Stehende Endungen Unruhige Markierungen: Granulat aus Abrieb und Antrieb In der Luft zwischen jeder Zacke Eine Art Ausschlag Von Rennweg zu Brennweg Ich sehe die Knöchel versinken Welle um Welle Eine Strecke und ein Petticoat Und über all das kein bisschen Regen kein bisschen Mittelwege voller Zacken und sonorer Aufhebungen Leitplanken an den Enden mit Aufforderungen versehen Hier befinden Sie sich in guter Gesellschaft Das ist keine Abzweigung Schon mal an eine Verbeugung gedacht Es riecht doch sehr nach Curry Zacke um Zacke hält sich auf mit dem roten Stoff Aus dem Strasse und Fantasie ist Tonsäulen zwischen den Zinnen Wolle um Wolle treibt es die Endgeräte vorbei Breit wie Margeriten und zärtlich wie Euphorbien Und nur der Rand Zinne um Zinne Nahe am unifarbenen Geritter Und keine Maschinen weder verkürzt noch entspannt Orgeluse oder Belakane Und keine Vorwände mehr Nur noch Endwände Lammgestattungen oder Staubparzellierungen S-S-Stauparzellierungen Vorbeugen oder Verbeugen Beides ist nicht fern genug Zitternd sehe ich manche Unter ihrem Schröpfen heisst es immer noch Liebe Ich streue Kohle über Wickham Die Unruhe markiert die Endungen Als stehe ich in Jeschutes Rock.
Ich frage mich Halterungen haltend Im Standwasser von heute Angesteckt vom Mana eines weiteren Checkpoints Frage ich mich Venus und Jupiter auseinanderstrebend von den Wolken verdeckt Wie die Erinnerungsschulden Ob die Erinnerungsstalden In einer Liebesstation sich der nächsten erhaltend Obwohl und während die Glaubensdaten sich von dem Wissensatem zerstreuen lassen Wie zu vermuten steht Rede ich doch nicht um den heissen Stein Leise Kreise von Mückenlarven am stockenden eisenreichen Wasser Wie die Erinnerungsschulden Das frage ich mich Nicht anders als die Ahninnen mit ihrem «ts» Und ich versichere mich der richtigen Stellung der Zeiger an den Armaturen Es genügt ja Ein fehlerhaftes Auslösesignal im Bereich der Leittechnik des Blockschutzes einer Turbogruppe In ihren Halterungen pulsieren Mehr null als eins Mehr auf als an Im wärmenden schweren Sprühnebel träumend von Hasenkostümen und kleinen Mehrfach gefalteten Zetteln mit einem Liebesgeständnis Das gar nicht anders kann als Nicht über den Zettel hinausreichen Ob die Unterschiede wie Wasserstände Gar nicht anders können als Verdeckt von angereicherten Himmelslinien und Struppigen Würzknollen Frage ich mich Steil abfallend ins rechtwinklig ausgerichtete Gerät Wie die Schwungkurve Kaum erinnert Doch in mir spinnt Mit nassen Knöcheln Die Hände an der Schürze abwischend Im Modder mit nassen Knien Frage ich mich ob ich erheische wer ich bin Wenn das Rollen aufhört Und die Rechner ausfallen Die Zahlenreihen auf der Rückseite des Zettels aus ihren Gleichungen tanzen Ich lebe bis hundert.
