Diese beiden Brote

Dein Hunger ist gross,
            dein Verlangen ist mächtig;
deine Armut ist gross,
            dein Mangel ist heftig.
Du stehst mitten im Grün und verdorrst,
            das Wasser kommt nicht zu dir,
das Salz kommt nicht zu dir,
            dein Mehl ist der Wüstensand,
in deinem Herzen gibt es keine warme Stelle ohne Wind für die Hefe,
            das Gottes Wort dir geschenkt hat.
Dein Schlaf ist wie ein Wachen,
            dein Wachen ist wie ein Schlafwandel.
Deine Schreie kommen zu Gott wie das Rascheln von Mäusen im Speicher,
            deine Bitten sind wie die Nacken der Dorfältesten,
deine Rufe klingen wie Befehle,
            dein Hunger ist wie das frisch gepflügte Feld unter Raben und Wind,
deine Not ist übermächtig,
            deine Armut ist wie eine Höhle, die sich selbst gräbt,
in der sich niemand verstecken kann, so tief sie auch wachse in den Stein,
            deine Träume sind wie Berge, die sich selbst schürfen,
doch in deinen Augen sehe ich den Flachs noch blühen.

Nimm diese beiden Brote,
            hart wie die Klinge eines Schwertes in der Hand eines Philisters,
nimm diese beiden Brote,
            braun wie die Täler deiner Heimat,
das eine für deinen Knecht,
            der an deinem Hunger leidet,
das andere Brot für dich selbst,
           der du dein Hunger bist.

Du wirst kein anderes Leben finden,
            du wirst kein anderes Brot mehr finden,
so halte dich daran:
            die Armut wird dir nicht verloren gehen,
der Hunger wird dich nicht verlassen,
            der Mangel ist dein Erbe,
das Verlangen der Boden, auf dem du wächst.
            Diese beiden Brote, Sohn des Kisch,
diese beiden Brote sind Schilde,
            diese beiden Brote sind Spiegel,
diese beiden Brote sind Räder, auf die du dich flichst,
            diese beiden Brote sind wie die Sonne,
die über dem Flachs aufgeht.

Und so sehr ich deinen Hunger sehe und achte, Sohn des Kisch,
so sehr ich deine Armut wie die wunde Kruppe eines Esels erkenne und schätze,
so sehr selbst du die Fülle schätzen und erkennen,            
die von diesen beiden harten Broten kommt.

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