Weiten / Zandvoort

Windspreiten über dem Sand
Windschreiten auf dem blossen Land
Ohren-Drachen
Ohren-Rachen

Die losen Fäden von Perücken
Zusammengefallen
Eingetreten zwischen Muscheln
Die losen Fäden von Albdrücken
Ich bin lieber zornig als traurig
Zerzaust wie die Mähne eines Kindes
Die seltsamen Kammern der Angst ergiessen ihre Engen
Pfeifend und surrend
Rieselnd und fliessend
In die Strandgras-Schöpfe: gelbe warme Sosse Abschied

Ein Geschöpf des Windes ist wohl besser als ein Geschöpf des Landes
Ein Geschöpf des Regens ist wohl besser als ein Geschöpf der Sonne
Ein Geschöpf des Endes ist wohl besser als ein Geschöpf der Industrie

Die Türme müssen dort hinten stehen als Grenzer
Die Schornsteine müssen da hinten stehen als Panzersperren

Schritte werden Meilen
Brüste Menschheitsgeschichte
Alles schreit verstummt im Wind
Zuerst nach Grössenwahn
Ich bin lieber zornig als traurig
Aber was hilft hier Zetern
Hier unter den Wettern
Hier unter der Sprache der Boliden
Albatros-Ohren und Albatros-Schreiten
Torkelnde Gewissheit und Sand auf den Zähnen
Die salzigen Haare eine Maske
Ein Geschirr über dem Schädel
Wogegen
Wer behändigte es

Aus den Ohren quellen die sauber schillernden Mut-Mütter
Die ersten Regungen von Freiheit
Von Abgelassenheit
Von stampfendem Kleinmut
In den Windspreiten über dem Sand
Von tobender Stille
Von ausgelassener Ruhe

Nichts bist du mit Wut
Nichts bist du mit Trauer

Füsse Flügel
Sandige Zunge eingerollt in die Stimmbänder
Leben wie eine der gestrandeten Quallen
An denen die Sturmvögel picken
Wie an Lebern und wie niedrig auch gefallen
Der Himmel auf die flache Scheibe
In der Münzen eben noch klingend und singend gerollt
Über dem Sand spreitet Wundhaken Wind
Diese röhrende Welt
Dieses Ende der Welt.

Navigation / Dienst

Richting Sand jammern
Kann jeder Richting
Wind heulen
Damit der Wasserhahn rechterhand
Brauche ich keine mehr
Eicheln und Kronen
Kobel und Wimpersäuseln
Geen Dienst
Untergang der Menschheit
Amüsiermeile nichtig über dem Porzellan
Über dem Schatten in deinem hellen Selbst
Zur Analogie erklärt
Zuckend und zögernd
Die Hände zum Waschen erheben
999
Wenn die Teller und Tassen im Buffet der Metrolijn nicht mehr rasseln
Overstappen in Zandaam
Brauche ich keine Allegorien mehr
Von dem erstaunlich wünschenswerten
Bilgenwasser
Uitgezondert die Felgenskelette
Im Aufgang zum Wimpernwind
Der Grachten zaust
Richting Waisenhäuser
Amüsiermeilen voller Sinaasappels
Erstaunlich ist der Untergang der Menschheit
Nicht wünschenswerte Signale und Aufschriften
Richting Sand
Kann jeder Richting Rolltreppenjaulen
Platz für die Hände zum Waschen
Über dem Porzellan meines Elefantenbeinschattens
Quer über die Magnolien-Analogien
Diesen gekräuselten Transportgewerkschaften
Erstaunlich irrelevant
Geen Dienst für die Allegorien
Spülicht vor dem Menschenzelt
Overstepped Körper
Overstappen geen
Dienst am Adamsapfel
Zandaam auf meinem Gewissen
Auf meinem Richtingswert
Und amüsierte Schläuche
Abgetretene Schilder und Sandbehebungen:
Kann jeder
Dosenfleisch und Dosengeist
Uitgezondert und ausgepult
Altenheime kann jeder
Jammern mit den Wegzeichen
Bahnhof über einer Gracht
Die keiner kann
Heulen mit dem Wasserhahn rechterhand
Heulen mit den Händen über der Enge eines Hafenbeckens aus Porzellan
Rechterhand gekämmt von den Wimpern eines Windes
Gekrault von den Händen eines Sandes
Kann jeder: 999 Keime für
Ein gutes Ende
Über dem die Felgen fehlen:
Brauche ich keine mehr

—–

Das Bild des Bahnhofs Zandaam ist von

Von Fantaglobe11 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0.