Ich ziehe meine Lammhaut an Ich habe sie nicht verdient Gefüllt mit gasförmigem Eis Ich will einfach nur hören Deine Brust versperrt den Himmel Ich will einfach nur hören Leis singt dein Magen Unter meiner Haut arbeiten die wenigen Finger Die von meiner Zärtlichkeit übrig sind Am Stoff der Möglichkeit Ich will einfach nur hören Alles ist gut Lass mich ein bisschen hier Der Stoff deines Rocks raschelt wie Wimpernschläge Ich will einfach nur hören Steh noch nicht auf Geh noch nicht weg Du hast doch das Signal auch noch nicht gehört Es ist nachgerade Zeit für andere Stoffe Findest du nicht auch Es ist jetzt gut Um du zu sein Nicht länger zu spalten Ich will einfach nur hören Du musst mich nicht mal küssen Ich will mir deinen Kuss nur vorstellen Er schmeckt bestimmt nach Baumnuss Weich knirschend Lass mich hier noch ein bisschen Ich will mich nicht mehr so massiv fühlen Deine Hand in meinem Haar Meine Lammhaut kommt noch einmal ungeschoren davon Lass mich noch ein bisschen hier sein Von deinen Schenkeln steigt ein Nebel auf Der mich an den Geruch von Rapsfeldern erinnert Von dieser Zärtlichkeit will ich zehren Ausgestreckt in dieser Abstellkammer unterm Dach Ohne sie zu verwenden Lass mich unverwandt hier sein ein wenig mehr noch Noch ein bisschen hören Alles ist gut Auf dem Blechdach die Schritte der Raben und ihr unerwartetes Krächzen Das uns erschreckt Und die Kälte in meiner Brust ist fast schon Wiese Darüber deine Augensterne fallen.
Dann streiften wir uns die Fetzenreste unserer Kleider ab und stiegen in den Moorsee hinein. Schnell wird es tief, wir müssen schwimmen. Vom Wasser aus ist die Richtung schwer zu bestimmen. Wenn wir Wasser treten, um uns zu orientieren, fahren unsere Beine in die kalten Wasserschichten des Sees, während unsere Brüste im wärmlichen Wasser der Oberfläche baden. Wenn man das Wasser schluckte, schmeckte es sehr leise nach öliger Baumrinde. Endlich haben wir wieder schlammig-wegsinkenden Grund. Auch unsere Leiber sind schwarz und klebrig vom See. Einige Zeit stehen wir keuchend und schmunzelnd auf dem Ufer. In dieser Zeitspanne hebt sich die Sonne hinter den letzten Bäumen des Waldes hervor, saugte mächtig am Sumpf und am Nebel. Mit der Sonne steigen hinter uns Geräusche auf wie Libellen. Doch ist in unserem Rücken nichts zu sehen ausser den Espen des Mooses, ausser dem feuchten leeren Horizont. Es sind fröhliche Kinderschreie, die von dort herüberklingen; manchmal auch ein Platschen oder der klatschende Lauf von nackten Füssen, die Stimme einer wachsamen Mutter. Ich glaube fast, auch meinen Namen zu hören: «Fritz! Frie-drich!» Doch musste ich mich getäuscht haben, denn auf Nelies schwarzem Gesicht zeichnete sich Freude ab. Sie wandte sich mir mit einem weissen Lachen in der schwarzen unteren Gesichtshälfte zu und sagte: «Hörst du? Sie ruofen uns schon!» Alle meine Haare standen zu Berg, als mich Nelie am Unterarm erfasst und zu sich heranzieht. Um mich her heben viele Espen ihre vielfachen Hände im plötzlichen lauen Wind, die Äste klappern wie abgenagte Nagerknochen, eine Begeisterung wie Mondschein, und die Sonne schleift ihren überhitzten Körper durch das vielarmig knisternde Moos. An meinen Haaren zupft das Stimmchen des Windes, kalt wie Draht. Das Lied der Espen sirrt durch meine Muskeln und schiesst in meine Nerven. Kurz streift mich Übelkeit. Die Mutter ihres Liedes kommt noch näher, kommt mir entgegen aus nächster Nähe wie von weit her. Sie berührte mich mit ihren Brüsten, stiess mich mit ihren Hüften leicht zurück. Umhüllt von ihrem stechenden Geruch schloss ich die Augen, stolperte einen oder zwei Schritte zurück, meine Füsse im elektrischen Drahtgewirr, das kleine Stösse in meine Schenkel schickt. Ihre Hand hält leicht und bestimmt meine Hoden wie trockene Pflaumen. Birnenhart drücken mich ihre Brüste. Aus dem Dorngestrüpp meines Bauches