Ein Gedicht schreiben: dem Lauf der Sprache nachgeben

Das Schreiben eines Gedichtes ist natürlich und immer ein Prozess, wie alle Schaffensarbeit. Ein Gedicht kann durchaus und sogar leicht auf einem Ton, in einer Stimmung beginnen und in einer ganz anderen Sprach- und Klangfarbe enden. Nicht zu vergessen: in einer ganz anderen Sinnbildlichkeit sich einrichten, die nicht „vorgesehen“ war; auf eine ganz anderen Stoffebene auf- oder absteigen, vielleicht sogar (im besten Fall) gegen den Willen der Autor*in.

Lange habe ich mich darum bemüht, Gedichte „einstimmig“, „harmonisch“, „ausgeglichen“ zu halten, sie in eine gewisse Neutralität und vorgespiegelte Finalität einzubetten. Immer wieder sind sie mir aber „drausgelaufen“. Ich hielt das ebenso lange für eine Schwäche, einen Fehler meinerseits: eine solche Zufälligkeit und Zusammenhangslosigkeit zuzulassen oder gar von vornherein mit in den Schreibprozess einzubeziehen.

Doch je mehr Erfahrung ich gesammelt, je mehr Gedichte ich geschrieben habe, und insbesondere seit ich ausdauernd und konsequent an einem Roman arbeite – denn Prosa-Arbeit ist etwas so vollkommen anderes als Gedicht-Arbeit! -, desto deutlicher wurde mir, dass es sich dabei nicht nur um ein kalkuliertes Risiko, sondern in allem Ernste um eine Aufgabe handelt: die Sprache wie ein durchgehendes Pferd zu lenken. Nur so, glaube ich jetzt zu wissen, kann sie, und mit ihr das Gedicht, das sagen, was zu sagen ich niemals vermöchte – so sehr ich mich auch um eine kontrollierte und vielleicht gar beherrschte Katastrophe bemühte.

Mit dem Einstieg in das serielle Schreiben stelle ich nun fest, was für eine Erlösung das für eine überbordende Fantasie und unaufhaltsame Sprachwut ein solcher Ansatz sein kann. Denn so kann sich das Sprachmaterial immer wieder adaptieren und verändern. Das Gedicht befasst sich mit einem Grundmaterial an Wörtern und Sätzen, Haltungen und Stimmungen – und variiert diese von Mal zu Mal, von lnkarnation zu Inkarnation.

So handele ich als eine Art „Durchlauferhitzer“ für die Sprache. Ich „kanalisiere“ ganz unesoterisch einerseits, was für Stimmungen und auch Leerungen in mir drin sind und gebe ihnen im Gedicht einen Raum und eine Zeit. Andererseits achte ich darauf, dass sich der Sprachstoff „entfalten“ kann: gebe dem wörtlichen Zerren und dem syntaktischen Zupfen nach, das ich ständig in mir verspüre.

Inzwischen – als reife, „geprüfte“ Schreib-Persönlichkeit – weiss ich auch, dass Schreibende eigentlich nichts zu sagen haben, nicht nur, wie ich als junger Mensch (bis 40 Jahre alt) dachte, weil schon alles gesagt ist, sondern weil-obwohl es nichts zu sagen gibt: die Sprache hat einen Willen, uns anderes sagen zu lassen, wenn wir genügend achtsam mit ihr umgehen, uns auf Umwege zu führen, die uns eher zu dem führen, was wir sagen können, was wir wirklich sprachlich gesehen sind.

Und wenn ich nun von einem Gedicht zum andern gehe in dem aktuellen Zyklus, fühle ich mich befreit von der Last, sowohl linear als auch begründet und-oder zweck- und zielorientiert, ganz vergessen leistungsorientiert sagen zu wollen: müssen. Ich kann der Sprache dabei zuhören, zusehen, wie sie mich führt. Ich kann der Sprache bei ihrem Lauf über das Papier und durch „meinen“ Stoff folgen, ihren Neigungswinkel verändern. Sie nimmt mich an die Hand und führt mich in die Gefilde hinaus. Dabei entstehen musikalische Kunstwerke, denen es mehr um die grossen Bögen geht, um das „laut Denken“. Und je tiefer ich in die Sprachwelt meiner Gedichtreihe eintauche, umso erfüllter wird das Schreibgefühl und der Schreibprozess. Und ich bin entspannt und glücklich: ich bin nur Zuschauer oder Zuhörer. Ich höre dem Diktat der „höheren Instanz“ zu, und das ist ja recht eigentlich die Grundbedeutung von „Dichtung“.

