Ich grüne
Werfe mich hin
Als Schal in das Land
Eine Gestalt von Käfer und Kuss
Das Bein eines Hags ausgeschwenkt in die Zähren einer uneintauschbaren
Armut wie Grasnaben
Und hühne mich
Dem höhnischen Boden entsprossen
Hebe mich über den Stein des Anstosses
Unter dem der Bettler sich bettet
Dem die Freunde einwuchsen
Eingerollt in die Nervendecke aus Gegenwart und Zuversicht
Im leisen Schaben der Maden im Fleisch seiner und meiner Seele
Mitten im Menschental grüne ich
Noch eine Weile noch eine kleine Weile bitte
Schicke meine Papillen hinaus wie luzide lytische Antennen
In den Wald hinaus
Mit grünenden Lauten wie eine Katze im Schlaf
Schlage ich aus unter der Hand von Armut und Zumutung und
Werfe mich hin
Als Saite in die Geschichten
Die zu erfahren nicht erlaubt ist
In die Landschaften in die ich nicht geboren bin
In die Blutkreise in denen ich ersticken würde
Und höre die feinen Füsse eines Mistkäfers auf meinem Halmrücken:
Da bist du ja.
Autor: ofueglister
Dein Traum
Ich habe ein Haus
Ich führe dich herum
Es hat so viele Zimmer
Ich gebe nicht zu
Dass ich einige noch nie betreten habe
Ich glaube sie entstehen vorzu
Das Haus wächst aus sich selbst heraus
Ich bin gerührt und beschämt zugleich
Und erfinde Geschichten und Erfahrungen zu den neuen Zimmern
In den Ecken der Zimmer liegt etwas wie silberner Tau oder Kaffeeflecken
Ich zeige dir auch dein Kinderzimmer wie es war bevor du auszogst
Der riesige braune staubige Teddybär hockt wie ein Gräuel im Tempel deines ungemachten Mädchenbetts
Als wollte er dir und mir den Zutritt verweigern zu unseren Kindheiten
Schnell führe ich dich ins Zimmer nebenan
Räume einen Grossmuttertisch frei
Damit du deine Musik schreiben kannst darauf
Deine Musik für meine Schreibteppiche
Die ich dir nun zeige im neueren Teil des Hauses
Das immer weiter wird und sich ausdehnt wie eine Lunge
Israelischer Bauhausstil sagst du anerkennend und drehst dich verwundert hin und her in den lichten schlichten kaum eingerichteten Räumen
Die alle auf einen schillernden Wald hinausgehen
Auf eine Moorküste mit hoch aufgeschossenen verdorrten rindenlosen Espenstämmen
Du willst dich vor diesem in der Nieselsonne glänzenden Gebiss abwenden
Doch ich drehe dich um und bitte dich
Schau genau hin
Denn aus dem Moor steigen Nebeltücher und bilden Gestalten
Frauen und Männer und Kinder
Und ich führe dich
Bevor du sie noch erkennen kannst
Eilig weiter in das Männerzimmer
In dem die dumpfen Gespräche auf Perserteppichen geführt werden
Von ratlosen Gesten und Farsi-Gedichtfetzen und keuchenden Seufzern begleitet
Sascha Dimiter Cebrail Matthias Marc Vinzenz
Doch ich führe dich weiter in eine grosse Halle mit Oberlicht
Hier hängen die Porträts meiner Familie
Sogar die Kinder meiner Kinder stehen dort umgedreht an der Wand
Und ich führe dich zu einem Bild
Das jetzt denn plötzlich ist Nach geworden
Besser als die anderen ausgeleuchtet ist
Und ich sage
Das ist Heinz
Und ich reiche dir eine der Phiolen
Die unter dem Bild
Die unter allen Bildern in kleine Holzgestellte gesteckt sind
Und nehme mir auch eine und
Wir trinken daraus in kleinen Schlucken
Zögernd zuerst und dann immer gieriger
Bericht vom Gottesschrecken
Ich will der Wahrheit nach berichten, mein Herr
Ich will unser Leid nicht vergrössern durch Umschweife und Ausschmückung,
denn als der Gottesschrecken kam, mein Herr,
erlosch in unseren Herzen so gänzlich Hoffnung,
da durchfuhr unsere Knochen so vollständig das Eis des nächsten Lebens,
