Ich habe keine Freunde

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Ich brauche keine Freunde,
Ich bleibe lieber für mich.
Es ist doch so: ich bin doch nicht schwul.

Ist Freundschaft nicht fast Liebe?
Die lassen dich eh im Stich.
Ich brauche keine Freunde.

Wir sind bestimmt von Trieben,
Man denkt doch eh nur an sich,
belügt sich selbst. Ich bin doch nicht schwul.

Ich lebe gern in Frieden,
Und Frauen haben’s in sich,
Was sollen Männer-Freunde,

Was kann ich ihnen bieten,
Und plötzlich ist (so fürcht’ ich)
Die Hand im Schritt – ich bin doch nicht schwul.

Schon gehört von Feindesliebe?
Auch so ein Konzept, das mich
Verwirrt zurücklässt… Freunde,
Die brauch ich nicht, ich bin doch nicht schwul.

Sartre lesen

Two elderly men sitting on a park bench in autumn talking

Fühlst du dich auch geworfen?
Schlecht entworfen oder unbedingt,
Ein Kloss auf tönernen Füssen,

Vor dem Nichts, unaufrichtig,
Von bedingten Taten dicht umringt,
Ungefragt, leer, geworfen,

Wesenlos, nichts ist richtig
Oder falsch, ein Werden, das entspringt
Dem andern, der auf den Füssen

Auch kaum steht, halb schon gichtig,
Mensch als Entwurf, der dir nie was bringt,
Auf die Selbstlüge geworfen,

Tröste dich, nichts ist nichtig,
Denn das Sein ist nur von dir bedingt,
Nicht Hand noch richtige Füsse,

Was ist denn wirklich wichtig?
Hab nicht viel verstanden, doch es klingt
Logisch, fühl mich geworfen,
Ein Wurf auf tönernen Füssen.

Nach Hause gehen

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Ich habe schon mal angefangen,
Die Bilder nehmen wir mit,
Weil wir gehen jetzt nach Hause,

Du kannst mir helfen beim Verpacken,
Ich mache jetzt einen Schritt,
Ich habe endlich angefangen,

Was hinderst du mich, hol mir Decken
Und Schnur, ich will sie damit
Schützen auf der Fahrt nach Hause,

Es tut so gut, es anzupacken,
Mit Vater sind wir dann zu dritt,
Es lohnt sich wirklich, anzufangen,

Und für den Winter auch noch Jacken,
Und sag nicht so einen Shit,
Hier sind wir doch nicht zuhause,

Am besten rufst du Möbelpacker,
Wir fahren nach Hause damit,
Ich habe schon mal angefangen,
Endlich geht’s mit uns nach Hause.

Mann im Wald

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Entschuldigung, ich habe mich verlaufen,
Es dauert schon Stunden, können Sie mir helfen,
Ich seh’ vor lauter Bäumen den Weg nicht mehr,

Ich kenn die Wege, wollte nur nach Wohlen,
Verlier mich sonst nicht, der Wald, die Unterwelten,
Das Moor, die Steine, habe mich verlaufen,

Ich will nach Wohlen, meinen Wagen holen,
Ich war schon am Bettlerstein, dachte, Elfen,
Die gibt es nicht, doch heute bin ich nicht mehr

So sicher, haben mir den Weg gestohlen,
Mit blinkenden Zweigen, bin verwirrt wie selten,
Die Richtungen vertauscht, ich bin verlaufen,

Vertrauen verloren, muss nach Wohlen,
Den Wagen zu holen, danke, dass Sie helfen
In diesem Wald der Kelten, genug, nicht mehr,

Ich sag es Ihnen, Wohlen kann gestohlen,
Am besten, Sie fahren mich nach Haus, die Eltern,
Die machen sich schon Sorgen, hab verlaufen
Mich selten, Wald vor Bäumen, kann nicht mehr.

Arbeiten gehen

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Ich habe mich erinnert an etwas,
Das ich noch erledigen muss,
Darum will ich jetzt noch schnell ins Geschäft,

Sonst liegt das unerledigt herum,
Nichts ist schlimmer als der Verdruss,
Den man erfährt auf Arbeit von etwas,

Das man vergessen hat, und darum
Gehe ich jetzt, das ist mein Entschluss,
Es gibt was zu tun für mich im Geschäft,

Ich kann dir zwar nicht sagen, worum
Es sich handelt, sicher nur Stuss,
Wie ja üblich, aber es ist schon etwas,

Was hab ich hier zu tun, ich verdumm
Langsam fast, und damit ist Schluss,
Wichtig ist es für das ganze Geschäft,

Für meine Stellung dort, und darum
Muss ich, gib mir noch einen Kuss,
So, ich kümmer mich um etwas,
Das ist lange schon ein offnes Geschäft.