Schon immer eine

Schon immer eine
Die im Tal zwischen den Wellen und den abseits liegenden Fährten: in den Formen der verformten Schiefergelände: in den
Kämpfen der Fische gegen das Gemüse ihre Stirnen bewegten und die Augendotter in ein Vielfaches zerspringen liessen: Eifer und Hunger: schon immer eine
Die den Spiegeln in den ständigen Höhlen der Pilze zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat: mit abgewandtem Kopf murmelst du vom ungeraden Abseits
In dem der Wels sich längt und allmählich seine Zeit findet wie eine Glocke aus Spiegeln: die Farben der Täler haben die Wellen mit ihren starken Strichen schon verlassen und wie eine Ähre schüttelt du dein roggengelbes Haar: die unbewegten Beweger haben sich ein wenig abseits aufgestellt
Unbeeindruckt vom rosaroten Bauch der Lachse und den dunkelroten Wangen der Beeten und bewegen nur leise ihre krautstieligen Lippen
Als Vorbereitung für einen Kuss denkst du mit einer Hast in den Füssen
Den Tempel umkreisend
Den Tempel wo alle versammelt sind
Pflaumen und Datteln: Rogen und Rochen
Den Tempel mit deinem raumzeitlichen Erregungszustand in ein Beiseite rückend
Kreischend auf seinen spiegelnden Schieferplatten
Auf eine Linie weder gerade noch folgerichtig
Und deine aufgeschlagenen Augen
Die im Tal zwischen den Strömungslinien von Atem und Neigungswinkel aufgehängt als Botschafterinnen nur mehr das Offensichtliche: die Gesetze sind keine Gesetze mehr: plärrend verkünden
Die Gesetze an die sich ein Wels oder eine Steckrübe in ihrer weder entseelten noch beseelten Vorform und mit grosser Wahrscheinlichkeit immerzu optimistischen Auffahrt aus der Lethargie und dem Dunkel von Erde und Wasser nicht
halten könnten: die Blicke nicht nur getrübt von ihren ungeraden unvertieften
Ungekauten Anlässen: Go Ryo schenkt uns seine seine sommersprossige oder gesprenkelte Ansicht kaum mehr zu den verabredeten Zeiten und die Täler
Die Täler mit ihren Löchern und Sickergründen und unscharfen Aussichten: bronzefarben wie die Kehle von Ume-Boshi
Doch warst du schon immer eine
Die den Strichen und Lettern sich nur mit grossem Widerstand zugeneigt hat: als seien sie Narben im Gewebe der Wirklichkeit:
Weil die Farbtöne einer Brühe
Oben in der Burg von Meister Kessel
Den diagonalen Strichen der Winde und den gewundenen Linien des Alters widersprechen
Und die Fläche des Tals bestreichen mit ihrem priesterlichen Pastell:
Und du wischst dir den Satz aus der Stirn
Den Satz aus Kielwasser und Erdkrümel an deiner bronzenen Schur und ziehst deine Seele ab
In die Herzen der Rüben im schwarzen Mund der Erde: abseits vom Glanz der Schuppen.

