Promenade

Zeit verkürzt den Raum.
Erfahrung weitet ihn.

Der Weg am Fluss zu kurz.
Seine Länge für ein Kind
Schwer einzuschätzen. Der Pausenplatz:
Eingefallene Lunge einer Kindheit.
Wo der Volg war
Mit seinem Reichtum:
Coiffure Yvonne. Die Luzernerstrasse
Immer noch ein steiler
Motorisierten Wildwest.

Für einen Moment
Bei der chemischen Reinigung
Als röche ich Lauge
Stärke und Trockenheit.

Erfahrung belebt den Raum.
Zeit verengt ihn. Plötzliche
Nähe. Zischen und Pfeifen
Des Dampfkochtopfs
Als schnitte ich Zwiebeln
Bei Oma in der Küche.
An den Händen den weißen Schaum von Kartoffeln.

(Mit Dank an fietzfotos für das stimmige Bild.)

Traurige Illusionen

Es begegnete vielen. Einigen eignete das eigene Traurige. Andere glauben immer noch, es handele sich um einen Anlass wie Kuss. Doch richtete es sich auf erhabene Weise in der Frau auf, in derselben, und ihre zweite Form, zu dem sie Grund hatte, entstand im Dunst des ersten Geschriebes. Jeder Anreiz, ob bemerkenswert oder nicht, gehörte zu denen, die von Meisters Intellekt herrührten. Dieser, mit seinem oberflächlichen Optimismus, war kein Freund des Zweitenwendigen, und die Werke schreiten seither voran. Es wäre noch einmal zu streben danach. Aber eine Gewohnheit des eigenen, stoischen und sentimentalen Schicksals? Leidensbereitschaft zusammen mit sich selbst, die unerwartet von Liebe sprach. Sie zu etwas Makellosen machen… und dein Gesicht zu sehen und kennen, dass von Ungläubigen die Erfüllung all dessen, was frei von allem, erforderte. Von irgendeiner armen Illusion schimmerte es doch, nicht wahr? Des Steintaumels zerstörtes Belieben lenken, und das Wunder freute sich zustande. Und bestimmt konnte es helfen, überzeugt zu sein, wenn auch später als Grossmuter und ihre klugen Menschen. Leichtherzig liebte sie, aber keine anderen Könnige der frühen Artikel. Denn sie war von der… rer… der… rer…

Dies ist ein Cut-up aus Virginia Woolfs „Augenblicke des Daseins“, einer im S. Fischer erschienen Sammlung von autobiografischen Skizzen.

Schaum-gewährt

(Mit Dank an Enrique für das Bild.)

Eingeboren in den Schaum
Rasen-Tafel im Frühlicht
Mustert es die Leitplanken:
Das Steuergetriebe im Vorwaschgang
Die Walbeute im Ansang
Hängt es im Andrang von Hebung und Zweck
Halb Koriander halb Salamander
Im Gelege: Schaum der letzten Magen
Brückt es auf zwischen frühen Zweigen und rüden Massen
Wishful thinking in gummierten Schleusen
Und endlich im Albanquartier die steppenbreite Situation von freien Malen und Neanderthalern
Beugt sich im scheuen Zwielicht in die Halskrone voller Kaviar und Bitterorangen:
Fakt bestrichen mit den Keimen von Folgerichtigkeit und Muttwitz
Maitanz aus Wut und Wachen
Gurgelt es im Aufguss
Gurrt es im Anhang
Selbsterfüllende Barkasse in der Waschstrasse des Feiertages:
Kümmernis in Safran getaucht
Mit Formularen überhaucht
Salzgestochen und ungebrochen
Glückt es im ersten Abstrich
Der Schleimhaut entstiegen
Strickleiter aus Walbein
Masst es sich etwas wie unvergleichliche Süsse an
Mitten im ölgetränkten Leberfleck
Im zerrütteten Organismus der Tage
Ein Bittbuch mit Haarfall und Stromnot:
Mustert es die käsigen Reihen
Umspült von den gaumenharten Kieselsteinen
Die ungesehen im Kreis gedreht und gewendet
Vom einkehrenden Wirbel aus Strich und Faden
Auf Bleiche und Grossem Wagen.