Mondaufhängung

Versuchte Aufhebung zum Mond
In einer angespannten Gaze und in
Violettem Tundraleder
Auf Kohlebergen mit genügend Schaumk-oben
Im aufgesplitterten Bug
Die Armaturen säuberlich aufgereiht
Accounted for und ein r-r-r-rosa Schiff wird kommen
Schwarze Mondscheibe und besch-sch-sch
Das Ross des Ringgeistes kreuzt kopflos die Beine
Aber noch kein Tanz accounted for
Nur das Rasseln des Sisyphos
Mit dem roten Tuch für den Stier
Und der Finger Gottes steckt im Hals der schwanken Garderobe
Und die Fahrräder fahren geräuschlos an ihm vorbei
Und wird beschiessen die Stadt und im Gaumen
Könnte es der Wind sein auf allen Vieren
Und die Hose hat ihr Gesicht in die Balken gehängt
Ver-r-r-ursachte Aufbahrung
Winkel 25 % über der Felge
Und Stelzen schrummen über den Beton
Mondreizung schwarz und ein rosa Schiff
Wird kommen gibt Licht hinein der Mond
Morgenlich-
T um 9 Uhr accounted for
Versuche die Schlüssel
Das Rad die anderen Anhängsel
Blue moon und strange fruit
Die-ier Gedankenlohe-Ross kreischen mehr
Als die Parallelbojen und der Schrei des letzten Mannes da oben
Von den Paraboldünen erstickt
Oben auf dem schwarzen Haufen
Mit rotem Haar wird besch-besch-beschiessen die Stadt
Und Burchemeista setzt sich in die Äste des Apfelbäumchens.

Promenade

Zeit verkürzt den Raum.
Erfahrung weitet ihn.

Der Weg am Fluss zu kurz.
Seine Länge für ein Kind
Schwer einzuschätzen. Der Pausenplatz:
Eingefallene Lunge einer Kindheit.
Wo der Volg war
Mit seinem Reichtum:
Coiffure Yvonne. Die Luzernerstrasse
Immer noch ein steiler
Motorisierten Wildwest.

Für einen Moment
Bei der chemischen Reinigung
Als röche ich Lauge
Stärke und Trockenheit.

Erfahrung belebt den Raum.
Zeit verengt ihn. Plötzliche
Nähe. Zischen und Pfeifen
Des Dampfkochtopfs
Als schnitte ich Zwiebeln
Bei Oma in der Küche.
An den Händen den weißen Schaum von Kartoffeln.

(Mit Dank an fietzfotos für das stimmige Bild.)

