Der Schwindel

Du weisst, wie selten unwirklich nahe Ziele sind,
Wie rasend sie im Auge verlieren ihre Wut, das Kreissen
Nach mehr und mehr vom Gleichen, von Leere voller Spind,
In dem die feinen Beine mit kühlem Streichen kreisen,

Die Nähe dehnt sich aus, Universum tollen Sinns,
Die Zungen lappen schal, Allianzen finden Zwecke,
Die Reibung stillt die Töne; der Einfluss dieses Dschinns
Mit Namen «Bin gleich da», wie erklingt er aus den Hecken,

Als könntest du hineinragen lang und bis zum Steiss
In diese Kehren-Welt, in das dichte dünne Toben,
Wo rasend um dich dreht die Bedingung ihre weiss
Geglühte Kost, mit spitzem Gefinger schält ein Oben

Aus all dem Schwindel, kauerst du in schweissgetränkten Mulden.
Ich seh dichs ja mit dankbar gesenktem Kopf erdulden!

Leere Schränke

Du siehst den Schnee schon liegen in deinen eignen Wänden,
Du denkst, es fielen Reiskörner, die aus Stille stechen
Den ersten Ton, der dir aus den steifen lauen Lenden,
Den unberührten, steigt, ein Gesumm von roten Rechen,

Die deine letzten Vorräte schnell zusammenkehren,
Als seien sie die Infektion, die Genesung endlich brächte;
Du würdest gerne umkehren, würdest gern vermehren
Die Leere deiner Schränke, die eigne Stimme schächten,

Die scheuen Pferde satteln, von hoch hinab erzählen,
Warum das deine Welt ist, das Reissen heisser Saiten
Im dunkeln Schaft des Herzens erklingen lassen, wählen
Den schmalsten Ton, der spitzen Gewalt verkühlt entgleiten.

Ich seh dich singen, stilles Stechen, du – vom Hunger blind –,
Du weisst, wie selten unwirklich nahe Ziele sind.

Nachtisch-Lampe

Das Sucht-Staken im Zufluss –
Die Rampe verlassen
Frisch im Gras
Gut aufgebahrt
Die Pontoniere suchen wie Dochte
Und im Huckleberryschoss
Das Schloss am Tisch zur Türe:
Ampeltuchnacht bringt mir eine Nachtisch-
Zumutung mit Butternuss –
Dolchwürfe mit Fischen
Und Knorpeln aus dem Gesicht.

Stadtgedicht für Heinz

Brahmanische Zuläufe in den Straussengängen
Violette Standmatrixen
Markierte Hälse und mandelrosa Unterwerfung:
Entbrückung mit Lammrücken-Hospitalität
Madengrüne befreite Stücke von armleuchtenden Mineralien –
Argumentativ verfolgte Miniaturen von
Engelskopf-Hipstern und natürlich die zugehörigen Batterien
In markusplatzlastigen Abstürzen und die Stadt
Kasten-Kastenteufelische Eierspeise:
Unüberbrückte Panikfarbe im Namen eines
Neuralgischen Differenzspielraums
Und einer Gesangsübung mit Muttermal auf offenem Herz
Auf dem mütterlichen Ekzem:
Vom Ausbruch des Erdfreien
Saugenden und die Stadt
Mit unabkehrbaren Attitüden Beta-Amyloid und Bio-Markern:
Ich verdut mit einem autobiografischen Dutt
Und ich höre keinesfalls mehr
Von dir Heinz: dein Name
Stirnverwachsen: Tau
Auf den Kreuzen wo
Mutmenschlich
Abgehakt im Fragebogen
Wem du zollst
Hier in der Stadt
Die Abhängigkeit von dir
Den Mittelgang durch den Schienen
Wie durch Ohren führen.

Bedürfnis nach Scherz

Du tust, was du getan hast, und gehst von Hind nach Sind,
Ein wenig mehr Bedürftigkeit, bisschen Wind im Ohr,
Helvetia eingebrannt in die Hand, ein Mal fürs Kind,
und auch fürs ausgegorene Klammern, Schaum im Tor,

Und Scham zuvor, die Tat wie die Lust ist Ausgeburt
Von zahmer ungeschorener Dürftigkeit, da schwelt
Ein Brand im Grasgefleck, und in jeder Hore schnurrt
Ein Durst wie ungeschmolzenes Eisen, Eis bemehlt

Von scharfem Zungenfall, und die Füsse wund vom Harsch,
Du läufst auf Fluren voller Geschiebe; mühlen-wohl
Ist dir im weissen Schaum, Hominiden-Haut wächst rasch,
Das Gehen über karstigen Stein nicht länger mühevoll.

Ich seh dich unten hocken, erschöpft vom Wärme-Spenden,
Du siehst den Schnee schon liegen in deinen eignen Wänden.

