währen. sehr – Oni – Zahl – oben – Erde.
Kehren – sehr – haften – Saal. Stein. //: Klartext – heim. ://
Erde – oben – Zahl – Oni – sehr. währen. heim.
Fiësch – kehren – rühren – strafen – Saal. //: Himmel – haften. ://

Erde – Saal – straffen – fiësch. Stein. rühren. //: vieh – isch. ://
Oni – Oni – haften. oben – oben – währen. heim.
Rühren. heim. sehr. – straffen – Zahl – Stein. //: Himmel. ://
Haften – haften – haf – ten. Kehren – Erde – fiësch – straf-

Saal – strafen – Erde. Heim – oben – Klartext – //: sehr ://
Sehr. Klartext. Heim – Erde – oben – Saal – oben.
Strafen – Erde – fiësch. Himmel. haften. //: Klartext – sehr ://
Strafen – kehren. Erde. Oni. Klartext – Zahl. oben.

Sehr – Himmel – rühren. Oni. Erde. //: Saal – Saal. ://
Erde – Oni – Himmel. währen. sehr. kehren. //: sehr. ://

Sibelius

Von fi:Daniel Nyblin (1856–1923) – What We Hear in Music, Anne S. Faulkner, Victor Talking Machine Co., 1913., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2593169

Am Anfang sind die Laute. Worte? Hahaha. Ein Krachen, Schneiden, Fiepen, Chroosen, ein Rollen und Rattern, Prusten und Pusten. Die Laute träumen, verbinden sich im Träumen, auf Höhe der Drosselgrube. Unbekannte Hebelwirkung dort, Hebewirkung. Ist das schon Wort, wenn es sich so an sich klammert, als sterbe es gleich, so ganz für sich? Worten heisst Loslassen, Aufgeben, eine Klammer öffnen, in die du träumst, wenn du träumst, oder denkst, wenn du denkst. Das ist das Erste, dieses Aufplatzen, dieses Auf- und Anschmatzen. Danach ist der Mund geschlossen, der Bogen deines Mundes, der eine Tasche ist, der Bogen des Lauts hängt sich an etwas, rechts, links, hinten, vorne, nebendran, dure-dure, drüber-über, untendurch, vorneaus, hintendurch, an etwas, das vorher nicht oder noch nichts war, und wartet auf ein Zweites. Ein Zweites, die geschlossene zeitähnliche Kurve, die aus dem Schwarzenloch deines Rachens kommt, umschliessend, aber niemals umfassend, es einschliesst, mitmeint in den Sack der Möglichkeiten.

Karakorum

Photo by Max Mishin on Pexels.com

Karakorum kommt nicht, kommt nimmer. Das weiss er jetzt: Sein Körper birgt noch zu viele Risiken, seine Gedanken sind wie die Zungensteine, die sich in den Wällen der Felsen der Reue finden, und die Zeichen im Kies, auf dem er seine Zähne verliert, haben immer noch etwas Besitzergreifendes, was sage ich, Hinwegführendes. Obwohl versengt, ist Artal nicht weich geworden. Er steht nicht mehr, ist aber noch immer hinter den Sturmsarg-Mären, die er nicht bestätigt noch verneint, in Sicherheit. Nicht wahr? Nicht wahr. Noch hört er die Schritte schlurfen, durch die Gänge hinter den Schlössern kommen und gehen, keuchende Worte und knisterndes Lachen. Artal will schreiben, wie er zuvor hätte schreiben sollen, kratzend und schürfend, er dreht sich auf die Schulter, streckt seine Hand gar nicht suchend nach den Steinen aus, in seiner Verlassenheit ist auf sie Verlass. Karakorum wird er nicht zu fassen kriegen, weder im Tod noch im Traum, solange Sturmsargs Haltung in ihm kernt und steint. Der Boden glänzt und spiegelt wie ein hohes Fenster, gerade kann er es noch sehen, dann schreibt er das Wort des zweiten Bannfluchs hin.

