Fräulein Kyaraboku

Woman in kimono looking worriedly through bamboo blinds at two samurai walking outside traditional Japanese house.

Das Fräulein Kyaraboku schrieb: «Ich sah ihn nur von hinten. Das lange Haar fiel ihm glänzend über den Rücken. Ich hätte aus Stein sein wollen. Mein Körper wurde zur trockenen Pflaume. Auf meiner Zunge lag der schwere Pfeffer der Reue. Ich schrumpfte, schrumpfte. Wie glänzten da seine Haare. Mein Kopf drehte und rasselte wie eine Gebetsmühle. Ich wich hinter die Bambusmatte zurück, es raschelte. Hatte er das trockene Flüstern der fallenden Matte gehört, das Seidenkichern meines Kleids, den leisen spitzen Schrei? So stand er und sprach mit einem Gardisten. Ein unbezwingbarer, unbezwungener Turm im Zenith der Herbstsonne. Geblendet und zitternd kniete ich mich hin. Mein Unterleib war heiss und gurgelte. Ich hatte oft zu meiner Zofe gesagt, er kann mir nichts mehr, er kann mir nichts mehr antun. Mein Schmerz sei vernarbt, und ich selbst ein Kiesel im Marschfeld der Zeit. Doch siehe da, nein. Das Fleisch erinnert sich, die Achseln heulen. Wer ich wurde, zunichte. Die Sashimono knattern im aufkommenden Abendwind. Meine Zofe hält meine Hand. Dann trägt der Wind den kehligen Schrei der Flöte heran, den ersten dumpfen Schlag der Trommel. Ich schliesse die Augen, presse die Lider zusammen, das Abbild seines Haars im breiten Rücken leuchtet dort drinnen weiter und weiter.

Der Glanz deines Haars –
Ein salziges Gedenken –
Ich werde zu Stein.»

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