Weitab von der Mitte

das Lied eines Vogels im Käfig, der Gesang einer Wurzel im Korb, raschelnde Mahnung und murmelnde Rüsche, denn alles ist jetzt geschwind geworden, nützlich und nah, West Virginia, Country Mama, Mountain Mama, er versucht nicht zu weinen, denn es ist vorbei, vorbei ist es, der Boom blüht im Flimmern, Sonne hat seine Sternenfahne aufgehängt in den Himmel, ein trockenes Schlucken und Schluchzen breitet seine Weihen aus, und hinter seiner Stirn verkehrt sich der Sinn, Frika naht, im Wagen mit dem Widdergespann, der Boom haust bereits am Rande von Bethelheim, und all die verrutschen Purpurlächeln, kommt zu ihm in den Schoss, berührt doch seine Brüste, seine Augen sind die wahnsinnigen Sterne, der Polarstern selbst ist nicht mehr festgebunden, im Rücken der Sonne läuft er herum, die Hände ringend, mit heruntergelassenen Hosen, den Kopf gesenkt, im Vorzimmer der zirkumpolaren Kosmogonien, und das Blau der ersten Viecher, die sich um seine Knöchel wanden, sinkt grünlich leuchtend in die Augen seiner Frau, in die Knochen seiner Babys, in Unruhe ruhend im Schoss ihrer Mutter, und selbst der Marmorfaun beginnt sich zu verändern, seine Züge schmelzen dahin, Sonnes Falkenauge brütet die Zeit der Steine aus, aufgequollen und überdimensioniert rollen sie aus den Feldern und Wäldern an die Landstrassen, und vom Marmorfaun bleiben nur noch die verrenkten Glieder, Gummi-Lettern in der Hitze, an denen die Glucliche zerren, Sonnes Falkenauge birgt die Zeit der Steine, greifbar in seinen vielen Falten ist der Nebeldunst, den sie aussendet, Verwirrung ist es nicht, nicht wie nackt durch die Strassen gehen, nicht wie seine Kleider in Trauer und Angst zerreissen, im Kreise sich drehend der Gegenwart entkommen, in dieser grauen, grau-blauen Zeit ist Gegenwart nicht möglich, Sonnes Falkenauge hat all das aufgetan, den Rachen der Sanduhr geöffnet, feucht und eng und glitschig, der nach verbrannten Federn schmeckt, und es ist ein Gefühl, als würde sein Glied samt seiner Wurzel ausgerissen, die kostbaren Verbindungen mit den anderen Sinnen ausgelöscht und aufgebracht nur diese schlundige Hitze, diese tropfende Erdschlange, die seinen Unterleib umwindet, die Zeit hat jeglichen Halt und jegliches Gut verloren in diesem Saugen und Schlürfen, das Himmlische und das Irdische sind ausgewechselt, verwechselt, ich bin ein Adler, der mit dem Wind spielt, / ich bin eine Traube von bunten Perlen, / ich bin der fernste Stern, / und die Schweisstropfen schraffieren die Körper, die Schweisstropfen zerteilen die Körper, Doppelpunkte beginnen zu sprechen, Kommas bilden einen Pulk wilder Grastänzerinnen, kein Seufzer wird mehr allein gelassen, kein Stossgebet wird mehr erhört, das Unbewegte ist befreit, die Zeit ist wie die feuchte Hitze unter einer Brust, und hebt er ihre Traube, sieht er auch da nur die blaue Sicherheit des Kreisens, eine kreissende Melancholie des Boomens, ein aufgebrachtes Rieseln von Stoffen durch die Ritzen der Imagination, staubfreie Kosmogonien, und die Spitze seines Gliedes ist die Spitze seines Wesens im Rachen der Sanduhr, ein ins vollkommen Unendliche aufgeschwollener Moment verliert alle seine Gegenwart, eine blutige, grau-blaue Beere pulsiert an der Spitze seines Gliedes, hier im Schatten von Sonnes Falkenauge, das die Unruhe der Babys stillt mit Trockenheit und Sandschwüren, und die Schnüre der Dünen umschlingen ihn mit der Gleichmut der Dinge, weitab von der Mitte sind wir schon, mein Vater, mein Vater, weitab von der Mitte, die Schmerzen von den Schlangenbissen, die angeschwollenen Knie, wir lassen sie hinter uns, die Lymphklötze an unseren Hälsen, in diesem eröffneten Zeitmass, das auch den Takt hinter sich gelassen hat, die Schmerzen in den Ohren von den Rufen des Affenpulks haben wir hinter uns gelassen, die schartigen Macheten sind hier im Busch wie Löffel, wir hätten auch Löffel mitbringen können, um unterm Affengeschwör uns einen Pfad durch den Busch zu schürfen, weitab von der Mitte sind wir, mitten im Darién, unsere Mutter und unsere Freundinnen, die an unsere Brüste gelehnt waren wie die Bretter für eine Bühne des Wahnsinns, wir sind weit vor ihnen, wir haben sie verlassen, wir haben sie dort gelassen, wir sind auf dem Weg nach Oxycontin, wir sind auf dem Weg ins Durcheinandertal, noch liegt die Wüste vor uns, ich bin der Hunger eines jungen Wolfes, / ich bin der ganze Traum dieser Dinge, / sauer schmeckt das Wasser des Sumpfs, das im Darién für uns gesotten wurde von Sonne, von Sonne und dieser unausweichlichen Zeit, die den Massstab für die Gegenwart aufgehoben und ihn uns in den Arsch gesteckt hat, darum hängen unsere Zungen so heraus wie die von Teufeln, unter den Kronen dieses Urwalds können nur vermuten, was über den Kronen des Urwalds kreisend und kreischend sich dreht in den chiliroten, langsamen Lüften, di den Geruch von Kastanien hinter sich gelassen haben, die zitronige Versprechen verbreiten von feuchten Ritzen, aus denen das Zutrauen von Mägden quillt, die für ihn sauber machen, Cleanerinnen, keine Tänzerinnen, die die Maschinerie am Laufen halten, das Boomen, den Affenpulk versorgen, die Bolzen, Stempel, Stifte und Trommeln, es ist ein Gefühl in dieser Zeit, als würde selbst das ausgerissene Gras Halm für Halm dem masslosen Zweck zugeführt, dieses Loch, diesen Spalt, der nichts mehr als eine fingerbreite Ritze ist, zu verstopfen, zu verschütten, damit das lange Auge von Sonne nicht hineinzüngeln könne, denn auch Sonne ist weitab von der Mitte, nicht befeuchten könne die letzten Keime eines Traums, über denen die drachenartigen Adler wachen, mit ihren offenen Hälsen, mit ihren Schirmaugen, und der Aufschwung ihrer Flügel erklingt wie ein Pastelgeruch über den Kronen des Urwalds, über den schwarzen faulenden Zähnen des Grünen Landes, das wir verlassen haben, um es hier zu finden, um hier zu verenden, um hier zu verendern, und Sonne brennt in Girlie XL auf die eiterschleimigen Rücken der Glucliche, die in dieser hallenden Zeit, die aus den Steinen tritt, ihre Federn lassen, aber weiter fliegen als zuvor, und ein Kiesen beginnt, beginnt nicht ein Kiesen, mitten im Aufschwung der jungen Wolfsblüten,