Haifische zählen

Kannst du die Haifische zählen
Über die du gestiegen: unter dir dieser graue Optimismus
Dieser grausame Optimismus und dein Fell verkrustet vom Salz: möchtest du nicht ein Loch nehmen im Boden
Dir zu eigen nehmen im Boden und hineinsprechen oder deine Ohren hineinlegen wie Räucherstäbchen um die Linien der Wellen
Die alle wie die Gesichter von Gaffern bei einem Hochseilakt in ungefähr die gleiche Richtung weisen
Mit den Händen an ihren Ohren aber du
Gehst über dem Hiei auf wie ein Tor ohne Torii: kannst du für mich die Haifische zählen
Über die du steigst: vom Osore-San bis hierher zu mir: Kikazaru
Flüsterst du mit deiner gespaltenen Lippe: du bist der Fährmann: der Stegwärter: der jeden zweiten tötet beim Übersetzen: als könntest du in Wahrheit über Würde und Zweck
Über Gründe und Ziele entscheiden: zwischen Grund und Ziel
Unterscheiden auf den Wanizame balancierend
Sie mit deinen kräftigen sahneweissen Schenkeln in Form und Anstalten stampfen: als seien sie schon immer
Anlässe für angenehme Gefühle und erhebende tragende
Gründe gewesen: läufst mit deinem Kikazaru-Zwitschern durch die Wellen und Berge und die Münzen klingeln helle wie die Stimmen der Neugeborenen in der Erde
Der leichten grasigen aufstiebenden Erde: unter deinen Haken aufstiebenden Erde: üer die raue grausame Haut der Haifische
Hinweg geht dein Weg: wenn ihr nach Buddha sucht wird euch der Buddha-Teufel holen:
Deine Spur sind die Sterne wie Reiskörner im Abendhimmel und die Seemonster mit ihren ausgestülpten Kiefern: das Kinn vorgestreckt wie ein Sakebrauer: mit ihren ausgestülpten Mägen: im Nebel und im Mehl des Erbrochenen
Schipperst du durch die stille starre Luft: Kikazaru
Kikazaru: kannst du die Haifische zählen
Über die du gestiegen auf deinem Weg
Der dich das Fell gekostet hat: eine Erkältung vom Fall durch die Maschen des Netzes entfernt: sprich hinein in den hoch und wie eine Linie aufragenden Bambus-Hain: sprich hinein
Hinter dir bäumen sich die Wellen auf von den Flossenschlägen der Wanizame in ihrer vergeblichen Bemühung der optimistischen Zerstörung aber du
Du bist bereits zu hoch am Himmel.

Die Kraft der Wellen

Die Kraft der Wellen: Masse und Stoss: ausgesandt von der Mitte des Sees
Als fiele in gleichmässigen Abständen der gleiche Schieferstein auf seine Oberfläche und liesse die Botschafterinnen ausschwärmen: die Kraft der Wellen:
Geschwindigkeit und Gewicht: ist ohne Anfang und ohne Ende: kann sich nicht erschöpfen: es sei denn
Ihre Energie verliert sich am Ufer in all den Tropfen und versprüht lauwarm in mein Gesicht: die Kraft der Wellen ist nicht vergeudet
Niemals ist die Kraft der Wellen vergeudet in ihrer Abhängigkeit vom Land: doch mein Denken und Handeln
Hier am steifgeschlagenen Land
Aufgebracht aus der Trägheit meines Daseins
Aus der Schwere meiner Nutzlosigkeit
Aus der schwankenden Gewissheit einer unaufhaltbaren Gegenwart in der Form eines unherstellbaren Selbst: einer kraftvollen aus mir stürmenden Abwesenheit
Mein Denken weniger als mein Handeln
Mein Handeln mehr als mein Denken
Heben sich vor dem Hintergrund der Zeit wie der hüpfende Schieferstein ab vom angespannten Wasser
Grau wie der Wolkenschlauch
Der von den östlichen Pässen herunterkommt und keine Hindernisse kennt
Im Gegensatz zu den Wellen des Sees
Die mit vergleichbarer Eindringlichkeit anstossen an die Kante der Erde
Auf der ich mit meinem unsagbaren Körper stehe
Der seine Kraft in Schritten vergeudet
Die nirgendwo hinführen
Auch nicht zu einem dinglichen Selbst
Der seine Gedanken im Kreise führt
Die immer kleiner und enger werden
Ohne je durch die gewonnene Geschwindigkeit auslaufen zu können: kein Land in Sicht für diese Kraft: ich erinnere mich an die Schreie der Ashigaru
Die in Gottvertrauen oder in der Verleugnung des eigenen Todes oder in der Furcht vor der Züchtigung
Auf die Nanigata der Gegner zustürmten nach meinem Befehl und sich dort verfingen
An ihre Schreie die niemals dem Schaumrascheln der Wellen gleichen werden
An die Schreie des Hirsches an sein dumpfes Keuchen mit meinem Pfeil im Bauch und meine Schreie gleichen ihnen ebensowenig wie der jubelnde Ruf des Adlers an den Abhängen in meinem Rücken
Denn die Kraft der Wellen ist nicht vergeudet
Ist in Abhängigkeit gespendet: eine Gnadentat
Eine Botschaft: ihre kreisenden Läufe: ihre fast spielerische Zurückhaltung bei der Annäherung an das Land: ihre demonstrierende Höhe vor dem Zusammenfall mit dem Land: gehört zum Land: gehört zum See: vielleicht sogar zur Bergspanne
Und meine ausufernden Schritte: meine auslaufenden Gedanken sind vergeudet: gehören nicht in diese Abhängigkeit und in dieses Geben.

