Ein wehrhaftes Volk

Das ist ein wehrhaftes Volk,
            ein Volk von Gerechten,
von Gerechteren, die ihre Richtschnüre jederzeit aus ihren Herzen abwickeln,
            ein Volk von Richtern, deren Urteile wie Dorngestrüpp aus ihren Nieren schiessen,
ein Volk von Mauerbauern, die mit der Kreuzhacke in der Hand auf dem Gerüst stehen und
den Feind schon vor der ersten Staubwolke am Horizont erspäht haben,
            es ist ein wehrhaftes Volk, das seine Schleuder gegen alle richtet,
die ihm über die Berge entgegenkommen. SELA

Das ist ein Volk von Eiferern,
            ein Volk vom Eifer beseelt,
ihre Kehlen sind voller «das gehört mir», «das gehörte mir», «das wird mir gehören»,
            ihr Gott ist in ihrem Besitz,
jeder Finger und jede Handbreite dieses eingeschnürten Landes gilt ihnen wie eine Rute,
            da stehen sie und können nicht anders,
ihre Sabbatwege umspannen den Bauch der Erde,
            ein Volk von Bemessenen und Bemessenden,
jedes Jod ist ihnen heilig und teuer,
            ihre Matres lectionis bleiben selbst in Katastrophen gültig,
vom Chiriq über das Sere bis zum Schwa klammern sie sich an die Laute ihrer Rede,
            oh, ihr Eifer erstreckt sich nicht nur bis an den Jordan oder bis zum Meer in Tyrus,
sie wehren sich für den Boden wie für ihre Töchter und Söhne,
            und ihre Füsse liegen auf jedem Ding, und wöge es auch nur ein Pim,
und dieses wehrhafte Volk besteht auf dem, was geschrieben ist,
            und dieses wehrhafte Volk besteht auf dem, was gesagt wurde,
und wehe, du versuchst mit ihnen zu rechten,
            ihr Gott ist kein toter Buchstabe,
kein unbenutztes Senkblei ist der Name ihres Gottes,
            rechte nicht mit diesem wehrhaften Volk,
das einen König auf der Welt will,
            deiner Rechtfertigung wird immer ein Haar fehlen für die Schur,
immer ein Splitter für den Feuerstoss.

Wer bin ich denn nun?

Bin ich das, dieser Mann mit den aufgeworfenen Armen,
            diese rote Gestalt mit den geschürzten Lippen,
den weiten unregelmässigen Schritten, halb Stolpern halb Tanz?
            Bin ich das denn, Saul, dieser heulende Hund in den Gassen Gibeas?
Ist das denn noch mein Körper?
            Gibt es denn dafür noch Wörter?
Ich frohlocke und frohlocke und kenne die Gründe nicht für mein Frohlocken,
            ich gräme mich und weine und kenne die Gründe nicht für Trauer und Gram,
ich sehe die ungläubigen Gesichter der Gaffer und kenne nicht den Grund für ihren Unglauben,
            ich bin hoch unter ihnen und tief über ihnen,
ein Schaf ganz allein im Fels,
            ein Ochse ganz allein im Feld,
eine Weinrebe im Frost,
            wer bin ich denn nun, da ich kein Kind mehr sein kann,
weder Mann noch Frau in meiner Blösse und in meiner zertaumelten Gegenwart,
            die weder Zukunft noch Vergangenheit hat,
wer bin ich denn nun, da ich aus diesem Fleischballen und Talgballen geschlüpft bin,
            der leicht war wie das Licht, das ein Mädchen in seiner Kammer für ein Gebet angezündet hat,
der schwer war wie der Wurzelballen eines Baumes, der vom Sturm gehoben worden ist,
            dass mein Vater von mir abgefallen ist wie der Schorf einer Wunde am Fuss,
wer bin ich denn nun, der ich doch Saul geheissen habe?
            Ich sehe wohl den Onkel und den Vater beieinander stehen am Stadttor,
mein Vater mit seinem alten, lieben Kindergesicht, auf dem Gott das Wort für Hoffnung eingeprägt hat,
            mein Onkel mit seinem schwarzen, immer wütenden Antlitz einer gekränkten und verjagten Hebamme,
ich höre ihre Stimme und fühle die Tränen meines Vaters an meiner Wange,
            tu, was sich dir anbietet, sagen sie,
denn Gott ist mit dir, sagen sie,
            aber ich bin nicht Saul,
ich war nicht Saul,
            ich werde nicht Saul gewesen sein,
dafür trage ich zu viel unter dem Herzen.

Saul, mein Sohn!