Gezellig

Ein Entwurf schiesst über mein Herz hinweg
Weit entfernt von einem Regenbogen
Mit einer Vielzahl von entrungenen langen
Rochaden und Samenpflegen – Samenflügen –
Ein Entwurf von einer entstellten Lade
Einer geprellten Nabe: ein Angesicht von unentzählten
Merkbereichen und nicht wahrgenommenen
Rachenlauten: bisher war ich
Traubenhaft in den gähnenden Zahnrädern verankert
Die leise und langsam sich ihr Soll erquälten
Die Brüste unzweckmässig vorgestreckt
Die Schwänze mit Haftzwecken festgesteckt
Doch ein Exkurs in die vielfarbigen tauenden Lande der Bemerkungen
Halb Erker halb Kerker
Scheiterbeigen der Mutmassungen
Hat mich die kalte Progression gekostet
Die ich mir aufgehoben hatte für den Moment
Da mein aufgefälltes Herz mitten im Winter
Weit entfernt vom Regenbogen
Mit einer Vielzahl von Zentren und Mantren zusammenfallend
Den einen Ton von sich zu geben beginnt
Den ich immer schon befürchtet habe:
Das ungesteuerte Lockern des Schlafes.

Abnahme von Satteltagen

Das verbissene Gesicht von Satteltagen
Aufgebracht von der Herstellung einer hysterischen Herrischkeit
In den Senkel gestellt von der naturlosen Nützlichkeit:
Auch es ein es
Ein Murmansk aus Kompatibilität und konstruierter Kalkulabilität
Abgefangen im Zahnreiz jener Stelle
Wo debilitierend die Erfahrungen überritten haben
Das leise Singen einer Kerze
Das verzischende Zischen eines aufgelassenen Traums:
Es klappt nicht mit der Metropole der Lust
Es funktioniert nicht mit der Kompatibilität von Teilen
Denn jemand hat die Summe schon aufgeworfen wie Bilanzen
Wie ein Habensollen in hektischer Entschlossenheit
Wie ein Trümmerfeld näherer Erwartungen oder
Eine Wunde an der Kehle
Und der Schaum vor dem Mund
Ein Erlachen aus Auf-die-Zähne-beissen
Und aus Parforceritten
Vermittelt nur allmählich und rückwändig einen Eindruck davon
Was gesagt wurde angesichts einer Entfernung
Die erst aus ungeschrittenen Zusagen bestand und dann
Die Tage abnehmen von der ungetragenen Order
Die in ihrer Unbeteiligtheit in den Morgen schnaubte.

Auflösung 3

Angezecktes Nagerhirn
Unterwegs im Klein-Klein
Mit Erdbeeraugen auf Profittour
Den spärlichen ausgewaschenen Pelz laust es
Dem Nächsten hinter den Marktständen
Wo die Katzen sich sonnen
Das Nierenleiden kurieren
Die Koliken: das nachwachsende Gebiss ist gesetzt
Kein Kriterium mehr:
Hinter den Ohren und am Walfischbauch sitzen die Sprösslinge
Und saugen noch ein letztes Mal von dem guten Blut
Das keine Erinnerungen mehr trägt von Göbekli Tepe oder Gunung Padang:
Im Overdrive vom Klein zu Klein –
Noch einmal sich festbeissen mit Pilzen in den Augen und Myzelien an den Beinen
Noch einmal auf dem Präsentierteller die grosse Erzählung verzecken mit
Weit aufgerissenen Augen
Laufender Nase
Zähnefletschen
Und in den Stein hauen
Für die nächsten Nagerhirne:
Wo sind die Vögel hin
Wo die Erzwespen –
Und im Scheinwerferlicht noch einmal die Nackenstarre spielen lassen

Auflösung 2

Die Erdbeschleunigung umläuft mit ihren zitternden Muskelsträngen die reglosen Schläfer
Deren Augen die quantenmechanischen Diagramme und Geschehnisse ablaufen
Die wie Füchse durch ihre schlaffen Erfolgshinterläufe schnüren
Und die Bisse fahren in die Entscheidungsgründe von Kapitänen
Die vor Tollwut ihren Schwanz suchen
Der ihnen eine neue Kurve von steif gereihten Züpfen beschreibt
Und die Muskelberge über den Mengen
Halb Süssspeise halb kalbende Gletscher
Lockern ihren Griff um das Bündel von Wirklichkeit und Perspektive –
Die Schläfer halb schon bedeckt von blenden zarten Knochen
Die sie über Lenden und Brust streuen
Tief in ihren zwielichtigen Abmahnungen und Versuchsanordnungen
Rühren nur ihre ausgehöhlten Finger im angewehten Sand
Führen nur ihre angewärmten Stirnen und ihre rinnenden Nasen ins Sichtfeld hinaus
Wo die Erdbeschleunigung auf ihr Beineln wartet
Auf ihr Gelämmer –
Die Schläfer verstehen nicht und haben verstanden
Die Anzahl und die Unzeit der Anzahl und
Führen ihre Läufe durch die Maschinenhallen und durch die Unterdrucktempel
Bis nach Goma und Idlib
Bis nach Wuhan und Conakry
Und über den Tropenmeeren strecken sie ihre Gottesfinger nach dem Mars aus:
Die Erdbeschleunigung streift ihre Gummisohlen ab
Bevor sie ihre Erregung den Rändern mitzuteilen beginnt
Wie ein unsichtbarer Planet jenseits der Goldschlingen von Versprechen und Schutz
Dessen Umlaufbahn die Schläfer berechnet zu haben glauben
Aber er ist nicht da –

