
Der Ruhstein hat die Form eines Würfels. Einem erwachsenen Mann reicht er bis übers Knie. Die westliche obere Ecke des Steins ist abgeschliffen oder erodiert. Keine seiner Kanten ist scharf, aus einiger Distanz sieht er aus wie ein grünes Zuckerstück. Er steht nicht in der Mitte des Innenhofs, sondern in der Mitte seines südlichen Viertels. Der Steinhüter sitzt meist im Schatten des verschlossenen südsüdöstlichen Tors. Er dort seine Schlafmatte zusammengerollt, und sein Protokolltischchen steht vor seinem Hocker, darunter in einem Korb die feuchten Tonplatten, die ihm ein Gardist einmal am Anfang der Woche bringt. Sein Schilfgriffel liegt nördlich ausgerichtet auf dem Tischchen. Die Friedensglocke erklingt siebenmal am Tag und dreimal in der Nacht. Nach ihrem Schlag erhebt sich der Steinhüter von seinem Hocker oder seiner Matte, löst im Gehen schon ein blaues Seidentuch aus seinem Gürtel. Beim Stein angekommen, kniet er nieder und reibt jede der vier Seiten mit kräftigen, genauen Bewegungen ab, darauf reinigt er auch die Himmelsstirn des Ruhsteins. In einer weiteren fliessenden Bewegung fährt er mit seinem blauen Seidentuch die acht Kanten des Steins ab und beugt sich dann tief über den Ruhstein, ohne in die Knie zu gehen. Er spitzt seine Lippen und küsst die westliche obere Ecke, der er etwas zuflüstert. Gemessenen Schrittes kehrt er an seinen Schattenplatz zurück und notiert mit seinem Griffel auf eine handgrosse Tafel seien Beobachtungen. Der Ruhstein leuchtet blendend grün wie ein Kubus Meer vor ihm in Sonne und Sand, in Mond und Sand. Der Steinhüter schliesst wieder die Augen.