Bist du das, Saul?
            Bist du das noch?
Lass dich anschauen,
            ich sehe dich, ich sehe dich gut,
was ist dir nur wieder passiert,
            ich sehe es genau,
deine Hände zittern ja, mein Sohn,
            aber Gott wird dich doch nicht verlassen haben?
Ach du mein Kind, was ist denn nur mit deinen Augen geschehen?
            Sie schauen so trüb,
sie blinzeln fast nicht,
            und warum knirscht du denn so mit deinen Zähnen?
Die Eselinnen sind gefunden, sind gefunden,
            ja, denke doch nicht mehr daran, mein Liebster,
was habe ich nur getan,
            dich so weit fortzuschicken,
du bist doch nicht etwa dem alten Propheten begegnet,
            der in Benjamin uns alle Söhne verderben will?
Lass dich umarmen, Saul mein Sohn,
            aber du bebst ja am ganzen Körper,
als hätte jemand dir die Nieren verdreht!
            Was habe ich dich nur die Eselinnen suchen geschickt,
bist du mir nicht teurer als alle Geschöpfe unter Gottes weitem Antlitz,
            du mein Sohn mit den scheuen Augen,
was ist nur in dich gefahren?
            Ich sehe dich, ich sehe dich gut,
auch deine Stimme klingt wie früher,
            immer noch sprichst du langsam und mit grossen Pausen,
als wögest du jedes Wort in deinem weiten Herzen,
            aber lass dich doch anschauen,
weshalb entwindest du dich mir denn schon wieder, kaum habe ich meine Kälte an deine Wärme gedrückt,
            habe ich dich nicht vermisst  und mir Sorgen gemacht um dich,
als wäre ich deine Mutter?
            So habe ich mir vorgestellt,
du seist in einem Felsenspalt gefangen,
            du seist den Philistern – Gott strafe sie für alles, was sie uns antun! – in die Hände gefallen,
denn noch gestern haben sie uns einen Garten zertrampelt und abgebrannt,
            aber nein, da bist du, Saul, nicht wahr,
bist du es auch wirklich,
            du siehst noch grösser aus als vorher,
aber du siehst noch furchtsamer aus als vorher,
            aber ich sage dir,
tue nur, wozu es dich drängt,           
            Gott wird dir beistehen,
und um die Eselinnen mach dir keine Sorgen mehr.

Er kommt, er kommt

Er kommt, er kommt,
            da kommt er, Haare wie Schakale,
die Tänzer rufen ihm zu,
            seine Blösse ist wie der Morgenstern,
Bauch und Schultern glänzen wie die satte Erde nach dem Regensturm,
            er kommt, er kommt.
Wer ist das nur,
            sein Antlitz jung und bekannt,
und doch ist er ein anderer.
            Die Pauken sind wie toll,
die Füsse stampfen die Erde wie Weintrauben in der Kelter,
            die Flöten zerreissen mit spitzen Schreien die Luft,
und wenn die Flöten schweigen und die Pauken,
            höre ich das Säuseln und Zirpen der Lauten und Harfen,
wie das Rieseln von Blut aus dem Hals eines Lammes.
            Er kommt, er kommt,
ist das Saul,
ist das etwa wirklich Saul?
Hat er seinen Vater verloren, dass er so heult?
            Hat er seine Mutter gefunden, dass er so zetert?
Besser als all die Verlosen, mehr als all die Mutterlosen, ganz und gar Waise und Witwe,
            höre ich seine helle Stimme weissagen,
schallt seine fast noch kindliche Stimme mit Worten wie Frühfeigen unter den Bäumen vor der Stadt,
            er kommt und kommt,
wie Gott ihn geschaffen hat,
            seine Sätze winden sich schwer von Flüchen und Segenssprüchen wie die Schlange im Anfang der Zeit,
auch sie hatte wenig an, aber viel drauf,
            müssen wir jetzt diesen jungen Mann für einen Propheten halten,
wie er da so kommt,
            sein Antlitz verrenkt wie in Fallsucht und seine Arme wie die Äste einer Eiche im Unwetter?
Da kommt er mit zerbissener Zunge, er sagt uns das Los,
            er sagt uns los,
er ruft uns zu in verzweifelter Freude,
            als wolle er uns retten vor uns selbst,
als wolle er uns bewahren vor unseren Taten, Fürchten und Vätern,
            seine Füsse wirbeln den Staub der Strasse auf,
ich sehe fast nichts mehr und muss husten,
            da kommt ein Sohn Kischs,
den ich nicht mehr kenne, den ich nicht mehr erkenne,
            wehe über seinen Vater,
wehe über unseres Stammes Los,
            wenn nun Saul unter die Propheten gegangen ist,
nackt und schön.