steigt mein Glied herauf mit seinem kirschenroten Auge. Meine Hände halten ihre anderen Wangen. Sie sind so kühl und schwer. Sie passen genau in die Schalen meiner Hände. Sie gurrt, ihre Augen haben ein Herbstgrau. Die Schreie unserer künftigen Kinder branden um uns auf wie Spatzen aus einer Hecke. Dann sagt sie etwas zu meiner Halsschlagader. Während ich mein Glied an den afrikafarbenen Erdhügel ihres Bauches presse, fallen wir ins Moos, das von Leben himmelt. Ihre Wärme auf meinem Bauch. Die Schwärze des Sees rinnt in Streifen an uns herunter. Der Moosboden züngelt an meinem Rücken, ich rieche die Nadeln, die mich stechen. Die Luft glüht und riecht nach Honig. Über den See strecken die Bäume Tentakel aus, die im Wind nach mir suchen und meine Stirn verschatten. Die Luft klebt in jeder Falte der Haut, begräbt uns unter sich. Die Amphore ihrer Hüfte schaukelt auf meinem Bauch. Vorsichtig hebe ich sie an meine Lippen, an meine schartigen Lippen. Ihre Vulva schmeckt wie Weintrester, meine Zunge erkundet Runzeln und Lappen, ihre Schenkel an meinen Wangen ein Schraubstock, dessen Macht mit jedem Lecken und Saugen stärker wird. Gleichzeitig schreien wir auf, in Not. Während ihre Schenkel wieder erschlaffen, knabbere ich daran wie an einem milchdurchtränkten Wecken. Das Geplänkel der Kinderschreie dringt wieder an meine Ohren. Vor meinen Augen glänzt und leuchtet die Orangenschale ihrer Vulva, der Geschmack der Passionsfrucht auf meiner Zunge, zornig starrt mich der Wachsknopf ihres Kitzlers an, ich halte seinem Blick nicht stand. Ich fühle mich wie eine Schnecke, als ich unter ihr hervorkrieche, bis sie auf meinen Schenkeln reitet. Die Sommersprossigkeit ihres Körpers blendet mich. Laut lacht sie auf, als meine Fingerbeeren an ihren traubenden Brüsten Bewegungen des Pflückens und meine Handschalen Bewegungen des Wiegens üben. Sie schlägt meine Arme von sich weg und hält sie im sonnenharten Moos fest. Sie küsst mich in den Graben hinter den Ohren, taucht ihre Nase in den Fingerhut meiner Drosselgrube, knuspert an meinem Kinn, meinem Schlüsselbein, meiner linken Brustwarze. Ihre Finger scheuchen die Nervenfedern in meiner Lende auf, ich bin ein zuckendes rotes halbgares Stück Fleisch unter ihrer Göttinnenkraft. Mein Glied windet sich in ihren aufschiebenden Händen, halb Buttersack halb Echsenzunge. Ich hebe meinen Blick in ihr Gesicht und sehe dort einen Ausdruck spielender Konzentration. Haben wir anfangs in unserem Hecheln noch Spuren von Lachen vernommen, ist es uns jetzt ernst. Meine Hände streichen und umfassen wie Gläubiger die Sanduhr ihres Körpers, und niemand kann sagen, wer sich hier wem aufpfropft, in seufzendem Hüpfen und keuchendem Ausweichen. In jedem Atemzug über mir erklingt ihr Vertrauen. Zupfend erfasst sie mein Glied, das Zögern ist verschwunden, gewissenhaft und vorsichtig bereitet sie es für sich zu, ich gebe es auf und überlasse es ihr. Für Sekunden, die sich hinziehen, fühle ich mich wie ein Stofftier, aus dem die weissen flauschigen Innereien herausgepult werden, als handele es sich um seine Seele. Dann verschwindet dieses Gefühl in ihr, nass ist es in ihr, heiss ist es in ihr, ich wollte Schnee sein, mitten im August, und langsam mich selbst vergessen. Und wieder ist es eine Schaukel, sie wiegt sich auf meinen Lenden, die Poren des Mooses unter meinem Körper öffnen wispernd ihre Ohren, ich ergreife ihre wippenden Brüste, sie erschauert, ihre krallenden und knetenden Hände bearbeiten meine Brust wie die eines gerade Verstorbenen, der noch ins Leben zurückgeholt werden kann. In freudigem Schmerz zerre ich an den Beeren ihrer Brustwarzen, für den Moment eines Lidschlags fällt sie über mich, bedeckt mich zaudernd mit ihrem Leib, ich entdecke an ihrem Hals die krautige Würze eines Tomatenstrauchs in der Hitze eines Sommernachmittags. Sie richtet sich jetzt