Seelensteine

Von Kotivalo – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=43601822

Steine können glücklich sein, sie sterben nie.
Niemand fragt nach ihnen, jeder weiss sie leer.
Glimmt es nicht in ihnen? Fällt das Festsein schwer?

Hielt mein Herz das aus, das Warten ohne wie,
Warten, ja, worauf? Sie brüten vor sich her.
Steine können glücklich sein, sie sterben nie.

Loht nicht tief verschlossen jene Spiel-Partie,
die die Jätit warfen, lange schon ist’s her?
Niemand fragt nach ihnen, jeder weiss sie leer.

Kummakivi träumt vom Gletscher, der ihn trieb.
Ukonkivi brennt darauf, Akka bald zu sehn.
Steine können glücklich sein, sie sterben nie.

Leuchtet Dunkles mehr, Geballtes, Dichtes, wie
Leben sie vom Innehalten, kaum vergehn?
Niemand fragt nach ihnen, jeder weiss sie leer.

Hielt ich ihre Dauer, niemand fühlte nie,
wie ich berge leicht und hüte mein Geleer.
Steine können glücklich sein, sie sterben nie.
Niemand fragt nach ihnen, jeder weiss sie leer.

Erste Ernte

Person crawling through mossy wetlands near a remote wooden cabin

Regen, nicht als Regen, ehe Gott dich fällt,
Komm hinein, mein Armer, ehe Gott dich fällt,

Läufst schon lange durch das dunkle Aussen,
Irrst mit breitem Grinsen, ehe Gott dich fällt,

Süsser kleiner Freund, so komm in meine Arme,
Trotz und Harz im Herzen, ehe Gott dich fällt,

Scheu dich nicht, gib auf, gib zu, die Wege enden,
Birken leben flüchtig, ehe Gott sie fällt,

Scheu doch nicht so sehr, ich will dich herzen,
Komm hinein, mein Süsser, ehe Gott dich fällt,

Aus mit Flüchten ist es nun, und auch mit Suchen,
‘s gibt nichts zu finden, ehe Gott dich fällt,

Leuchtest immer noch sehr hell, weinst in Scherzen,
Hast Geduld bewiesen, ehe Gott dich fällt,

Mehr Geduld als mancher, lass mich spenden
Trost und Langmut im Warmen, ehe Gott dich fällt,

Lass es zu, wie lange warten meine Arme
Schon auf dich, mein Kleiner, ehe Gott dich fällt,

Hier im Reich des schönen Schmutzes, kalt ist’s draussen,
Streng und schlicht das Finden, ehe Gott dich fällt,

Komm hinein, mein Freund, bevor nicht Gott dich fällt,
Scheitern ist wie Lieben, ehe Gott dich fällt,

Schleppst auch viel zu lange deinen Mutterkuchen,
Lass es zu, mein Lieber, ehe Gott dich fällt.

Weder nützlich noch verständlich

Busy city sidewalk with pedestrians and a digital information kiosk

Will ich nutzen, wenn ich schreibe, nutzen?
Habe nichts zu sagen, nichts hinzuzufügen,
Nichts wird Armut töten, will nicht lügen,
Denn Gedichte haben keinen Nutzen,

Weder Arm noch Hand, ätherisch, nutzen
Unverbrüchlich Ton und Takt, genügen
Einfach, können bein- und fusslos nutzen.
Habe nichts zu sagen, nichts hinzuzufügen,

Nichts wird Krankheit töten, Trauer stutzen,
Liebe heilen, sing, Gedicht, aus Krügen:
Dieses Nun, es sagt dir, komm nach drüben,
Dieses Nun, ist unverrücklich Nutzen.
Will ich nutzen, wenn ich schreibe, nutzen?

Tust gut dran, kannst ruhig deine Ohren putzen,
Putze nur, Musik ist nicht nur instrumental,
Sprache kann und will das auch, fundamental,
Gründlich schönen Dreck vertonen, statt zu putzen,

Nichts verstehen, fürs Gedicht ist das von Nutzen,
Instrumental, und Sinnverwirrung zentral,
Tust gut dran, kannst ruhig deine Ohren putzen,
Putze nur, Musik ist nicht nur instrumental,

Unumgänglich jenen, die sie übernutzen,
Ohne Ohr, Verstand, Geduld, Musik ist mental,
Putze nur, die Worte sind nur ornamental,
Stutze nur, wenn deine Ohren sich verdutzen,
Tust gut dran, kannst ruhig deine Ohren putzen,
Putze nur, Musik ist nicht nur instrumental.
Habe nichts zu sagen, nichts hinzuzufügen.

