Overheal / Overshoot

Italian seaside restaurant with diners, erupting volcano, coastal road, and signs reading STRADA STATALE 145 and RISTORANTE LA SPIAGGIA

Unverhohlen liegt es tiefer, grad erreichbar.
Gründlich schläft Metall, mit nichts vergleichbar.

Träumt nicht, träumt noch nicht, im Süden hört man nichts,
Weder Gutes noch Verkehrtes, Kelpwald, Kühlschrank, brauchbar,

Trauerfälle wie zur Pestzeit, nordwärts liegt
Fleischgewicht auf Heide, over, mit nichts vergleichbar,

Einfach, morgens Rost, abends Frost, schlicht,
Schwer wie Golems, gottgerichtet, hör mal, Nachbar,

Hortest Schlüsseldrehen, Däumchendrehen, rechts
Rohbau, links die Rate, Roger, mit nichts vergleichbar,

Juckt doch keinen, Gott ist Gott, Maschine nicht,
Sprechen, stürzen, Lethe, Overheal ist machbar,

Bitte kommen, machbar, niemand steht im Licht
Eines Sorrent-Abends ohne Strafe, gleichsam

Brand im Hirn, ein kahler Kalk, palmenschlicht,
Hier Maschinengott und dort, mit nichts vergleichbar,

Rohbau, Restbau, wer weiss, Riesenechsen, nicht
Mal der Bärenklau wächst hier, blad wird ruchbar,

Dass die Inseln schwanken, werden Menschen sterben,
Sprechen, stürzen, Lethe, Traum mit nichts vergleichbar,

Schlüssel, Däumchen, Schlüssel, willst wohl ewig leben,
Stehst auf kahler Höh’, die Felsenwacht, unerreichbar,

Juckt doch keinen, jeder sieht’s, Golems drehen
Däumchen, Schlüssel, Bäumchen, bist mit nichts vergleichbar.

Vaterschaft / Surtovuodet

White swans forage in a marsh beneath floating catfish and glowing moons

Schwer die Nacht im Torfteich, Tanz der Gelsen,
Erdig wächst das Moos am feuchten Felsen,

Trink im stillen Wasser, schau wie Hälse
Fliegend kehren um die Zeit, auf welche

Niemand kommt, niemand sinnt, den Welsen
Gleich gebürt der Nacht der Tod des welschen

Lachens, das nicht kümmert deine Wünsche,
Überm Morr Gebrüll von weissen Elchen,

Über Vertrauens-Hernien Sternen-Schalen,
Schwer die Nacht im Torfteich, feuchte Felsen

Rücken endlich engste Ängste weiter,
Ängste Engen schieben Notenhälse

Tief in Kehlen voller Braungeleucht,
Kommt zu mir, niemand sorgt um Felsen.

Mut oder Die Welt des Bengt Claasen war einfach und überschaulich

Man with walking stick passing seals and deck chairs beneath a stranded shipwreck

Claasen wollt es einfach nicht den Streichern lassen,
Was an Haltung kaum noch möglich schien,
Wollte auch nicht mehr zurück als halten, was
Weder streng gesprochen nochmals modisch war,

Was an Haltung kaum mehr möglich schien,
Kam entgegen, liess ein wenig atmen, was,
Weder streng gesprochen nochmals modisch war,
Kielte auf, als hielt es auf, entfiel der Hand,

Kam entgegen, liess ein wenig atmen, was
Jedenfalls, so Claasen, tiefer kippen lasse,
Aufgekielt, als hielt es auf, entfiel der Hand,
Fielen auch Kadenzen ein und Schrippen zu,

Jedenfalls, so Claasen, tiefer blicken lasse,
Claasen wollt es einfach nicht den Streichern lassen,
Fielen auch Kadenzen ein und Schrippen zu,
Claasen wollt es einfach nicht den Streichern lassen.

Unkraut vergeht nicht

People gathering, eating, and resting beneath a decorated banyan tree

Taugenichts und Nichtsnutz, deine Nadeln wellen
Über Land wie Zeitform, Beter-Rufe schellen,
deine Rinde rötet sich im Schein der Lampen,
niemand will verwachsnes Holz, du schütest Schlampen,
die im Reich des Tauschs nicht Ruhe finden sollen.

Willst nichts mehr als mehren jene selten hellen
Träume, die dem Geld so leicht und träg entschnellen,
Sorgst mit deinen Schatten für die vielen armen Schlampen,
Taugenichts und Nichtsnutz.

Warst noch nie der Stoff für Balken oder Pellets,
Wächst fürs Einfach-Wachsen, wurdest uns zur Quelle,
endlich jemand, der nicht rechnet mit den Taten,
sondern gar nicht zählen, nicht mal spät in Raten,
kann, du Schlampen-Denkmal  machst nichts auf die Schnelle,
Taugenichts und Nichtsnutz.

Sprache haben

Abandoned scrapyard filled with crushed vehicles beneath dark storm clouds

Erst der Kehllaut, wahr und schmerzlich,
lehrte man uns, macht uns sterblich,
Quatsch mit Sosse, keiner suchte
Erst den Kehllaut, wahr und schmerzlich,
sondern fing an, aufgekratzt,
fiels ins Wort den andern, sagte,
Bis der Kehllaut, wahr und schmerzlich,
Ihm die Rede endlich nahm.

