Nach fast 30 Jahren des Schreibens von Gedichten habe ich weder Hemmungen noch überzogene Vorstellungen von meinen Fähigkeiten mehr. Die Hemmungen schwanden zuerst, die Illusionen fielen zuletzt. Jetzt bin ich nur noch Jäger und Sammler.
Meine Vorstellungskraft, so habe ich begriffen, war immer schon eine Kraft, die sucht und findet: eine Antenne für Aussergewöhnliches, Ungleiches, Mankos und Umwege, semantische Krawalle, assoziative Abirrungen.
Antenne ist ein gutes Wort: ein Fühler, ein Spürer. Imagination besass ich immer nur in Massen, auf Anstoss hin, auf Eingabe und Zufall. Doch wenn die Spürnase einmal Lunte gerochen hatte, folgte sie der Spur über weite Strecken, einige Male auch bis an ihr Ende.
Ich lernte Fruchtstände, Stempel und Staubblätter, Fürchte und Fransen erkennen. Und wie in meiner Jugend, als ich mich in der Taxonomie verrannte, hatte ich eine Neigung zum Kompilieren, zum Zusammentragen alles dessen, was fehl am Platze wäre in einem Gedicht, das nur erfunden ist. Ich war ein wachsendes, wandelndes Kuriositätenkabinett.
Und während ich in meiner Jugend den wundervollen Vers von MCSolaar aus «Superstarr» für einen blossen, aber treffenden Spruch gehalten hatte – «je m’aperçois qu’en fait tu jalouses ta bibliothèque» -, so weiss ich inzwischen um seinen ironischen Wahrheitsgehalt und wende diesen Vers auf mich selbst sehr gerne an. Nichts geht über eine gute Bibliothek, das wusste schon Mr. Darcy…
Heute also konzentriere ich mich ganz darauf, auf meine liebsten Themen zu setzen, sie immer wieder aufzunehmen und zu erweitern, sie weiter zu treiben bis dorthin, wo noch niemand zu sein scheint. Ich sammele und lege alles pele-mele in den Beutel meiner Gedichte. Ich jage unerschrocken den unscharfen, minderbemittelten Gespinsten meiner Ideen nach, und wenn ich sie eingefangen habe im Netz meiner singenden Assoziationen , Anspielungen, Zitate und Eigenwesen, dann sauge ich sie gnadenlos bis zum Mark leer.
Und als Jäger und Sammler gibt es nur noch wenige, kaum geschätzte, aber desto notwendigere Fähigkeiten, auf die nicht zu verzichten ist: Ausdauer und Geduld, Aufmerksamkeit und Wanderlust, Entbehrungsbereitschaft und Liebe zur Abgeschiedenheit.
Ich höre die Lieder der Spinne leise glitzern wie eine Tränenkette über meinen aufgelösten Haaren: Schlaf und weine nicht, / deine Mutter ist tot, und doch stillst du deinen Durst an meiner Brust, / Oh-oh-la-la-la-la, oh-oh. Bevor ich einschlafe, schaue ich noch einmal über mich. Ich erinnere mich an das süsse Lispeln des Busches, voller Volk, Versprechen und Freundschaften. Da unten. Da unten war es. Thain-mom, sage ich leise zu meinem inneren Wesen, thain-mom. Ich möchte mich erheben, ich möchte entschweben. Wie fern die Wurzeln des Busches jetzt in der Erde sind, sie hängen wie Rauchfahnen in der Luft, sie schlängeln wie Blindschleichen durch den erdigen Duft. Sie stecken gar nicht im Boden, auf dem mein Körper ruht. Sie stechen gar nicht in den Boden hinein, in den mein Körper gehört, zu den Freunden und Versprechen. Wo denn sind die andern? Wohin sind sie verschwunden? Ich möchte noch einmal thain-mom, beschwöre es mit der gewaltigen Kraft der Verlassenheit, denn die Schwarze Witwe jagt, keines ihrer Augen sucht nach mir, ich höre nicht ihr Tappen an den Fäden ihrer Haube. Seltsam ist es in der höchsten Nacht. Die Schale der Nacht riecht wie die Schale einer bleichgesichtigen Erdfrucht, ein Geruch aus Schmerz und Belohnung, mit harten, süssen Kanten. Ich taste im Sand nach den Schs, die eben noch gewimmelt haben. Der Sand ist wie die Innenseite eines Lederbeutels, riecht nach den Hufen einer Giraffenartigen. Ich spüre nicht mehr die Fasern des kräftigen Weizens in meinen Gliedern ihre Pfade ziehen, die mich durchdrungen und bedungen haben. Ich bin allein, auf einmal allein. Jemand hat mich verlassen, vergessen, entlassen, und über die Terrassen des Himmels wandeln heute keine Sterne, keine Sterne. Wo ist mein Zwilling, wo ist mein Zwilling hin? Schwarz, mit