Das den Wellen vorgelagerte Land

Auch wenn das Land den Wellen vorgelagert ist in deinen Ansichten von Ernte und Schmerz: auch wenn die Perspektiven noch vor den Stirnen in rasende
Vorhersehung zerspringen: nimmst du mit jedem Schritt
Dessen Wort zwar ausgelöscht wird von den Zügen an der Ufertasche
Mit jedem Augenblick von Boden und Ferse
Mit dem du die Zeit sprenkelst
Den Raum in negativer Pradikation aufteilst: nimmst du einen silberfreien Rahmen auf der erntetief in Richtung deines Handlaufs läuft: die Kälte nimmt den Indigenen nicht einmal die Fusssohle: auf den Brettern: schwarz von Feuchte: pressen sie ihre vokalfreien Fakten an ihre bodenlose Brust: die Ufertasche füllt sich mit dem weissen Brosamen von Entführung und Behändigung: die Sprache ist Mann: Susanoos Nägel ausgespannt wie die Mondsichel in die Zukunft: in deinen Aussichten von Leid und Tenne lagern die Wellen in den Ufertaschen wie haltlose Hände voller Ohnmacht
Die nur darauf warten die Stirnen mit ihren rasenden
Vorgelagerten Fakten zu verschütten mit den zwei Silben aus dem Mund eines Bauern: den Wettervorhersagen oder der Unruhe des Geschlechts: selbst die Ianfu sollen hinüber und die Berge schütteln in den ersten Stunden des Frühlings den silberfreien Staub ab und aus den Spalten sprengen die ersten Nächte
Die dem Bushi gehörten:
Wie die Nacht schlüpft Yasuke zurück in den Mantel der Geschichte: wie zerrissener Stoff klingt sein Lied: die heulenden Frauen umzäunen die Flüsse und die Sprache: du selbst
Bist nichts: negativ prädikativ wölbst du deine Stirne wie ein Kinn in die Windstille: ein Mikroklima gegen die Mondsohlen in den Augen: gegen die aufgehobenen Schultern und die eingeschlagenen Waben ist kein Kraut gewachsen und die schwarze feuchte
Erde mit ihren schmatzenden Fakten sagt aus
Was dein Töchterlein nicht fühlte: nochmals fällt den Indigenen die Finstersonne auf den Körper wie ein Bart: wie eine Waldschneise
Die sich auf deine Ufertasche öffnet: Sprache ist Mann sagst du mit dieser springenden Saitenstimme einer Schnee-Augen-Ianfu: alles liegt angehäuft in den Scharten von Holz und Weg: das Schlimmste beherbergen: das Schlimmste lecken wie die erste Wunde: die Biometrik richtet die Proportionen
Auch wenn das Land von den Wellen vorgelagert wird in deinen Absichten von Enden und verminderten Terzen aufgesprengt von den Perspektiven Susanoos
An den Himmel gekränzt von den Perspektiven der Ianfu: niemals ist die Steppe fern und das Fell: und die Garben des Meers und die Garben der Fersen streuen die Tuschefäden
Sprengen die Tuschelettern: Ejakulation der Konsonanten in deine erstfreien Träume.

