Schau auf diese Männer, Heilige,
zögere nicht länger und schau sie dir an, diesen Haufen von Wehrlosen,
mit ihren hängenden Köpfen auf ihren langen gierigen Hälsen,
die sie eben noch festlich hochgereckt haben,
die sie eben noch mit klapperndem Lachen hin- und hergeschwenkt haben wie die Federwedel an den Helmen der Philister,
hör sie dir an,
diese Staubwedeltruppe,
diese Ritzenschlüpfer,
hier schenke ich dir reichlich Blut von starken Tieren,
von wohlgenährten Ochsen und stämmigen Lämmern,
auf dass sie nicht auseinanderlaufen wie feuchte Katzen,
ich habe keine Zeit mehr zu stottern,
ich habe keine Furcht mehr vor der Entscheidung, Heilige,
denn nicht allein will ich dastehen mitten in den Strassen Gilgals,
denn nicht allein kann ich diesen Kampf bestehen vor den Männern unserer Dörfer,
soll ich denn mich mit Schafen und Ochsen bewaffnen und von Gad die Schweine holen,
um sie wenigstens von unseren Weiden zu vertreiben,
die sie mit den Rädern ihrer lächerlichen Wagen durchpflügen,
als könnten sie damit einem Mann oder einer Frau aus Benjamin beikommen,
die über die Hügel und in den Schluchten laufen gelernt haben,
doch die Hängehälse sind müde geworden,
sie wollen nicht mehr ihre Hälse vor sich hertragen und nicht länger laufen, laufen, laufen,
und ich will endlich Ruhe vor ihrem Quäken und Schnattern,
ich will endlich Ruhe für meine Ohren,
Stille für meine anderen Gedanken,
Schweigen für meine Tage auf den Weiden,
eine Flöte im Gürtel und die Flocken der Schafe im grauen Grün von Bet-Awen,
ich habe gewartet, Heilige, gewiss habe ich gewartet,
ich warte noch, Heilige,
jetzt aber nehme ich mein einziges Schwert und schneide Kehlen durch und stosse Ochsen tot,
damit die Schmalhälse ein Gefühl davon erhalten,
was es heisst, selbst zu bestimmen.
Psalm für den Prediger
Hier bin ich, Prediger,
ich bin hier, Prediger,
ich komme endlich an,
darüber hinaus gehe ich,
hier ist siehst du meine Genüge,
hier hörst du meine Güte,
du fasst an meiner Kehle die allmähliche,
die anschwellende Fülle,
diese Füsse schritten schon lange auf deinem Weg,
auf diesem eben ansteigenden Hohlweg,
in den die Sonne und der Mond nur zünden,
wenn dein Wort eine Anstrengung vermocht hat,
weil dein Wort eine Anstrengung vermocht hat,
durch den Wust des Dringenden, durch die Rahmparade der Wünsche zu kommen zu mir,
auf dem Gestell der abgesägten Träume, auf dem Regal der abgesagten Gedichte,
wo es dunkelt und pilzig-schütteres Licht eine Form von Genugtuung bietet,
dort hinten zu leben, wirklich dort hinten
zu leben,
in den silbern erodierenden Wänden des Weges,
wo die Böen versiegen und die Luft steht wie eine Stele auf dem Berg Garizim,
ich bin hier, Prediger,
in meinem Rücken schmerzen die Blicke von andern,
in meinem Nacken saugt noch der Kuss der Angst,
auf meinen Schultern kauert noch die Entschlossenheit,
die ich aufbrachte, weil ich dein Wort in mich gelassen hatte,
weil ich es geschluckt hatte, geschluckt,
Prediger, hier bin ich,
ich komme endlich dazu,
ich komme endlich zu dir,
um die Sonne gut zu heissen,
um das Scheinen der Sonne gut zu heissen und das Fallen des Regens,
das Ziehen des Nebels, vor allem des Nebels, und das Schwanken des Monds,
um die Qualität der Erfrischungen, die Höhe der Sichtweiten, die Schönheit der Feste und die Abwechslung der Speisen
zu schätzen,
mein Auge glänzt,
siehst du es glänzen, mein Prediger,
aus deiner haltlosen Ferne,
glänzen wie ein Schild für die Dauer,
wie ein Schild für die Ausdauer,
ich habe mich befreit von den Hoffnungen,
ich bin drangeblieben an deinem Wort,
ich habe ausgeharrt mit deinem Wort,
ich bin ihm nicht ausgewichen, nicht mehr, nicht länger,
ich habe mich herausgelöst aus den Ansprüchen,
ich habe festgehalten an den Erwartungen meiner Gedichte,
ich bin durchbohrt von deinem einfachen vielen Wort,
hier bin ich, Prediger, sieh mich an,
hier werde ich sein, wie du noch lange sein werde ich:
nichts ist wichtig,
nichts ist notwendig,
nichts ist hell,
nichts ist gut ausser das, was du im Munde getragen hast und was
an meinem Gaumen weiter glüht.