greisen Haaren steht die Nacht über meinem Auge. Ich sehne mich nach den Kammhaaren meiner Mutter, die mir die Furcht aus den klebrigen Sinnen streichen. Die Finger der Königskerze versperren den Horizont. Ich versuche zu singen: Höre, mein Kind, die Geschichte vom Beutel des Lebens. / Es ist, Liebling, die Geschichte vom gebenden Streben. / Anfangs war nichts in dem Beutel, das Füllen schien vergebens. / Blicke begannen zu sammeln und Wörter zu weben. // Küsse verschwanden im Beutel, Gerüche von Fingern, / suchend im Sand der Gestaltung, und wurzelnd in Dingern; / lausche, mein Kind, dem Gelichter der Sterne, die singen, / zwingen das Licht in die Steine, gesammelt von Schwingen, // weit geflogen, und so weit gespreizt übers Erdreich; / spüre, mein Sohn, an den Gliedern die Tropfen des Taus, / silbern erglänzend in den Schatten von Mütterchen Mond; // tief wie der Himmel der Beutel geworden, und schau, / Liebstes, wie voller Geschichten, hast dich nicht geschont, / leere nun aus, und verteile, und scheu keinen Vergleich.
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(Mit Dank an Jgiammateo für das Bild der Schwarzen Witwe.)
Ich lausche dem Flattern der Schs. Die Ruhe liegt über Wakan, ein Kristall. Und über die einfallende Nacht, die in diesen Breiten plötzlich kommt wie ein Dieb, legen die Sterne ihre Bögen: O ka lipo o ka la, o ka lipolipo / O ka lipo o ka la, o ka lipo o ka po. / Du schreibst: «Ich habe kein Interesse mehr an allgemeinen Aussagen zu mir, meiner Person und meiner Lebenserfahrung, das ist eng und bringt nicht weiter. Ich fühle mich wie eine Haut, die auf Helium wartet.» Po wale hoi, / Hanau ka po. / Es ist Nacht, / die Nacht ist geworden: ohne das Licht ist es weniger gefährlich, / hier bin ich nun, unterhalte mich, / ich fühle mich dumm und ansteckend, / lasst mich einen Trinkspruch tun… Po wale hoi, / Hanau ka po, / ich lege mich ins Gras, ich wickele / die grüne Flagge meines eigenen Gemüts um mich, sie ist aus hoffnungsgrünem Tuch gewoben,… / oder ich meine, das Gras ist selber ein Kindlein, das der Pflanzenwuchs zeugte… / alles wird enthüllt, alles wird erleuchtet: o ka lipo o ka pa, / o ka lipolipo, / po wale hoi, / hanau ka po. Ich wende mich aus dem Heilen den Träumen zu. Nicht wahr? Dem Kampf der Mütter am Jabbok. Straff ist die Haut hinterm Ohr gespannt. Zart die Zunge, die sie sucht. Es ist Nacht. Was noch zu leben ist, lass es uns entdecken. Lass uns finden, was in den Röhren der Pilze und in den Filamenten der Sterne lauert. Die Haube stellen wie der Rotkardinal, kiesen so gut wir können. Erinnern, was uns träumte, schwante, plante. Mit langen Schritten ins Ried hineinschreiten, die Egel aufsammeln und Veilchen. Das Blut des andern von den Lippen saugen. Nach dem Pochen des Herzens fassen, feucht und wild, zitternd in den Knien, schmelzend in den Lenden, am ganzen Körper Schlange. Wallalalala weija, wallalala leijahei! Den Kopf in den Nacken werfen wie ein Pianist, auf dem du spielst. Die Mütter ächzen in der fallenden Nacht, die haarig über die Furt, die trocken lag bei Tag, streiten, stampfend im sanften Schlamm. Ich höre sie singen unter ihrem Keuchen: «mein Sohn, mein Edelstein, meine reiche Quetzalfederpracht: du bist am Leben angekommen, du bist geboren, der Schöpfer und Eigner hat dich in die Welt kommen gemacht,» und es ist Nacht, wie eine Feder streichst du um mich, streichst du über mich, fliegende Sterne wirft das Dunkle hinter deinem Auge über den Schatten des Lids, tief fällt die Feder in mich ein, kühl wie ein Stein auf dem Mantel eines Schneefelds, feucht wie die Haut des Leviathans, sprühender Regenbogen sein Blas, «bist du vielleiht, wie eine Kornähre,» höre ich die Mütter am Jabbok, am Rande von Wakan, schnaufen, um Luft ringen, mit der Luft ringen, «bist du vielleicht eine Getreideähre, die was in ihrem inneren Wesen ist freigibt? Kannst du sehen, kannst du enthüllen, was du in dir drinnen hast? Gut genutzt, gut geleitet, gut gehütet im Schwarzen deiner