Anruf in Ainola

Jean Sibelius telefoniert am Fenster von Ainola

Hallo, hören Sie, ist da der herra Jean?
Hyyvä huomenta, die Schwäne sind da,
Ganzes Dutzend, ja, vielleicht auch mehr.
Ob sie singen? Herra Jean, Schwänge singen nicht!
Drüben im Vähäjärvi, da baden sie,
Von der Niementokantie aus
Sieht man sie sehr gut, kyllä,
Jungtiere auch, niin, im Vähäjärvi,
Olkaa hyvä, herra Jean, mielelään.

Sie kommen

Armored creatures at Swiss border signs reading “SCHWEIZER GRENZE FRONTIÈRE SUISSE” and “HALT-ZOLL ARRÊT-DOUANE”

Schatten kamen, Schatten gingen,
Funken sprühten durchs Reduit,
Kohle schürfen, Kohle schürfen,
Harfen stimmen, Harfen stimmen,

Funken sprühten durchs Reduit,
Hinter sieben Bergen Mordor,
Harfen stimmen, Harfen stimmen,
Schaffe, schaffe, keifall jammere,

Hinter sieben Bergen Mordor,
Trommeln fern und lieblich flüstern,
Schaffe, schaffe, nur nid jammere,
Keiner hat’s gehört, doch jetzt,

Trommeln fern und lieblich klingen,
Schatten kamen, Schatten gingen,
Keiner hat’s gehört, doch jetzt,
Kohle schürfen, Kohle schürfen…

Zehn Jahre

Vintage airplanes and airships flying over a mountainous valley with a castle

… der Anfang, der nichts Bedrohendes hat, weder Quantensprung noch Seitensprung, einfach der Anriss einer Saite, einfach das Stolpern über Kanten, deren Dasein bisher unbemerkt, deren Schwingung diesen Leuten ungeschenkt blieb, ein ungeschicktes, aber kräftiges Eingreifen ins tröstende Ungeschehen, an den Mauern die Orks, das ist gewiss nicht mehr zu übersehen, auch für diese Leute hier nicht, grün und wie immer paarungsbereit, steif geboren, im 45-Grad-Winkel erigiert oder gewachsen, ein Anfang also ohne Autokorrektur, Nachsicht oder Absicht, halb Gangrän, halb Migräne, Zugänge wenden, Wand zugänglich halten, im Anfang nicht dem Streben nachstreben, wie das diese Leute hier machen, immer schon gemacht haben, wie behauptet wird, aber du nicht, Bauhm, nicht abwägen, ne tergiverse pas, weder im Kantenhain noch im grantigen Moment, ein Anfang voller Enden, die absinken hinter den Hag, eine Plage ohne Magen, ausscheiden, ausscheiden, dann zur Seite springen, wenn es nicht nötig oder nicht länger mehr nötig ist, mit Zigaretten dekorieren, die der 3-Sekungen-Regel widersprechen, ins Zuckerrohr oder in den Jadeteich, einfach der Hunger nach Pfirsichen, einfach der innere Drang zu wachsen, das Brüllen der Ochsen zu verschlingen im knorrigen Geviert, ein Paargänger Sondersorte, im Kleinsten bis zur Sichtbarkeit gehen, im Grössen bis zur Auflösung, rostrau die Staffel heben, erschöpft, aber nicht besiegt, das Wissen von der Spannweite der Makrele bis zuletzt verschweigen, Grundwasser und alles, und wenn du den Anfang hast, der dir weder geschenkt noch sicher sein kann, niemals, bevor man dich einrahmt oder einzäunt, vergisst oder vergessen macht, zolle einfach noch einmal Tribut dem…