(In Gedanken an all die Flüchtenden, die sich durch den Tapón del Darién einen Weg finden, um in die USA zu kommen.)

Mit Dank an Jan Bartel für das schöne Urwald-Bild.

Traurige Illusionen

Es begegnete vielen. Einigen eignete das eigene Traurige. Andere glauben immer noch, es handele sich um einen Anlass wie Kuss. Doch richtete es sich auf erhabene Weise in der Frau auf, in derselben, und ihre zweite Form, zu dem sie Grund hatte, entstand im Dunst des ersten Geschriebes. Jeder Anreiz, ob bemerkenswert oder nicht, gehörte zu denen, die von Meisters Intellekt herrührten. Dieser, mit seinem oberflächlichen Optimismus, war kein Freund des Zweitenwendigen, und die Werke schreiten seither voran. Es wäre noch einmal zu streben danach. Aber eine Gewohnheit des eigenen, stoischen und sentimentalen Schicksals? Leidensbereitschaft zusammen mit sich selbst, die unerwartet von Liebe sprach. Sie zu etwas Makellosen machen… und dein Gesicht zu sehen und kennen, dass von Ungläubigen die Erfüllung all dessen, was frei von allem, erforderte. Von irgendeiner armen Illusion schimmerte es doch, nicht wahr? Des Steintaumels zerstörtes Belieben lenken, und das Wunder freute sich zustande. Und bestimmt konnte es helfen, überzeugt zu sein, wenn auch später als Grossmuter und ihre klugen Menschen. Leichtherzig liebte sie, aber keine anderen Könnige der frühen Artikel. Denn sie war von der… rer… der… rer…

Dies ist ein Cut-up aus Virginia Woolfs „Augenblicke des Daseins“, einer im S. Fischer erschienen Sammlung von autobiografischen Skizzen.

