Klarnamen happen nach Sachen
Die von wortwörtlicher Direktheit geprägt sind
Nach jenen Momenten im Leben eines Zustands
Der sich fast Person zu nennen imstande ist
Da die ausgelösten Angelegenheiten wie rücksichtslose Memoriale oder übriggelassene Sänften
Noch im Zugwind des Vorfallens und Verschellens und noch nicht im Flussarm der Abgebrühtheit liegen
Wo es weich und friedfertig nach Katzengras riecht
Da die Loswürfe über Entscheide
Die Personenleben betreffen
Noch warten auf die Fallstricke frisch erschlossenen Faustrechtes
So happen die Klarnamen nach Sachen
Die weder dem Spieltrieb des Raums noch der Unlust der Zeit unterliegen
Noch jenen tobenden Instanzen von Verfremdung
Wenn selbst Wirkliches von seiner schieren Blindheit überzeugt ist
Die allen Definitionen vergessen denn Erwartungen widerspricht
Nach jenen Popanzen
Die wie Tiere zu reden und handeln beginnen
In unseren Seiten sich ausbeulen wie Tumore mit einem verbrieften Recht auf Lebensechtheit
Um zu verdeutlichen
Welcher Klärung du nicht bedarfst.
Kategorie: Zwischenlösungen
In Hilthausen
Dort in Hilthausen haust ein Grauen
Unter der alten Linde
Die noch alle sehen
Sie steht seit Varrus nicht mehr
Liegen zwei Menschen
Rechts und links vom in Marmor geformten Strunk
Die Wurzeln umarmen ihre Sarkophagleiber
Und sie tragen Helme mit Geweihen und Hauern
Und dort im staubigen Schatten der Autobahnbrücke
Die niemand mehr befährt
Seit der Tunnel verschüttet
Wo noch letztes graues Moos sich hält wie die einst grünen Tränen des grossen Waldes
Dem das Land gehörte
Dort im hallenden Raum der angehaltenen Zeit
Wo sich manchmal eine Gruppe chinesischer Touristen hinverirrt
Ihre Aliensprache wie das Raunen einer Invasion
In Hilthausen kam ich zu spät
In Hilthausen kam ich zu früh
Es fehlen dazu genaue Berichte
Du hattest deine Arme einmal gehoben für meinen Hals und
Dein Mund hauchte den grauen Schatten des Lebens aus
Aber ich kam zu spät
Aber ich kam zu früh
Genaue Berichte dazu gibt es nicht
Und ich fand dich nicht wieder
Und tobte und tobe und kratzte mit meinen Fingernägeln an den Sarkophagen
Die zu leuchten begannen mit Lettern
Wie Augen sich öffnen in der Nacht auf ein fremdes Gesicht
Unter der alten Linde
Der Wind hauchte in die Farnbüschel
Die du im Warten niedergetreten hattest
Dort in Hilthausen
Unter der alten Linde
Die noch alle sehen
Sie steht seit Varrus nicht mehr.
Leviathan
Die Stimmen kommen
Kommen wie eine feuchte Kehle zu mir
Wie eine leuchtende Meerbucht
Die in Sternennächten mit dem Heringsilber lockt
Und mich mit der grossen Oberlippen des Dorschs in den Kniekehlen kitzelt
Kommen die Stimmen
Kommen und heben mich hoch und heraus
Leicht und beharrlich wie Leim
Komme ich aus den Stimmen heraus
Ich schwimme
Schwimme in dieser Binnensee
Getragen von Stimmen
Die niemals meine sein werden
Die niemals meine sein können
Aber jetzt
Aber heute ausgeliehen um mir blühen wie ein Husten oder die Arme eines Polypen in meinem Bauch:
Ich schwimme
Seelenruhig über die tiefen Abgründe
Die andern sich aufgetan
Und starre in dein Auge Leviathan
Das beseelt vor Gottesfurcht ist
Als forschte ich darin nach einem Zug von Trug darin
Und finde nur das Augenweiss in deinen Wachtelaugen
Ich schwimme über die vielgesprenkelte See hinweg wie ein Lachs
Und mein rosaroter Bauch wölbt sich einer Liebe entgegen
Die den Stimmen bekannt ist und nicht mir
Ich schwimme und könnte mein Zelt aufschlagen mitten im Busen dieser Stimmen
Mit der verzweifelten Hoffnung eines Kindes
Das Mama heiraten möchte.
