Ein Ding ruft auch
Ein Ding redet auch
Ein Ding will mich greifen
Ein Ding will mich ergänzen
Gut machen
Ein Ding ist wie die Haarbürste meiner Tochter
«Papa das ist Kohlenstoff
Weisst du das nicht?»
Da bleibt was hängen
Darin sind noch die Bittervanillehaare
Grau wie der Bauch eines Hais meiner Frau
Ein Ding ist lange her
So lange leer
Und mit einem Mal weine ich darum
Nicht einen Abschied zur Sache machen zu können
Zu einem Wirtshausschild
Zu einer Erinnerungsplakette
«Hier wohnte…»
«in diesem Haus…»
Eine haardünne Linie zwischen Wasser und Staub:
Und die Zecke kriecht beharrlich über das Fenstertischchen im Zug auf mich zu
Was: wieder eine Zecke?
Woher kommt diese Lebensform
Die nur auf Klammern angelegt ist,
wie du es einmal warst
und auf das Saugen
Aussaugen wie sie von dir behauptet hat
Und von deinen Pheromonen angelockt kriecht dieses uneinsichtige
Uneinsichtbare Wesen das du wie ein Ding von dir wegschnippst
Haarschuppen oder Platanenwolle
«Sie Herr Füglister gäll
Daraus kann man Kleider machen»
Ja und Teppiche
Und Dinge rufen auch
Wie sie gerufen hat und ruft
Wie sie mich
Wie du
Wie sie müde
Wie du müde
Heimkehrt habe ich mir oft vorgestellt
Und ich beobachte die Liebenden
Wie sie Gesten tauschen durch das staubige Fenster und mit den Lippen Laute vormachen
Die auf keine Sprache zurückzuführen sind
Es könnte auch Hebräisch sein oder Griechisch
Eine dieser Sprache vom Anfang einer Welt
Plüschig und schaumig
Kehlig und mehlig
Und du blickst auf seine Lippen
Auf seine gerüschten Lippen
Und sie ruft mich
Aber ich habe keine Ohren für sie
Aber ich habe keine Ohren mehr für dich
Meine Ferne ist in die Ferne gerückt
Wie ein Insekt mit seinem Willen wenn du das Willen nennen darfst
Noch nennen darfst
Sie klammert sich an das Papier
Mit dem du sie wegzuwischen versuchst
Einen Moment ist dieses Lebewesen
Das du Ding zu nennen wagst
Denn keine Augen siehst du daran
Denn nur dieses Vorwärtsdrängen Vorwärtskriechen
Und ich achte sie für ihr Rufen
Aber ich habe keine Kraft mehr für das Achten auf ihr Rufen
Es mir zu viel
Ich sage es laut
Es ist mir zu viel
Die Lippen erinnere ich
Die fern harrten unter dem Vaselineschutz und
Wie Schlussstriche unter meine Rammzunge
Du siehst ich bin immer noch verdeutlicht in
Bemühungen zu dir selbst hier im Zug mit den
Schäumenden Augenbrauen und den haarigen Lippen des Liebenden mit gegenüber
An denen ich immer wieder festhänge wie die Zecke
Ich brauche diese Rufe
Und habe die Bücher aus der Schuhschachtel am Strassenrand rufen hören
Wie ein Gruss aus meinem Leben
Denn sie wissen du bist inzwischen bereit
Bereit für ihre Botschaft aus der Zeit vor
Aus der Ferne die weder von dir weiss noch bis zu dir zu reichen vorhatte
Sie geben dir Antworten auf deine ungestellten Fragen
Sie reichern dich an diese Bücher mit einem neuen Wissen um dich
Und du hörst ihre Worte noch einmal: «ohne mich
Wärest du jetzt nicht derjenige der du bist»
Und ich danke den Dingen
Diesem «Mann in der Schwebe»
Am Strassenrand rief er mich an
Ja sie sprechen zu dir
Über den Bözberg und den Sempachersee hinweg
Über die deutsche Tiefebene und den Harz hinweg
«Sie Herr Füglister
Warum hast du zwei Uhren an?»
Die Zeit schäumt in Nichtschauen und im Nichtachten
Schleimt die Brillengläser voll
Ich ergänze viel
So viel an diesen Dingen
An diesem Gewand
Gabriel an diesem unseren vorübergehenden Gewand
Das vor meinem Antlitz sich bauscht
Und durch das sie mich ruft
Durch das Insektengemetzel hindurch:
Die Zecke liegt für eine Sekunde auf dem Rücken
Denkt jedoch nicht daran sich totzustellen
Sie hat mich gerochen und hält weiter an diesem Geruch fest
Schon tickert sie wieder auf mich zu über den Fenstertisch hinweg
Und ich denke an diese Distanz zwischen uns in der Zeit
Von Anfang an diese zögernde Distanz zwischen dir
Die ich nicht zu überwinden weder vorhatte noch lernen wollte
Du solltest kommen einfach kommen
Ganz wie eine Sache den Platz einnehmen
Und verströmen diesen heiseren Ton deiner Haare
Da fuhrst du nun und ich rannte dem Wegen noch nach
Mit dem dir zugewandten Gesicht und bereits
Ein wenig Erlösung im Herz die ich dann
Auf der Suche nach Ergänzung oder Erfüllung
In Pringles badete und im Blut
Das von Lucille tropfte.
