Liebe das Nutzlose
Im Menschen: aufzeigen
Das Scheitern als Glück:
Das Leiden als Freude:
Versagen als Kontrolle:
Ohne Fähigkeiten streifen
Und ohne Vorbereitung
Verstossenes und unbekannt
Entbehrtes: Abseits
Reich wie ein Gott:
Richtschnur voller Kot
Spucke und abgetakelte
Dschunken vor dem Kap
Kadokura: verschlagen
Diese Stammelstimmen
Hilflos und demütig
In den Westen: nutzlos
Bereitest du dich vor
Auf einen anderen Weg
Gegen Vorsicht
Ich mag keine Vorsicht in Gedichten
Kein Abwägen
Kein Einsparen und Ausschweigen
Keine Kürze
Keine verletzlichen Wörter
Keine feine Würze
Keine lang gehegten Gedichte
Über die Jahre hinweg tot
Über die Jahre hinweg allgemein
Gejätet.
Auflösung 3
Angezecktes Nagerhirn
Unterwegs im Klein-Klein
Mit Erdbeeraugen auf Profittour
Den spärlichen ausgewaschenen Pelz laust es
Dem Nächsten hinter den Marktständen
Wo die Katzen sich sonnen
Das Nierenleiden kurieren
Die Koliken: das nachwachsende Gebiss ist gesetzt
Kein Kriterium mehr:
Hinter den Ohren und am Walfischbauch sitzen die Sprösslinge
Und saugen noch ein letztes Mal von dem guten Blut
Das keine Erinnerungen mehr trägt von Göbekli Tepe oder Gunung Padang:
Im Overdrive vom Klein zu Klein –
Noch einmal sich festbeissen mit Pilzen in den Augen und Myzelien an den Beinen
Noch einmal auf dem Präsentierteller die grosse Erzählung verzecken mit
Weit aufgerissenen Augen
Laufender Nase
Zähnefletschen
Und in den Stein hauen
Für die nächsten Nagerhirne:
Wo sind die Vögel hin
Wo die Erzwespen –
Und im Scheinwerferlicht noch einmal die Nackenstarre spielen lassen
Auflösung 2
Die Erdbeschleunigung umläuft mit ihren zitternden Muskelsträngen die reglosen Schläfer
Deren Augen die quantenmechanischen Diagramme und Geschehnisse ablaufen
Die wie Füchse durch ihre schlaffen Erfolgshinterläufe schnüren
Und die Bisse fahren in die Entscheidungsgründe von Kapitänen
Die vor Tollwut ihren Schwanz suchen
Der ihnen eine neue Kurve von steif gereihten Züpfen beschreibt
Und die Muskelberge über den Mengen
Halb Süssspeise halb kalbende Gletscher
Lockern ihren Griff um das Bündel von Wirklichkeit und Perspektive –
Die Schläfer halb schon bedeckt von blenden zarten Knochen
Die sie über Lenden und Brust streuen
Tief in ihren zwielichtigen Abmahnungen und Versuchsanordnungen
Rühren nur ihre ausgehöhlten Finger im angewehten Sand
Führen nur ihre angewärmten Stirnen und ihre rinnenden Nasen ins Sichtfeld hinaus
Wo die Erdbeschleunigung auf ihr Beineln wartet
Auf ihr Gelämmer –
Die Schläfer verstehen nicht und haben verstanden
Die Anzahl und die Unzeit der Anzahl und
Führen ihre Läufe durch die Maschinenhallen und durch die Unterdrucktempel
Bis nach Goma und Idlib
Bis nach Wuhan und Conakry
Und über den Tropenmeeren strecken sie ihre Gottesfinger nach dem Mars aus:
Die Erdbeschleunigung streift ihre Gummisohlen ab
Bevor sie ihre Erregung den Rändern mitzuteilen beginnt
Wie ein unsichtbarer Planet jenseits der Goldschlingen von Versprechen und Schutz
Dessen Umlaufbahn die Schläfer berechnet zu haben glauben
Aber er ist nicht da –
Auflösung 1
Von den Rändern her wird es kommen
In der Form von Mäusen und Ratten
Von Schweinen und Fledermäusen:
Von den buschigen Hügeln Madagaskars herunter
Aus den Rodungswüsten des Amazonas –
Und in den Palmhainen Borneos geschieht es
Bereits mit dem gierigen Lappen eines Alleskönners:
In der Kapitalismusform eines Nagergebisses
Im Dichtestress einer Mückentilgerin
Im Ödewerden des Landes:
An den Rändern flirrt es
Als gäbe es dort noch
Nicht kompetente Wirte zur Genüge
Und vielleicht noch weit weit hinten
Im letzten Hektar Primärwald
Wo sie alle zwischen den Luftwurzeln der Mangroven kauern
Wie bei einer Konferenz oder einem Abschied.
Aus dem Schweigen herunter
Nicht die tausend Ankünfte eines Sperbers
Noch die langsam erhobenen Krämerauskünfte –
Angekommen für das Reissen eines grösseren Geheimnisses in der Wunde Mensch
Diesem geborgten Schweigen auf der Krete einer paarungsbereiten Kröte
Ausgesprochen aus dem flachen Herzen eines umlufteten Steins
Dem das taubengraue innere Gefieder in der Stille schmelzenden Eises aufblüht
Aus dem Mangel an Zierde im denkenden Herzen: ausgeteilt
Mit klingender Münze und dem nötigen Plätzchen
Dem nötigen Rädchen
Das wie die lappende Zunge eines Kindersommers
Den Stürzen widerspricht
In denen doch das Schweigen geborgen
Gesammelt ist: nicht das fette Dutzend von langsam aufsteigenden
Warenströmen noch die zögernden Augenblitze über den Schründen –
Aber die kostbaren Brauen
Diese Floskeln wider die Sonne
Aber die spitzen Schreie
Diese Wälle gegen Gurren und Quarren.