Sauls erste Vision

Das ist kein Traum,
            und das wird gewesen sein.
Die Berge und Hügel meines Landes werden von Kratern besiedelt sein,
            und im Lande Ammon und Seïr werden Pilze den Himmel bewachsen.
Die Flüsse werden unter harten Schalen verdorren,
            die Eichen und Tamarisken, die Olivenbäume und die Feigenbäume werden metallene Augen tragen.
Ein alter Mann wie dieser hier wird in eisernen Gefässen über das Land hinwegreiten,
            jaulend wie ein Wintersturm,
seine Hände werden glänzen von einem fremden Metall.
            Und ich sehe keine Frau mehr in Benjamin,
ich sehe keine Töchter mehr in Israel,
            die Luft in meiner Kehle ist schleimig und brennt wie Alkohol.
Das ist kein Traum, so sage ich,
            denn so wird es geschehen sein.
Die Milch der Geissen, die Milch der Eselinnen,
            die Milch von Stuten und Kühen wird selbst durch Sieden nicht sauber werden,
die Kakerlaken und Dungkäfer werden sich über die warmen schlafenden Körper aller Lebewesen legen wie ein barmherziger Mantel in der Nacht,
            über die Schulter meiner zitternden Geliebten geworfen.
Und oben auf dem Garizim und in Mizpa und Schilo,
            Rama und Betlehem,
auf dem Horeb und dem Zion,
            selbst den wankenden Stelen meines Gibea,
werden leuchtende farbige Kuppeln stehen wie die Augen eines alten, alten Gottes,
            werden stinkende, Sekrete absondernde Gewölbe wie Furunkel oder Pestbeulen erblühen,
darin wird der alte Mann wie dieser hier über Bildern und Schatten von Bildern, Zahlenreihen und Zungenzeichen kauern und lauern,
            und mit krächzendem Flüstern Strophen eines Gebets aufsagen,
das seit dem Anfang der Erde das Meer, die Erdplatten und die Vulkane gemurmelt haben,
            aufwühlende, aufheulende, zerwerfende, zerstreuende Sprache.
Und eine andere Stimme, die Stimme seines Abgottes,
            wird ihm scheppernde Befehle erteilen, die abermenschlich sind.
Mit blinkenden Augen werden die letzten Erstgeborenen ihre leeren Brüste auseinanderreissen.

Das Land brennt

Nach diesem einen Bissen Brot,
            nach diesem einen Schlucke Wein,
da schwindet dir die Zeit,
            da brennt dir das Land:
die Schatten lösen sich von den Dingen,
            und was du noch zu tun vermagst, kennt keine Dauer.
Du siehst die Spuren der Wüstenmäuse bis an die Furten,
            du siehst die Kreise der Geier im Himmel wie Schriftzeichen, vorwärtsgeschrieben.
Dein Herz ist wie eine Lücke in der Zeit,
            eine Bresche in der Mauer deines Verstehens,
und die singenden und pfeifenden Ängste deines Kindesalters fahren hindurch mit dem Flügelschlag von Jonas Wurm,
            und die letzten Disteln am Rande deines Sichtfeldes zerreissen deine sausenden Gewissheiten:
nach diesem einen Bissen Brot,
            nach diesem einen Schlucke Wein,
als dir bereits die Pfähle Gibeas wie väterliche Warnungen entgegenkommen,
            und die Zeit ist wie der Schlick eines ausgeleerten Sees,
und das Land ist wie ein Feuerspiegel,
            wendest du dein Kinn von Kotze befleckt zur Seite,
verdrehst deinen Hals derart,
            dass deine Kehle ins Stocken kommt,
deine Arme beginnen hilflos zu flattern wie das Huhn zwischen den Zähnen des Fuchses,
            die drei Menschen sind wie die drei Scherben eines Menschen,
das ausgefaltete Land, das eben noch wie die Stirn deiner vergessenen Mutter war,
            ist wie die Kehle eines Geiers auf deiner Brust,
und du siehst metallene Gestalten aus den Wüsten und Savannen aufsteigen,
            und du hörst das Säuseln des Windes über Nicht-mehr-Sand,
das Rascheln von Dingen wie von Knochen, die nimmer zerfallen,
            sie haben die Farben von Noahs Himmelsbogen,
du riechst das Öl der Wüste auf der Haut der Säuglinge Benjamins,
            du schmeckst die verkohlte Kruste auf dem Herzfleisch deines Gottes,
und schmierig umfasst deine rechte Hand einen Stab nicht-mehr-aus-Holz:
            da steht der alte Mann über leuchtenden Tischen und flackernden Wänden.