Nichts ist gewiss
Deine Hand berührt die Stirn, das Kinn, deine Finger fahren über die geschlossenen Augen,
die ihre Müdigkeit mit leisem Klickern kund tun,
aber kaum geöffnet, den Morgen über dem Hügelland bei Michmas sehen,
die leichte Trübung in den Sandtönen des Himmels und im Rosaschimmern der Erde kann auch ein Nebel sein, der aus den Tälern aufsteigt,
deine Zehen spreizen sich im grobkörnigen Sand, der leise flüstert wie eine Mutter über ihrem in der Mittagshitze dösenden Kind,
du atmest ein und wieder aus,
dein Bauch wölbt sich wie ein Weinschlauch unter deinem löchrigen Arbeitshemd,
deine Zunge regt sich wie eine Raupe im Kokon, um den tauben, übeln Geruch von Schlaf und Traum abzustreifen an den Zähnen und am Gaumen,
du schmatzt leise, und es klingt wie Abscheu,
wie das Fallen von Kuhfladen,
es gibt kein Wissen über diesen Moment hinaus,
deine glänzende Haut stellt ihre Härchen auf,
es schüttelt dich bis in die Schultern,
die Schwärze hinter deinen Augen ist deine eigene Schwärze,
die Schwärze deines Herzens,
ist dein eigener Horizont,
ist deine eigene Wand,
so weit entfernt, als rage sie in einer der grossen Städte des Ostens auf,
von denen die Händler träumen, aber kein Krieger,
so nah jedoch, dass du einen Schritt zurücktrittst davon,
als hörtest du das Räderdonnern der Philister schon früh im Morgen,
kein Blinzeln und kein Schielen kann dir diese schwarze fallende Sichtgrenze verschieben, vorantreiben, fortscheuchen,
und doch trittst du vor, den Fuss vor dem andern,
und doch gibt es noch Luft zum Atmen,
gerade noch und wieder,
auch wenn die Böe, die dich eben geschreckt hat im Haar der Weide am Brunne deines Hauses noch lebt,
und doch weisst du nichts vom nächsten Schritt,
noch was auf dich zukommt.
Nichts ist wichtig
Du dehnst dein Denken aus,
du weitest den Zirkel für den Stein des Anstosses,
du heiterst den Schatten über deinen Taten auf,
spannst den Bau deiner Zweifel bis nach Midian,
der Horeb selbst ist nur ein Knoten unter Tausenden,
und die unterschiedlichen Arten der Verzweiflung sind in deine Augen gestiegen wie Elritzen,
sie sind in deine Sprache geklettert wie eine Katze vor dem Hund des Hirten,
und so sehr deine Männer wie Kerzen in der Sonnenglut stehen und warten darauf,
dass du einen Entscheid fällst,
so sehr leuchten die Äste des Busches dir ins Gesicht,
des Busches, durch den du dich schlägst,
und immer ein neuer zuckt dir ans Kinn,
den du schon abgeschlagen glaubtest,
als befühlte ein Sklavenhändler dein Kinn,
was für ein Gewimmel,
das ein Beil abstumpft,
denkst du und stehst,
denn nichts war sehr wichtig,
nicht viel war wichtig,
und je weniger wichtig es war, umso unwichtiger wurde es,
es war nie wichtig genug,
weil schlimmere Dinge geschehen waren,
geschehen würden,
und du hörst die Männer nicht singen,
die Köpfe ihrer Frauen liegen an ihren Brüsten,
ihre Nasen weiten sich vom erdigen Geruch ihres Haars,
und du siehst ihre Zungen wie goldene Krebse hüpfen in der Abendsonne,
dein Denken ist ausgestreckt wie die Knie der Kraniche im Flug,
die über dem Papyrus-Meer im Norden kreisen,
du nickst wie jemand, der zu wissen befürchtet,
dein Gram ist wie eine der Töchter am Brunnen,
deine Trübsal ist wie eine der Töchter Reguëls,
von den Hirten mit ihren Hunden vertrieben,
wie eine Gazelle hüpft sie über die Oberfläche deines Auges,
wie ein Kamel lugt ihre lange Schnauze aus deinen vorsichtigen,
aus deinen kreisenden,
aus deinen vorgestreckten,
aus deinen vorgeschürzten,
aus deinen verletzlichen Worten,
und das Feuer der Äste nimmt dir den Atem.