Flucht-Gedicht 2
Leicht sind vergessen Schulden
Und Rechnungen. Schnell etwas schlingen,
Nudeln und Chips. Die Folgen
Mit Starkalkoholpegel bingen;
Kohlenhydrate geilen
Genauso auf wie Illusionen,
Schuldvoll-erregt noch einen
Runtergeholt, Millionen
Male den gleichen Ablauf –
Die Freunde erschöpft vom Spendieren
Nehmen mit Nachsicht Anlauf…
Verständnis, das wird nicht rentieren:
Kann viel zu gut verdrängen,
Das hilft vor diesen Zwängen.
Flucht-Gedicht
Leicht sind vergessen
Schulden und Rechnungen.
Schnell etwas fressen
Gegen die Ahnungen!
Machst mit den Freunden
Lange Spaziergänge.
Sprichst mit verträumter
Stimme von Geldzwängen.
Schreibst an Gedichten –
Findest Entgegnungen,
Stimmen-Geschichten –
Leichteste Verschiebungen.
Flieh nur Besorgnis!
Was für ein Zeugnis!
Aubade (Cameron Awkward-Rich)
Die Katze weckt mich wie immer auf,
verwurzelt ihren Kopf zwischen meiner Brust
Und Kinn, und da sie dabei versagt, leckt sie den schuppigen Schorf,
Der in den Ecken meines Munds aushärtet
Mit ihrer lieben Zunge, die sie hängen lässt
Zwischen ihren Lippen, als wäre sie zu schwer
Oder als posierte sie für die Kamera, wenigstens dann,
Wenn sie sie nicht braucht, um sich zu reinigen
Vom Schwanz zur Zehe zum Arschloch und dann mein Gesichtsloch,
Und ich weiss, das ist eine Art Liebesdienst –
Denn letztlich bin ich haarlos und hässlich und zu blöd,
Meine Glieder vom Bett zu heben und jedes zu reinigen.
Es ist eine so lange Zeit vergangen, eine ganze Jahreszeit der Dürre,
Und was? Du denkst, ich müsse meinen Kopf erheben und beten
Für Regen? Du denkst, ich müsse wirbeln
Unterm Firmament, dem zerschrammten Himmel?
Und vielleicht hast du recht oder hättest es,
wäre ich nicht Halb-Junge, Halb-Biest. Würde ich nicht diese Wände selbst
markieren, um die Möbel streichen.
Ich bekenne, die Katze hat recht. Ich brauche Hilfe dabei,
mein Gesicht sauber zu halten. Flaumige Tage
als ein Neugeborenes. Es gibt einen Grund dafür, weisst du,
dass wir alle Schreibende sind oder verschieden, verschollen
von der Welt, als hätten wir nie
eine Haut gehabt, nur ein unglücklicher Wind,
der hindurch fährt. Ich habe dich verloren, nicht wahr?
Aber was kann ich sagen? Ich bin immer noch genau
Hier, habe mich den ganzen Morgen nicht bewegt, und wer könnte
Einsam sein, wenn es immer dieses spektrale Selbst gibt,
dem hallo zu sagen ist? Hallo du. Liebes Du. Hallo,
Wache meines Friedens. Geschäftige kleine Zunge.
(Übersetzung von mir.)
Esaus Söhne
Wegelagerer,
Wegehinderer,
Söhne Esaus,
von Hawila bis Schur ausgestreckt wie eine neidige, dornige, giftige Schlingpflanze,
der Sonne trotzend wie das unermessliche Auge des Meeres,
das Gott über die ungestalten Kreaturen der Tiefe aufgeschlagen,
ordnungsloser Haufen in unserem Steiss,
schlimmer noch als das säumige Gad,
die Gestalten jenseits von Jabesch, Kamelhirne, Kamelritter,
mit einer Sprache wie Sand in der Kehle,
ein Rascheln von Schlangen an meinen Füssen,
Rautenvipern und Aasgeier,
gerade gebildet genug, um Sand vom Tau zu unterscheiden,
Hinterrücks ist euer Name, Amalekiter,
Bileam sprach über euch, eure Stunde wird kommen,
und seither lebt ihr in ihrem Schatten,
ihr, die ihr keinen Schatten kennt, draussen
auf dem räudigen Fell des Südens,
im abgeschabten, abgewetzten, knochigen Arsch der Welt,
den Gott niemals weder mit Licht noch mit Regen bedenkt,
den der Herr niemals mit Glauben noch mit Frauen beschenkt,
weitab von den Spuren der Schöpfung,
abgeschlagen wie die sündigende Hand,
auserkoren wie ein Dorn in der Lende,
Söhne Esaus, Linsenlöffler,
wagemutige Kopf-aus-dem-Sand-Erheber, aufgewirbelt an der Genze der Sicht, an der Grenze zur Starre, zur Dürre,
eure Stunde wird kommen,
es ist die Stunde der Edomiter, der Hagariter, der Moabiter, der Ammoniter,
denn die Stunde vom Ende eures Volkes, Söhne Esaus,
gleicht der Stunde vom Ende ihrer Völker,
noch windet ihr euch wie Maden im Fleisch des Sandes,
doch Sauls und Jakobs Arm wird euch auslesen,
einzeln und allein werdet ihr euch wie Sisera zum Zelt einer Frau schleppen,
der Schleudern und Bögen entblösst,
die Kriegsgurgel rasselnd wie der Leib der Schlange im Sand,
und eine Frau wie Jael wird euch den Kopf zertrümmern mit ihrem Zeltpflock,
und ich höre schon Deboras Stimme.