1. Engelzimmer

Torchlit medieval army besieging a fortified castle beside a forested lake

Hämeenlinna, cellofarben, nur wenige Kratzspuren, leicht beseelt, aber nicht genug erzählt, eine. Wand, die Insel einst war, slottes slott, erster Schritt in der Reise, der Bäcker kratzt sich unter der Haube, ein gehörntes Tierchen wischt vorüber, Ärzte sterben am Arzten, Fliegen wie Backsteine, das gefällt mir, denn Schlichte und Feste gefällt mir, ich habe keine Beschäftigung über den eigenen Gegenstand hinaus, das Rot, was ich sehe, mag wohl B-Dur sein, diatonisch, das mag es wohl, die Mauern stehen trotzdem 93 Komma 5 Grad und finden zusammen, als seien die Backsteine Fliegen, Marschrute Flundern, Monadentöne auf der Promenade, in den Gelenken einer Valse triste, Hämeenlinna, sage ich doch, slottes slott, braun wie g-moll, wenn ich denn könnte, würde ich der Sprache nachreisen, paarweise gestaffelt fiele mir dein Gesicht zu, wieder fragtest du mich nach Bauhms Befinden, ich verstünde wieder nur Empfinden, so könnten wir uns wie einst tavastussen, ein lustiger Buhurt am Schlossgarten für ein Trauma, dem die Väter fehlen, das die Mütter verschluckt hat, ein schlichtes Fest, schlicht nur für gewisse Gemüter, fest nur für gewisse Behüter, Bauhm jedenfalls sagt nichts ohne Gegenstand zu sein, weil er in Gegenständen versinkt, weder Matrix noch Loki, ein bellender Bäcker in der Ausfallschneise der Meuse kann ganz gelegen kommen, das Backgeschirr klappert bei der Prozession, m-zä, m-zä, Hämeenlinna, linnas linna, sage ich entschlossen, bevor…

Eigentlich

Man wiping his forehead while seated on a museum bench among paintings

Spät ist man weise: c’est
Ainsi que j’aurais dû
Ecrire, kann man nicht
Anders als denken, wär’s

Ainsi que j’aurais dû
Vivre, so aufrecht und doch
Anders als denken, wär’s
Ende, das früher kommt,

Vivre, so aufrecht und doch
Vécu à peine, mein
Ende, das früher kommt,
Nochmals beginnen, denn

vécu à peine, mein
Ecrire, kann man’s nicht
Nochmals beginnen, denn
Vivre kann man nicht.

(für Y. F.)

Country Roads

Steampunk garden with railway tracks, mechanical tree, airships, and storks

Tief darinnen, dort im Land,
das den Träumen dient als Pantry,
wo der Dungeon fällt an Land,
wächst in vielen Sprossen Skilltree,

Landesmutter, high and wintry,
Regen-Macher für die Hand,
die Geburt gedealt dir verhielt,
tief darinnen, dort im Land,

haust für nächsten Waffengang
stets parat, ein wenig Shanty,
fremd dem Ohr der Drachen-Gang,
einsam dieser Traum von plenty,

fliesst aus Mamas Mund zum Billtip
eines Storchs, der Rechnungs-Stand
seltsam sämtlich, beam me up, Scottie,
wo der Dungeon fällt an Land,

wo die Schulden kaum noch Pfand,
Mim befleckte Ruhe, scary
Sommersprossenengel-Stunt,
wächst in vielen Sprossen Skilltree,

Glück flockt runter, drunter stand
still die Stunde, hielt Scar-City
mich im Munde, halb ein Sang,
halb ein Bunter, high and sultry
Tief darinnen.

Blau-lasiert

Expressive blue and green clocks scattered along a tropical beach

Blau-lasiert geschäumte Zeit…
Weich gesichtet träumt ein Leid,
Strandet leis im Morgenland,
Schäumt im Spiegel deine Hand
Wieder nächstens Nacht mit Heut:

Früh gefreut und schon gereut…
Zeit-Gesicht zerfleischt vom Wein…
Komm, komme jetzt, in welchem Land,
Blau-lasiert,

hinter welchen Spiegeln heisst
Leben Leben, weich gemeint,
wieder reisst es, reisst am Strand,
schäumt im Spiegel deine Hand,
bleischwer äugt geträumte Zeit
blau-lasiert.


Dieses Rondeau ist eine Hommage an Mumyi Trolls „Лазурно бирюзовые глаза„…