Diese beiden Brote

Dein Hunger ist gross,
            dein Verlangen ist mächtig;
deine Armut ist gross,
            dein Mangel ist heftig.
Du stehst mitten im Grün und verdorrst,
            das Wasser kommt nicht zu dir,
das Salz kommt nicht zu dir,
            dein Mehl ist der Wüstensand,
in deinem Herzen gibt es keine warme Stelle ohne Wind für die Hefe,
            das Gottes Wort dir geschenkt hat.
Dein Schlaf ist wie ein Wachen,
            dein Wachen ist wie ein Schlafwandel.
Deine Schreie kommen zu Gott wie das Rascheln von Mäusen im Speicher,
            deine Bitten sind wie die Nacken der Dorfältesten,
deine Rufe klingen wie Befehle,
            dein Hunger ist wie das frisch gepflügte Feld unter Raben und Wind,
deine Not ist übermächtig,
            deine Armut ist wie eine Höhle, die sich selbst gräbt,
in der sich niemand verstecken kann, so tief sie auch wachse in den Stein,
            deine Träume sind wie Berge, die sich selbst schürfen,
doch in deinen Augen sehe ich den Flachs noch blühen.

Nimm diese beiden Brote,
            hart wie die Klinge eines Schwertes in der Hand eines Philisters,
nimm diese beiden Brote,
            braun wie die Täler deiner Heimat,
das eine für deinen Knecht,
            der an deinem Hunger leidet,
das andere Brot für dich selbst,
           der du dein Hunger bist.

Du wirst kein anderes Leben finden,
            du wirst kein anderes Brot mehr finden,
so halte dich daran:
            die Armut wird dir nicht verloren gehen,
der Hunger wird dich nicht verlassen,
            der Mangel ist dein Erbe,
das Verlangen der Boden, auf dem du wächst.
            Diese beiden Brote, Sohn des Kisch,
diese beiden Brote sind Schilde,
            diese beiden Brote sind Spiegel,
diese beiden Brote sind Räder, auf die du dich flichst,
            diese beiden Brote sind wie die Sonne,
die über dem Flachs aufgeht.

Und so sehr ich deinen Hunger sehe und achte, Sohn des Kisch,
so sehr ich deine Armut wie die wunde Kruppe eines Esels erkenne und schätze,
so sehr selbst du die Fülle schätzen und erkennen,            
die von diesen beiden harten Broten kommt.

Ein neuer Mensch

Du wirst ein neuer Mensch werden,
            mit Lippen wie Brüsten,
mit eichelharten Worten,
            mit einem Herz wie eine Katzenzunge,
mit Füssen wie Minze,
            denn auf nichts wirst du mehr treten,
nichts wirst du mehr beschädigen in deinem Gang,
            ein neuer Mensch wirst du werden,
mit Augen wie eine Mutter,
            mit Augen wie Kreuzkümmel wird deine Gegenwart erfüllt,
und milde wird der Schatten deines Blicks auf den Menschen liegen,
            die Hass noch hegen und Zorn unter Schmerzen gebären,
deine linke Hand wird in deiner Schulter sein,
            deine rechte Hand ausgestreckt wie die Ranke einer Weinrebe,
schlingend und die Abtrünnigen bei Sinne haltend,
            eine neuer Mensch mit neuer Kehle,
deren Atem weihrauchwarm den Mut und den Willen stärkt,
            mit einer Brust wie der Karmel,
und deine fiederschnittige Zunge werden deine Taten sein,
            aber es werden andere Taten sein,
denn breit ist deine Hüfte nun,
            denn ausgedehnt wurde deine Achsel,
um die Grundfesten des Menschen zu tragen,
            um die Erstgeborenen Kraft durch Milde zu lehren,
um den Töchtern die Kehle zu weiten,
            um den Töchtern die Räte zu öffnen,
um ihrem Tun und Denken das Land zu Erbe zu geben,
            auf dass sie mit Reichardien-Wimpern über die noch trauernde Erde gingen,
du wirst ein neuer Mensch werden,
            der ein Mann nicht mehr ist,
der keine Frau noch wird,
            und deine Ohren werden selbst die Gesänge der Wegwarten hören,
werden die schmalen Lieder des Dills belauschen,
            deine Ohren werden wie offene Hände,
wie das Becken einer Frau sein und aufnehmen,
            ohne zu unterbrechen aufnehmen wie die Erde im Tal der Rafaiter, und der Augenblick wird verrinnen.