Was gut ist
Gut ist es
Einmal nicht von sich sprechen zu müssen
Untertauchen im fremden Mäntelchen
Das leicht anwächst ohne ein Zwicken oder ein Nachgeschmack
Die eigene Torheit ausleben in Gestalt einer anderen
Einem anderen die Verse beibringen wie ein Hund das Stecklein dem Herrchen
Wie eine Katze um Streicheleinheit pressen und buckeln
An der eigenen Hand gut ist es
Einmal nicht sich beherbergen zu müssen unterm geschädigten Laubdach und den abgeschlagenen Hörnern
In die unablässig zu blasen berufen
Ein Angereizter eine Angetriebene
Eine Abgeschiedene ein Abgefrusteter scheint:
Ein zähes Ringen um Preisen und Preisgeben beiseite werfen
Für ein paar Brosamen einer anderen Lebensart
Eines anderen Tisches einer anderen Stimmung und
Stimme gut ist das
Als gingest du auf Reisen in einer Grossstadt wie Delhi oder Nairobi
Mit einem erfundenen Geschlecht und einer erfundenen
Einer gestohlenen und
Geborgten
Geborgenen Geschichte
Ein Pirat an dir selbst:
Einmal ist es gut
Sich hineinzuwinden in die an deiner Geschichte Unbeteiligten
Längst Verstorbenen.
Unter meinem Schmalz und Schmauch
Warten auf etwas
Das ich verberge
Mit Mitteln
Die mir unbekannt und gewohnt sind mit unabsehbaren Folgen für dich
Und der Befreiung von all diesen Clowns
Warten auf etwas
Das nichts mehr bringt
Ein Stuhl im Gras vor den Schleusen der Bewährung
Ein Seufzer im Glas der Erhörung
Eine Wolkenbrut
Die diesseits der Belohnung ruht
Eine Umarmung voller Varizellen und Hautfetzen
Eine Schminke voller Zink
Und der weiche warme Gesang eines Instruments aus vergangenen Zeiten
Dumpf wie eine Zunge tief im Hals
Eine Art Maunzen an dem bitteren Ende
Warten auf etwas
Das noch nicht gekommen ist
Auf etwas warten
Wie das Tunnel meiner Genitive
Die undeutliche Zuneigung zu einem Bauchfell
Butzenscheiben von Abwendung aus Zuneigung
Das ich verberge
Erwartet von einer kraftlosen Anzahl von Krankheitserwerbern
Von den Clowns am Eingang vom Tunnel
Mit ihrem zungenlosen Schuhwerk und den baumelnden Vorderzähnen
Eine kichernde Begleitung und eine umwölkte
Du wartest auf etwas
Das ich verberge und unter meinem schwerer werdenden Leib so lange schon
Erzähle
Als würgte ich unter den Speckfalten meiner Gestalt und im Schwefelgeruch meiner ausgewachsenen Haare an Kettengliedern
Wie an einem Kirschenstein oder Adamsapfel
Du wirst noch warten müssen
Warten auf die Befreiung von all diesen Clowns
Warten müssen auf die Verkettung von anderen Umständen als diesen
Die mir erbaulich genug scheinen für ein weiteres Jahrhundert
Auf das ich mein Schmalz und Schmauch lege wie einen ausgesprochenen Kuss.
Auszureden ist es nicht
Auszureden ist es nicht:
Die Karussell-Stufen schlingen sich um dich wie ein Kind das dich lange vermisst hat
Die ausgewürgte Scham steigt aus deinen Augen mit ihrem Ebergesicht und den Kakerlakenfüssen
Die früheren Zeiten streiten nicht mehr mit den kommenden Zeiten
Die letzten Gedanken vor dem Schlaf sind Mutterbrüste voller lächelnder Kehrichtdeponien
Und unter das Dach deiner Gedichte hat noch kein Wurm sein Erdhäufchen hingebracht.