Augen, so sei du in deinem inneren Wesen, wie in einer Brust oder einem Geldschrank,» und feucht schiesst die Stärke durch deine Glieder, durch deinen Geist, Zitronenkerne spriessen in dir, in deinen Kniekehlen, hinter deinem Ohr, alles wird offenbar, alles wird offenbar, fühlst dich blöd und ansteckend, denn in der Nacht ist es weniger gefährlich, weiss und körnig wie Mais blüht die Stärke aus den schwächsten Stellen deines Körpers, deines Geistes, deine Füsse wurzeln im Nebel deines Körpers, japsend umringen sich die Mütter, schillernder Schweiss auf ihren Rücken, ich bin der Dichter des Weibes gleichwie des Mannes, / und ich sage, es ist ebenso gross, ein Weib zu sein wie ein Mann, / und ich sage, es gibt nichts Grösseres als eine Mutter des Menschen, / ich bin Zeuge und warte, / hechelnd umschlingen sich die Mütter am Anfang der Nacht, der Vater der Erde, quellend und schnellend, po wale hoi, / o ka walewale hookumu honua ia, / o ke kumu o ka lipo, i lipo ai, / nie war mehr Anfang als jetzt, / nie mehr Jugend oder mehr Alter als jetzt, / nie wird es mehr Vollkommenheit geben als jetzt, / oder mehr Himmel und Hölle als jetzt, / du fühlst deine Haut zum Segel werden, mein Atem dein Nordnordwest, gelb bläht sich das Meer, und dein Tausendkorngewicht fliegt auf, fliegt davon, leicht und feucht, leicht und feucht, hinauf in die schneeigen wahnsinnigen Sterne, ein wahnsinniges Gesicht, ein wahnsinniges Gedicht, und die Maiskörner springen und spicken durch das Land, du schluckst ihren Hagel, bist du schon auserwählt, doch hier im Wakan, wo die Mütter gerungen haben, ist die Vollständigkeit kein Gut, der Keim ist kein Gut, die Mütter sind kein Gut, die Füsse sind kein Gut, denn es gibt nichts Vollständiges, Vollendetes, Vollkommenes ausser dem Unvollkommenen, Unvollendeten, Unvollständigen, Unvollstreckten, das ist die Kraft des Wakan, Wind an meinem Ohr, / Farbe in meinen Augen, / die Zehen tanzen, / tanzen unterm hohen Gras, / aus dem Graben zwischen uns / steigt die Hitze auf, / Tränen und Schweiss fliessen schwarz, / es öffnet sich mehr, / es öffnet sich, öffnet sich, / hell weitet sich die Dunkelheit, / wie Funken über Stoppelfelder heben die dünnen Häute ihre Röcke und laufen in die Richtung der Sonne, die sie rauben wird, in der Dunkelheit rauben wird, in der Dunkelheit rauben wird, die süssen Häute, und auch die Mütter kämpfen noch, auch die Füsse schmerzen noch, das Blut pocht in den Schläfen, ich trage die Narben als einen Schild, die Ausschabungen aus ausgehöhlter Zeit und ansteigendem Schmerz, meine Haare schützen und kitzeln meine Hüfte, ich bin ein Zelt voller Anfänge, wie Mütter im Dunkeln am Fluss, eine gekappte Losung, eine diabolische Schwäche und Hinterlist, / Einige Forscher sagen, / die Welt begann mit einem «grossen Klapf», / aber es gibt keinen «Klapf» / ohne ein «Ohr», / ohne «eine, die hört», / denn Klang ist ein Strahlstrom, / der ohne Empfänger unvollständig ist. Ich lese die Sohlen wie Stirnen, sie sind lebendig wie der Stein, der durch die Zeit gekommen ist und diesen kleinen Raum in meinem Pochen beansprucht. Umringt von den knisternden Klängen, die an mir weiden, die auf mir weiden, die für mich weiden, umringt von diesen Älteren, diesen Vorfahren, diesen Vorgängern, ein Kriechen und Schleppen, ein Keuchen und Wispern, von allen Viechern, die über der Erde mäandernde Ebenen krabbeln und sich in den Schatten ihrer Bauchfalten aufhalten, ist ein Sch vielleicht das am Schwierigsten zu findende. Du stösst nicht jeden Tag auf eines von ihnen. Das liegt nicht an ihrer Seltenheit; tatsächlich sind sie ziemlich weit verbreitet, sogar in deiner Stadt. Und doch übersiehst du sie so leicht…, du kannst dich um deine Geschäfte kümmern, ohne einer begegnen zu müssen, dieses Stirnlecken, dieses Sohlenschmecken, umringt von dem Krabbeln und Kabbeln diese Mütter der Schöpfung, als wäre meine Haut zum Trocknen aufgespannt, ich lese die Sterne wie eine erste Geschichte, ausgefaltet vor meinem inneren Wesen.
