Nicht mehr wie in Mizpa,
niemals mehr wie in Mizpa,
das sage ich euch heute,
denn was soll ein Wachturm,
was soll ein Pfahl in unserem Fleisch, der keine Verjüngung bringt,
der uns an Ort und Stelle bannt,
ein Ort, der hinausschaut in den Norden,
ein Ort, der hinausschaut in den Süden,
sehe ich nicht auch Gibea im Staublicht des Mittags,
drüben die Stiegen hinauf nach Bet-Awen,
in meinem Rücken die Blutstiege,
nicht mehr wie in Mizpa,
kein Horn mehr über unseren Herzen,
kein Dorn mehr in unseren Hirnen,
keine Beige von Entscheiden, wachend über die Geschicke von zu vielen,
die nicht eins sind, die niemals einer sind,
die wie die Terebinthe vor Jabesch ihre Arme, ihre Knie in die Richtungen von Diesseits und Hierseits ausstrecken sehnsuchtsvoll,
kein hoch lodernder Sennabusch mehr auf der Anhöhe mitten im Ocker der Wüste,
vor dem nur Barfüssige knien sollen,
unsere Haut ist wie die kiesige Erde zu unseren Füssen,
unsere Herzen sind die rollenden Körner einer Düne,
und Gott ist kein Wind, der uns triebe,
kein Säuseln, das uns lockte,
kein Rascheln in den Sträuchern, das uns zu beissen kommt,
unsere Locken haben die Farbe feuchten Sandes,
doch mittendrin rinnt das Blut unserer Schwestern, ihr Männer, unserer Töchter, unserer Frauen,
laut wie der Ruf unserer ungeschorenen Kehlen aus der Tiefe unserer Nieren,
mitten durch die Schlucht unserer Untaten,
lasst uns nicht mehr schwören,
lasst uns niemals mehr bannen,
lasst uns nicht mehr wachen,
lasst uns niemals mehr auftürmen einer den anderen zu einem Pfahl, zu einem Opfer auf dem Wege in die vielen Richtungen, in die vielen Höhen, in die vielen Schluchten, in die vielen Flecken, in die vielen Jaboks,
fliessend oder stockend,
lasst niemals mehr wie in Mizpa uns besammeln,
lasst uns nicht mehr wie bei Mizpa,
einander ausspähend, eine
Richtung wählen.
Autor: ofueglister
Und Auch
Drohungen schallen uns entgegen, Samuel,
Drohungen und das ewige Gottes-Aber,
als könnte das eine oder andere noch locken.
Eng und enger wird es uns in dieser zweiseitigen Welt,
diese zweischalige Perspektive schnürt uns die Kehle ab, Samuel.
Es ist uns nötig ein neues Und,
kein sowie, kein zudem, kein dazu, kein aber-ja, kein überdies,
ein unduldsames Und,
das wie ein geschleuderter Stein den Weg überfliegt, der sich angesammelt hat,
der sich anhäuft wie ungebranntes Unterholz,
der sich selbst äufnet im immer gleichen Zweischritt,
und niemals noch hat dieser Stein sein Ziel getroffen, Samuel,
die Stirn des Auch,
ach und sei es auch die Knöchel seiner Hand.
Du ödest uns mit deinem Entweder-Oder,
du bringst uns an der Rand von Verstand mit deinen Listen, Samuel.
Du zählst uns die Reihe von Paragrafen auf, die doch nur gelten, solange einer von uns lebt.
Das Handeln, das du uns vorschlägst, liegt immer schon auf einer Waage,
die keinen menschlichen Massstab kennt,
es liegt immer schon unter einem Auge, das nichts Menschliches noch kennt.
Unsere Worte dringen zu Ohren, die eine Sprache verstehen, die aufzählt und aufrechnet,
müde sind unsere Lippen vom Anschein der Anhörung,
von der Lüge, es gehe uns so, wie wir handelten,
unsere Füsse sind schon wund,
denn in welche Richtung sind wir nicht schon gelaufen wie eine Herde von Schafen über eine nächste Klippe,
und wieder bietest du uns das gleiche Und,
das uns abtrennt von der Fülle des Lebens und vertröstet auf später,
weder den Regen noch das Unwetter können wir die mehr glauben,
du hast uns so sehr entfernt von diesem Auch,
gegen das wir gestern noch gestritten haben, Samuel.