Spaziergang an der Reuss

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Heute ist es grau, das Wasser aber grün,
Die Bäume hager wie Gras,
Die Welt ist ein wenig ausgestorben,

Wie das Wasser schäumt, ich stell mir Fische vor
Gehetzt und kalt in dem Nass,
Ist das da ein Mann im Inselgrün,

Was macht er denn dort, das kommt mir heimlich vor,
das macht ihm wirklich noch Spass,
Ich wäre vor Schrecken fast gestorben,

Brett auf Wellen treibt, da kommt er schon hervor,
Er fliegt dahin wie ein Has,
Mutig ist der Mann, er schiesst durchs Silbergrün,

Will dem Glück den Schmerz verleih’n, was hat er vor,
Der kennt nicht Mitte noch Mass,
Ein Trottel, der wünscht, er wär’ gestorben,

Lass uns weiter geh’n, ich schau so gern empor
In diesen Himmel wie Glas,
Das Wasser rauscht so schön, es fliesst so schnell und grün,
Sind Mutter und Vater auch gestorben?

Rotes Gemälde beim Notar

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Das ist ein gutes Gemälde,
So rot wie helles Blut,
Und hätt’ ich eine Pistole,

Ich schöss’ mir von unten in den Kopf,
Das wäre schön und gut,
Es spritzte übers Gemälde,

Ich malt im Fallen drauf mit meinem Schopf,
Aus Haar und Hirn eine Flut,
Das tät ich mit der Pistole,

Ein Schuss und Schluss, ich wär Atomsprengkopf,
Und es gefällt mir gut,
Das grosse rote Gemälde,

Als hätt’ jemand wütend drauf getropft,
Mir fehlte nicht der Mut,
Ich bräuchte nur eine Pistole,

Ein letztes Mal gebräucht’ ich meinen Kopf,
Was selten jemand tut,
Für dieses öde Gemälde,
Mir fehlt nur eine Pistole.

Mach’s gut

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Es ist kalt geworden, in meinem Kopf
Herrscht Täube, Schwindel, nichts zu spüren
Wär Tod… Maurer, nun, mach’s gut,

Meine Decke rutscht von der Brust, ich halt
Sie kaum noch fest, es gehen Türen,
Zieht der Schmerz der Winde durch meinen Kopf,

Ist das da mein Arm, und warum so kalt,
Ist das die Hand von mir, berühren
Warm, wendet mich, das tut gut,

Sink tief durch die Stunden der Wand, es hallt
Lebendig, kann ich mich noch rühren,
Unter meinen Fersen, da rollt mein Kopf,

Schnell fährt das Bett in den Haarewald,
Äugt Mutter draus, ich möchte drin wühlen,
Stein-kalt ist es schon, mach’s gut,

Kalt-gebrannt die Luft von der Bald-Gewalt,
Granit das Licht, das Licht berühren,
Hinter Wänden hör’ ich in meinem Kopf,
Mach’s gut, höre ich, mach’s gut.

Nein, ich will nicht!

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Jeden Morgen ist’s das Gleiche:
Ich soll mich duschen.
Dann kommt die Predigt:

Ich würd’ schon stinken…
Ich soll dann kuschen…
Jeden Morgen ist’s das Gleiche,

Ich könnt’ versinken…
Ich will nicht duschen…
Ich kenn die Predigt…

Was heisst hier stinken?
Von solchen Luschen
Hör ich immer nur das Gleiche…

Ich soll nicht stinken…
Ich will verpfuschen
Die Frische-Predigt:

Dagegen stinken!
Ich werd’ nicht kuschen…
Jeden Morgen ist’s das Gleiche.
Ich will nicht duschen.

Bahnhofparking, Aarau

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Wo sind wir hier, Gopfertami?
Bin ich denn falsch abgebogen?
Ich kenn mich hier nicht aus.

Bin drauf gar nicht vorbereitet.
Die Freude ist nun ganz verflogen.
Versteh das nicht, Gopfertami.

Da hast du mich fehlgeleitet,
Da hast du mich angelogen,
Ich kenne mich sonst hier aus.

Was passiert hier? Mir entgleitet
Die Übersicht, könnte toben.
Was für ein Loch, Gopfertami.

Wer hat uns nur umgeleitet?
Die Strasse hat mich betrogen.
Wie haltet ihr das nur aus?

Warum seid ihr nur so heiter?
Fühl mich hier nicht aufgehoben.
Wo sind wir nur, Gopfertami?
Wann ist das hier endlich aus?