Schaumann vor seinem Schöpfer

Von Autor/-in unbekannt – Osmo Apunen: Itsenäisen Suomen historia 1: Rajamaasta tasavallaksi, s. 96. Weilin+Göös 1991. ([1])Image record page in Finna: musketti.M012%3AHK19411105%3A246Image record page in Finna: museovirasto.2B1F57DD517572448110B2C9989FA361, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20910010

Durft ich das, den Menschen töten,
der für einen andern tat,
eingeflogen wie die Schwäne?

Sprach ich nicht die andern Sprachen,
Russisch, Schwedisch, halb Verrat?
Durft ich das, den Menschen töten,

durft ich deshalb an ihm Rache
üben, weil er mich nicht vertrat?
Eingeflogen wie die Schwäne,

war er doch auch Mann und Vater,
Schenkte, was man von ihm erbat.
Durft ich das, den Menschen töten,

der vielleicht nichts weiter dachte,
als an seinen Wohlstand, tat,
eingeflogen wie die Schwäne,

was geheissen, uns entfachte,
weil er nur nach unten trat?
Durft ich das, den Menschen töten,
eingeflogen wie die Schwäne?

Mutterschaft – Sortovuodet

Barred bird perched beside a nest with a cracked egg

Lässt der Kuckuck nicht sein Ei allein?
Trauert Fichte ihrem Zapfen nach?

Zwingt die Starin Starenkind ins Nest?
Singt der Schwan dem jüngsten Sommer nach?

Guten Tag, Frau Herren, dürft ich bitten,
Endlich ihre Herrschaft aufzuheben?

Sind die Fichtenwurzeln Fichtenkinder?
Trauert Fichte ihrem Zapfen nach?

Kann der Torf sich lösen aus dem Moor?
Fühlt der Kirchturm ohne Storch die Schmach?

Guten Tag, Frau Herren, dürft ich bitten,
Endlich ihre Herrschaft aufzuheben?

Singt die Grille noch im nächsten Winter?
Kennt der Frosch die vielen Quappen noch?

Fällt der Apfel gern von seinem Stamm?
Schwimmt der Hecht den eignen Schuppen nach?

Guten Tag, Frau Herren, dürft ich bitten,
Endlich ihre Herrschaft aufzuheben?

Bejahen

Horned fantasy character holding a skull staff among a nighttime crowd

Nun… ich liebe Menschen, die bejahen,
Wer ich bin und wie ich bin… ein Glück…
So verrückt und schlicht kann nur Gedicht…
Schwer zu sagen… selten kann ich nahen

Mir selbst ohne Abscheu… kann’s kaum wagen
Mich zu lieben… wer mich je entdeckt…
Mich… ich liebe Menschen, die bejahen,
Wer ich bin und wie ich bin… geglückt

Wie Gedichte, die Geschichten machen
Jenseits meiner… jenseits meiner Sicht…
Streng und eingeschränkt vom Wunsch nach Licht,
Wärme, Zeit fürs Schreiben… schnell entfachter
Hass… ich liebe Menschen, die bejahen,
Wer ich bin und wie ich bin… ein Glück…

Bobrikov vor seinem Schöpfer

Von http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Nikolai_Bobrikov.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1651153

War ich meiner Herrschaft nicht ein treuer Diener?
Hab dem Vaterland nicht Kind auf Kind geschenkt?
Wollt ich unter deinem Glauben Völker einen?
Wollt ich unter deiner Sprache Völker zähmen?

Habe dem Vaterland nicht Kind auf Kind geschenkt?
Hab auf jeden Fall getan, was möglich war…
Wollt ich unter deiner Sprache Völker zähmen?
Werd ich nun gewogen? Was geschieht jetzt?

Habe auf jeden Fall getan, was möglich war…
Von dem her gesehen… weiss ich nicht so recht…
Werd ich nun gewogen? Was geschieht jetzt?
Glaub auf jeden Fall an keinen zweiten Mord.

Von dem her gesehen… weiss ich nicht so recht…
War ich meiner Herrschaft nicht ein treuer Diener?
Glaub auf jeden Fall an keinen zweiten Mord.
War ich meiner Herrschaft nicht ein treuer Diener?

Seelensteine

Von Kotivalo – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=43601822

Steine können glücklich sein, sie sterben nie.
Niemand fragt nach ihnen, jeder weiss sie leer.
Glimmt es nicht in ihnen? Fällt das Festsein schwer?

Hielt mein Herz das aus, das Warten ohne wie,
Warten, ja, worauf? Sie brüten vor sich her.
Steine können glücklich sein, sie sterben nie.

Loht nicht tief verschlossen jene Spiel-Partie,
die die Jätit warfen, lange schon ist’s her?
Niemand fragt nach ihnen, jeder weiss sie leer.

Kummakivi träumt vom Gletscher, der ihn trieb.
Ukonkivi brennt darauf, Akka bald zu sehn.
Steine können glücklich sein, sie sterben nie.

Leuchtet Dunkles mehr, Geballtes, Dichtes, wie
Leben sie vom Innehalten, kaum vergehn?
Niemand fragt nach ihnen, jeder weiss sie leer.

Hielt ich ihre Dauer, niemand fühlte nie,
wie ich berge leicht und hüte mein Geleer.
Steine können glücklich sein, sie sterben nie.
Niemand fragt nach ihnen, jeder weiss sie leer.