Tsukimono / Bakemono

Eine Welle bevor sie fällt schützen: ein silberner Gegenstand in tausendfacher Teilung: unfähig zur Atmung und doch
Nicht selbst: ich denke an das trübe blinde
Jagende Brüten des Biwa-Hoshi auf den Steinstufen zum Tempeltor: ein feines Pfeifen begleitet dieses Sitzen und sein Gesicht beschränkt sich nicht länger auf Mensch und Mann: Bakemono
Tsukimono: wie geschmolzener Berg
Wie ein vom Schweiss vieler Stimmen fettgelb gewordener Liedschaft liefert der Sänger seinen Schatten den Steinplatten und lässt ihn steigen in die Gesichter der Gören: Tsukimono
Bakemono: einer der Opferbeamten reckt sein Kinn
Als stosse eine Katze ihre Stirn in meinen Schoss: in meinem Kässelchen rasselt der Atem des Landbodens: die wenigen Schritte auf dem Steg genügen schon
Auf dass die Nebelschwingen die Dinge auf den Rücken der Männer und Menschen in Schweigen hüllt und hebt ihre gesenkten
Hängenden Lider über das Knarren von Holz und das Saugen von Wasser in den ersten blanken Spiegel des Kiefernwaldes: der Biwa-Hoshi hört die schwappenden Schritte auf dem Hashigakari und brummt und summt in seine Furcht hinein: ein jagendes
Blindes Grün auf der Zunge des Opferbeamten
Als seine Blicke die meinen treffen: in seinen Augen klappern die aufgeschreckten Hühnerknochen seines Glaubensgebäudes: die aufblitzende Tinte auf der Suche nach eine Fressfeind: ich rassle mit meinen Landboten und errate mehr und mehr
Das Wachsen der Tsukurimono da heraussen
Wo nicht die geringste der Kiefern mehr ihren Gang geleitet: nur die starren Stirnen der aufgeworfenen Wellen: Tsukimono
Bakemono: die schwarzen Zahnschaufeln
Schleichen sich ottergleich da heraussen
Auf dem Steg an die Beigaben heran: und hinter der Wand aus Nebel und reifer Luft
Höre ich den Atem des Biwa-Hoshi über und über bestückt mit den ass-grauen geschwollenen Stirnfalten der Windgötter: eine Welle bevor sie fällt schützen: ein silbernes Grundstück in tausendfacher Teilung: unfertig zur Atmung und doch willig
Nicht länger mehr selbst zu sein: aus dem breiten Arsch des Opferbeamten steigen die Regenbogenfarben eines Fasans herauf: darauf die Zahlen seines Gesetzes
Seiner Regler und nicht eine einzige Strophe zur Strafe für das Tsukurimono
Der Biwa-Hoshi und ich ihm für die Hanbutai im Warten aufgefaltet haben: Kokon aus Wind.

Der Steg zeigt als Finger

Der Steg zeigt als Finger hinaus in den Fluchtnebel: das Sashimono hängt tranig an seinem Bambusstab
Ich selbst nur ein ungewisses Zeichen in der ungenauen Landschaft: ein Faden von Bewusstsein und beginnendem Hunger
Mit einem Atem wie eine jagende Katze im silbernen Gras: ich selbst
Unfertig wie die Wellen
Die wie unfertige Worte am Ufer mümmeln
Mit einer zahnlosen Rastlosigkeit ihr
Mugamuga beten: noch wollte keiner übersetzen: an solchen Morgen
Wo selbst der Gedanken an einen Menschen aus Fleisch und Blut
Mit seiner ganzen hohen Hucke aus Töpferei und Handwerk: mit diesem Buckel eines Botschafters aus Gokuraku
Halb Lieferantin von Werkzeug halb berin von Unheil: ich werde heute warten müssen
Wie immer wird mein Steg seinem abgetrennten Weg über das Wasser lange lange darlegen wie ein Mann
Der unfähig ist
Selbst mit einem Fuss am ersten Stein des Anstosses hinüber ins Jodo: selbst mit der Gewissheit des warmen Blicks von Amida:
Selbst mit dem feuchten Achselhaar
Das sich kräuselt wie ein Mogera wagura in den Abendstunden: ein gefährtenloser Satz von Fakten und Fahrten
Unfähig ist über sein Muga hinweg zu steigen wie über einen Haufen Ochsenkot: unfähig ist
Mehr als nur seine Biwa mit sich zu tagen: an der Hand des jungen Mönchs oder Monds der sich vor meiner Maske fürchten wird: Gokuraku ist dort
So werde ich ihm sagen: dem kleinen Amida: wo das Muga wie eine Spinne mit ihren Tentakeln sich saugend an deinen Unterleib legt: immer noch ganz F-R-A-U im Gesichtsfeld eines Mannes:
Selbst mit dieser Hannya-Maske
Die halb Schadenfreude halb wirklichen Schmerz zeigt: und das Sashimono regt sich
Wie die schweren Ölflügel des Kormorans goldig im Abendschatten glänzen im schwarzen Wasser unterm Nebelfilm: der Steg zeigt als Finger hinaus in den Flussnebel und flappend erklingt das Lachen der Kindeskinder: erklingt
Selbst ich kann es hören: das Schlurfen und Stampfen eines Tanzes und ich kneife meine Augen zusammen im Warten am Steg: klingele mit meinem Kässelchen: wie unfertige Worte steigen die Töne über den Fluss ohne sich die Füsse zu benetzen: das Klopfen eines Hammers auf Eisen und das Kichern der anderen Frauen.