Nachrichten aus der Zeitung

Die Zeitung «Jade-Öhr», die im Einflussgebiet des 3. Zikkurat, genannt «Wehrlose Entscheidung», erscheint, berichtet: «Nach nun doch schon mehreren Monaten hektischer Truppenverlegungen und ausgiebiger Masch- und Stellungsübungen, immerzu begleitet von Klingeln und Trompeten, Schallen und Plagören, von unserere besseren Gesellschaft morgens wie abends auf dem Exerzierplatz des 49. Regiments gerne begutachtet und ausführlich kommentiert, wobei die Älteren bekannterweise sich gelegentlich nicht zu schade sind, selbst einige haarsträubende, will heissen: nahezu billigste Mären zum Besten zu geben, die in die ersten Jahre der Herrschaft unseres damals noch jungen und entschlussfreudigen, hoch beliebten König Z. Quom I. fielen, obwohl historiographisch gesehen die ersten beiderseitigen Angriffe durchaus bereits in die letzten Tage des Kartenspieler-Königs Z. Kufar X., des Onkels unseres geliebten König, datiert werden müssen, der eine doch nicht ganz heillose Ausdehnung unseres Einflussbereichs immer wieder und meist vergeblich angestrebt hatte, insbesondere in der Bemühung um die Sicherung der Seltenen Erden und Öle, die westlich des Tals Gehinnom von ausgewiesenen Fachkräften und erfahrensten Experten vermutet werden, welche erstere Politik in den mittleren Jahren unseres guten Herrschers Z. Quom I. zu der Siedlungspolitik geführt hat, mit deren Konsequenzen wir in diesen Tagen kämpfen oder hadern, wie man es nimmt, wie man es wendet, haben wir bereits zahlreiche, wenn auch noch weitgehend unverifizierte Nachrichten über die ersten Zinksärge aus dem Westen erreicht. Die gewogen-ansehnliche Leserin wie auch der unvoreingenommen-kritische Leser können allerdings versichert werden, dass es sich dabei, so das Büro des allseits hochgeschätzten Herrn Erlang in einer gestern an unseren diplomatischen Korrespondenten adressierten Stellungsnahme, um so genannte «Leergut-Übungen» handele. Besonders in den südlichen Territorien der Ebene der Gottesfurcht bemühe sich die «Gyoku-Heidan» um die vorsorgliche Sicherung der Nachschubswege, und nichts eigne sich besser dafür als eben diese unverwüstlichen «Zinktruhen», wie sie im Militärjargon heissen, um eine solche Stabilisierung der Zugänge zu einem Gebiet zu ermöglichen, dessen Erschliessung unser allerfreundlichster König Z. Quom I. im Interesse aller Siedler angeordnet habe. Die Redaktion erwartet zudem in den nächsten Stunden einen ersten Bericht unserer Sonderkorrespondentin aus den südöstlichen Regionen der Felsen der Reue. Wir werden an geeigneter Stelle und zu gegebener Stunde davon berichten, nachdem des hochverehrten Herr Erlangs Büro ihre Berichterstattung eingesehen und wo nötig korrigiert hat.»

Dingkraft in Stein

Photo by Jim TheFrog on Pexels.com

Yu Di sagte: «Wäre es einfacher, hätte der Mensch keinen Geist wie der Stein? Woher weisst du, dass der Stein keinen Geist hat? Kann denn ein Stein dem Himmel widerstreben, der Erde etwa gar? Er hat vielleicht mehr Geist als du in seiner Hingabe, in seiner Aufgabe. Für ihn ist nichts zweifach, für ihn ist es einfach. Es ist eine grosse Aufgabe. Er hat nichts richtig zu stellen, er ist selbst geworfen, und selbst geworfen, aufrichtig, und er muss sich nicht um die Wahrheit bemühen, denn er redet nicht, sie redet nicht. Ich wiederhole es, ihr Wesen dingt, und in diesem Dingen ist er weder vom Himmel oder der Erde entfernt noch ihnen näher als du. Heisst das etwa, du sollst werden wie der Stein?»