Dieses eine Wort
Wüst und leer ist, was gut ist.
Wüst und wirr ist, was böse ist.
Es gibt so viele Auslassungen.
Es gibt so viele Ankünfte.
Zitternd wie die Feige am Wegrand,
abgeschlagen wie eine Wolke im Sommerhimmel,
alle Verbindungen verloren stehst du vor den Toren und hast nur noch den abgerissenen Scherz:
ein Und nicht wie eine Brücke,
ein Und nicht wie eine Hand,
ein Und nicht wie eine Schulter,
ein Und wie ein erster Tag:
mehr als jener Bogen in den Wolken,
wenn die Regentage nicht mehr zu zählen sind über dem umgebrochenen, unfertigen Land:
auch das Und ist dann Geschichte,
Weitergang und Wiederkehr,
Abhall und Abkehr,
gut und böse heisst dann Und,
weiss und schwarz heisst dann Und,
Wissen und Unwissen heisst dann Und,
Rebe und Wein,
aufgeschwungen in den Himmelsstarrkrampf wie ein Geier wird Und sein,
seine Schwingen werden den Verstand Jafets verdunkeln,
seine geussenden Rufe werden das Herz Sems zerreissen,
und Ham wird aus der Vergessenheit herausgelassen wie das wirre Stirnhaar eines scheuen Mädchens,
und diese eine Silbe, dieser lallende Laut,
nicht länger als Zwinkern eines Hahns im Morgen,
schmal wie die Pupille im Auge einer Ziege,
mitten im Eigelb dieser menschenüberfluteten Welt,
kaum mehr ein Fuss passt zwischen dich und mich, meine Tochter,
dieses hingeworfene Zugeständnis von Wort,
diese Verbindungs-Abschande,
ist dir wie ihm gegeben, klein und verbindend, klein und trennend,
zu gross für einen Handschlag,
zu weit für eine Umarmung,
zu klein für eine Brücke,
zu fern für den Himmel,
zu kalt für den Sommer,
ein Irrsal fruchtet in ihm,
ein Wirrsal quillt in ihm,
halte es in deinem Schoss wie ein züngelndes Auge,
und wenn der Mann kommt zu dir,
und wenn die Frau kommt zu dir,
wirf es fleischig ihnen ins Gesicht.
Feld von Tatsachen
Ich bin ein Feld von Tatsachen,
ich häufe an, was geschieht,
ich sammle auf, was brach ungeschehen liegt,
ich bin ein Wurzelgrund für «genügt nicht»,
die Spuren meiner Schritte sind ein leichtes Tappen über die gesprungene Scheibe der Zeit,
die Eindrücke von dem, was geschieht, sinken unter meine Zunge,
wo sie Schatten finden und Feuchte,
wo ich sie rolle wie den Kern einer Olive,
mein Geläuf hinterlässt Schwangerschaftsstreifen auf den Wirklichkeiten,
die in ihren Banden um unsere Kehlen wachsen wie die Weinrebe,
ich bin ein Hügel von Sachverhalten, die kein Sachwalter mehr einzuordnen vermag,
ich bin ein Tell von Fakten,
die kein Archäologe mit Glaubensinhalten in Übereinstimmung zu bringen vermag,
ich bin ein Ausdruck, der so sehr Eindruck ist,
dass Geschehenes noch geschieht,
ich bin ein Eindruck, der so sehr Ausdruck ist,
dass in dem kleinen Raum meiner einzelnen Kehle möglich wurde, was passieren wird,
als schnurrte eine Katze in deinem wartenden Schoss,
ich bin so sehr Mann, dass meine Brüste anschwellen von Kolostrum,
ich bin so sehr Frau, dass meine schwielige Hand das Antlitz der Besitzenden eindrückt mit einem Schlag,
wenn sie denn je eines hatten, die da haben,
ich bin ein Feld von Tatsachen,
das deinen Atem einlädt zur Paarung,
ich bin eine Spur von Mensch, dessen ganzer Kopf Gesicht ist,
ich bin ein Wort, das immer wieder ausgesprochen wird wie ein fliegender Samen,
ich bin ein Wort, das selbst als Strich in der Landschaft mehr als nur verbindet,
in meiner Erdschale liegend, sehe ich die Finger der Blätter über mir,
die aus meinen Untaten wachsen,
die ich in die Zukunft geworfen habe,
und ich höre sie flüstern wie das Wasser des Kidron, und?
