
Liebe gibt es nicht. Weder all-umfassend noch klein-klein. Liebe ist wie die Völlerei eine Todsünde, die mit dem Sternstaub nicht begonnen haben kann. Liebe ist wie der Geiz eine Todsünde, die nicht mit den Eukaryoten angefangen hat. Wer Wege findet, von der Liebe zu reden, lügt. Wer sich kennt, dürfte lieben. Niemand kennt sich. Nur der Körper der anderen Person ist hier, Schleier und Höhle. Eine aufgehobene Hölle verschlingt dich. Je bestimmter der Ton, desto falscher der Akkord. Die Frage nach der Liebe ist eine Frage nach dem Nichts, das Etwas wird. Liebe als Aufgabe, als Hingabe – weiht sich dem Tod. Wenige wollen den Tod. Stein kann lieben, Lilie und Vogel, der Stoff der Träume; Mensch nicht. Ihnen ist der Zugang zum Himmel verwehrt, der Schlange wachsen keine Beine mehr. Es sei denn, sie vergessen und vergeben sich. Ist Liebe Caritas, ist sie nicht erfüllt. Ist Liebe Amor, ist sie nicht erfüllt. Gottesliebe ist Hinwendung zur Abwesenheit, Abwendung von der Beteiligung. Liebe ist, wenn Nicht-Wollen herrscht. (Nicht Nicht-mehr-Wollen.) Liebe ist der Stern, von dem du nicht weisst, ob du seine Gegenwart siehst. Die einzige Liebe, die gut ist, ist jene zu deinen Kindern. Du könntest auch sagen, Güte oder Glauben.