dass weder Pferd noch Reiter,
nutzlos in diesen Gebirgsländern voller Blöken und Kläffen, mit Verlaub, mein Herr,
weder Schwert noch Scheide mehr eine andere Absicht zu haben schienen als
hinzusinken und mit Gewicht zu verrosten und verrotten;
das Beben der Erde stammte von diesen Augen eines jungen Mannes,
das Schüttern der Berge,
als erzitterte ein kunstvoll zu Ehren Dagons aufgerichtetes Steinmahl unterm Donnern der Streitwagen,
ein Stein über den andern purzelnd wie ein aufgelöstes Gelöbnis, mein Herr,
das Schlickern der Hügel stammte von diesem gleissenden, schartigen Schwert,
das der junge Gottesschrecken schwang,
mein Herr, ich bezeuge seinen Eifer,
ich verstumme ob seines Muts,
den selbst du nur Tollkühnheit nennen würdest,
zwischen Senne und Bozez geschah dies,
unser Vorsprung ragte hinaus in die Schluchten und in die Kerben dieses öden Landes, das diese Barbaren wie den Garten einer Königin lieben und beschützen,
mit Harke und Schaufel um sich schlagend wie von Tollwut verseucht;
kaum hatte der Saulsohn seine Affengestalt über unseren Wall geschwungen,
das will ich bis an die Pforten meines Lebens bezeugen, mein Herr,
war es, als fielen uns die Zähne vor Klappern aus dem Kiefer,
weich wie das Fleisch frischer Feigen waren wir auf einmal geworden,
und so befiel er uns wie eine Trunkenheit,
wie ein gliederhemmender Rausch überfiel er uns,
ein Fieber liess die Welt zusammenfahren und alles Lebende zu Boden fallen, mein Herr,
als begänne eine neue Erntezeit,
selbst die Geier fielen vom Himmel wie Hühner,
das will ich bezeugen.
Versuch in Tribschenblau
Du mit deinem Meissner Remis-Gesicht
Ich mit meiner hochkantigen Zinne und meiner Wut
Die nicht tribschenblau ist
In barhäuptiger Entfernung
Lauschstation und Rauschstation
Und die wachsenden
Kriechend anwachsenden Bedürfnisse nach Entnahung:
An jedem deiner Schatten ein Faden bis in die Wurzeln meiner Fingerbeeren
Die leise in der Wärme deiner Hand pochen wie das tribschenblaue Gletscherinnen
Und die Seevögel bilden Arkaden
Schmutziggraue Bögen wie die Sohlen einer Walkyrie
Und wenn du sangst
Wurde meine Mühle ausgehoben
Und ihre Winde und Puffs ausgehebelt
In eine tribschenblaue Grube für Kühlelemente
Wo das Wigeleweia ächzend auspolterte
Hinter den Schaummasken von Raddampfern
Und den Gebissen von mondartigen Ebenen
Die wie Muskeln die Bedarfsanlagen umspannen
In die meine durchstossene barfüssige Wut eingelassen ist wie das Leuchthaar eines Pharaos
Und von wo in der Entfernung ein tribschenblauer Schatten
Fast wie eine Insel oder ein verblasstes und durchschossenes Verkehrsschild zu sehen ist.
Unwegsames Gedicht
Die Stiefelmeilen im unwegsamen
Leise seufzenden Mark der ersten
Unverzeihlich hingezogenen Blicke
Das im Hirn sich ausbreitende Rouge wie eine Zunge am Ohr
Die getrübte Nahsicht und die hoch aufgeschossene
Gleissende Fernsicht:
Mit dem blinkenden Gehorsam bricht der Mut in dir aus
Vielarmig und mit dieser dir allzu bekannten Zielstrebigkeit
Die nur ein Ziel kennt: den Verlust
Und dein aufgebrachtes Herz
Unter den billigen Griffen eines Fachmanns
Unter dem Wanzen seiner einschätzenden Abschätzung
Übt sich in den verklingenden Zuckungen einer Futtermethode
Dort oben auf dem Gestänge
Immer auch im Glauben an die Mästung
Während das silbern glänzende Blut zwischen deinen Zehen gluckert
Denn bereits hast du
Voreilig wie immer
Den zurückgelegten Weg vergessen
Und das schabende Geräusch am Leder deiner Entschlossenheit.