Es gibt keinen festen Boden
Was für Spuren hat sich das Handeln dieser Männer in ihre Gesichter gegraben?
Was für Fährten hat das Denken dieser Männer in ihre Züge gelegt?
Schau genau hin, mein Sohn!
Das sind Männer, die ihre Kindheit hinter sich gelassen haben, ohne dass sie Spuren hinterlassen hätte:
Ihre Zehen sind krampfhaft in den festen Boden gekrallt,
die Furcht vor dem Schlick, auf dem sie zu stehen haben,
die Verzweiflung über den Pflotsch, auf dem selbst die Grundfesten ihre Standfestigkeit verlieren,
verlieren sollten, denn siehe, die Tatsachen sind weich und nachgiebig wie die Backen eines Säuglings,
wie die frischen Myrtenzweige im Hain der Grossmütter, mein Sohn,
aber schmerzlich ist ihr Schlag dennoch,
Verzweiflung aus Ohnmacht und Furcht aus vielleicht gar Fürsorge haben ihren Mienen für immer das Zeichen für das Eine oder das Andere eingeprägt,
schau gut hin, denn das sind die Männer, die ihre Kindheit hinter sich gelassen haben, ohne dass sie Spuren hinterlassen hätte,
und du wirst sie immer an ihrem Gemeinsinn erkennen, dem das Eigene näher ist als das Andere,
du wirst sie immer an ihrem gesunden Menschenverstand merken, der die Tatsachen wie die Glieder einer Kette um deine Kehle zu legen versucht,
doch siehe, mein Sohn, immer wirst du sie hocken sehen,
wie Kröten im Winter kauernd und erschauernd und schluckend über die Schattenwürfe von Babybacken und Myrtenwinden,
denn die Tatsachen sind furchtbar fruchtbar,
du siehst es in ihren gaffenden Augen,
denn was geschieht, mein Sohn, lässt nur zweifeln,
lässt nur die Hände ringen, wer nicht lauscht auf das Säuseln im Herzen, das langsam umarmt das Geschehene wie eine Mutter ihr erstes Kind,
und sei es ein Schlag, und sei es ein Ausschlag,
wer gackernd krallt nach dem ersten Korn im Hofe des Herrn,
das ledrige, rote Tuch des eigenen Kamms mitten im Gesicht.
Samuel Wiederkehrer
Da ist er wieder,
da kehrt er wieder,
da käut er wieder,
ohne Zögern und Scham prasseln seine Worte wie in der plötzlichen Kälte eines Morgens erfrorene Weinbeeren auf unsere abgenützten Kehlen ein,
immer die gleichen wiederkehrenden Haken schlägt er vor unserem Angesicht,
als lernten wir nimmer dazu,
und da ist er wieder,
mit diesem ungerührten ausdruckslosen Gesicht eines Gelähmten,
und nur die Augen rollen in ihrem Gefäss wie Kiesel in einem Krug,
er sagt immer noch das Gleiche wie zuvor,
denn seine Diät ist immer noch die gleiche wie zuvor,
und immer noch hat er das Glück, das Wetter zu lesen wie andere im Osten ihre Tontafeln und Steinmale,
Teufelswerk: aufschreiben, was du Tochter und Sohn erzählen kannst,
damit diese das ihrem Sohn und ihrer Tochter erzählen werden,
mit lebendigen Wörtern wie die abendlichen Fliegenschwärme unter den Bäumen, wo die Alten sitzen,
er holt uns ein Gewitter herbei mit seinem klappernden Mund,
das unsere Weinberge schlägt und unsere Olivenhaine,
den Weizenhalm zerbricht und den Hafer zu Stroh macht,
und will noch Dank für seine Wiederkehr, für seine Wiederholung,
für seinen grünen Wortschleim, der auf unsere Kehlen spritzt wie das Gift jener ersten Schlange,
die nichts anhatte, aber viel drauf,
wo er viel anhat und immer das Wiedergleiche drauf,
da kommt einem gleich die Sehnsucht,
doch seine Kehle ist so reif, dass sie selbst im wenigen Wahren das Böse herausschält und uns als den Kern darbietet,
aus dem doch etwas wird, was vorher nichts gewesen war,
seine Kehle ist so alt, dass ihre Güte wie von Kindern in einem Feigenhain zertrampelte Feigen ist, die doch für die Armen aufgehoben werden sollen,
seine Kehle ist so erwachsen wie nur bei Männern, die ihre Kindheit hinter sich gelassen haben, ohne dass sie Spuren hinterlassen hätte,
da kehrt er wieder,
da ist er wieder,
waren wir ihn nicht losgeworden,
da käut er wieder seinen grünen Hader und seine gottesschrumplige Eifersucht.