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(Mit einem Dank an AndrejC für das sehr passende Bild.)
In meinem Rücken rauschen die Wälder aus Schs, mit leisem Brummen erklimmen sie die Gründe meines Herkommens, meines Stammes: derzeit können sie nur auf das Geflatter der Äste zählen, auf die Falten aus Distanz und Luft. In meiner Nase schwillt die Vertröstung wieder rauchig und pelzig auf, der ich doch nicht mehr begegnen kann hier im Wakan. Denn hier im Wakan bin ich doch in der Sekundenblüte aus Starre, Winkeln, Schlunden, Löchern, Abgründe. Im Grasland des Grossen Geistes, sagt mir das, Namen! Ihr könnt nicht ewig zirkeln, kreisen, krümmen, wippen, nicht wahr? Sagt mir das, Namen! Sagt mir das Namen! Meine Lippen sind zerbissen von der Geduld. Lasst mich aus der Zeit, die mich lehmt… und es kommen die Arbeiter aus den Kokosplantagen / und schreiben Liebeslieder / die die Schwestern der Umgebung / nicht zu kennen nicht kennen… Der Stein ist zu lebendig, sein Beben erregt mich zu sehr. Die Toten, die Toten! Der Stein ist zu lebendig, seine Erregung ist zu innig. Ich greife ins Gras, das wie Speere um mich den Himmel erreichen will. Ich erinnere mich, erinnere mich an etwas. Ich griff ins Gras, das tat ich damals. Die Geschichte kommt mir durch Röhren entgegen, hallt wie ein Funkspruch aus den parsec-Tiefen, beendet das Erschauern der Sterne, die Materie gierig schluchzend schlucken, ein Keuchen kommt in das Wakan gelaufen, die Leisten weiten ihre Seiten. Ich kann mich nicht erinnern an das Nicht-Erinnern. Ich höre zwischen den versammelten Stimmen der Namen – atti, atti – ein Kind sagen: Aber Herr Füglister, wenn ich weiss, dass ich es vergessen habe, warum weiss ich dann nicht, was ich vergessen habe? Wie kann ich wissen, was ich nicht weiss? Es war in Odaiba, Miyuko war an meiner Seite. Mit den Augen am Himmelswinkel, der sich färbte, Sakura-Sintflut, die Hände in unserem Rücken aufgestützt, im Sand und spärlichen Gras, Büsche im Rücken mit ihrem Rascheln. Miyukos Hand so nah, keine Distanz wäre trennender gewesen. Ich erzähle das im Wakan. Ich halte den Stein umfasst, der sich schält in seinem Beben, Jahrmillionen flüstert, kann ich ihn denn nicht beruhigen, will er mir von den Toten erzählen, die mich nicht allein lassen werden? Miyukos ganzer Körper verschattete meinen eigenen, verlappte sich deinem Körper. Der Schmerz war zu gross, mit einem Seufzen beugte ich mich über meine Knie, kaum sahst du den Rüssel der Rainbow-Bridge, ich rupfte am Gras, konnte Miyuko nicht fassen, nicht anfassen, weil die Distanzen uns verwoben hatten, ihre Hand so nah und warm an meiner Hüfte, ihre Stimme eine wippende Ähre hinter meinem Ohr, ein Schmelzen von Haut und Kosmos, ein Ballen von Mangel, hättest du sie angefasst, hättest du die Weite aufgerissen, Lichtjahre von heute. So zittern Steine von dem Leben der Toten. Noch hier im Wakan, lassen sich nicht beruhigen. Stöhnen ist nicht erlaubt, / soll ich es dir sagen, / und gibt es auch keinen Winter, / so macht das noch keinen Sommer, / so rupfte ich an den Gräsern, Liebstöckel, bummel und laibe mit mir im Gras, Wollkraut, Königskerze, Kermesbeere, Holunder, ein Zerren und Zupfen, und ich höre noch Miyukos Worte wie die Namen zischen – atti, atti, –, sie längen sich hier im Wakan wie das Licht von den Sternen, über Lichtjahre gealterte, gereifte, wahnsinnige Tränen, ich erinnere mich an die Trauben, die hinter meinem Ohr schmelzen, harzig ist ihr Schmelzen, ein Knistern hinterm Ohr dringt in mein Ohr, die Haut wellt sich mit dem ganzen Schläfenbein, hebt sich aus dem Körper, ich erinnere mich, noch hier im Wakan, und ich rupfte an den Gräsern, ich bin ins Wakan gelaufen mit diesen blossen Füssen, und das Kielschwein meines ganzen Körpers hebt sich aus meinem Leben, ein Einbaum aus Schläfenbein, ausgehöhlt von Miyukos Stimme, bin ich denn so weit gelaufen, um so nah zu kommen?