auf und ist jetzt ganz genau, führt Buch mit ihren Hüften. Im Rhythmus lernen wir zählen. In unserer schmelzenden, schnalzenden Mitte häufen sich die Zahlen wie Sternbilder. Sie greift nach meinen Händen, um ihr beim rollenden addierenden Stossen zu helfen. Wie zwei Kerzen teilen wir unser Wachs. Die Welt umgibt uns wie silberschleimige Flügel, die wir bis an die Enden unserer Geschichten ausgespannt haben; sie streifen aus der Hitze heraus die äusserste Kälte, die letzte Härte. Unsere summierende Bewegung ist ein grosses Schaufelrad, das die Welt umdreht und umkehrt. Ich pulsiere wie eine aufgeschnittene Fingerbeere, ich höre Musik. Es ist dunkel geworden mitten im Tag, die Leiber machen den hellsten schwärzesten Nebel, die Mulde im Moos gibt immer mehr nach, Wasser verstopft mein Ohr, die dumpfe Musik schlägt immer wieder in helles Fiepen um, pocht an die letzten Widerstände, an die letzten Begründungen, die von meiner Geschichte abfallen, abspringen wie Sporen. Über mir ist ihr Seufzen wie der Name des Drachen. «Pfetan! Pfetan!» Ich bin ganz Echse, rasend in der Sonnenschwärze, Steinzeit, hämmerndes Glimmergestein, das Zeiten und Bilder durchscheint. Dann wird unsere Bewegung fast schon ein Um-sich-schlagen, sie rüttelt über mir wie der Milan dort oben in der Sonne, ich höre Musik und Lied, «wie der morgen minne-diebe kunde büezen clagen». Mein Glied ist eine aufspringende Knospe, die sich des Taus entledigt; ihre Scheide ein bebend-umdrängender Fischschwarm, der kreisend an die Oberfläche steigt. Wir sind eines Fleisches, du und ich. Wir sind eines Blutes, du und ich. Da fällt sie über mir zusammen, umgestossenes Zelt. In ihr schwingt es und brandet, und mein gebogenes Glied spannt sich an und öffnet sich wie eine Schote. Entzweigebrochen, liegt sie auf mir; entzweigespalten, lieg ich da. Weiss fällt das Licht in meine Augen, ich stosse, ich lege meine Nase in ihre pumpernde Achselhöhle, ihre Hände rascheln jenseits meines Kopfs im trockenen Moos. Die Bebung hält uns noch fest, das Zucken und Zittern kündet das Zagen und Zaudern an, «da mac verswinen wol ein triuten», höre ich weit entfernt , fast ein Schrei, «sinnen wîl er wünne selten borgen», die Achselhaare kitzeln meine Nase, ich rieche in ihren Achseln die salzigen Ursprünge der Welt. – Lange lagen wir noch so da, schnaufend und wie Saiten nachklingend. Unsere Körper lagen zwiebelglatt aneinander. Die Rosetten des Mooses hatten sich endlich auch vollgesogen. Der Kinderlärm war in sein Freudenhorn zurückgekrochen. Langsam verändert sich das Klopfen unseres Herzens, lassen sich die beiden Herzen unterscheiden. Aus unserem Schoss steigt ein herrlicher, herber, fauliger Geruch auf. Das erschlaffte Fleisch fühlt sich an, als hielte man frisch gefallene Magnolienblüten in der Hand. Leise leckte das Wasser des Sees am Pflanzengrund. Nebeneinander lagen wir wie frischgepellte Lebewesen, dem Tod entsprungen. Die Tränen wiegten uns, denn Leben heisst Abschied nehmen. Nein, wir waren nicht von gleichem Blut, von gleichem Fleisch waren wir nicht. Die Ehrlichkeit würde uns zur Lüge zwingen, die Lüge zum Leben. Sie schälte sich von mir, ich schälte mich von ihr. «Du saelden spil,» blies ich meinen Atem in ihr Haar. Sie schüttelte ihren Kopf, den sie von meiner Brust hob: «herzeliebe ist ein schûr, dem lîbe ein herter nâchgebûr; in süeze wirt vil oft sûr.» – «Ich minne dich sehr.» – «Ich minne dich mehre.» – «Ich liebe dich mehr, als ich dich minnen kann.» – So spielten die Worte miteinander, während unser Atem sich beruhigte. Beide wussten wir, es gab keine Auswege, nur Ausreden. Ich war frei, in meiner Freiheit gefangen. Sie war gefangen, selbst ohne den wachenden Drachen, in ihrer Gefangenschaft frei. Es war ihr nicht möglich, mir war es nicht möglich. Der Erzähler musste seine Ohnmacht einmal mehr unter Beweis stellen.