Abgewandt stehst du da
Da stehst du abgewandt,
das Gesicht verdreht wie jemand mit Magensaft auf der Zunge,
der Lärm ist dir zu viel,
die Menschen sind dir zu viel,
und du stehst abgewandt von all dem,
das dich ungefragt anspringt,
das dir an der Kehle zerrt,
als könnte sie all das schlucken,
all das hinunterringen, schlucken und stillen,
was nicht genug ist und nicht genug sein kann,
was von der Fähigkeit zur Genüge und dem Gefühl des Genügens nichts weiss,
abgewandt stehst du fast wie eine Aschere da,
doch nicht ungerührt,
mit einem wilden Schrecken über all die saugenden Spalten und schlürfenden Enden,
die durch keine menschliche Hand mehr zu verschliessen sind,
die durch keine menschliche Tat mehr zu eröffnen sind,
deine Haare stehen dir zu Berge in all dem Lärm von Zimbeln und Pfeifen,
in all dem ungenügenden Überschwang,
der niemals mindern kann die gewonnene Schlacht oder das errungene Argument,
den niemals die ausgefeilten Pläne und die reifen Entscheidungen überwinden können,
denn es bricht hervor aus den Menschen wie eine fremde Stimme,
die ein schreiendes Unrecht, ein überflüssiges Organ für eine Freude,
die keine Botschaft hat,
du stehst in all dem Gejohle und Gerenne abgekehrt da,
und hielten die Menschen inne, wie du das tust,
müssten sie es nicht sehen, wie du das tust,
müssten sie nicht sterben wollen, wie du das tust,
müssten sie nicht leben wollen, wie du das tust,
leben und sterben nicht nach jenen immer nur genügenden, immer ungenügenden Massstäben,
die weder im Mangel noch im Übermass erfüllen können,
und vorerst weisst du nur dich abzuwenden.
Heute soll niemand sterben
Heute soll niemand sterben,
heute soll niemand eine Rache spüren,
die nicht auf Verantwortung und Nachsicht fusst,
heute soll von Gad bis Naftali, von Manasse bis Simeon keines der Kinder meines Volkes seinen Vater vermissen,
nur weil ein Mächtiger um seine Macht fürchtet,
nur weil ein Mächtiger seine wunde Niere für wichtiger hält als eure heile, helle Kehle,
nur weil ein Mächtiger die Sandkörner au seinen Füssen zu zählen versteht, die ihn stechen,
nur weil ein Mächtiger für ein Blinzeln im Steinauge Gottes diese eine Zipfelchen Land zu retten vermochte.
Heute ist kein Tag zum Feiern,
heute ist kein Tag zur Freude,
wir haben immer noch das Korn im Auge,
das vom Lauf der blossen Feindesfüsse aufgewirbelt ist,
wieder einmal reiben wir uns die Augen,
wieder einmal müssen wir uns fragen,
warum sind wir hier,
warum streiten wir um diese steinigen Hügel,
um diese faden Gräser, die zwischen Gemsenköteln und Ginster mit ihrer Zunge im Wind ein Flüstern erheben,
als seien sie Gottes kaum vernehmbare, rachedurstige, wutheiseren Worte?
