Bekenntnis zur Schönheit

Ich liebe diesen einen Topf auf meinem Balkon
Morgens nach dem Giessen fast schwarz
Darin nichts wächst ausser
Ein paar letztjährige verdorrteWiesenblumen. Neben ihm
Steht eine verdurstete Venusfliegenfalle
Mit schwarzen dürren Blättern.
Wildes Gras hatte sie bereits vorher
Fast ganz erstickt: Es war schneller im Wuchs.
Auch das Gras ist trockengelb
Doch seine Spitzen sind noch gereckt.
Ich liebe diese beiden Töpfe sehr
Und denke an den vertrockneten Bonsai
Auf dem Regal mit den Horrorfilmen
In der Videothek an der Bismarckstrasse: Ein Schild sagte
«Winter». Ich liebe das:
Dürre und Unfruchtbares
Für nichts mehr Gutes.

Noch einmal nur

Einfach noch einmal innehalten,
            einfach noch einmal verlangsamen,
was in Gang kommt und in das unaufhaltsame Vergangene zu rutschen sich bemüht,
            schüchtern, fast angstvoll die Hand ausstrecken nach den Tagen,
da du nur kein Tier verlieren solltest im Gang durch das Gebirge,
            da du nicht in der Pflicht standest,
für andere zu entscheiden,
            du bürdelos und ohne Verantwortung im Staub sassest und den Staub formtest mit ein wenig Wasser,
mit Stöckchen die Völker rechts vom Jordan schlugst und einhegtest,
            noch einmal nur noch innehalten wie ein Staunender vor der Schönheit eines Tiers, Esel oder Pfau,
und hinwegblicken auf all die kleinen Dinge,
            die man unwichtig nennt,
und die wie wirbelnde Blätter sind und wie fallende, spitze Nadeln,
            in deinem Rücken schon den blutroten Boden in den Wäldern des Libanon,
die noch niemand abgeholzt hat für einen Tempel,
            du möchtest noch einmal auf einen Berg steigen,
und es müsste auch nicht der Garizim sein, und schon gar nicht der Zion, dieser Unheilsberg,
            das weisst du schon jetzt in deinem heilen, stillen Herz,
noch ist es still, noch ist es heil,
            noch denkt es wie das Herz eines kundigen Menschen,
hinaufsteigen und hinunterschauen auf die gefleckte, auf die schwielige Haut deines Landes,
            auf die grünen Felder und die Schilfwälder am Fluss,
auf die Felsspalten und die Städtchen im Würgegriff von Staub, Sonne und Wind,
            und ohne Menschen sieht es schön aus und wie gemacht für das Gute, für das Schöne,
und noch einmal deine Stimme von den Felswänden zurückschallen hören,
            als umarmtest und besässest du die ganze kleine Welt,
die dir gegeben ist zu durchleben, mit einem Ruf und einem Wort,
            dich festgraben im Sand auf dem Gipfel, mit jedem Zeh dich festhalten am Gipfel,
und in deinen Händen die Kiesel rollen und reiben wie Klumpen aus Teig und Sand,
            als könntest du daraus noch einmal eine Armee oder ein neues Volk kneten,
so gerne möchtest du das,
            noch einmal stehen bleiben und lauschen und warten,
bevor du springst.  