Kurvenwegs der Salamander

Da ist der Salamander. Da ist jetzt der Salamander. Da ist jetzt gerade der Salamander. Da ist jetzt gerade nur der Salamander. Grau, grau-braun, Schwefel-Wesen. Da ist nur der Salamander. Da ist nur jetzt der Salamander. Eine breite Linie, die sich schwingt, Halbkreis, Schlamm-Sichel, stromaufwärts, kurvenwegs. Es gibt sie, auf dem Gegenweg des Wassers, in der zitternden, wesend-zitronigen, aufschäumenden Spiegelfläche der Stromschnelle, nachts. Sie, auf dem Weg. Zwischen Steinen, Flussgras, im Weissen Rauschen von Kies, Sand und Geröll. Der langsame Salamander, Gegenwelle unter den Wellen, sein flaches breites Gesicht der Vergangenheit entgegenstossend. Seine Vergangenheit ist die Vergangenheit der Wellen. Im jadegrünen Wasser der Nacht, ein Gegenlauf.

Im Westen

Photo by Marek Piwnicki on Pexels.com

Woran erkennst du, dass du im Westen bist? Die Sonne geht im Westen unter, aber der Abstand zu ihrem Untergangsort hat sich nicht verringert. Als Kind dachte ich, je weiter du in den Norden gehst, umso gefährlicher wird der Boden; je weiter du in den Süden gehst, umso mehr Affen gibt es; je weiter du in den Oster oder den Westen gehst, umso näher kommst du diesem Ort, an dem die Sonne untergeht. Aber die Sonne ist so weit weg, dass sie sich nicht bewegt. Die Unbewegte, nannte sie meine Lehrerin, die unbewegte Bewegerin. Den Westen erkenne ich an der Trübung in der Luft, als triebe die letzte Asche eines Vulkans in der Luft. Ich bemerke en Westen an dem brummenden Singsang, der aus der Richtung des Sonnenuntergangs aufsteigt. Unter der Eibe sitzend, habe ich versucht, meinen Geist zu toter Asche, meinen Körper zu dürrem Holz werden zu lassen. Das ist im Westen anscheinend eine weit schwierigere Übung als im Zentrum. Vielleicht ist es im Osten sehr leicht, vermute ich. Es fällt mir schwer, die fraktalen Formen meines Körpers wahrzunehme, seine Anteile an den Elementen, seit ich gestern im Dämmer gesehen habe, dass die Krone der Eibe einen braunen, gelblichen Schimmer zeigt. Ich weiss, dass ein weisses Pferd kein Pferd mehr ist; ist die Eibe auch bald keine Eibe mehr? Verwandelt sich im Westen alles in Unterschiede? Ich stelle den Westen an dieser Ungewissheit fest, die alle Erscheinungen annehmen: ein Flimmern und Schimmern zwischen Da und Nicht-Da. Ich muss dafür sorgen, dass ich beim Bodhi-Baum ankomme, bevor auch ich strohig werde und Hund. Ich erinnere mich daran, dass meine Mission davon abhängt. Meine Mission?