Es wird Tag

Sophistication is a nice word, isnt it? Da äugen die Glucliche, da stielen sie mit ihren Halsaugen, aus ihren Halskrausen, dies giraffenartigen Flughunde. Sie warten noch zu und klicken ganz leise lächelnd in ihren kotigen Kehlen, in ihren verknoteten Seelen. Sie wissen um ihre Aufgabe. Das wissen sie. Tuwà thókea kephíca šni Wakhá thá-ka, niyé thokéya nicága. Tuwà thókea… Das heisst, die Wetiko-Krankheit hat das europäische Denken derart korrumpiert, dass Wetiko-Verhalten und Wetiko-Absichten als der eigentliche Stoff der europäischen Entwicklung angesehen werden müssen. Daher werden jene, die den Wetiko-Werten, dem Imperialismus und der Ausbeutung widerstehen, der heilige Franziskus, das Schweizer Bergvolk, die schottischen Clans, als «Merkwürdigkeit», «Freak» oder raue Demokraten («Bauern») angesehen, die niemals genügend Menschen ausbeuten könnten, um einen Petersdom oder ein Versailles zu bauen. Ich möchte singen, warum ist meine Kehle so eng? Ich möchte singen, warum ist meine Kehle so eng? Ich nachricht allein. Wer hat mich denn verlassen? Warum klammern sich die wolkentragenden Beeren so sehr an mich? Warum ist mein Beutel so schwer, dass er platzen könnte? Ist das noch Wakan, wenn ich mich so ängstige, wenn der Tag steigt auf den Felsenbaum? Wo ist der Binnenkeil aus Gras und Wollkraut und leichtem Ostwind? Höre mein Kind die Geschichte vom Beutel des Lebens. Höre mein Kind… Ich grub in meinen Taschen nach dem Kleingeld für meinen Anruf nach Hause, um dem Vater meiner Tochter zu sagen, ich schaffe es nicht. Ich zitterte am ganzen Leib, als ich die Münze einwarf und die Nummer wählte. Bitte komm und hole mich, sagte ich ihm, ich schaffe es nicht nach Hause. Natürlich schaffst du es nach Hause. Bitte, bettelte ich, ich weiss nicht, wie. Ich war zu spät; er hatte schon die Kartoffeln zu schälen begonnen. Und dann hängte er auf. Du warst allein. Ich war allein. War dies das Kreischen der Schs? Der Tag nahm zu wie der Mond, der Mund, es wurde nicht heller. Ich dachte an die Euphorbien draussen in der Steppe, die sich ihre Akazien gefunden hatten. Ich dachte an die Akazien draussen im weiten Grasland, die sich ihre Euphorbien gefunden hatten. Und würden sie auch im schweren Wind von Sturm und Monsun von den Euphorbien zerfetzt, waren das nicht Liebesspuren? Ich erinnere mich an die Namen, an die zarten Schöpfe ihrer noch frischen Bedeutung. Wohin sind sie aufgebrochen? Haben sie sich in den Dingen verkrochen? Meine Füsse waren ganz kalt, und mein Gesicht war heiss wie vor Scham. Bluteten die Akazien auch, wenn die Euphorbien ihnen in die Weichen schlugen, ins Gesicht? Es war ihnen sicher lieber, von eigenen geschlagen zu werden als von Messern aufgeschlitzt und von Keilen geweitet zu werden. Die Menschen brauchen Keile, die Menschen brauchen Messer. Die Messer machen sie zu Menschen, die Keile machen sie zu Menschen. Ist das die Rache der Namen, die ausgewandert wurden, in Reservate getrieben? Wo sind die Beutel voller Geschichten, Grossmutter Schwarze Witwe? Aber sie ist tot, und das ist unser Fehler. Wie lange ist das schon her? Wir hatten die Schlange getötet, erinnerst du dich daran? Du? Bist du auch noch da? Mein Eigenes, mein Gleiches? Wir dürfen es eurozentrischen Gelehrten nicht länger erlauben, «Menschenopfer» in solcher Weise zu definieren, dass sie uns zu glauben verleiten, damit ein Opferakt ein Menschenopfer sei, müsse ein Prieser in einem merkwürdigen Kostüm das Herz eines Opfers herausschneiden. Wie nur kannst du ihm nur sagen, dass sogar ein einziger Schritt zu machen unbegreifbar war? Dass es jenseits jeglichen Unbegreiflichen wäre, die mehreren tausend