Feuerschale

Ich seh dich Fünfer wenden mit brühend heissen Händen,
Vergessen hast du schon die Erfahrung, dass Geburt
Entbehrung ist und Umkehr sich anfühlt wie Verenden,
Genau wie Narben unter dem Kreuzstich, dass die Furt

Die du beschreitest, ungetan werden wird in Bränden,
An denen gut zu schnuppern, erquickend blaut Geruch
Daraus nach Kreuzen, Kreuzwegen, dumpfen Unterständen;
Du hast noch nichts getan, hingehockt im stillen Bruch,

Und hörst wie leicht die heulenden, lang gedrehten Tänze
In Hälse voller Zungenbruch, Strecken voller Wut
Und Trampeln ausgestreckt sind und gleich den Feuer-Schwänzen
Der Sommersonnenwende sind, reif in träger Glut.

Ich seh dich aus der Schale geschlüpft und stier und blind:
Du tust, was du getan hast, und gehst von Hind nach Sind.

Keine Stunde

Du musst nicht gleich ein Bärtierchen sein, aus Moos geschält,
Bescheiden-krumm, Sporophyt im trocknen Sand der Kunde
Von Dankbarkeit und Abkehr, wo niemand mehr erhellt
Von Zeiten-Wechsel oder Geduld, und keine Stunde

Vom Zornesfall Erleichterung bringt und nichts vom ungezählt
Im feuchten Bruch verklingenden Röhren aufgehoben,
verschlungen wird wie Himmel; Geduld, Geduld ist Geld,
Ein Speerwurf in die Bärlauch-Gedichte, aufgestoben

Aus platten Lettenpfaden, grau und ausgewählt
Als Mittel gegen Schamrückfall, niemals gut beraten
Von abgekehrter Dankbarkeit; keine Stunde stählt
Dich mehr als diese, um die Gemeinschaft zu verraten.

Ich seh dich stehn im extremen Geländ mit nassen Lenden.
Ich seh dich Fünfer wenden mit brühend heissen Händen.

Haut der Zweiheit

Denn wer will immer kümmern? In heisser Kälte weilen?
Die Enge dieses Lands und die Schwere dieser Haut
Mit Fassung tragen lernen, auf schnellen Beinen eilen,
Gehorsam ausgeschwärmt, in der Fläche aufgestaut?

Nicht du, nicht ich: die Kluft hat die längste Zeit gehalten
Geschlecht und Körper, Geist und Gehirn wie Wachs verkrümmt,
Und wollt uns weiter zwingen, an Zweiheit festzuhalten:
Wo keine Zombies, unmündig-mild, aufgetürmt,

An spitze Hüte ängstlich geklammert, ist Gedeihen:
Wo Krümmung Gräde wird, und der Kreislauf warm spiralt;
In Spalten wollen Unterschied, Widerspruch wir seihen,
Aus Haut und Heimat aussteigen, – die schon längst verstrahlt.

Ich seh dich schon im Wandel, entfremdet dieser Welt:
Du musst nicht gleich ein Bärtierchen sein, aus Moos geschält!

Verschellen

Mit Blumen-Nägeln kratzen am Teer der Sorgen-Welt,
Mit roten Lippen, brennender Zunge Dinge nennen,
Die dich jäh aus der eignen Person herausgepellt;
Und Zustand um Zustand den Trug von Lüge trennen,

Das willst du: anders-farbiges Denken, ungestört
Die Kraft des Kenterns üben, auf hohem Absatz stehen,
Die Wände wenden, dass sie ein Lied sind, unerhört,
Ein Lied, das mächtig-grünendes Land zerstört, Wehen

Hervorruft, Hitze-Dickicht, wo unterm Purpurzelt
Dein Asche-Leib verschollen; und sollt es dich zerreissen,
So sag dir nur im Zorn, wie hat es dich doch gequält,
Das innre ständig neu mit dem äussern Tau zu spleissen…

Ich seh dich gut, bist längst schon dabei, dich abzuseilen.
Denn wer will immer kümmern? In heisser Kälte weilen?

Ort: ungekrümmt, entstellt

Ich seh dich wieder sieden und Widerspruch austeilen,
Mit Wörtern zielen nach einem Ort, wo stumm und blank
Die Armut Freiheit hiesse, ein Raum aus vielen Teilen,
Die ungleich haften an den Geschichten, die im Stank

Dich halten, die im Reich realer Dinge weilen,
Wo dir nicht deine Plastizität verloren geht,
Die Gier sich nicht erschöpft an leeren Tellern, heilen
Die Mühen nicht in Schränken; ein Ort, an dem entsteht,

Entstellt und schwül und unbelebt, ausgedehnte Wüste,
Worin die Fakten stockfleckig werden, wo wird wahr,
Was du nur fühlst, und wo Transitives findet Küste,
Das Passiv glüht im Wechsel der eignen Geschichten-Schar.

Ich seh dich ungekrümmt, transfinit, erfolgs-vergällt
Mit Blumen-Nägeln kratzen am Kitt der Sorgen-Welt.