Kategorie: Liebesgedicht
Letztes Mal
Keine Forderungen bitte
Jetzt mehr: keinen Maximalismus mehr
Bitte: weder Heidelbeeren noch Mondrausch
Mehr: du willst nur gut
Anliegen: einfach gut anliegen
Das wäre schon alles: könnte schon
Alles sein: und gebrauche nicht solche
Wörter: überhaupt keine Wörter
Überhaupt kein Wort: reicht dein Atem
Nicht reicht das Schnaufen nicht
Hier wo ich mich mit meinem Weinglas
Eingenuschelt habe: es könnte ja wer weiss
Beschwöre es nur: das letzte Mal sein
Für mich: wenn mein Herz einübt
Anzusteigen die die unmöglichen
Tränen ihre spiegelnden Nagelköpfe
In das Benediktus schlagen: anreigen
Sag es nicht: gegen die Väterfürchte
Die deine Hände zu unerschlossenen
Ölsänden anlegen: dein Glas ist wieder
Leer und jetzt kannst du dich auch nicht mehr
Aus diesem Gedicht stehlen: musst dir
Aneignen was an dir zerrt wie eine
Mutterforderung: das war das letzte Mal
In der Nacht eines Menschen nach Sternen zu fischen
Das war das letzte Mal: den Hauch eines Menschen
Das Dickicht deiner Brust kräuseln
Und das Faultier in den Baumkronen nochmals
Vom Fliegen träumen zu lassen: das letzte Mal
Anneigen zu lernen: die Schwere einer Brust
Zu wiegen: das hätte schon alles sein können:
Hast du dich etwa gefürchtet: die letzte Chance
Für deinen Echsenleib zu beweisen: du spinnst ja
Aber keine Forderungen bitte keine Vorstellungen
Jetzt: kein Zirkus hier im Gedicht: denn Warane sind Kolibris
Auch wenn das vermutlich eine Hypothese bleibt
Jetzt: über die Feuerleiter in die Augen eines Menschen
Einsteigen denn brennt nicht dort ein Öllicht
Trüb wie Spülicht oder mein Morgenkaffee
Das Doktor Mabuse dort verbrochen hat:
Das Buch das die Welt schafft: du willst doch nur ausweichen:
Aussteigen statt noch einmal an diesen Menschen zu denken
Der bereits ruhig im Schlaf atmet während du seinen Gedanken
Noch einmal weiterspinnst: und meine Zahnbürste
Hat ja keine Forderungen oder Ansprüche oder Sehnsüchte
Bitte jetzt: mein Kissen braucht kein mitfühlendes Ohr
Nur meines und den Arm darunter
Das Dorf ist an den Abhang gekräuselt
Das Dorf ist an den Abhang gekräuselt: Menschen mit Bodenhaftung leben dort
Sie kennen den Wert der Dinge
Die Kosten eines Schwerts: eines Hufs
Die Kosten eines Saumtiers über die Pässe im Osten
Die Kosten für Wegelagerer: wie Stiere schauen sie
Auf das Bollwerk des Kii hinauf:
Jeder Schritt zeichnet sich an ihrem gereckten Kinn ab: am stumpfen Winkel ihrer Mäuler erkennst du
Den Glauben an die Fakten aus denen sich ihr Leben schafft: sie glauben nicht das den Westen spiegelnde Eisen meines Geliebten mehr: das auf der Engawa steht wie eine Menschenscheuche: sie glauben nicht an die Befreiung in der Armut: in ihren Töpfen schillert das Silber wie der Brunnenboden vom Mond: in ihren Schalen klumpt sich das Reis wie eine gestochene Schnecke zusammen: die See zu ihren Füssen bespritzt ihre Rücken mit dem weissen Schleim der Träume
Menschen die vorsichtig geben: die ihre Münzen drehen und drehen und drehen
Ohne die Rückseite je zu beachten vergessen denn zu betrachten: und die Berge sind ihnen unbegreiflich und unbesteigbar und deine Bosheit
Die längst nicht mehr an Taten glaubt: deine Demut
Die ihre Brust wölbt unterm Do der selbst verantworteten Demütigung
Deine selbst verantwortete Demut und dein Hass gegen diese gutmütigen aber nicht genügsamen Land-Tiere
Die du kaum sehen kannst mit deinen Welsaugen
Die fett vom Land und Fluss und mit dem anschwellenden Mark der Vernunft gemästet glotzen auf deinen wankenden Gang: glaubst nur noch an die Kunst der Unvollkommenheit und du kämmst
Die Haare deines Geliebten
Kämmst all das Stroh heraus und den Sand
Wäschst das schwarze Blut aus seinen Haaren: der Trog füllt sich schwarz mit Wasser: und staunst über die weisse
Weisse Haut im Nacken: es gibt nichts zu sagen: keine Fakten binden dich an diesen Mann
Diesen Eidechsenleib mit seiner Eidechsenrute: wie das Dorf kräuselst du dich am Abhang deiner Zuneigung: zu drei Vierteln abgedreht wie ein Dorfmädchen: die Unschärfe seiner Worte
Klingt wie der Ruf eines Ochsen: einen dumpfen warmfeuchten Laut stösst mein Geliebter aus zum Abschied und kehrt mir seinen Nacken zu
Kehrt mir immer seinen Nacken zu: ich kenne jedes Plättchen und die Färbung des Leders und das Knarren des Sode wenn er mich umarmt: da
Trampelt er durch das Gemüse meines Gartens und ich hebe meinen Kopf hinauf zum Stiernacken des Hügels
Wo die blosse Behauptung Fakten schafft: schon watet er durch den Bach und an seinem Ufer entlang in Richtung der silbernen Fläche des Sees: sein Shidoko glänzt in der Morgensonne wie Schiefer.