Schritte für eine Meile zu gehen? Du würdest sterben. Ich wärme meine Füsse mit meinen Tränen. Sonne brennt durch den glasigen Morgen wie eine Kernfusion. Billiger Kautschuk, Bananen, Kaffee, Uranium, welcher Rohstoff es auch immer sein mag, erfordert zuerst ein Blutopfer, ein Kannibalenfest. Du kannst deine Stimme hören, wie du ins Telefon sprichst. Sie war flach, eine dürre Ebene. In der Ferne war der Muskel eines drehenden schwarzen Tornados. Wie konnte er oder überhaupt jemand darum wissen? Niemand, der diese schmale junge Frau mit der eng um sich geschlungenen Jacke beobachtet, würde denken, sie ist am Sterben. Ich hebe meinen Kopf. Ganz wie am Anfang hebe ich meinen Kopf, ganz wie am Ende. Hat sie Sonne auf dem Felsenbaum niedregelassen? Wird sich jemand finden lassen, der sie von dort vertreibt? Monatelang zwang sie sich zu gehen und zu schlucken. Enorme Paniklöcher öffneten sich in der Atmosphäre. Das Überqueren von Strassen war besonders schwierig. Wenn sie an eine Strassenecke gelangt, hielt sie sich an Strassenschildern fest, an Laternenpfählen, oder klammerte sich an den Griff des Kinderwagens. Du möchtest singen, warum ist deine Kehle so eng? Bist du in Wyrai angekommen? Hat alles die Form eines Pyrits, aus dem die Zukunft wie eine schleimige Floskel stammt? Hast du dich nicht selbst in diese Lage gebracht wie eine Stadt am Meer, bei der zwei Kontinentalplatten aufeinandertreffen? In einem bedeutenden Ausmass entspricht die Entwicklung der Wetiko-Krankheit dem Aufstieg dessen, was die Europäer entschieden haben, Zivilisation zu nennen. Das ist kein purer Zufall. Da kommt das Wispern, da kommt das Wispern zurück. Was hat es angerührt, was rührt es an? Wie du da vor der Geschichten-Box sassest, da wurdest du zum Heiler, da wurdest du zum Kranken, da wurdest du zum Gedicht. Du wurdest einer Öffnung in dir gewahr. In einem rasenden, engen Spalt der Wahrnehmung wusstest du, du warst gekommen, dies zu vollbringen: du musst das Gedicht werden, die Musik, die Tänzerin. Du würdest für eine lange, lange Zeit nicht wirklich verstehen, wie. Ich bin eine Feder auf dem hellen Himmel. / Ich bin das blaue Pferd, das in den Ebenen läuft. / Siehst du, ich bin am Leben, bin am Leben. Schau in die Zelle dieses Sturms, schau in die Zelle dieses Geschwürs, das diesen Körper durchdringt: siehst du die rinnende Sanduhr darin? Condoleezza Rice und andere mächtige Frauen ausgenommen, sind der Wahnsinn von Gewalt, Aggression, Krieg, Angriff, Vergewaltigung, Mord, Eroberung, Beherrschung und Terrorismus hauptsächlich Formen von Irrsinn, die häuptsächlich Männer befallen. Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Lästerer, keine Räuber – Ich bin die Kälte des Morgens. / Ich bin eine vierfarbige Flamme. / Der Rücken schmerzt, der Kopf, das Fieber steigt an, Schüttelfrost setzt ein, im Rachen trocknet der Schleim aus, Borken bilden sich im Hals. Frauen sorgen dafür, dass es Männern gut geht. Sie selber bleiben aber auf der Strecke dabei oder danach. Es ist leider immer wieder dasselbe Muster, lautet die Nachricht, die dich erreicht, zu recht erreicht oder zu unrecht, das fällt dir zu entscheiden schwer. Du schüttelst abwehrend den Kopf, sie kann dich doch nicht mehr betreffen, nicht wahr? Ich bin das blaue Pferd, das über die Ebenen läuft. / Ich bin der Fisch, der schillernd im Wasser rollt. / Ich bin der Schatten, der einem Kind folgt. / Ich bin einem Pferd gefolgt, das sich nicht sehen lässt. Was ich getan habe, stand in keinem Buch. Noch keine Geschichte wurde davon erzählt. Jetzt höre ich immer mehr Stimmen, immer mehr Stimmen kommen hinzu und zu mir ins Wakan. Sonne hat die Sternendecke weggezogen. Aber