Hiersein
Es ist nicht leicht, hier zu sein.
Es ist nicht leicht, hierherzukommen,
an diesen ungleichen Knick in der Zeit,
an diesen kabbeligen Ort, wo die Absichten,
wo die Ansichten wie Schleimspuren über die Felsen laufen,
über die festen Felsen:
alles erhebt sich,
Blicke, Pflüge, Leiterin und Lächeln,
alles senkt sich,
Lippen, Krüge, Zeugen und Zentren,
die Sprachen selbst vervielfachen sich wie die Halme von Gras in den Ritzen auf dem Berg,
und es ist nicht leicht, auszuhalten
die wimmelnden unebenen Flächen von Zeit mitten im Sommer, die aus dem zinnoberroten Himmel fallen
wie taumelnde Spatenblätter,
es ist nicht leicht, hierhergekommen zu sein
mit hinterhergezogenen Köpfen und aufgeschlagenen Lippen,
die widerwilligen Zeugen eines widrigen Laufs:
alles ist gelenkt wie die steifen brüchigen Gelenke unserer Väter,
alles ist erhoben wie die verschrumpelten, eingebeulten Gesichter unser Vorfahren im Angesicht der Sterne,
als könnten diese Funken Vergangenheit wie absteigende Blasen im grauen Tümpelwasser unseres aufgehaltenen Lebens,
als könnten sie vordringen bis in dein und in mein Herz,
die nicht mehr leicht sind in ihrem Hiersein,
die wie die träge umwindete Masse einer Mazzebe ihre Stirn anreckt,
anreckt gegen die vielfältige Zeugenschaft von Gerede und Gereue,
und da bin ich: nicht leicht im Auge der felsigen Frucht, auf der Stirn des fruchtlosen Felsen,
auf der ungleichen Fläche hoch über dem Tal, kaum noch schwankend,
und möchte pflügen, möchte lachen mit gespreizten Lippen, die von Honig triefen,
möchte dem immerzu leichten, immerzu aufkommenden Wind ins Gesicht speien,
und mit unterschiedenen Worten die unterschiedlichen, leeren Geschichten bändigen.
Den Vogt erschlagen
Was hast du nur getan, Jonatan?
Was hast du dir dabei nur gedacht, mein Sohn?
«Ich habe den Vogt erschlagen, Vater, den Vogt der Philister.
Beten wollte ich bei der Mazzebbe, Vater,
wollte an den Sprossen Gottes rütteln, Vater,
die in Bet-Awen in die Höhe wachsen,
am Rande der Wüste, am Rande der Weiden,
ich hatte so lange nicht mehr geträumt,
ich hatte so lange schon keine Ruhe mehr gefunden,
unter meinen Männern war ein Gemurmel,
hell und deutlich wie der erste Stein, der sich unterm Schritt des Hirten löst,
bevor der ganze Hang mit Prasseln und Rumpeln in die Tiefe fährt,
in Bet-Awen habe ich gebetet,
tief habe ich meinen Kopf gebeugt,
eine ganze Nacht und einen ganzen Tag lag meine Kehle dort im Staub,
hustend und fluchend,
und meine Finger zucken und zerren, und meine Füsse scharren und schlagen aus,
und ich konnte nichts sehen, konnte nichts fühlen,
knochentrocken bleiben Auge und Traum,
meine Müdigkeit rieselt durch meine raue Kehle,
rau von den Befehlen und glatt von der Erwartung,
und ich wollte nach Hause,
ich wollte nur nach Hause.»
Doch warum erschlägst du mir den Vogt der Philister, mein Sohn, den Vogt der Philister?
«In Geba kam er mir entgegen, Vater,
mit seinem unterm Kinn geschnürten Federhut,
seine Schultern waren wie die Mauer eines Reichen in Michmas,
und er wusste, wer ich war, Vater,
er grüsste mich mit deinem Namen,
und er befahl mir seine Füsse zu küssen,
und da wurde meine Müdigkeit zur Überstürzung,
und ich griff einen Stein zu seinen Füssen und erhob mich gegen ihn.»
Das hast du gut getan, mein Sohn,
die Kraft Esaus und die Schläue Jakobs ist mir dir,
du hast gut daran getan,
jetzt werden wir erlöst,
jetzt werde ich befreit,
und meine Tage als König sind gezählt.