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Text aus der Novelle „Ne me quitte pas“ (im Entstehen)
Du hast keinen inneren Halt Du saugst an fremden Knochen Du interessierst dich nicht für mich Du stellst keine Fragen oder unverfängliche Du spekulierst mehr als du weisst Du findest Muttis Die helfen und sorgen sich Du träumst dich gern hinweg Aus Konflikten und Ansprüchen Du hast keine Überzeugungen Du bist angelesen Du weichst Irritationen aus Du fragst nie nach Du suchst einen Kuss und fürchtest den Griff an meine Brust Du redest von Liebe viel zu schnell Du bist nicht für die Freundschaft gemacht Deine Ideen sind geliehen Dein Schreiben ist nur vorgeschoben Du läufst kindlichen Vorstellungen hinterher Du scheust das tiefer Graben Du schüttest lieber Gräben auf Du glaubst an den Berg und willst nur das Plane Du bist von deiner Freiheit überzeugt Als wärst du ohne mich Und ohne uns Überhaupt möglich Du schmückst dich mit Fremder Wörter und Fremdwörtern Du tanzt auf allen Hochzeiten Du hast zu viele Interessen Du kannst nicht ehrlich sein zu dir Wenn du das mit mir nicht kannst Du hast noch nie etwas zu Ende gebracht Du hast noch nie etwas zu Ende gedacht Du träumst von der Wildnis und suhlst dich auf der Couch Du liest Bücher und Geschichten Um etwas zu sagen zu haben Du möchtest nach dem Mund geredet werden Du willst es nicht unnötig schwer machen Du verstehst unter Freiheit etwas anderes Du bist undankbar Du redest ja nicht mit mir Du rechtfertigst dich immer Du machst im entscheidenden Moment dicht Du willst nicht über die Beziehung sprechen Du kreist nur um dich selbst Dein Leben ist nur möglich dank all der anderen Du hast ein Begehren ohne Worte Du hast ein Begehren ohne Wissen Du hast ein Begehren ohne Wirklichkeit Du hast zu viele Worte Und wenn es darauf ankommt keine Du hast ein schüchternes Herz Du bist der Widder im Gestrüpp Du hattest einfach Glück.