Gehorchen und gehören

Noch sammeln sich die Folgen im Hintergrund,
            noch ist es, als gehorchtest du,
noch gehörst du dazu:
            noch auf den Feldern in den Hängen, wo die Steine spriessen wie die Augen Gottes,
denn immer sucht sie nach Gründen,
            denn immer sucht sie nach Ergründung in deinem leicht gewandten Herzen,
noch im Wäldchen, wo die Waben quellen,
            wo nur die Zikade ihren widerstrebenden Tanz aufspielt,
mitten im Brummen und Gefleuch eines Sommermorgens,
            noch in den tauben matten Stunden auf dem Dach,
bevor die Vögel ihren ersten Ton wagen, um die zähe Luft zu bewegen,
            gehörst du deinem Volk, nicht dir,
gehorchst du seiner Angst, nicht deiner,
            die nimmer verklingt,
unter den Gemsen-Jägern nicht und nicht unter den Gemüsebauern,
            jeder deiner Schritte ist eine Bitte,
jeder deiner Winke ist eine Opferung,
            und deine Feinde, die sich abseits sammeln und überall deine Wege bläuen wie Wegwarten,
denn noch kommen die Folgen allmählich zusammen wie die Ältesten unter der Terebinthe,
            hockend in ihrem summenden Schweigen, langsam anrollende Steine,
über die du stolperst,
            und das Gehorchen ist dir ein Leichtes,
solange du nur dem Boten begegnen musst,
            solange du nur dem Klang von Unglück und Unbill folgen musst,
gehorche also,
            gehorche also, mein Sohn,
es ist nichts dabei,
            mit fremden Stimmen zu sprechen,
fremde Anrufe anzustimmen,
            und noch träumst du nicht von den augenleeren rollenden Köpfen deiner Feinde,
die du auf dem Weg in den Schlaf zertrittst wie Beeren,
            die dich am Morgen, an der Leiter zum Dach baumelnd wie Trauben im Garten deiner Mutter,
der solange schon verwaist und unbetreten ist,
            aufschrecken, und doch sind sie ohne Arme,
wenn auch nicht ohne Folgen,
            die dir bereits gehören,
und die dir nie gehören,
            und die dir nie gehören.

Wut und Geist, Geist und Wut

Ist deine Wut der Geist,
            fährt sie aus Müdigkeit und Erschöpfung in dich,
der du zurück vom Felde kommst,
            eine schlummernde Entrüstung über Entrechtung,
die auf den Geist nur gewartet hat,
            auf seine glühende Zeichensprache?
Ist dein Geist die Wut,
            hältst du darum den Kopf gesenkt wie die Beter beim Opfer, mit tränenden Augen im Rauch,
halb unwürdig halb demütig,
            damit niemand sehe, wie tief das Feuer wurzelt und zehrt,
zerrt an den Muskelsträngen deines Herzens?
            Ist die Wut dein Geist,
ein mächtiger Fischleib, kalt und schwielig,
            der sich aus dem Wasser schiesst,
für einen Moment wie der Geier ganz im Licht der Sonne hängt,
            mit der Spitze der Flosse noch den Schaum seines Sprungs berührt,
und mit Donnerlaut ins schneeweisse Grün zurückfällt;
            eine Natter unterm Stein,
ein Wort auf deiner Stirn, das deine Locken verdeckt,
            ein schon zu lange zurückgehaltenes Wort?
Ist der Geist die Wut,
            allmählich bis zum zetern anschwellende Kehle eines Menschen ohne Haltung und Erbarmen,
ein Kern jener Frucht vom Anfang,
            der immer noch in deiner Kehle zu keimen versucht wie ein Ruf nach Mutter,
kennt Gott im Ende keine Milde?
            Ist die Wut der Geist,
Quell heissen Wassers und Tränen,
            salzig und schwelgend im Schwefel aus der Tiefe,
quälende Niederungen, zu denen hochzuschwingen es dir nicht leicht ist,
            entmenschende Unternehmung und gnadenloses Vorhaben?
Ist der Geist die Wut,
            Lindwurm, dessen Fleisch niemals lind auf unseren Zungen lag,
so sehr wir an ihm auch schlangen,
            ein von der Tücke aufgerissenes Gesicht wie ein praller Bauch,
eine zum Streicheln ausgestreckte Hand, die schlägt,
            ein Fuss, der nicht vorangeht, aber in die Lenden trampt und niederhält,
ist deine Wut dein Geist?
            so fragen wir dich, Saul.