Niemand kann behaupten

Niemand kann behaupten die Erde ist als Paradies
Herstellbar: niemand kann behaupten halbseitig begraben zu sein
Mache dich besser: verändere dein Antlitz und auch deinen Witz: du kannst einen Menschen schätzen in seiner brüchigsten brachialen Unfähigkeit: findest alleweil noch die kleinste Vertiefung im Sand vor dem See
Die eine Form von Spur sein könnte: niemand kann behaupten nicht an den Grimassen zu kleben
Die ihr die Zeit erlaubt hat: den Barkassen nachzuträumen die ihr über ihre Stirne gegaukelt sind: niemand kann behaupten
Es sei ein Leichtes seinen Körper als Monster zu sehen: ein Anker
In die Tiefe der Bindungen geworfen und zwar
Ohne Bewusstsein für die Tat: ohne Bewusstsein für die Folgen: ohne Bewusstsein wie immer: niemand kann die Erde in ihrer Wellenform
In ihrer aufgebäumten aufgeharkten haarigen Wellenform schätzen: niemand hat je versucht den Bergen im Osten dieses Lächeln abzugewinnen unter dem sie halbseitig begraben liegt wie ein eingeklemmter
Halb vom Schnee zugedeckter Vogel im Garten: und seine Rufe haben diesen mageren körnigen Klang deines Kissens mitten in der Nacht
Wen die Fakten sich genug lange: zur Genüge: aufgetürmt haben und aufgebockt über deinem fahrigen feurigen Gesicht fuchteln wie die Hände eines schützenden und jähzornigen Vaters
Der halbseitig gelähmt im Hüttchen auf den vom Urin vollgesogenen Matten vergeht und mit seinen harschen Worten nochmals eine Form von Paradies herbeirufen will: niemand kann behaupten ein Körper wie ein Monster sei eine Form von Läuterung: Ursache und Frucht in einem
Niemand kann behaupten die leiblichen Tatsachen verwischten nicht die unsichtbaren fein verzweigten Blätterspuren des Windes in unseren Köpfen: die Schrunden und der Schorf
Können nicht abgelassen werden: du kannst nicht ablassen vom formlosen Kantern deiner Ideen selbst hier in dieser abgrundtief menschenfernen Hütte in der Nähe dieses Stegs über den Fluss: die Erde als Paradies
Niemand kann das zu Recht oder Unrecht behaupten und doch spürst du
Deinen Körper wie ein Monster unter dir in die Knie brechen wie ein zu lang gehetztes Ross: niemand ist lange genug bescheiden genug.

Die Wellen schieben ihren Schnauz aus Eis

Die Wellen schieben ihren Schnauz aus Eis immer weiter den Strand hinan: breit und knirschend und ungekämmt
Ein gelbes hartes Wirbeln: windblind gehst du diesem Schnauz entlang: da
Wo das Land zu lächeln versucht: da beginnt das unerbittliche schlichte Reich des Unfesten mit einem bröseligen Versuch von
Wer weiss: Anteilnahme oder Übernahme: und den Schnauz siehst nur du: die Stiere am Hang werden ihm auch heute den Rücken zu: es ist zum Schäumen
Ich denke an die kargen verkrüppelten Arven im Gebirge
Einen Felsen umklammernd oder einen Grashubbel zwischen den Felsen: ihre Fakten sind sowenig meine Fakten
Wie der fliegende Sand in den Augen brennt und beisst und zuvor das Wasser
An den Knöcheln gemümmelt hat: du kannst nicht innehalten wie zuvor in deinem Hüttchen wo das Reisstroh in deinem Makura eine andere Sprache zu reden begonnen hat: die süsse Sprache von Männerschweiss vielleicht: mit blankem Seufzen hast du dich umgedreht und dem Knacken und Knurren deines Körpers gelauscht und bist hinausgestürmt in den Eisschleier des Tages: nur dein Körper kennt die Fakten und klammert sich an sie wie an die ein- und zweisilbigen Makurakotobo eines Gedichts: und seine hitzige und wimmelnde Weise erweicht die Knorpel im Gesicht der Welt und da watest du wie zuvor im blutgelben Korridor aus Leim und Reiswein: ein jeder Schritt ein Phänomen aus Einsinken
Anhaften und Losreissen und du hörst das Schaben der Eschen an ihren Schwestern und das leise Knistern der Kräutergarben im Garten im Wind aus Eis und summend wie ein ferner Generator: die blauen Lippen unterm Eisesschnauz
Formen Faktenzeichen von einer anderen Welt: sind die Ausleger einer westlichen Kälte und sauerstoffreichen Welle voller Krill und Walleiber: du stellst deine Getas auf das harte gelbe Gewirbel in der Erwartung eines Winselns und hörst nur das Rascheln von Eiskristallen
Die sich bis in ihre Spitzen fortsetzen und immer weiter und ausdauernd sich ins Kleinste verzweigen wie dein zerhacktes gezacktes Gefühl von einem schartigen Glück: ein atmender Panzer über dem See
Schwarz wie die angeschwollene Zunge meines Geliebten im Rachen und blau.