In der weiten Stadt du Mit Fragen für mich Hast du schon einmal geliebt? Unter verwindeten Haaren Denn der Wind in der weissen Stadt will dir wohl Das jüngste Gesicht einer Frau Die Nasenspitze resolut in den Himmel gedreht Die grauen Augen wie rollende Katzen im Meer
Unsere Zettel flattern durch die Marmorgalerien der Stadt Über die Marmorbrücken hallen die Rufe unserer Augen Durch die weiteste Stadt springt der Ring deines Rocks
In der weissen Stadt du Mit Fragen für mich Ich finde Hände halten gut für den Anfang und du? Und ich lese Du möchtest noch nicht geküsst werden Höchstens unter Brücken im Geraspel der Zeit Und ich schreibe Ich möchte deinen Körper leuchten sehen zwischen all den Kuttenschatten wie eine gute Narbe Und für Jahre erhalte ich keine Blicke mehr Verschwindest du zwischen den Vätern Die Marke deines Lächelns stempelt den zu blauen Himmel mit dem Anschein einer Wolke
Du findest mich in der weiten Stadt Als langtest du nur kurz in deine Handtasche Grau umfängt mich der Rock deines Blickes Kühl und ingwern Ich finde dich auf der Treppe die nicht endet Und ich schreibe Mein Zettel zerknittert und nass von meiner Wange Ich liebe deine Knöchel und die lockende Wade Weiss wie die Stadt Du sagst Du wirst noch zum Italiener Und du sagst Komm zu mir Breitest deinen Rock über meinem Kopf Die Wärme deines Geschlechts auf meinem Scheitel
In der weissen Stadt du Ich zähle die Perlen deines Lachens Und lege sie in mein Gedicht Und Fragen werden Antworten Antworten werden Fragen Deine Wangen verfärben sich abendlich Und wo nichts mehr lebt in Steinen Reichst du mir einen Orangenschnitz
(Das Bild „Das Rätsel der Uhr“ von Giorgio di Chirico ist gemeinfrei.)
Nichts dauert, die Zeit der Lieder lauert auf die Zeit der Ketten, die als scharlachrote Bänder dich kränzten und begrenzten, und die süsse Honigmilch versauert, der Libanon ist eingeebnet von dem Gewicht, das in Verbundenheit wächst, der Hang von Baal-Hamon ist bald schon Wüstenei, die würzigen Bärte von grauen Flechten durchzogen, der Wein und die Worte schmecken nach faulenden Spänen, der Hennastrauch deines Hügels, das geschwungene Horn deines Gliedes, das Myrrhenharz verweht, entleert, entbehrt, sie dauern nicht, dauern nicht, die Tauben deiner Augen werden zu Spatzen, werden zu glatzköpfigen Geiern, die Zeit der Lieder lauert auf die Zeit der Saat, und wartet und wartet, die geduldigen Schritte in Verbundenheit im Granatapfelhain erschöpfen sich am gleichen Refrain. SELA
Der Turm deines Halses schaute hinaus auf das Land, auf den Garten schaute die Hütte deiner Locken hinaus, in der Wärme deine Blicke und in der Blüte deiner Königsherrschaft waren sie sicher, doch schnell musstest du fort von den Lagerplätzen der Löwen, liefest ohne Zögern hinunter von den Bergen der Panther, die sich an die Schafe schmiegten, als kennten sie nichts anderes, die Dauer hat eine Frist, die Frist ist nicht zuhanden, keinen Aufschub kennt die Dauer, denn selbst der Weinberg von En-Gedi lernt die Krallen der Füchse kennen, denn selbst das rote Band von Rahab war mehr als ein Versprechen, und die Trauben deiner Brüste, die Arme aus rotem Gold, sie schrumpfen und müssen vergehen, die Schale edlen Weines, die marmornen Säulen auch, nichts dauert im Mühlstein der Verbundenheit. SELA
Aber die Liebe zur Heiligen doch wenigstens, aber die Sehnsucht nach ihrer Nähe doch wenigstens, die wie eine Lilie aus den Tälern aufsteigt, hinter den Dornen ihrer Wimpern blitzt es schon, ihre Wangen von der Röte der Beeren, ungepflückte Myrrhe ihre Rede, schwarz wie die Zelte Kedars ihre Berührung!