Lasst die Vögel singen und festen, fressen und sich sättigen sollen die Vögel des Himmels alle, und während die Schafe klagen mit den Löwen, die Panther jammern mit den Ziegen, kommt, versammelt euch zum Grossen Fest, das die Heilige versprochen hat und ausrichten will für heute und immerdar, der Rabe kommt krächzend über die Leichen von Königen, der Ibis steht ungerührt auf den geschwollenen Bäuchen der Soldaten, sein ungestimmter Ruf stimmt mit den Himmeln überein, die Sommergäste kommen auch, von denen du im Herbst keine Spur von ihrem Weg über den Himmel mehr sehen wirst, sie finden ihren Weg, du gurrende Turteltaube, der jauchzende Bülbül, die Straussin stakst durch unsere Freude mit ihrem wehen «Ya-annah», die Wachteln wälzen sich im Sandkuchen der Königskinder, die Smaragdspinte baden im Blut der Generäle, und lachend überfliegen die Kittim den reich gedeckten Tisch der Heiligen, sie haben ihr Auge auf die unanständigen Körperteile geworfen und wissen zu warten auf das Verschmähte, auf die Nicker haben sie es abgesehen, die am Rande hockten, am Rande hockten, nickten und nickten und nickten, die Adler nippen am Becher des Zorns, den die Heilige ihnen reicht, und alle werden satt, niemand muss hungern, niemand muss dürsten, und alle ruhen sich aus auf dem Mantel voller Eiter und Augen, lasst die Vögel singen und ihr blutgeflecktes Gefieder spreiten und schütteln über den Frevlern, lasst sie satt werden im Grossen Festmahl, bevor die Lilien in den Himmel schiessen aus den Knochen, bevor die Lilien ihre ausgebreiteten Antlitze errötend über alles weiten, als gebe es Vergebung in einer Blüte, in einem Frühling werden wir aufreizen die Toten zum Tanz, im Lärm der Vögel das Schwirren des Schwertes nicht mehr hören, das über unseren Köpfen saust, seit die Heilige ihren Mund geöffnet hat, und wann wird sie ihn wieder schliessen, und wann wird sie ihn wieder schliessen, nie mehr wird sie ihn wieder schliessen, sie wird ihn schliessen, wenn die Vögel weiterziehen, wenn sie weiterziehen in den Süden, wenn sie weiterfliegen in den Norden, um Nester zu bauen in den Speichen des Himmels, der sich vor unseren Augen dreht und dreht und weht und weht, wenn sie satt sind, werden sie weiterfliegen, wenn sie satt sind von den Leichen des Rats, schreibe das auf, schreibe es auf, zögere nicht länger, warte nicht zu, und sie fliegen auf, und sie fliegen weiter, in den Norden und in den Süden, alle Vögel werden satt von unserem Fleisch, das ist der Tag der Heiligen, es ist kein Tag für falsche Propheten, kein Tag für gute Könige, lasst die Vögel festen und singen, ihren Hunger stillen an unserem Fleisch.
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Das Bild (gemeinfrei) ist stellt das Wiegen des Herzens dar, das der ägyptische Gott Thot, der einen Ibis-Kopf trägt, in der Unterwelt vornimmt. Diese Prozedur entscheidet, was mit der Seele des Verstorbenen geschehen soll.