Die Behauptung der Hornhaut
Das zarte Fleisch einer Gefahrenzone
Umgewandt in die pfahlsteife Schwielenhand eines Morgens
Den du nicht erwarten konntest:
Die Sandpfoten mütterlicher Fährten im Himalaya einer tappenden Willensbekundung
Als gäbe es noch dieses eine Quäntchen Freiheit in deinem Leben:
Präzise angeordnet in den fallenden Schultern deiner ungezwirbelten
In Bälde prosperierenden Blütenstände
Aus denen kein Ruf nach dem Glauben kommt an eine Mindestanlage von Bereitschaftsgefühlen
die sich verkehren liessen in gewissere Panikattacken
verkehren liessen in die abgespannten Züge einer alten Liebe:
du begibst dich ungern
in jene abschüssigen ohrsatten Wartestände am Rande deiner Wahrnehmung
wo die Hornhaut sich noch ein wenig
noch ein letztes Mal fast sehnsüchtig behauptet.
Gedicht von den Scharten
Das Kamel am Ausgang der Schatten:
Ein herber Sockel
Körnig wie Reis
Knallende Verwahrungen wie verharschter Schnee gegen die flüsternden Versprechen von der sich weitenden Enge
Schalldurchbruch aus Ungeduld und Weile:
Eine Zornesküche im Schartentanz
Denn wir reden hier doch von der Musik
Oder zumindest von aufeinander folgenden Tönen
Wie Schläge im seichten Wasser
In die Seidentöne von Öl und Fett –
Ich weiss nicht mehr oder ich habe vergessen
Wie mir
Wer mir
Wo mir
Sich diese eine Fährte durch die sich engende Weite
Über diesen allzu nahen Buckel
Eingeprägt hat und ob es denn eine Fährte zu nennen sei
Und nicht eher eine Scharte
In deren scharlachrotem Insiegel die unsentimentalen Taten einer immer noch verfrühten
Immer noch leise wiegenden Ausweitung in die übermässig generalisierte Schattenei
Schattenöde
Schön wie gutwillige Brutalität
Rumpelnd wie Vorsätze im schmalen Aufmerksamkeitshorizont:
Dem Kamel den Ausgang bereitstellen
Bis zum unverzichtbaren
Bis zum verrenkten Gefühl von Leere
Von nahezu eisiger Wachsamkeit im singenden summenden Gefahrenumschlag.
Die Katze wischt mit ihrem Schwanz
Die Katze wischt mit ihrem Schwanz
Mit dem sie ihre Sprache in eine ausdauernde Schnürung verwandelt
Gott über den Hals und den gross geratenen Kinnrahmen
Aus dem Ihre Mandrillen-Wörter herabklingen
In den klippenhängenden Karren der Zeit
Der da hängt mitten in die Gesichter von Naivling und Weiser
Und sein Rollen und Rattern längst als überflüssig erkennen gelernt hat
Sein Hinunter- und Hinaufklettern in den Bergwerken der Seele oder einfach
In den Bücherborden der Dichter
Die ihn und seine Herrin immer wieder neu hervorgerufen haben aus dem glühenden Apfelgehäuse ihrer Menschenversagtheit
Mit ihren harten und hellen Nasen und ihren beim Singen
Kurz vor dem Wort ist es am besten zu erkennen
Wippenden Hälsen und die Katze
Die jetzt deutlich in ein Schnurrstadium hinübergehuscht ist
Zwischen den verständlichen Bleiben der Vergewaltigungsopfer und Teeniemütter (blau und flatternd) und ich sehe mein Gesicht
Aufscheinen im schwarzen Fleisch einer Frucht
Die zu meinen Füssen fault
Seit ich mich erinnern kann und meinen Worten die Würze gibt
Die mein Leben nicht hat und Gott
Mit Ihrer vagen Handschalengestalt beugt sich hinunter zu dieser einen
Zu dieser letzten Katze
Die Ihren letzten Spatzen und Ihre letzte Schabe gejagt und getötet hat
Aber nicht verschlungen und spürt die raue Zunge an Ihrem Kinnrahmen
Der wie eine Mauer aufragt in Gottes Stufengesicht
Und die Schlangenhaut im Himmel
Die Gott viel zu selten trägt
Löst sich im Mondlicht auf und rieselt wie Fischrogen oder Haarschuppen