Nach Luzern kommen heisst Das Herz wie damals in den Kniekehlen tragen Dich im Augenwinkel erwarten Am Ausgang des Perrons Zierlich und grau zur Seite gerückt Deinem schmalen Lächeln entgegen Das fragt und noch nichts wagt Die Arme vorbereiten auf einen leichten Mädchenleib Daunengleich Der einsam und still reifte Weis und schüchtern Nüchtern und weise In meiner Kehle die Bereitschaft des Lauschens auf dich In meinem Ohr die Waage des Achtens auf dich In meinem Auge den Schatten meiner Taten ohne dich Das Fühlen vorbereiten auf den Unterschied Der mir Nähe ist und noch jetzt Bebend widerhallt Wie ein Schrei aus Klüften Mit Namen „endlich ankommen“ Zitternd wiederholt
Nach Luzern kommen heisst Ein vergangenes Land in der Gegenwart betreten Dessen Erbe ich niemals antreten werde ein Land Das aus Schwellen bestand: Aus offener Sicht und entschlossener Ferne Aus einem Abschied ohne Ankunft Aus den Heubeeren auf dem Weg in die Fräkmüntegg Aus den Schimmelwänden meines Zimmers Und der süssen Feuchte meiner Kleider Aus dem Tanz auf dem Schiff unterm Sternenhimmel Aus meiner verstohlenen Feder Die stetig und heimlich mitschrieb Die dich nicht zu erreichen versuchen durfte Um nichts zu ritzen: deine Verse oder Verhemmung Die unter deiner Haut blühte Die aus deiner Einsamkeit brachen Das nötige Unkraut und Lorbeerblatt
Nach Luzern kommen heisst Die Dinge sind keine Dinge Sondern Instrumente Aus denen immer noch Der warme Speichel des Erlebens tropft Als dauerte der Kuss Den ich dir zu geben versucht habe Zu dem du mich nie ansetzen liessest In ihnen immer noch an Als hielte meine Hand noch die deine Als versteiften sich immer noch unsere Schultern Ob der ungleichen Länge unserer Schritte oder Ob meines Storchengangs – Die Dinge kurz vor dem Wort: Augenblicke Als kämen sie aus dir Als kämen sie aus mir Nervenenden und Blutgerinnsel Für immer mir und für immer Dir entrissen kalt zitternd Warm bebend lebend und Geboren: unsere Kinder –
Nach Luzern kommen heisst Larve und Flügel zu sein An der Küste des Erbarmens zu wandeln Wo das Nachspüren ein Wagnis Wo das Achten Achten schlägt Und ich strecke meine bescheidenen Meine wehrlosen Waffen der Rührung Entgegen und ich sage nimm nimm und Vollführe mich.
Du mit deinem Meissner Remis-Gesicht Ich mit meiner hochkantigen Zinne und meiner Wut Die nicht tribschenblau ist In barhäuptiger Entfernung Lauschstation und Rauschstation Und die wachsenden Kriechend anwachsenden Bedürfnisse nach Entnahung: An jedem deiner Schatten ein Faden bis in die Wurzeln meiner Fingerbeeren Die leise in der Wärme deiner Hand pochen wie das tribschenblaue Gletscherinnen Und die Seevögel bilden Arkaden Schmutziggraue Bögen wie die Sohlen einer Walkyrie Und wenn du sangst Wurde meine Mühle ausgehoben Und ihre Winde und Puffs ausgehebelt In eine tribschenblaue Grube für Kühlelemente Wo das Wigeleweia ächzend auspolterte Hinter den Schaummasken von Raddampfern Und den Gebissen von mondartigen Ebenen Die wie Muskeln die Bedarfsanlagen umspannen In die meine durchstossene barfüssige Wut eingelassen ist wie das Leuchthaar eines Pharaos Und von wo in der Entfernung ein tribschenblauer Schatten Fast wie eine Insel oder ein verblasstes und durchschossenes Verkehrsschild zu sehen ist.