Kaum älter als du, Jonatan
Ich bin kaum älter als du, Jonatan,
ich begreife immer noch nicht alles,
ich verstehe die Zusammenhänge nicht so wie die Menschen,
ich sehe die Folgen vor meinen Augen aufziehen wie ein Heuschreckenschwarm,
ich klammere mich an Erfahrungen, die nur einmal gelten und ein zweites Mal wie die Kehrseite eines Schekels
zwinkern, den ich für einen Ratschlag in die Höhe werfe,
ich fühle den kindlichen Trotz noch ebenso wie das kindliche Vertrauen,
ich empfinde immer noch das Staunen eines Kindes, das eine Ameise tötet,
die schreckliche, mächtige Ohnmacht eines Kindes, das ein Fohlen in seinen Armen hält, mein Sohn,
alle meine Erfahrung ist nur altes Fleisch,
ist nur müde Muskeln,
ist nur schlaffe Haut und Zornfalten und Lachfalten,
und ich erinnere mich nicht an mein letztes Lachen, wohl aber an meinen letzten Zorn,
ich erinnere mich an das Keuchen danach,
an die tauben Lippen, das Sirren in den Fingerspitzen, den wohltuenden, Beine wegschlagenden Schwindel, Knie die Sülze,
und lange noch spüre ich meine Nasenspitze nicht,
ich bin wie eine Kiefer am Hang,
die sich klammert an Stein und Disteln und Schiefer und hinaufwächst in den dunkeln Himmel,
um immer weiter hinauszuschauen in das Land, das ihr zu Füssen liegt,
doch weiss sie weder woher sie kommt noch kennt sie ihren Auftrag,
wie die fliegende Münze mit ihrem blinkenden Ratschlag, mein Sohn,
ich befürchte, es gibt ihn nicht, den Auftrag,
nicht für mich, das fühle ich,
ich habe viele Frauen besessen, wie die Menschen sagen, besessen und geschmeckt,
doch besitzt niemand ein anderes Leben, ein anderes Fleisch, eine andere Kehle,
für Augenblicke strich ich mit Torenfingern das Gespinst von ihren Gliedmassen,
doch konnte ich sie nicht ansehen,
ich war ganz eingesponnen in meine Scham,
sie bedeckt mich ganz und gar,
und jede meiner Taten ist eine abgewogene Unwissenheit,
die ich kundig mit Schweiss und Bauernregeln, mit Tränen und abschätzigem Überschlag vermische,
wie ein Kind, das mit Stöckchen spielt und einen Turm baut,
ich bin noch nicht einmal so alt wie du, mein Sohn.
Da kommt der Mond
Da kommt der Mond,
lange musstest du warten,
lange musstest du dich gedulden,
färbt die Augenblicke der Akazienblätter mit dem Quecksilber des letzten Gerichts,
wagt den Schritt über den Brunnenrand,
noch erglänzt keiner der Lachen zu deinen Füssen,
wie der schwere Abdomen einer Tarantel tritt er in den Zenit,
spinnt er seinen Traumkreis, seinen Zauberkreis,
hängt er seinen Deckel über dein Fluchtgefäss,
und du bist ohne Gott und ohne einen Plan, in dem die Frevler zappeln,
du vertraust längst nicht mehr auf die Wickelsprüche der Ammen und Generäle,
da bewegt sich der Mond, der Stellvertreter,
bewegt sich wie ein Totgestellter,
als fachte der Wind ihn an,
als packte der Wind ihn an,
spinnt in deinen Augen das alte Spiel vom Ergeben und vom Erheben:
Ergebung in deinem Herzen und Erhebung in deinem Herzen,
und du bist nicht länger eine Beute,
du bist nicht länger ein Abdomen voller Eier,
da kommt der Mond wie ein Gespinst aus Seide über deinem Schlupfloch,
und niemand hat dich noch zerdrückt,
niemand hat dich noch zermalmt,
dich und deine Brut,
und der Wind mag dort oben in seinem Säuseln die Geschehnisse auslösen,
der Wind mag dort oben in seinem Pfeifen die Geschehnisse ausbrüten wie eine Gaze auf einer Wunde,
wie die Silberfäden über einer Schürfung,
der nicht Heilung bestimmt ist,
die für die Hitze und für den Eiter bestimmt ist,
lange hast du auf seinen Trost gewartet
auf seinen kühlen, auf seinen blauen Trost,
lange hast du auf deinen Anteil am Frieden gewartet,
der kommt wie der Mond über deinem Loch,
der aushält über deiner Grube,
für einen Augenblick des Trosts in Silber und sandiges huschendes Gold legt,
was wie sein Licht eben erst und längst schon geschehen ist.