Auge um Auge

Dieses Land ist zum Auf-die-Füsse-treten.
            Es braucht einen Meister auf Zehenspitzen.
In der Ockerenge der Berge,
            in der Flussschlinge und in der Schluchtzuflucht,
da lauert dein Nächster.
            Du kannst ihm nicht aus dem Weg gehen,
du kannst ihm nicht ungefragt ausweichen,
            selbst die Esel grüssen sich schnaubend.
Jede schwenkt ihre Hüfte ausladend, wegversperrend;
            Jeder geht seinen Weg mit ausgerenkten Ellenbogen und Händen in den Hüften wie zum Tanz.
Ein Wort gibt ein anderes,
            in der Mittagshitze, der Narrenzeit,
in der Abendkühle, der Versenkungszeit,
            in der Morgenkälte, der Zeit von Plan und Hast,
und die Wörter wurzeln tief in den Eingeweiden,
            wenn sie einmal nicht auf Stein gefallen sind,
krallen sich fest in der Leber und in den Nieren wie die Geschichten,
            die selbst zurückreichen fast vor die Zeit in Ägypten. SELA

Uns so steht plötzlich ein kleiner Häuptling,
            dem vor Jahren oder vor Jahrzehnten ein Dorn eingefahren war,
den niemand ihm gezogen,
            und Stachel wandern im nachgiebigen weichen Fleisch der Menschengeister,
wandern und suchen Auslass,
            suchen das Herz, suchen das Auge, suchen den Mund,
um durch sie zur Rede und zu Rechten zu finden,
            zur glaubwürdigen, verständlichen Menschenrede,
und sind doch meist nur Würgelaute und Spuckgeräusche,
            so steht der kleine Wütling nun vor deinen Toren, Jabesch,
die du hinausblickst auf den Fluss und in das Land der Josefsöhne,
            und der kleine Wüstenpirat mit einem vor Schameswut verzerrten Froschgesicht steht unter deinen Mauern und brüllt die einzige politische Regeln hinauf,
die er aus deinen Schriften kennt:
            Zum Ausgleich ein Auge.

Da konntest du nur die Hände erheben

Da konntest du nur beten,
            da konntest du nur die Hände erheben,
in der Schwäche deines Alters, oben auf dem Berg,
            menschlicher Geier mit ausgebreiteten Schwingen,
den Stab, der Schlange war,
            die Schlange, die Stab wurde,
in deiner Schrifthand,
            die seit jeher an die harzüberströmte Herzesrinde deines Volkes pochte und schlug,
«wolltet ihr nicht bedenken»,
            das trampelnd sich auf deinem Weg mühte,
durch die Sandesschluchten und die dünne trockene Luft der Hochtäler,
            die deinem Volk ein Land vorspiegelte,
sonnenseitige Oase,
            eine Stunde lang und einen Tagtraum breit,
ein wenig wie der Schlund Gottes,
            ein wenig wie die stumme Kehle Gottes,
das Gaumensegel von Sennabüschen und Akazien zugestanden,
            die Stimmbänder von den Lockenblüten der Dattelpalmen verhängt,
wie eine trauernde Frau ihr Haar über das Gesicht breitet,
            und so konntest du nur beten,
du konntest nur die Hände erheben,
            gegen dieses Wüstenvolk,
das Adams Auftrag nicht gehört hatte,
            «Staub von der Erde bist du», sagen die Staubigen, die Windigen, die Ziehenden,
sagen die Weder-Noch,
            «Nehmt die Erde in Besitz», sagen die Zähler, die Zeichenerfinder,
sagen die Zeichenfinder und die Aufzähler,
            und so geht es um mehr als Wasser,
hier in Refidim, wo du nur die Hände erheben konntest,
            gestützt auf deine Söhne zu beten begannst,
wie ein Kitzlein nach der Zitze der Mutter stösst,
            da sankst du auf einen Stein nieder,
dein Kissen für die Träume,
            deine Unterlage für Gesetze,
hart wie die versteinerten Nieren deines Volkes,
            und doch sind die Amalekiter nicht geschlagen,
ihr Wille ist nur zerstreut,
            der Bann nur aufgeschoben für jemand anderen,
und du wirst die Kehle deines Herrn nicht betreten,
            wirst deinen Kopf nicht in den gelb umlockten Schoss des Herrn legen,
einen Tagesmarsch lang und einen Geierblick weit.