ich höre die Schs nicht mehr bitten, ich höre sie nicht mehr tuscheln. Es ist in der Regel links von Laternenpfählen, Strassenschildern, Kinderwagen vorbeizugehen. So hast du dein Geschick in der Hand. So gibst du nichts ab davon, was du dir vorbehalten hast, was dir vorbehalten zu sein hat. Die Dimensionen verschoben sich eigensinnig. Die Dimensionen verändern die Gelände. Ich stehe in guter Beziehung zu allem Schönen. / Ich stehe in guter Beziehung zur Tochter von Tsen-tainte. / Siehst du, ich bin lebendig, ich bin am Leben. Du nimmst die verkürzten Perspektiven wahr, die schräg ins Gesicht ragenden Laternenpfähle, die schiefen Schatten des Kindes, die Impf-Pusteln im Abendlicht, ich bin der fernste Stern, / ich bin die Kälte des Morgens, / ich das Röhren des Regens, / Aber deine Hirn-Gesichte / sind nicht unser allein, / wir sind nicht ihre Erfinder, / denn die Wahrnehmungsvorgänge, / der Jekt-Strom, / der Regenbogenpfad / fliesst ob wir es wollen oder nicht, / es hängt über uns, / es heult in uns, / es läuft uns mit seiner Kraft über den Haufen, / es liebkost uns mit seiner Süsse, / es überrascht uns unablässig und andauernd, / es ist unser Universum, / und wir sind nicht von ihm begrenzt, / wir sind in Tat und Wahrheit seine bebenden, / leuchtenden Rezeptoren, es ist, als hättest du den Schlaf des Schliefers geschlafen, während die Störche ihre Flügel schüttelten, die Gänse ihre Geometrie überprüften, die Falken ihre Vorliebe für Tauben, die Geliebte ihre Zunge spitzte für die Haut hinter dem Ohr, die auf sie wartete wie die Erde auf den Herbstregen, und im Spalt zwischen den Laternenpfählen, die links umgangen werden, links, den Kinderwagen, die davon rollen, keimte vielspelzig diese Welt eines Teilzeitindianers, dieses Wechselbad der Erscheinungsformen, die auf Unterdrückung und Ausrüstung ausgerichtet sind, spriesste der Affe mit den sechs Armen, es war eine Warnung, ausgesprochen von der Mentalen: sei vorsichtig, du bist in grosser Gefahr, und sie schloss ihr zärtlich die offenen Hände, du bist in grosser Gefahr, aber es war zu sehen, was sie gesehen hatte, das Wrack ihres Lebens, Küsse, Schläge und Tasten nach anderem, mehren, mehrigen, Tasten, die aufgeschlagen wurden wie Wörterbücher, wie Thesauren des Verlusts: niemand konnte es sehen, denn sie erschien normal, sie erschien in sich geschlossen, ein Kraftwerk von Mutter und Frau, und in dieser Lücke wurde das Schreiben möglich, das Malen: in der Bewegung des Stifts über das raue billige Papier, in der Bewegung der Pinselhaare, schwer von Farbe, über das billige raue Papier kam die Grossmutter, deine Grossmutter, mein Kind, wieder ins Leben, die öfter als merkwürdig oder unheimlich wahrgenommen wurde, weil sie näher am Tod denn am Leben stand, in ihre silbernen schwarzen Mantillas gewickelt, sie existiert selbst jetzt in mir, wie ich in den Letztgeborenen meiner Kinder, und in dieser Scharte war eine Geschichte möglich, die den Mann öffnete für seinen Mangel, die ihn neu nähte und drehte für eine neue Form von Behältnis, keine Köcher mehr, keine Scheid, die den Mann-Dichter entblösste von seinen Zorngesichten und unwilligen Unfähigkeiten, von seinem Grimm, und sie hätte ihn damals, in diesen Momenten nach seinem Sprung vom Dach der Kneipe, sie hätte ihn damals verlassen müssen, während sie mit ihre Freunden zurückfuhr, die sie überzeugen wollten, ihn zu verlassen, das würde nie mehr passieren, das wird nie mehr passieren, versicherte er jedes Mal von Neuem, wir können nicht politisch für eine bessere Welt für unser Volk kämpfen, wenn wir es nicht mal im eigenen Haus zusammenzuhalten vermögen, Luschkow, öffne deine Augen