Ein Ding ruft auch Ein Ding redet auch Ein Ding will mich greifen Ein Ding will mich ergänzen Gut machen Ein Ding ist wie die Haarbürste meiner Tochter «Papa das ist Kohlenstoff Weisst du das nicht?» Da bleibt was hängen Darin sind noch die Bittervanillehaare Grau wie der Bauch eines Hais meiner Frau Ein Ding ist lange her So lange leer Und mit einem Mal weine ich darum Nicht einen Abschied zur Sache machen zu können Zu einem Wirtshausschild Zu einer Erinnerungsplakette «Hier wohnte…» «in diesem Haus…» Eine haardünne Linie zwischen Wasser und Staub: Und die Zecke kriecht beharrlich über das Fenstertischchen im Zug auf mich zu Was: wieder eine Zecke? Woher kommt diese Lebensform Die nur auf Klammern angelegt ist, wie du es einmal warst und auf das Saugen Aussaugen wie sie von dir behauptet hat Und von deinen Pheromonen angelockt kriecht dieses uneinsichtige Uneinsichtbare Wesen das du wie ein Ding von dir wegschnippst Haarschuppen oder Platanenwolle «Sie Herr Füglister gäll Daraus kann man Kleider machen» Ja und Teppiche Und Dinge rufen auch Wie sie gerufen hat und ruft Wie sie mich Wie du Wie sie müde Wie du müde Heimkehrt habe ich mir oft vorgestellt Und ich beobachte die Liebenden Wie sie Gesten tauschen durch das staubige Fenster und mit den Lippen Laute vormachen Die auf keine Sprache zurückzuführen sind Es könnte auch Hebräisch sein oder Griechisch Eine dieser Sprache vom Anfang einer Welt Plüschig und schaumig Kehlig und mehlig Und du blickst auf seine Lippen Auf seine gerüschten Lippen Und sie ruft mich Aber ich habe keine Ohren für sie Aber ich habe keine Ohren mehr für dich Meine Ferne ist in die Ferne gerückt Wie ein Insekt mit seinem Willen wenn du das Willen nennen darfst Noch nennen darfst Sie klammert sich an das Papier Mit dem du sie wegzuwischen versuchst Einen Moment ist dieses Lebewesen Das du Ding zu nennen wagst Denn keine Augen siehst du daran Denn nur dieses Vorwärtsdrängen Vorwärtskriechen Und ich achte sie für ihr Rufen Aber ich habe keine Kraft mehr für das Achten auf ihr Rufen Es mir zu viel Ich sage es laut Es ist mir zu viel Die Lippen erinnere ich Die fern harrten unter dem Vaselineschutz und Wie Schlussstriche unter meine Rammzunge Du siehst ich bin immer noch verdeutlicht in Bemühungen zu dir selbst hier im Zug mit den Schäumenden Augenbrauen und den haarigen Lippen des Liebenden mit gegenüber An denen ich immer wieder festhänge wie die Zecke Ich brauche diese Rufe Und habe die Bücher aus der Schuhschachtel am Strassenrand rufen hören Wie ein Gruss aus meinem Leben Denn sie wissen du bist inzwischen bereit Bereit für ihre Botschaft aus der Zeit vor Aus der Ferne die weder von dir weiss noch bis zu dir zu reichen vorhatte Sie geben dir Antworten auf deine ungestellten Fragen Sie reichern dich an diese Bücher mit einem neuen Wissen um dich Und du hörst ihre Worte noch einmal: «ohne mich Wärest du jetzt nicht derjenige der du bist» Und ich danke den Dingen Diesem «Mann in der Schwebe» Am Strassenrand rief er mich an Ja sie sprechen zu dir Über den Bözberg und den Sempachersee hinweg Über die deutsche Tiefebene und den Harz hinweg «Sie Herr Füglister Warum hast du zwei Uhren an?» Die Zeit schäumt in Nichtschauen und im Nichtachten Schleimt die Brillengläser voll Ich ergänze viel So viel an diesen Dingen An diesem Gewand Gabriel an diesem unseren vorübergehenden Gewand Das vor meinem Antlitz sich bauscht Und durch das sie mich ruft Durch das Insektengemetzel hindurch: Die Zecke liegt für eine Sekunde auf dem Rücken Denkt jedoch nicht daran sich totzustellen Sie hat mich gerochen und hält weiter an diesem Geruch fest Schon tickert sie wieder auf mich zu über den Fenstertisch hinweg Und ich denke an diese Distanz zwischen uns in der Zeit Von Anfang an diese zögernde Distanz zwischen dir Die ich nicht zu überwinden weder vorhatte noch lernen wollte Du solltest kommen einfach kommen Ganz wie eine Sache den Platz einnehmen Und verströmen diesen heiseren Ton deiner Haare Da fuhrst du nun und ich rannte dem Wegen noch nach Mit dem dir zugewandten Gesicht und bereits Ein wenig Erlösung im Herz die ich dann Auf der Suche nach Ergänzung oder Erfüllung In Pringles badete und im Blut Das von Lucille tropfte.