Warum sind unsere Feinde wie Flut und Ebbe,
die uns Land schenken und nehmen?
Heute soll niemand sterben,
heute soll niemand ausgerechnet meine Ferse auf seinem Hals spüren,
denn ich kenne den Ginster,
seine eine Hälfte ist dürr und kahl, die andere Hälfte aber steht in weissem Blütenschnee,
und der im Berg geht, reibt sich die Augen, ob Mitten im August der Winter gekommen sei,
ich kenne auch die Gemsen,
die in die Steile und Schräge und ins Pfadlose steigen, hoch und höher,
doch willst du sie treffen mit einem Pfeil, springt sie dir im Nu hinweg,
wie ein Spatz, der auffliegt,
und wärmt nicht die Ginsterwurzel die Nächte der Machtlosen,
lässt der Sprung der Gemse in der Felswand nicht das Herz des Trägen selbst hüpfen und hoch aufspringen?
Ein guter Freund
Einen guten Freund hatte also Jabesch ennet des Jordans in dir,
einen guten Freund hat also dein Volk in Adonai,
scheint’s wehrhaft und mild,
doch hast du nun in deiner Bewährung und Milde einen Freund, mein König?
Deine Kehle wird noch manches Mal sich verengen wie die Augen eines Verwalters bei der Kontrolle von Soll und Haben,
deine Leber wird noch manches Mal jucken wie die Finger eines aus seinem Tor freundlich grüssenden Nachbarn,
deine Füsse werden noch manches Mal aufstampfen im Grimm über die tauben Menschenherzen wie ein Junge, der seiner Mutter nichts mehr abzuringen vermag,
wenn eine Frau dir begegnet und deine Sinne reizt,
doch hast du für deine Güte und für deine Fehler schon einen Menschen gefunden,
mit dem du zusammen ihren Honig leckst?
Ein guter Freund, mein König, ist eine Kehle, die sich öffnet wie die Ebene Jesreel,
und in der Ferne grünt das Meer,
ein guter Freund, mein König, das ist wie die Niere, die in dir hüpft wie die Kälber auf dem Baschan im Frühling,
ein guter Freund, mein König, das ist wie ein Fuss, der leicht durch den Morgentau geht,
und niemand rechnet,
niemand will in Trotz und Trug aufstampfen gegen die untrügliche Trägheit der Menschenherzen,
denn dieses eine Menschenherz, langsam schlägt es für dich,
aus tiefer Brust kommt der Atem warm und süss durch seine Kehle,
und der Fuss ist feucht vom selben Tau,
und sei’s auch der Tau einer Schweinesuhle ob dem Binnenmeer,
und sei’s auch der Tau am Eingang der Höhle von En-Gedi,
ein guter Freund ist einen Kampf
und das Aufschlagen deines Kopfs zu seinen wartenden Füssen wert.
Mann in der Schwebe
Ein Ding ruft auch
Ein Ding redet auch
Ein Ding will mich greifen
Ein Ding will mich ergänzen
Gut machen
Ein Ding ist wie die Haarbürste meiner Tochter
«Papa das ist Kohlenstoff
Weisst du das nicht?»
Da bleibt was hängen
Darin sind noch die Bittervanillehaare
Grau wie der Bauch eines Hais meiner Frau
Ein Ding ist lange her
So lange leer
Und mit einem Mal weine ich darum
Nicht einen Abschied zur Sache machen zu können
Zu einem Wirtshausschild
Zu einer Erinnerungsplakette
«Hier wohnte…»
«in diesem Haus…»
Eine haardünne Linie zwischen Wasser und Staub:
Und die Zecke kriecht beharrlich über das Fenstertischchen im Zug auf mich zu
Was: wieder eine Zecke?