…..

(Danke an kangbch für das schöne Bild.)

Ein Gedicht schreiben: Jäger und Sammler

Nach fast 30 Jahren des Schreibens von Gedichten habe ich weder Hemmungen noch überzogene Vorstellungen von meinen Fähigkeiten mehr. Die Hemmungen schwanden zuerst, die Illusionen fielen zuletzt. Jetzt bin ich nur noch Jäger und Sammler.

Meine Vorstellungskraft, so habe ich begriffen, war immer schon eine Kraft, die sucht und findet: eine Antenne für Aussergewöhnliches, Ungleiches, Mankos und Umwege, semantische Krawalle, assoziative Abirrungen.

Antenne ist ein gutes Wort: ein Fühler, ein Spürer. Imagination besass ich immer nur in Massen, auf Anstoss hin, auf Eingabe und Zufall. Doch wenn die Spürnase einmal Lunte gerochen hatte, folgte sie der Spur über weite Strecken, einige Male auch bis an ihr Ende.

Ich lernte Fruchtstände, Stempel und Staubblätter, Fürchte und Fransen erkennen. Und wie in meiner Jugend, als ich mich in der Taxonomie verrannte, hatte ich eine Neigung zum Kompilieren, zum Zusammentragen alles dessen, was fehl am Platze wäre in einem Gedicht, das nur erfunden ist. Ich war ein wachsendes, wandelndes Kuriositätenkabinett.

Und während ich in meiner Jugend den wundervollen Vers von MCSolaar aus «Superstarr» für einen blossen, aber treffenden Spruch gehalten hatte – «je m’aperçois qu’en fait tu jalouses ta bibliothèque» -, so weiss ich inzwischen um seinen ironischen Wahrheitsgehalt und wende diesen Vers auf mich selbst sehr gerne an. Nichts geht über eine gute Bibliothek, das wusste schon Mr. Darcy…

Heute also konzentriere ich mich ganz darauf, auf meine liebsten Themen zu setzen, sie immer wieder aufzunehmen und zu erweitern, sie weiter zu treiben bis dorthin, wo noch niemand zu sein scheint. Ich sammele und lege alles pele-mele in den Beutel meiner Gedichte. Ich jage unerschrocken den unscharfen, minderbemittelten Gespinsten meiner Ideen nach, und wenn ich sie eingefangen habe im Netz meiner singenden Assoziationen , Anspielungen, Zitate und Eigenwesen, dann sauge ich sie gnadenlos bis zum Mark leer.

Und als Jäger und Sammler gibt es nur noch wenige, kaum geschätzte, aber desto notwendigere Fähigkeiten, auf die nicht zu verzichten ist: Ausdauer und Geduld, Aufmerksamkeit und Wanderlust, Entbehrungsbereitschaft und Liebe zur Abgeschiedenheit.

Und über diese verfüge ich inzwischen zur Genüge.

Bild eines Schädels von Australopithecus afarensis benutzt gemäss ShareAlike-Lizenz.