Wir dürfen uns glücklich schätzen, in einer grossen Zeit zu leben, in einer Zeit der geschwungenen Schwerter, in einer Zeit der geworfenen Speere, in einer Zeit der gesungenen Lieder, in einer Zeit von Verrat und Verhöhnung, in der Taten zu spät getan werden, in der ein König vergisst sein Königsein, in der ein König vergisst die leitende Faust des Himmelsherrschers, in der zuletzt doch die Kleinen und die Aufrechten aus dem Stamm Juda den Sieg davon tragen, wenn auch die Grossen und die Mächtigen aus dem Stamm Benjamin schadlos bleiben; darüber wollen wir uns freuen. SELA
Wir sind hier versammelt, vor dem Kopf des Königs Saul unsere Köpfe zu beugen, und was für ein Kopf war das, schwer zu übersehen, doch schwer zu verstehen, ein Geist von schwankender Überzeugung, eine Kehle mit unsicherem Ruf, ein Teil Güte und ein Teil Wüten, ein Welpe vor Gott, eine Echse vor den Menschen, er ist nicht mehr, er ist gestorben, er ist tot, er kommt nicht mehr, er kann nichts mehr tun, weder Gutes noch Schlimmes, es gibt ihn nicht mehr und es wird ihn nicht mehr geben, er ist tot, dahingegeben ist er, dahingenommen ist er. SELA
Du wirst sterben, und ich werde sterben, wenn meine Zeit kommt, und wenn deine Zeit kommt, das wirst du tun, das wird mir geschehen, das Volk selbst wird sterben, eine Zeder, vom Sturm gefällt und entwurzelt wird es sein, mein Volk, doch was für Untaten hat es vollbracht, doch was für einen Heilsatem war ihm gegeben, und dieser König war nicht gut, und dieser König war nicht niemals schlimm, sein Atem war faul vom Zweifel, seine Augen getrübt vom Abwägen, seine Taten waren eine Anfangen, und immer liess er euch warten auf seine Entscheidung, und immer musstet ihr ihn in den Kamp bannen, und selbst seinen Tod wollte er einem Knecht überlassen, einem Knecht wollte er seinen Tod überlassen, einem Knecht, doch neigen wir unsere Köpfe vor diesem Kopf, der uns von Verrätern und Verhöhnern gebracht wurde, der selbst ein hämevoller Höhnender, ein verratener Rätselnder war, schaut ihn euch nochmals an, auch dieser Kopf war glücklich, auch wenn er tot ist, im Tod war er noch glücklich, auch dieser Kopf schätzte das Glück und die Freude, meine Freunde, aber über Jonatan, seinen Sohn, aber über Jonatan, seinen Sohn, darüber lässt sich weder singen noch reden.
Was tanzt ihr Mädchen auf den schiefen Türmen und aufgebrochenen Toren in den Ruinen, was verrenkt ihr im wilden Reigen eure schönen Kehlen, was erklingen eure Stimmen heiser und scharf wie die lidlosen Augen der Sterne über der Einöde, was tummelt ihr euch in der Wüstenei, wo sind eure Mütter, wo eure Väter? SELA
Wir haben unsere Freude verloren wie Tränen im Sand, unseren Müttern wurden die Zungen gezogen, unseren Vätern wurden die Köpfe genommen, unseren Brüdern versiegten die Herzen, und wir raufen unsere Haare im Tanz und heulen ein Kelterlied, denn unser Leben wurde geprüft und verworfen, auf den Rücken von Schaben rollen unsere gütigen Augen, im Gebiss der Füchse hängt unsere blutende Scham, und ihr könnt nur lachen, nur lachen! SELA
Was sollen wir uns weiden an eurem Leiden, unsere Zähne blecken über euren trockenen Brüsten, was sollen wir leiden an eurem Leiden, uns schrecken an eurem Schrecken, was johlt ihr blind und nackt und mager auf unseren Ruinen, was vertreibt ihr unsere Trostferne mit Geheul, hier, wo keine Heilige ihre Gesetze mehr aufrecht zu halten gedenkt, weil jeder jaulend sich selbst der Nächte ist, weil jeder jammernd von sich selbst nur klagt? SELA
So ist die Welt, so ist die Heilige, eine Grube für die Aufrechten, eine Falle für die Unschuldigen, ein Netz für die Freiherzigen, ein Speer für die Zögernden, und so zappeln wir mit unseren Körpern, und so zeigen wir an, was uns und allen Frauen geschehen ist und noch geschieht, zähneklappernd und jauchzend wollen wir die Heilige loben in der Wüste, die von Thymian duftet und singt vom geschäftigen Reiben des Sands, loben wollen wir sie für die guten Taten an den Müttern und Töchtern, mit zuckenden Leibern wollen wir entweihen unsere Zucht, die von den Männern kommt wie eine eiserne Umarmung, und von den Tanten, und von den Tanten, entwürdigen wollen wir unsere Körper im Sand und Staub der Einöde, unter eurem beistehenden bellenden Lachen wollen wir mit verdrehten Kehlen und entwurzelten Gelenken die Unschuld gewinnen, den unbekannten, den unbefleckten, den freien Körper.