Trocken und leicht ätzend in die hinaufgewandten Gesichter der Dichter
Die jetzt so aus der Ferne und seitlich von oben betrachtet
Mich an jene Prinzessin erinnern
An jene verkaufte Frau
Die Geschichte um Geschichte erzählte
Weil es ihr Leben galt und vermochte
In jeder Geschichte wie in einem Gedicht
Diesen kleinen Apfel wie ein Malum
Wie ein auflösender aufdringender fluch in der Drosselgrube Gottes zu bergenUnd Esau
Oder ist es wieder Ikabod
Der sich zu recht und ohne ein Wort im Herzen vergessen denn im Kehlkopf
Vordrängt um seinen murrenden Anspruch auf die Gärten in Ihren Herbstfeldern geltend zu machen und auf die Laubfeuer darin und wie ein Hut
Sich um die Kanzel Gottes windet der
Nachdem er nun auch die Katze erlöst hat in ihrem letzten hellen halb schnurrenden halb knurrenden Ruf
Sich endlich in seinem hühnerfüssigen Hüttchen über den Gotthard davon
Stiehlt vielleicht auf der Suche nach den Bienen oder aber
Nach dem Samen eines Sennabaumes für den Garizim.
Endzeitfantasie
Dem Marabout über seine James-Stewart-Augen fahren
Den Samuel-Söhnen das Efod in den Gaumen klemmen
Die Mutter aller Fragen in die Tötungsprozesse einbeziehen
Dem Patriarchen eine Vulva-Olivenbaum eingeben
Dem Schamanen die Staatsräson –
Die Rasur der Fiktion verlängern
Zugunsten einer ausgedehnteren Mär vom Erben eines Landes
Das sich mit Wüste Meer und Anfällen von Sternen gepaart hat
Bis der Marabout mit seinem hektischen Nicken eine Bereitschaft anzeigt
Die Wiege der Gesellschaft auszuschütten
In die zäh-anhängliche Bitte um ein einziges Wort vom Prediger –
Während die Kaaba aus der Bundeslade und die Hagia Sofia aus dem Ersten Tempel steigt
Unter den Augen eines abgetrockneten Esels
Der die Schreie des Marabouts und die Seufzer des Patriarchen
Der mit seiner Fruchtbarkeit und mit seiner ansteckenden Perspektive
Seine Sehnsucht nach einer neuen Welt verschärft sieht
In das bacchanalische Gelächter des Schamanen und das ululierende Prophetentum der Samuelsöhne einbrechen hört
Wie der Widerwillen der Krähe in das Gurren der Taube
Und das leuchtende Geständnis einer Lüge am Horizont die Bereitschaft erklärt
Den Wort-Werten und den Menoren
Die wie Klappen an der Tür des Tempels sind
Durch die jene Wahrheiten und Fakten und Erinnerungen schlüpfen können
Die im Bundesladendunkel der Kaaba
Im Kaabadunkel der Menschenherzen
Noch nicht entrichtet worden sind und dennoch dort im Diesseits heimisch werden wollen –
Diesen Aberperspektiven die Unmöglichkeit nimmt
In die Wirklichkeit deines Schmerzes und deines Wohlstandes
Die niemand verdient hat
Einzudringen
Bevor den Heiligen endlich die Fruchtblase platzt.
Wörter jagen mit Vater
Eines Morgens brach ich in meines Vaters Studierzimmer ein und sagte,
Wenn ich erwachsen bin, will ich auch jagen, will ich jagen nach
Wörtern und Giraffen, Bildern, Büffeln und Büchern,
und er, einen Stift und eine Teetasse in der Hand, sagte, Kleiner Vater,
Wörter jagen kann gefährlich sein – aber es ist doch am besten,
früh anzufangen. Er winkte mit seinem Pic-Kugelschreiber und sein Büro verwandelte sich
in den Nyandarua-Wald. Es war Morgen, der Nebel stieg
von der Erde wie Atem, Strahlen von der Sonne fielen hart
auf den Boden wie spitze Nägel. Kleiner Vater, siehst du
Ihn? – fragte mein Vater. Nein, sagte ich. Schau nochmals hin – der Nebel
Ist ein Spiegel – siehst du ihn? Und ich schaute nochmals hin und
Da war ein Maasai-Krieger hoch aufgeschossen wie die Bäume, den Speer in der Hand.