Auflösung 1

Von den Rändern her wird es kommen
In der Form von Mäusen und Ratten
Von Schweinen und Fledermäusen:
Von den buschigen Hügeln Madagaskars herunter
Aus den Rodungswüsten des Amazonas –
Und in den Palmhainen Borneos geschieht es
Bereits mit dem gierigen Lappen eines Alleskönners:
In der Kapitalismusform eines Nagergebisses
Im Dichtestress einer Mückentilgerin
Im Ödewerden des Landes:
An den Rändern flirrt es
Als gäbe es dort noch
Nicht kompetente Wirte zur Genüge
Und vielleicht noch weit weit hinten
Im letzten Hektar Primärwald
Wo sie alle zwischen den Luftwurzeln der Mangroven kauern
Wie bei einer Konferenz oder einem Abschied.

Keine Klärung

Klarnamen happen nach Sachen
Die von wortwörtlicher Direktheit geprägt sind
Nach jenen Momenten im Leben eines Zustands
Der sich fast Person zu nennen imstande ist
Da die ausgelösten Angelegenheiten wie rücksichtslose Memoriale oder übriggelassene Sänften
Noch im Zugwind des Vorfallens und Verschellens und noch nicht im Flussarm der Abgebrühtheit liegen
Wo es weich und friedfertig nach Katzengras riecht
Da die Loswürfe über Entscheide
Die Personenleben betreffen
Noch warten auf die Fallstricke frisch erschlossenen Faustrechtes
So happen die Klarnamen nach Sachen
Die weder dem Spieltrieb des Raums noch der Unlust der Zeit unterliegen
Noch jenen tobenden Instanzen von Verfremdung
Wenn selbst Wirkliches von seiner schieren Blindheit überzeugt ist
Die allen Definitionen vergessen denn Erwartungen widerspricht
Nach jenen Popanzen
Die wie Tiere zu reden und handeln beginnen
In unseren Seiten sich ausbeulen wie Tumore mit einem verbrieften Recht auf Lebensechtheit
Um zu verdeutlichen
Welcher Klärung du nicht bedarfst.

In Hilthausen

Dort in Hilthausen haust ein Grauen
Unter der alten Linde
Die noch alle sehen
Sie steht seit Varrus nicht mehr
Liegen zwei Menschen
Rechts und links vom in Marmor geformten Strunk
Die Wurzeln umarmen ihre Sarkophagleiber
Und sie tragen Helme mit Geweihen und Hauern
Und dort im staubigen Schatten der Autobahnbrücke
Die niemand mehr befährt
Seit der Tunnel verschüttet
Wo noch letztes graues Moos sich hält wie die einst grünen Tränen des grossen Waldes
Dem das Land gehörte
Dort im hallenden Raum der angehaltenen Zeit
Wo sich manchmal eine Gruppe chinesischer Touristen hinverirrt
Ihre Aliensprache wie das Raunen einer Invasion
In Hilthausen kam ich zu spät
In Hilthausen kam ich zu früh
Es fehlen dazu genaue Berichte
Du hattest deine Arme einmal gehoben für meinen Hals und
Dein Mund hauchte den grauen Schatten des Lebens aus
Aber ich kam zu spät
Aber ich kam zu früh
Genaue Berichte dazu gibt es nicht
Und ich fand dich nicht wieder
Und tobte und tobe und kratzte mit meinen Fingernägeln an den Sarkophagen
Die zu leuchten begannen mit Lettern
Wie Augen sich öffnen in der Nacht auf ein fremdes Gesicht
Unter der alten Linde
Der Wind hauchte in die Farnbüschel
Die du im Warten niedergetreten hattest
Dort in Hilthausen
Unter der alten Linde
Die noch alle sehen
Sie steht seit Varrus nicht mehr.