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(Bild aus „Ecrits sur la danse d Isidora Duncan“, 1927, von Antoine Bourdelle (1861-1929), gemeinfrei, gefunden auf Wikipedia.)
Warum hat Saul dieses Volk nicht vom Erdboden gefegt? Warum hat er dieses Volk an der Kehle gekitzelt, um es wieder stark werden zu lassen? Warum hat der König nicht den Fluch des Herrn an diesem Volk vollstreckt? Warum hat er dieses Volk nicht in seinem Blut gesotten? SELA
Alles fällt zurück auf die Unschuldigen, alles schlägt jene, die Unrecht ausbaden; alles ist zum Zeichen für die Zweifler, alles ist Lebewesen, scheues schützenswertes Lebewesen für jene mit dem Kinn in der Hand, ein fein gesponnenes Netz erkennen sie dort, wo ich nur Fäden und Fallstricke sehe, die ich durchtrenne, die ich abschneide; alles fällt zurück auf die Unschuldigen, alles schlägt jene, die Unrecht ausbaden. SELA
Zuerst haben wir geweint, geheult, die Säfte verliessen uns, ohnmächtig sassen wir in den Toren Ziklags, dann wurden alle von Zorn erfasst und wollten mir an die Kehle, steinigen wollten sie mich, doch ich, der Wache mit der Rache, nahm sie zum Heiligen, der würde sie uns in die Hände geben, der würde sie uns unter die wütenden stampfenden Sohlen legen, da sprangen sie auf an meine Seite, wollten mitwirken bei der Gerechtigkeit, die ich anstiften würde, den Fehlern Sauls nicht eingedenk, mitmorden würden sie, auslöschen helfen den Brand dieses Volks, dann habe ich sie am Schopf genommen wie eine gute Gelegenheit, durchzog die Wüste und fand sie dort am Bechern und Zechen, denen habe ich es gezeigt, es lagen nur noch Leichendinge im purpurnen Sand, und mit den Köpfen habe ich gekegelt, alle gestohlenen lieben Menschenwesen waren noch unversehrt, das war ein Schmusen, Küssen, Beieinanderliegen, Ahinoam oben und Abigajil unten und umgekehrt, das war Davids Beute. SELA
400 Lebewesen konnten fliehen, 400 Lebewesen wurden verschont, 400 unschuldige Mitgehangene und Mitgefangene sind noch am Leben, 400 Lebende sind am Leben von diesem Volk, können von Gerechtigkeit erzählen, von diesem Volk, das aus der Wüste muss, um Leben und Recht zu finden. SELA
Alles fällt zurück auf die Unschuldigen, alles schlägt jene, die Unrecht ausbaden; alles ist zum Zeichen für die Zweifler, alles ist Lebewesen, scheues schützenswertes Lebewesen für jene mit dem Kinn in der Hand, ein fein gesponnenes Netz erkennen sie dort, wo ich nur Fäden und Fallstricke sehe, die ich durchtrenne, die ich abschneide; alles fällt zurück auf die Unschuldigen, alles schlägt jene, die Unrecht ausbaden.
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(Bild aus dem Egbert-Psalter, 10. Jahrhundert; gemeinfrei.)