Hier bin ich mit den Asseln
Hier bin ich mit den Asseln,
hier bin ich mit den scheuen Huschern,
hier bin ich mit dem tränenden Kies und Ziegel,
hier bin ich mit dem Himmelsauge.
Hier ist gut sein,
hier ist gut warten,
vielleicht auch schlafen,
vielleicht gar träumen.
Hier ist die Stille,
hier ist die Einkehr.
Mit dem Rücken an der dumpfen Wand,
den Kopf im Nacken wie eine offene Amphore,
die Füsse im letzten, nageltiefen Wasser,
ist in die Ferne gerückt,
worum es geht,
wird schattig und umwölkt jenes,
was dir noch eben krallend an die Kehle langte,
jenes, was dir noch eben den Siegelring auf den Befehl zwang,
jenes, was dich gefesselt hielt mit seiner unabweislichen,
mit seiner aufdringlichen, hechelnden Schnauze im Schritt,
hier ist keiner der Anlässe, die dich reizen,
hier ist kein Geschehnis, auf das du antworten musst,
antworten, als wüsstest du bereits lange schon eine Antwort darauf,
hier sind die Asseln und die scheuen Huscher,
an deinem Rücken wächst Brunnenmoos und unter deinen Füssen nickt der Algenbart,
hier ist keine Hitze aus Entscheidung und Kampf,
keine Brutwärme auf nächtlichem Dach mit dem Gedankentamburin im Hals,
hier hätte sich Vater Josef heimisch gefühlt,
hier hätte er seine Träume wie langsame Fühler ausstrecken können in die verheissenen Landmarken,
die ihm in seinen Sinn ragen wie die Nasen seiner Brüder,
hier hätte er seine Träume überprüfen können
wie andere Entscheidungen,
wie eines der blinzelnden Blätter der Akazie,
die sich dort oben wie eine Mutter über das Gesicht ihres Sohnes neigt,
hier verstummen deine Entscheidungen,
hier geschieht nichts,
hier ist Vergangenheit und Zukunft ohne ein einziges Tätigkeitswort,
hier geschieht, unter den lichtscheuen Huschern und in den Himmelsspiegeln, etwas,
das dein Zögern zu einem Ereignis macht.
In die Dornen, in die Gräber!
Wenn ein Krieg beginnt, ist es weise, sich in die Dornen zu flüchten.
Wenn ein Angriff bevorsteht, ist es geraten, in die Höhlen zu schlüpfen.
Wenn du die Plänkler durch die unwegsame Landschaft ausschwärmen siehst, suche Zuflucht in einer Grabkammer.
Wenn das Rumpeln der Streitwagen in der Gluthitze des Mittags erklingt wie das Räuspern eines Kamels, ist der trockene Schatten einer Zisterne eine traumhafte Einkehr.
Wenn die Staubwolke der Marschierenden über Bet-Awen schon aufsteigt und die Trommeln der Feinde und die sirrenden Rufe ihrer Pfeifen dich schon umnebelt haben, kannst du immer noch wie die Echse in einem Felsspalt verschwinden.
Das Getriebe des schwarzen, öligen Himmels da oben,
in dem sich nur die Sterne vom Platze rühren wie die rollenden Augen eines verblutenden Stiers,
worin nur die Geier wie die Fingerbeeren eines Gottes ihre Lettern ziehen,
setzt Dinge in Gang, Tatsachen in Lauf,
die, fasstest du in ihren Lauf, sperrtest du dich gegen ihren ruckenden Gang,
dich zwischen ihren Backenzähnen wiederkäuten und schliesslich erbrächen,
ganz und gar zerschlagen und kaum mehr zu erkennen als Mensch,
und der letzte Zipfel deiner Wut hinge aus deiner rechten Flanke wie ein Waw,
und der letzte Keim deiner Tatkraft schösse pulsierend aus deinem Hals wie eine Strähne vom Haar deiner Mutter, schwarz und ölig-heiss,
darum denken nur an die Grabkammern in Michmas,
darum krieche nur in die grünen Dornen des Wadi es-Swenit,
darum zwänge dich nur in die Gimel der Felsen in der Schlucht,
darum hast nur über die Hügel hinunter an den Jordan,
denn wenn der Krieg beginnt,
nachdem du die Säule in Geba zerschlägst, mein Sohn,
ist es weise, sich vor dem Fussvolk der Feinde in Schutz zu bringen.