Versuch in Tribschenblau
Du mit deinem Meissner Remis-Gesicht
Ich mit meiner hochkantigen Zinne und meiner Wut
Die nicht tribschenblau ist
In barhäuptiger Entfernung
Lauschstation und Rauschstation
Und die wachsenden
Kriechend anwachsenden Bedürfnisse nach Entnahung:
An jedem deiner Schatten ein Faden bis in die Wurzeln meiner Fingerbeeren
Die leise in der Wärme deiner Hand pochen wie das tribschenblaue Gletscherinnen
Und die Seevögel bilden Arkaden
Schmutziggraue Bögen wie die Sohlen einer Walkyrie
Und wenn du sangst
Wurde meine Mühle ausgehoben
Und ihre Winde und Puffs ausgehebelt
In eine tribschenblaue Grube für Kühlelemente
Wo das Wigeleweia ächzend auspolterte
Hinter den Schaummasken von Raddampfern
Und den Gebissen von mondartigen Ebenen
Die wie Muskeln die Bedarfsanlagen umspannen
In die meine durchstossene barfüssige Wut eingelassen ist wie das Leuchthaar eines Pharaos
Und von wo in der Entfernung ein tribschenblauer Schatten
Fast wie eine Insel oder ein verblasstes und durchschossenes Verkehrsschild zu sehen ist.
Unwegsames Gedicht
Die Stiefelmeilen im unwegsamen
Leise seufzenden Mark der ersten
Unverzeihlich hingezogenen Blicke
Das im Hirn sich ausbreitende Rouge wie eine Zunge am Ohr
Die getrübte Nahsicht und die hoch aufgeschossene
Gleissende Fernsicht:
Mit dem blinkenden Gehorsam bricht der Mut in dir aus
Vielarmig und mit dieser dir allzu bekannten Zielstrebigkeit
Die nur ein Ziel kennt: den Verlust
Und dein aufgebrachtes Herz
Unter den billigen Griffen eines Fachmanns
Unter dem Wanzen seiner einschätzenden Abschätzung
Übt sich in den verklingenden Zuckungen einer Futtermethode
Dort oben auf dem Gestänge
Immer auch im Glauben an die Mästung
Während das silbern glänzende Blut zwischen deinen Zehen gluckert
Denn bereits hast du
Voreilig wie immer
Den zurückgelegten Weg vergessen
Und das schabende Geräusch am Leder deiner Entschlossenheit.
Die Behauptung der Hornhaut
Das zarte Fleisch einer Gefahrenzone
Umgewandt in die pfahlsteife Schwielenhand eines Morgens
Den du nicht erwarten konntest:
Die Sandpfoten mütterlicher Fährten im Himalaya einer tappenden Willensbekundung
Als gäbe es noch dieses eine Quäntchen Freiheit in deinem Leben:
Präzise angeordnet in den fallenden Schultern deiner ungezwirbelten
In Bälde prosperierenden Blütenstände
Aus denen kein Ruf nach dem Glauben kommt an eine Mindestanlage von Bereitschaftsgefühlen
die sich verkehren liessen in gewissere Panikattacken
verkehren liessen in die abgespannten Züge einer alten Liebe:
du begibst dich ungern
in jene abschüssigen ohrsatten Wartestände am Rande deiner Wahrnehmung
wo die Hornhaut sich noch ein wenig
noch ein letztes Mal fast sehnsüchtig behauptet.
Gedicht von den Scharten
Das Kamel am Ausgang der Schatten:
Ein herber Sockel
Körnig wie Reis
Knallende Verwahrungen wie verharschter Schnee gegen die flüsternden Versprechen von der sich weitenden Enge
Schalldurchbruch aus Ungeduld und Weile:
Eine Zornesküche im Schartentanz
Denn wir reden hier doch von der Musik
Oder zumindest von aufeinander folgenden Tönen
Wie Schläge im seichten Wasser
In die Seidentöne von Öl und Fett –
Ich weiss nicht mehr oder ich habe vergessen
Wie mir
Wer mir
Wo mir
Sich diese eine Fährte durch die sich engende Weite
Über diesen allzu nahen Buckel
Eingeprägt hat und ob es denn eine Fährte zu nennen sei
Und nicht eher eine Scharte
In deren scharlachrotem Insiegel die unsentimentalen Taten einer immer noch verfrühten
Immer noch leise wiegenden Ausweitung in die übermässig generalisierte Schattenei
Schattenöde
Schön wie gutwillige Brutalität
Rumpelnd wie Vorsätze im schmalen Aufmerksamkeitshorizont:
Dem Kamel den Ausgang bereitstellen
Bis zum unverzichtbaren
Bis zum verrenkten Gefühl von Leere
Von nahezu eisiger Wachsamkeit im singenden summenden Gefahrenumschlag.