Dieses Buch

Dieses Buch, das du schreibst mit meinen Fingern,
und ich fühle deine Finger an meiner Kehle wie das suchende Saugen eines liebenden Menschen,
und ich zittere und schäume fast, ich fürchte mich davor,
            du mögest den Ort hinter meinem Ohr erreichen,
diese Verse, die du findest in dem überwucherten Olivenhain,
wo die Schwerter noch klingen und der Ruf «es ist genug» und die Schlange um die Bäume sich noch schlingt,
die wissende nackte freie Schlange,
            es ist wie ein Mund am falschen Ort,
sie sind wie Zähne aus dem Herzen gezogen,
            Weisheitszähne, denen Rolle und Platz verwehrt blieben,
ein Mund, der die Schande liebt und lutscht,
            abstehende, ausstehende Zähne,
und mein ganzer Leib bäumt sich wie ein Engel vor Adam,
            «ich bin besser als er»,
die Schande vor den Frauen,
            die gerissene Wunde in meinem Menschen,
oh Gerechte, Gerechter, Gerechtes,
und die Taten, die meine Hand mit zuckenden, zögernden Fingern erringt und ersingt wie Moses mit schwankem Stab den Felsen bei Massa und Moreba,
sie sind wie Stein und rostiges Erz,
            sie vergiften mein rotes Blut,
sie erreichen mein Erbarmen und finden es ausgeschlürft,
            nicht einmal mehr als Häufchen Salz an den Wänden des Stirnbrunnens,
den du, Gerechtes, in mich getöpfert hast,
            «schliesse dich nicht der Mehrheit an, wenn sie auf der Seite des Unrechts steht»,
heuschen deine Finger an meiner Kehle,
            und die Vögel sind alle verstummt,
eine Grabesstille vor Sonnenaufgang,
            als könne der Tag nicht werden,
dieses Buch, das du mit meinen Fingern,
            lass es, oh Gerechtes,
und ich fürchte mich vor seinem Ende wie vor dem Ende von Nacktheit und Liebesspiel und wortlosen Augen,
            lass das Buch Menschen machen.

Sei! und es ist

«Sei! und es ist»: Ein Anfang wie ein Augenschlag: da war nichts, danach ist es. (Da ist nichts, danach ist es.) Ein Ganzes, das zusammengesetzt ist, in Verbindungen gebunden, nicht gebannt, Facette an Facette, selbstorganisiert und freiwillig, vielleicht autonom, augenlos und augenvoll; derart zusammengesetzt, dass es sich in seinen Teilen auflöst, verschwindet, sublimiert; derart abgeschlossen und gerundet ist es, dem Auge und den anderen Sinnen derart bekannt als Ganzes, als Einheit, dass seine Vielheit und Allgegenwart ebenso als Allvergangenheit wie als Allkommendes gedacht werden muss. Ein Ganzes auch, das wegen seiner Zusammengesetztheit – in seiner bekannten und doch fragilen, ja flimmernden Komponiertheit – Anteil und Muster einer Zugefallenheit abbildet, die immer etwas von einer Gnade und von einem Schicksalsschlag hat. Ein Ganzes schliesslich, das (lebendig oder nicht) sowohl eine Gestalt auf der Jakobsleiter als auch eine Funktion für die Dauer dieses ganzen Zusammenhalts, der den Menschen in der Welt geboten wird, und zugleich eine Metapher dafür ist.