Herbstanfang
Du führst mich in unsre windige Standt zurück
Die Berge wölben sich wie Brauen über den Himmel
In der Fromagerie blähen die Ziegenkäse ihre Backen
Die hängende Unterlippe der Schwimmhalle fällt auf die Trödelstände
Und als meine Mutter stehst du über einem Bohnentopf und fürchtest
Die langen Kabel des Bügeleisens und im verkehrsreichen Mittag
Setzt du mich an den Ausgang des Parks
Um in den engen Gassen
Die es in unserer Stadt nicht gibt
Nach einer letzten Spur von unserer Wohnung zu suchen
Und unser Sohn
Geschrumpft oder verkümmert
Hat das Lesen verlernt und hängt mit seinem Schinkengesicht
Über dem Wort «boshaft» und kann es nicht lesen
Kann es nicht lesen oder sagen und du
Kommst zu mir und zeigst mir deinen mondblauen
Unterleib mit seiner grinsenden Narbe
Und machst dich unten herum frei
Mitten in der windigen Dämmerung in unserer Stadt
Und ich denke noch einmal werde ich wissen
Wie du schmeckst ein letztes Mal
Nach langer Zeit das letzte Mal.
Endlich Abschied
Und die Müdigkeit hält mich in ihrem weichen Muskelkrampf
Fest: das Angesicht ihres Beharrungsvermögens sieht wie immer
Lächerlich aus: wie der mangelnde Ernst eines Chargeurs
Angesichts eines Contrecoups aus haargleichen Spitzfindigkeiten
Die sich über dem ausgedehnten Archipel der Zähmung die Hand reichen
Und was auch immer geschieht: schwerfällig
Raffe ich mich auf mit den Händen auf den Knien
Die sich in den Spiegeln deiner Wider-
Deiner Anderworte brechen wie Boxernasen:
Ich fühle das blaue Licht der Applikationen bis in die Liftschächte meiner Vorurteile
Und die Müdigkeit befällt mit ihrem weichen Bonmot aus Neugier und Abscheu
Selbst die hinteren Stufen meines Menschenhasses: Ja
Ich sehe diesen Kropf
Der mir aus deinen Augen entgegengewachsen kommt:
Vermag nicht länger deine Partei zu sein:
Deine Partie zu spielen wie ein Kniebeugereflex –
In der Abgeschiedenheit liege ich auf uringelben Spannteppichen und höre
Das Wiehern von stiefmütterlichen Gesangsübungen
So unerhört natürlich dass künstlich
Aber niemals gekünstelt bitte sehr und ich spüre
Das Nachlassen der Anspannung hinter meinen Ohren
Während doch noch ein letzter Finger von Eis
Mir über die Stirne fährt und in die Birne:
Was gäbe ich für die Ansichtskarte von der Savanne
Die ich schützend und wissenden Auges in mir herumtrage
Wenn ich deinen Aussagen glauben schenken darf:
Einen ungelernten weissen ungeleckten Fleck von unbestimmter Durchlässigkeit
Einen ungebannten weissen spröden Fleck korrigiere ich mich
Und drehe mich der Schimmelwand zu die mir näher ist als du
Die mein Leben bisher ganz gut imprägniert hat:
Deine Aberworte mögen wie Monsun wirken woanders
Hier handelt es sich doch nur um verunglückte Konjunktionen –
Und ich wende mich von den Brandherden und von den Rodungen nur zu gerne ab
Während im Freitagabend das was ich getan habe das
Was ich unter dem Wiehern der Hochzeitskutschengäule noch sein kann das
Was ich einmal und wieder und wieder wünschte und nicht
In ein Pourparler überzuführen die Courage hatte
Unter dem erhobenen Chitinschwanz ein letztes Mal aufscheint.