Der wartet und aufmerkt

Doch der Junge steht noch vor dem altem Mann und wartet,
            ihn überragend steht er vor dem Geschrumpften und merkt auf,
sein Herz knistert wie die Borsten eines Stachelschweins,
            seine Wange brennt noch vom Kuss des alten Mannes,
seine Ohren glühen.
            Der Junge überragt den alten Geschrumpften,
der mit dem Aufgang der Sonne noch mehr zu schrumpften begann,
            aber sein Schatten wuchs und legte sich über das dürre Land in seinem Rücken,
in den Augenbrauen des Jungen sammelte sich das Öl,
            er begann es wegzublinzeln,
denn seine Arme waren schwer wie Schwengel.
            Er hatte aufgemerkt,
er hatte sein Ohr dem Manne zugewandt,
            er hatte ihm sein ungefähres Jungengesicht hingehalten,
den Kopf hatte er nicht willig geneigt,
            und seine Wange war feucht von dem Kuss des Schrumpfers.
In seinem Herz raschelten rastlos die Worte,
            es gibt Wichtigeres als die Eselinnen,
und geduldig wartete er mit brennender Wange darauf,
der alte Mann mit den Fliegen in den Augenwinkeln würde sich auflösen wie ein Sandwirbel am Fuss eines Busches,
doch der alte Mann steht noch vor dem Jungen und wartet,
            sieht ihn wachsen an Erstaunen und Erwartung,
in seinem Schatten steht der alte Mann und wehrt sich gegen die Scheu,
            die ihm in die Nieren fährt wie eine Zikade,
erkennt die Flucht des Geistes in seinen zitternden Knien,
            in den Scherben des Krugs zu seinen Füssen,
und im Abnehmen sieht er das leere Gesicht des Jungen über sich hinausragen,
            der immer noch wartet,
der immer noch aufmerkt,
            und der alte Mann merkt sich diesen Ausdruck auf dem ölglänzenden Antlitz,
er sieht die Fettflecke von der Keule,
            die er ihm beim Opfermahl gereicht hat,
schimmern im Rock des Jungen wie drei Augen, die ihn schuldig wissen,
            ihn, den kleiner werdenden,
doch bevor er ganz eingegangen ist,
            dreht er sich weg vom Stehenden, Starrenden, Störrischen.

Sieben Jahre (Olam)

Sieben Jahre sind lange,
            eine mit Mühsal und Zaudern gewürzte Wegstrecke sind sieben Jahre,
viele Stadien wirst du laufen, viele Stadien wirst du kriechen,
            sieben Jahre sind geräumig genug für Enttäuschungen und Hochmut,
und mit Langmut betrachtet sind sieben Jahre kaum so breit wie die weisse Spitze deines Fingernagels,
            sieben Jahre wollen nicht enden und hören doch auf wie der zwiefache Ruf des Wiedehopfs,
der dich aufhorchen und einhalten lässt und verstummt im Sennabusch,
            lange mögen die sieben Jahre erscheinen,
lange wie die Zöpfe einer Tänzerin vor dem Altar, wie ihre Knöchel unterm fliegenden Rock,
            wie der Pfeilflug von dem Bogen eines jungen Schützen,
stark und breit wie die Brust eines Ringers,
            und du hörst noch die tiefe Sanftmut im Vogelruf über die Furt von Michmas hinweg,
und du ordnest noch die Insektenbeine deiner zappelnden Erinnerung,
            und doch gehen sie vorbei wie Lufthauch im Mittag, wie das kleine Zittern in der Terebinthe,
wie eine Biene im Flug streifen sie deinen Handrücken und sträuben die hellen Haare darauf,
            von Immerschon zu Immerschon sind sie:
was du aufsammeln kannst, das sammle auf,
            was du tragen kannst, das trage mit,
bevor du es zerstreuen musst,
            bevor es dich beschwert mit Gewicht oder Gestank,
seine Lust zur Last wird und seine Schönheit verpönt,
            das gut gewürzte Opferfleisch scheidest du aus,
den herben Wein mit seinem Traum von Ruhe und Abgeschiedenheit scheidest du aus,
            die Völle und der Taumel bleiben ein Augenzwinkern noch,
verlassen dich auch wie der Wiedehopf auf dem Dach deines Speichers,
            und in sechs mal sieben Jahren wirst auch du wie der alte Mann,
der dir seine Hand, leicht wie ein Spatz, auf die Schulter legt,
            wie der alte Mann mit seinem faulen Atem,
der dir den Weg durch Zaudern und Mühsal,
            die vielen Stadien aus Hochmut und Enttäuschung aufzeigt,
gebeugt von dem Immer,
            das immer schon war und ist.