Beschatte ihn, ahme seine Bewegungen nach, beschatte ihn bis
Seine Bewegungen deine Bewegungen sind. Auf meinen Füssen
Durch die Blätter laufend schritt ich hin, wo er war, hingekauert
Wie er, so nahe an der Erde, die Füsse einsinkend
In den Boden wie in Schlamm, drehte mich und las den Wind
Und schwand in den Nebel, bis ich eins wurde mit dem Wald.
Für einen halben Tag blieben wir so – müde und hungrig,
ich war bereit, nach Hause zu gehen. Aber mein Vater sagte, Ich sagte nicht
dies sei einfach – du kannst Wörter nicht mit einem vollen Magen jagen.
Und grad als er geendet hatte, geschah ein so lautes Brüllen
Und Stampfen, dass heisse Untergrundströme aufbrauchen
Wie etwa ein Dutzend Wasserröhren, die zischendes,
dampfend heisses Wasser hoch in die Luft schicken. Ich wandte mich zur Flucht,
doch der Krieger hielt seine Stellung. Als das Brüllen
und Donnern näher kamen, verwandelte sich sein Haar, geflochten und voll von rotem
Ocker, in so lange Dreadlocks, dass es schien, es seien dies
Wurzeln, die aus der Erde herausstiessen. Als die Verwandlung
Vollendet war, stand vor mir ein Mau-Mau-Krieger, den Speer
In der einen Hand, die selbst gebastelte Pistole in der anderen, die Augen so rot,
dass sie durch den Nebel aussahen wie heisse geschmolzene
Schlacke, die langen Dreadlocks tausend dünne
Schlangen im Wind, Blätter und Gras und Dornen
Schossen an ihm vorbei. Du musst ihm helfen, steh nicht einfach
Da, hilf ihm – flehte mich mein Vater an, doch kaum hatte ich
Meine kleinen Hände zu Fäusten geballt, erschien der Löwe
Hoch in der Luft, den Körper in seiner ganzen Länge
Ausgestreckt, und der Mau-Mau-Krieger zog den Speer,
als sei er eine lange Wurzel, aus der Erde. Der Löwe versuchte, mitten in der Luft,
anzuhalten, zog seine Pratzen als Friedensangebot zurück, aber es war zu
spät, und er liess ein weiteres Brüllen entweichen, als seine Brust einbrach
in den Speer, die Brustplatte gab nach, bis der Speer
seinen Weg ins Herz gefunden hatte. Sterbend dann tot,
setzte er seinen furchtbaren Bogen fort und landete. Ich winkte,
und das Bild stand still. Mein Vater kam zu mir
und fragte, Wieso hörst du mit der Jagd auf? Ich sagte,
«aber wir töteten ihn – ich habe, wofür wir gekommen sind.» Ich zeigte dorthin,
wo der Mau-Mau-Krieger seinen Speer herauszog
aus dem Kadaver, aber mein Vater schüttelte seinen Kopf und sagte,
– Du hast es gut gemacht, aber schau genau hin – wie kannst du
All das in einem Wort tragen? Wie können wir das nach Hause tragen?
Es ist zu schwer. Ich lachte und sagte – «Vater, so hilf mir doch.»
Aber er zeigte auf den Boden, auf einen stetigen Strom eines hellen
Dünnen Flusses, der sich wütend wand durch die Kerben
Des Speers in die Erde. Auch ich deutete, unfähig zu sprechen
– die Schönheit grösser als meine Vorstellungskraft. Ich war verwirrt.
Ich hatte keine Wörter. Komm, lass uns nach Hause gehen, Kleiner Vater.
Wenn du alt genug bist, wirst du die Wörter finden, sagte er.
Doch sei immer vorsichtig – ein Wort jagen heisst ein Leben jagen.
Mukoma Wa Ngugi,
übersetzt aus dem Englischen von Oliver Füglister