Ich halte es nicht mehr aus

Photo by Nikita Vinogradov on Pexels.com

Ich halte es nicht mehr aus. Ich bin vom Volk Josefs. Ich habe mich ins Tor im Nordwesten gesetzt. Dreimal bin ich um den Thron geschlurft. Soweit so gut, der Umgang für den Kelch der Zumutung. Der Thron ist kein Traum, soweit so gut. In der Südwestecke quillt braun und im langen Wind raschelnd die Füllung aus den Rissen im rosa Leder heraus. Die Palastkatzen haben mich angefaucht, sind meinem dreifachen Umgang mit gesträubten Rücken dreimal gefolgt. Unser Morgentanz. Meister hat einen weiteren Kreis um den Thron festgestampft, er fürchtete die Katzen, aber er war auch nicht vom Volk Josefs. Wir – ich vom Volk Josefs lieben Katzen. Ihre Augen, die wir erben. Mein Kreis ist enger; tiefer, das kommt vom Vierbeiner-Sein. Ich kann nicht mehr. Meister hat gesagt: Sand ist Hilfe, Sand ist Kern, Sand ist aller Anfang, wie die Tröckne. Manchmal hat er noch hinzugefügt: Tröckne ist Trennung, darum bist du hier. Bald ist es Zeit für meinen zweiten Umgang. Beim zweiten Umgang, den ich dem Freudeblut der Sterne weihe, spucke ich an die vier Geierfüsse des Throns. Meist geht mir die Spucke beim vierten Fuss aus, dann mache ich nur noch das Geräusch dazu. Pfft, pfft, pfft, pfft; pfft, pfft, pfft, pfft. Im Anschluss werde ich mich im Sand waschen. Meine Haut glüht, als ich in Unterhosen aus dem Tor heraustrete. Ich kann es nicht mehr aushalten. Das auge des Steins im Baldachin folgt mir über den weiten Platz, zwei Katzen springen vom Thron und folgen mir in sicherem Abstand. Ihre Ingwer-Schweife zeigen in den blinden, krautigen Himmel. Dann streicht unsere Prozession der östlichen Mauer entlang, die sich über meinem Rücken leicht einwärts wölbt. Die Katzen aus dem Palast von Darius oder vielleicht Artaxerxes sind die einzigen, aber feindlichen Denk-Male meines Daseins. Wie einem aus dem Volk Josefs ein Tier als Denk-Mal genügen, noch dazu eines, dem er sich nähern kann? Als ich noch jung war, habe ich sie gejagt, aber natürlich waren sie zu wendig. Katzenjagd ist eine Angelegenheit für eine Gemeinschaft, nicht für einen Einzelnen. Die Fräulein und die Katzen, die Fräulein darf ich nicht vergessen. Früher kamen sie häufig, einige liessen sich in Gespräch verwickeln, die Tage und Nächte dauerten. Ich nannte das meine Regenzeit. Das ist schon lange nicht mehr vorgekommen. Bald ist es Zeit für den vierten Umgang, den Umgang für die Schwemmländer jenseits der Mauer. Würde ich es aushalten, wenn ich einen Jünger hätte? Und wäre er ein Stein.

Über Liebe

Photo by Mareike W. on Pexels.com

Liebe gibt es nicht. Weder all-umfassend noch klein-klein. Liebe ist wie die Völlerei eine Todsünde, die mit dem Sternstaub nicht begonnen haben kann. Liebe ist wie der Geiz eine Todsünde, die nicht mit den Eukaryoten angefangen hat. Wer Wege findet, von der Liebe zu reden, lügt. Wer sich kennt, dürfte lieben. Niemand kennt sich. Nur der Körper der anderen Person ist hier, Schleier und Höhle. Eine aufgehobene Hölle verschlingt dich. Je bestimmter der Ton, desto falscher der Akkord. Die Frage nach der Liebe ist eine Frage nach dem Nichts, das Etwas wird. Liebe als Aufgabe, als Hingabe – weiht sich dem Tod.  Wenige wollen den Tod. Stein kann lieben, Lilie und Vogel, der Stoff der Träume; Mensch nicht. Ihnen ist der Zugang zum Himmel verwehrt, der Schlange wachsen keine Beine mehr. Es sei denn, sie vergessen und vergeben sich. Ist Liebe Caritas, ist sie nicht erfüllt. Ist Liebe Amor, ist sie nicht erfüllt. Gottesliebe ist Hinwendung zur Abwesenheit, Abwendung von der Beteiligung. Liebe ist, wenn Nicht-Wollen herrscht. (Nicht Nicht-mehr-Wollen.) Liebe ist der Stern, von dem du nicht weisst, ob du seine Gegenwart siehst. Die einzige Liebe, die gut ist, ist jene zu deinen Kindern. Du könntest auch sagen, Güte oder Glauben.