Erzähle mir davon, Ruben

Erzähle mir davon, Ruben,
            spricht mir davon, was nicht über deine Lippen will
rede mir davon, wogegen sich dein Herz sperrt,
            berichte davon, was geschieht entgegen dem, was vorzustellen ist,
was geschieht, und niemand greift helfend ein,
            was ohne Ausweg und ohne Ausflucht geschieht,
erzähle mir davon, Ruben,
            wie dir die Rede verdorrt im Mund wie eine gefallene,
wie eine angebissene Frucht in der Sonne.
            Keiner deiner Brüder hat je die Rede versucht,
einsilbig waren sie bis auf Josef,
            der hinter die Vorstellung schaute, als einziger dahinter äugte,
unablässig und gebannt darauf starrte wie auf einen immer wechselnden Fluss,
            der dem Land und dem Erbe entwöhnt war,
erzähle mir von den stummen Gesellen,
            die schwiegen, wenn geschah, was wieder unabweislich geworden war,
die schwiegen zu dem, was geschehen musste wider besseres Wissen,
            die schluckten und duckten, buckelten und murrten mit ihren Händen im Schoss,
die etwas im Feld, im Hang oder an der Strasse zu tun hatten, bei den Lämmern oder bei den Frauen,
            und die Frauen Vieh, Ruben,
und die Frauen Vieh, Ruben,
            erzähle mir davon, wie dein Herz schlägt entgegen dem, was immer kommt,
der Männer letzter Weisheitsschluss, der immer kommt wie bei Judas Sohn Onan,
            und sprich mir auch von Gad, dem Stilleren,
der hoch in den wüsten Bergen seinen Horst gewunden hat,
            seine Hände windet, seine Hände windet,
um von dort über den Fluss zu äugen,
            mit stetem Wunsch und hauchender Gier zu den Rahels hinüberzustarren,
in stummer Verblüffung immer noch darüber, was geschieht ohne Gegensteuer und ohne Umkehr,
            was nicht auszusprechen ist und nicht von der Hand zu weisen,
weil dein Herz sich dagegen sperrt und deine Hand bereits ausgestreckt,
            und Esaus Atem aus dem Süden dir trocken und heiser im Nacken liegt,
erzähle mir davon, was du nicht sagen kannst,
            weil niemand es noch gesagt hat, weil niemand es von dir zu sagen verlangt,
was aber deine Stirne umwölkt
            und deine Nieren beben lässt wie der Karmel in Erwartung von Gottes Gang durch das Land zittert,
und auch die Zedern möchte zuvor ihre Nadeln noch scheiden wie deine und deiner Brüder Frauen ihre Haare raufen darob.

Platz genug

Lange ist es her, als es hiess: es ist Platz genug im Land,
            als es hiess: ich liebe dieses Mädchen,
dieses Mädchen ist anders als die Mädchen in Sichem,
            und Jakob tat, was immer er tat, wenn zu entscheiden war: zaudern und warten.
Sie war doch seine einzige Tochter!
            Sie war doch sein Augenlicht!
Hatte sie nicht einen Platz in seinem wolligen Herz,
            das so lange her schon Erwägungen und Fragen trug?
Sie war doch mehr wert als das Dutzend Söhne,
die sich was einbildeten auf ihre beschnittenen Schwänze!
Sie muss das kostbarste Gut in seinen Augen gewesen sein,
            und er konnte doch nicht die Ohren verschliessen vor dem Ruf:
«Es ist Platz genug im Land»,
            «nach allen Seiten hat das Land genug Platz»,
doch für solche Angelegenheiten hatte er ja seine Sohnesbrut.

            Erinnere dich, jüngster Jakobs, Benjamin:
Wie waren die Hiwiter dazu bereit,
            dich bei sich wohnen zu lassen,
deine Reise war durch die ganze Welt gegangen,
            und immer noch hattest du keinen Platz gefunden,
wo du dein Kopftuch ablegen konntest,
            deine Frauen hatten noch keinen Platz gefunden,
wo sei ihr Haar ausbreiten konnten,
            und Sichem nahm sich deine einzige Tochter,
die ihr Haar noch unbedeckt tragen durfte,
            und Sichem nahm sich deine einzige Tochter,
die noch nicht lange her singend und wackelnd auf deiner Schulter geritten hatte,
            er nahm sie und tat ihr Unaussprechliches an,
das dich noch heute an deinem Platz mitten im Land erstarren lässt,
            und als du davon hörtest, was tatest du da?

Hat Gott die Frau nicht genauso zu seinem Ebenbild geschaffen,
            hat Gott nicht der Frau diesen Platz mit Recht auch zugeteilt,
denn da war so viel Platz, genug Platz war da an deiner Seite,
            an ihrer Seite, an Gottes Seite,
hat Gott nicht gewollt, du sollst hüten statt herrschen,
            aber lange ist es her, jüngster Jakobs,
lange ist es her, als es hiess: es ist doch Platz genug im Land,
            und ein Hiwiter mit einem Gesicht wie du,
aus einem kleinen Volk wie du in einem weiten Land,
           deine einzige Tochter nahm und tat ihr Unaussprechliches an!