Ich weine nicht vergebens, wenn ich dich sehe, ich trauere nicht umsonst, wenn ich dich ansehe, in meinem ganzen Leben konnte niemand an mir vorübergehen, ohne Schade zu nehmen, ich war eine Plage für jeden gütigen Menschen, ein böser Geist war ich, ich war der Widergänger, ich war der Seelenfänger, meine Taten haben für mich gesprochen, meine Worte haben nach Furcht gerochen, wie seltsam hat es sich gefügt, dass ein Lügner mir verzeihen muss, ein Geschichtenflechter mir die Krone vergibt, die ich zu tragen hatte zu meiner Vollendung, ich wünsche nichts ungeschehen, ich will nicht Wohnung nehmen in Vergangenheiten, hausen mit all den Gräueln, die mir und dir geschehen in gleicher Weise, ich will nicht vergeben, was vergebens war, mein Sohn, denn bist du nicht mein Sohn, Märchenprinz? SELA
Ich trauere nicht für mich, ich weine um den Rausch, der mich gehalten hat die ganze Zeit, die man Leben nennt, rufe ihm scheu wie einer Geliebten nach, die man verraten hat, immer noch voller Hoffnung, das hätte ich nicht gewollt, am Schluss noch von der Hoffnung etwas zu erhoffen wie ein törichter Mensch, der alles glaubt, der schlingt und säuft, als wäre das Leben ein unterbrochenes Festmahl, ich verfluche diesen Rausch, der mich im Leben gehalten hat, ich flüchte in die Trauer, wie du in die Berge flüchtest, als könnte ich dir etwas antun, mein Sohn, ein Narr, der an das Heilige und das Schützende von Steinen glaubt, stosse sie nur an, schon rollen sie, Köpfe oder Menschen, selbst ihre Kinder rollen, da kommen sie, selbst die Berge sind nicht anders, ein Rütteln genügt, da kommen sie wie harte Wolken hernieder und zerschlagen Bet-Arwen, Schilo, Rama und mein geliebtes Jabesch, Hügel werden sie sein, unfruchtbare Glatzen im Land meines Volkes, die Menschen werden auf ihnen die Steine finden für ihre eigenen mageren Häuser, ich weine um die Dürre dieses Lebens, mein Sohn, ich trauere um den Hunger dieses Lebens, es war eine Plage in unserem Blut, ist diese Plage denn nicht abzuwerfen? SELA
Doch jetzt schwöre mir bei deiner Urmutter Rut, der Gütigen, Duldsamen und Mutigen, schwöre mir, dass mein Sohn, den du liebst, dass sein Söhnchen Merib-Baal von dir verschont werden. Zeige damit, dass du den Rausch nicht kennst, der mich verdorben hat.
Bananen das ist Bananen Weisst du was das ist Bananen – niemand Niemand weiss was das ist Ich meine Bananen In allen Regalen Bananen Ist so ein Register denn je leer Das ist ein Geheimnis Bananen ein gut verhütetes Geheimnis gelb geheim Verstehst du überhaupt Was ich sage von den Bananen Eine neue Welt liegt da in den 5 und mehr Finger Bananen Wenn du weisst was ich meine Das ist ich sage Bananen Viel mehr ist als das Wort Banane so viel mehr wert Als die paar Stutz und das ist Bananen leuchten in unseren Weisst du was ich mache Oben zupfen und zärtlich reissen und ziehen Und diese Fäden hier gehören auch dazu Zu der Banane liegen ein wenig ledrig auf der Zunge Und eigentlich die Schale Nein die kann ich nicht essen Über Bananen könnte ich mich verrennen Die sollte ich vielleicht nicht essen in der Nacht Und die Schale nun ja aber Bananen zum Verrennen in die beerigen gelben Unfälle Umfälle meine ich und von dem was Was ich nicht sagen kann Und auch du nicht Wir alle nicht Denn wenn ich es sagte Bananen das sind Weisst du was ich meine was Bananen sind Dann könnte es niemand Geregeltes In seiner Kegelform von Regulation Begreifen auch wenn er sie ergreift Hält ich weiss es genau Alles Affen und Laffen halten in Händen Und können und werden es noch und nöcher nicht begreifen Ahahnen über Bananen Bananen in den Regeln Zugreifen zugreifen Günstig zum Wegwerfen Günstig zum Davonrennen Bananen über Bananen Da möchte ich gleich singen Nächtens ess ich Bananen Habe geträumt von Waranen Kundig schäl ich Bananen Werde noch zum Schamanen So muss das doch klingen bei allem war recht ist Ah was mach ich nur mit diesen Bananen Mit denen niemand weiss was anzufanen Weil niemand kundig genug Für das Ergreifen sitzen Mit ihren Bananen immer noch Auf Bäumen was Zähneputzen Ich halte doch hier eine Rede Nein ein Parlament nein die wird nicht enden Das wird nicht enden wie die Bananen nicht enden Noch beim Zähneputzen denke ich an Bananen und bin um meinen Schlaf gebracht Ich komme schon Bananen Ihr seid auch so Affen mit den Bananen Die ich fortgegessen habe Hast du bemerkt wie sie konisch Ironisch in meiner Hand liegen Was Zähneputzen aha ja so Schon wieder die hört mir gar nicht zu Wie die andern vor ihren Schubladen voller Bananen Schalen voller jetzt lass mich doch