Woher kommt diese Lebensform
Die nur auf Klammern angelegt ist,
wie du es einmal warst
und auf das Saugen
Aussaugen wie sie von dir behauptet hat
Und von deinen Pheromonen angelockt kriecht dieses uneinsichtige
Uneinsichtbare Wesen das du wie ein Ding von dir wegschnippst
Haarschuppen oder Platanenwolle
«Sie Herr Füglister gäll
Daraus kann man Kleider machen»
Ja und Teppiche
Und Dinge rufen auch
Wie sie gerufen hat und ruft
Wie sie mich
Wie du
Wie sie müde
Wie du müde
Heimkehrt habe ich mir oft vorgestellt
Und ich beobachte die Liebenden
Wie sie Gesten tauschen durch das staubige Fenster und mit den Lippen Laute vormachen
Die auf keine Sprache zurückzuführen sind
Es könnte auch Hebräisch sein oder Griechisch
Eine dieser Sprache vom Anfang einer Welt
Plüschig und schaumig
Kehlig und mehlig
Und du blickst auf seine Lippen
Auf seine gerüschten Lippen
Und sie ruft mich
Aber ich habe keine Ohren für sie
Aber ich habe keine Ohren mehr für dich
Meine Ferne ist in die Ferne gerückt
Wie ein Insekt mit seinem Willen wenn du das Willen nennen darfst
Noch nennen darfst
Sie klammert sich an das Papier
Mit dem du sie wegzuwischen versuchst
Einen Moment ist dieses Lebewesen
Das du Ding zu nennen wagst
Denn keine Augen siehst du daran
Denn nur dieses Vorwärtsdrängen Vorwärtskriechen
Und ich achte sie für ihr Rufen
Aber ich habe keine Kraft mehr für das Achten auf ihr Rufen
Es mir zu viel
Ich sage es laut
Es ist mir zu viel
Die Lippen erinnere ich
Die fern harrten unter dem Vaselineschutz und
Wie Schlussstriche unter meine Rammzunge
Du siehst ich bin immer noch verdeutlicht in
Bemühungen zu dir selbst hier im Zug mit den
Schäumenden Augenbrauen und den haarigen Lippen des Liebenden mit gegenüber
An denen ich immer wieder festhänge wie die Zecke
Ich brauche diese Rufe
Und habe die Bücher aus der Schuhschachtel am Strassenrand rufen hören
Wie ein Gruss aus meinem Leben
Denn sie wissen du bist inzwischen bereit
Bereit für ihre Botschaft aus der Zeit vor
Aus der Ferne die weder von dir weiss noch bis zu dir zu reichen vorhatte
Sie geben dir Antworten auf deine ungestellten Fragen
Sie reichern dich an diese Bücher mit einem neuen Wissen um dich
Und du hörst ihre Worte noch einmal: «ohne mich
Wärest du jetzt nicht derjenige der du bist»
Und ich danke den Dingen
Diesem «Mann in der Schwebe»
Am Strassenrand rief er mich an
Ja sie sprechen zu dir
Über den Bözberg und den Sempachersee hinweg
Über die deutsche Tiefebene und den Harz hinweg
«Sie Herr Füglister
Warum hast du zwei Uhren an?»
Die Zeit schäumt in Nichtschauen und im Nichtachten
Schleimt die Brillengläser voll
Ich ergänze viel
So viel an diesen Dingen
An diesem Gewand
Gabriel an diesem unseren vorübergehenden Gewand
Das vor meinem Antlitz sich bauscht
Und durch das sie mich ruft
Durch das Insektengemetzel hindurch:
Die Zecke liegt für eine Sekunde auf dem Rücken
Denkt jedoch nicht daran sich totzustellen
Sie hat mich gerochen und hält weiter an diesem Geruch fest
Schon tickert sie wieder auf mich zu über den Fenstertisch hinweg
Und ich denke an diese Distanz zwischen uns in der Zeit
Von Anfang an diese zögernde Distanz zwischen dir
Die ich nicht zu überwinden weder vorhatte noch lernen wollte
Du solltest kommen einfach kommen
Ganz wie eine Sache den Platz einnehmen
Und verströmen diesen heiseren Ton deiner Haare
Da fuhrst du nun und ich rannte dem Wegen noch nach
Mit dem dir zugewandten Gesicht und bereits
Ein wenig Erlösung im Herz die ich dann
Auf der Suche nach Ergänzung oder Erfüllung
In Pringles badete und im Blut
Das von Lucille tropfte.