Das Dorf ist an den Abhang gekräuselt

Das Dorf ist an den Abhang gekräuselt: Menschen mit Bodenhaftung leben dort
Sie kennen den Wert der Dinge
Die Kosten eines Schwerts: eines Hufs
Die Kosten eines Saumtiers über die Pässe im Osten
Die Kosten für Wegelagerer: wie Stiere schauen sie
Auf das Bollwerk des Kii hinauf:
Jeder Schritt zeichnet sich an ihrem gereckten Kinn ab: am stumpfen Winkel ihrer Mäuler erkennst du
Den Glauben an die Fakten aus denen sich ihr Leben schafft: sie glauben nicht das den Westen spiegelnde Eisen meines Geliebten mehr: das auf der Engawa steht wie eine Menschenscheuche: sie glauben nicht an die Befreiung in der Armut: in ihren Töpfen schillert das Silber wie der Brunnenboden vom Mond: in ihren Schalen klumpt sich das Reis wie eine gestochene Schnecke zusammen: die See zu ihren Füssen bespritzt ihre Rücken mit dem weissen Schleim der Träume
Menschen die vorsichtig geben: die ihre Münzen drehen und drehen und drehen
Ohne die Rückseite je zu beachten vergessen denn zu betrachten: und die Berge sind ihnen unbegreiflich und unbesteigbar und deine Bosheit
Die längst nicht mehr an Taten glaubt: deine Demut
Die ihre Brust wölbt unterm Do der selbst verantworteten Demütigung
Deine selbst verantwortete Demut und dein Hass gegen diese gutmütigen aber nicht genügsamen Land-Tiere
Die du kaum sehen kannst mit deinen Welsaugen
Die fett vom Land und Fluss und mit dem anschwellenden Mark der Vernunft gemästet glotzen auf deinen wankenden Gang: glaubst nur noch an die Kunst der Unvollkommenheit und du kämmst
Die Haare deines Geliebten
Kämmst all das Stroh heraus und den Sand
Wäschst das schwarze Blut aus seinen Haaren: der Trog füllt sich schwarz mit Wasser: und staunst über die weisse
Weisse Haut im Nacken: es gibt nichts zu sagen: keine Fakten binden dich an diesen Mann
Diesen Eidechsenleib mit seiner Eidechsenrute: wie das Dorf kräuselst du dich am Abhang deiner Zuneigung: zu drei Vierteln abgedreht wie ein Dorfmädchen: die Unschärfe seiner Worte
Klingt wie der Ruf eines Ochsen: einen dumpfen warmfeuchten Laut stösst mein Geliebter aus zum Abschied und kehrt mir seinen Nacken zu
Kehrt mir immer seinen Nacken zu: ich kenne jedes Plättchen und die Färbung des Leders und das Knarren des Sode wenn er mich umarmt: da
Trampelt er durch das Gemüse meines Gartens und ich hebe meinen Kopf hinauf zum Stiernacken des Hügels
Wo die blosse Behauptung Fakten schafft: schon watet er durch den Bach und an seinem Ufer entlang in Richtung der silbernen Fläche des Sees: sein Shidoko glänzt in der Morgensonne wie Schiefer.