
Die Steine ruhn. Sie haben das Warten nimmer satt. Zusammengedrängt, gedrückt und in sich versammelt haben sie ohne Weg den Rat. Ausweichen ist nicht. Erzählen ist nicht. Unzeit häuft sich, ist. Die Steine in ihnen fehlen nicht. Der Salamander ist bei ihnen, einverstanden. Es gibt keine Notwendigkeit, die zu erwarten wäre. Da gibt es nichts zu bedenken.
Zwei Eiben gibt es. Seit Vorzeiten wachsen sie, die eine wie ein Pfeil, die andere wie eine Frau. Niemand weiss, wann der Pfeil fliegen wird, und niemand weiss, ob das Mädchen zur Frau wird. Die Eibe steht im Vorhof, rechtsab. Das Fräulein Kyaraboku lebt im hintern Turm auf der Südseite. Ihre Schriftzeichen sind manchmal zittrig, verwitternd, aber immer spitz zulaufend, nadelfein. An Tagen des Bedenkens widerstreben sie dem Wind und sammeln sich auf dem Leder, drängen sich wie Eisenspäne in einem Winkel zusammen. Niemand weiss, ob das Fräulein Kyaraboku zählt – Stunden oder Regentropfen – oder erzählt – Träume oder Briefe. An Tagen des Erwartens müssen die Mäuse im Korn sich fürchten. Dann ist jedes Stück Haut kostbar für ihre Schriftzeichen, kostbar wie notwendig, heisst das. Die Schriftzeichen haben eine Neigung, darüber hinweg zu wimmeln wie im Taumel eines Gefühls. Der Baum wurde von Turungulîla VI. gepflanzt. Er erinnerte damit an die Göttin der Beeren, die das Land in einer Pandemie beschützte. Manche erzählen sich, es sei die Amme des Fräuleins gewesen. Vielleicht steht es irgendwo verzeichnet, aber niemand hat die Schriftstelle gefunden.
Die Blüte der Steine steht bevor. Zwar fehlen ihnen Fortpflanzungseinbuchtungen, doch unter den Blicken der Rückflüchtenden öffnen sie ihre verdächtigen Stellen dem seltenen Licht. Nicht viele Wachen können davon erzählen, eine gesehen zu haben. Die wenigsten Wachen wissen auch davon. Wir befinden uns auch in einer Zeit kurz vor der ersten Schrift. Es gibt kaum Informationen über die Anzahl der Stellen an einem Stein, noch weniger über die Orte, von denen die Flüchtenden zurückkommen. Die Wachen denken, vielleicht sollte man das Fräulein fragen. Doch aus ihrer Kammer dringen keine Laute nach draussen. Sie schreibt.
