Keine Forderungen bitte
Jetzt mehr: keinen Maximalismus mehr
Bitte: weder Heidelbeeren noch Mondrausch
Mehr: du willst nur gut
Anliegen: einfach gut anliegen
Das wäre schon alles: könnte schon
Alles sein: und gebrauche nicht solche
Wörter: überhaupt keine Wörter
Überhaupt kein Wort: reicht dein Atem
Nicht reicht das Schnaufen nicht
Hier wo ich mich mit meinem Weinglas
Eingenuschelt habe: es könnte ja wer weiss
Beschwöre es nur: das letzte Mal sein
Für mich: wenn mein Herz einübt
Anzusteigen die die unmöglichen
Tränen ihre spiegelnden Nagelköpfe
In das Benediktus schlagen: anreigen
Sag es nicht: gegen die Väterfürchte
Die deine Hände zu unerschlossenen
Ölsänden anlegen: dein Glas ist wieder
Leer und jetzt kannst du dich auch nicht mehr
Aus diesem Gedicht stehlen: musst dir
Aneignen was an dir zerrt wie eine
Mutterforderung: das war das letzte Mal
In der Nacht eines Menschen nach Sternen zu fischen
Das war das letzte Mal: den Hauch eines Menschen
Das Dickicht deiner Brust kräuseln
Und das Faultier in den Baumkronen nochmals
Vom Fliegen träumen zu lassen: das letzte Mal
Anneigen zu lernen: die Schwere einer Brust
Zu wiegen: das hätte schon alles sein können:
Hast du dich etwa gefürchtet: die letzte Chance
Für deinen Echsenleib zu beweisen: du spinnst ja
Aber keine Forderungen bitte keine Vorstellungen
Jetzt: kein Zirkus hier im Gedicht: denn Warane sind Kolibris
Auch wenn das vermutlich eine Hypothese bleibt
Jetzt: über die Feuerleiter in die Augen eines Menschen
Einsteigen denn brennt nicht dort ein Öllicht
Trüb wie Spülicht oder mein Morgenkaffee
Das Doktor Mabuse dort verbrochen hat:
Das Buch das die Welt schafft: du willst doch nur ausweichen:
Aussteigen statt noch einmal an diesen Menschen zu denken
Der bereits ruhig im Schlaf atmet während du seinen Gedanken
Noch einmal weiterspinnst: und meine Zahnbürste
Hat ja keine Forderungen oder Ansprüche oder Sehnsüchte
Bitte jetzt: mein Kissen braucht kein mitfühlendes Ohr
Nur meines und den Arm darunter
Autor: ofueglister
Die Frauen singen
Die Frauen singen:
Ihr reitet auf weissen Eselinnen,
Ihr sitzt auf weichen Teppichen,
Ihr zieht zu Fuss die Strassen,
Ihr sitzt an der Strasse nach Timna, wo der Weg nach Enajim abzweigt,
Ihr donnert in euren Wagen daher,
Ihr seid vom Felsvorsprung noch verborgen,
Ihr werdet mit der Schleuder fortgeschleudert,
Ihr habt die Schutzmauer niedergerissen um den Weinstock,
Ihr habt Herzen wie Tamburine,
Ihr habt Nieren wie Felsennester,
Ihr zieht die männlichen Neugeborenen aus den Müttern wie die weiblichen Neugeborenen,
Ihr schüttelt den Staub von euren Füssen am Ende des Dorfes:
Wer ist euer Gott?
SELA
Ist er eine wilde Sau, die im Weinstock wütet?
Ist er ein Esel, der nicht an einem Boten vorbeigeht?
Ist er eine Heuschrecke, die über das Land fällt?
Ist er ein Unwetter, das zur falschen Zeit kommt?
Ist er ein Hirte, der seine Schafe vergessen hat in seiner Trunkenheit?
Ist er ein Weinstock, der die mächtigen Zedern verschattet?
Ist er die Stimme im Traum, die ihr nicht hört?
Ist er der umgekehrte Sinn?
Ist er die Narretei, die recht leitet?
Ist er die Höhle, in der ihr euer Geschäft machtet?
Ist er der Sohn, der einen Mann liebt?
Ist er der Vater, der seinen Sohn fortjagt?
Ist er die Tochter, die ihrem Vater tanzend entgegentritt in Mizpa?
Ist Gott wie Ruben, der lange Rat hält und sich doch nicht entscheidet?
Ist er jemand, der auszieht ohne Hoffnung auf Silberbeute?
Ist er jemand, der weder Speer noch Schild sein Eigentum nennt?
Ist er jemand, der darauf wartet, dass die Frauen sich erheben, die Mütter Israels?
SELA
Sie zerbricht die Waffen der Starken,
Sie lässt die Reichen Schweiss vergiessen für einen Laib Brot,
Sie liebt die Verachteten, sie neigt sich zu den Elenden,
sie bringt sie zu Ehren, so singen die Frauen.
Vater o Vater
Mit wenigen Atemzügen schaffst du Erbarmen mitten im Zorn: Otosan: dein Königreich der Wut ist eine schmale Schulter mitten im Wellenwurf da heraussen: und stampfe darauf auch Amataseru in ihrem ungläubigen Verdruss über deine Erhebung und führe ihren Drohtanz auf
Mit gewaltigem männlichen Stampfen: die Haare wie die Zweige des Sakaki-Baums auf dem Kagu in alle Richtungen gesträubt: und längten die lange krähenden Hähne ihre Hälse hinaus aus den Fluten des Tokoyo no kuni: mit wenigem Weiten deiner Lungen gewinnst du Gnade vor dem Zorn und dein Königreich der Wut
Erfasst von der Flut versinkt im Schatten
Den die Berge im Osten dir spenden: Otosan
So finde doch die linden Regungen deines Geistes wieder: das verwüstete Schilfland werde ich dir zurechtkämmen: die zornigen Brauen von Ojisan Namazu sind in der Seetiefe untern den Wurzeln der Wurfsteine nicht zu erkennen: Otosan
Lass die Blumen des Bösen auf deiner Zunge verdorren: OtosanLocke mit deinem tanzenden nackten Körper und den lufterfüllten Wangen unter deinen Augen eines Inoshishi in der Gänze seiner Kraft die Göttin hervor aus ihrer Höhle
Grabe mit stampfendem Fusse im Tanz
Und deine Arme fliegen wie die Zweige des Sakaki-Baums im Wind
Und dein Glied hüpft wie die Schnauze des Delpins über den Wellen
Schaffe ein Lachen Otosan unter den Göttern
Ein Lachen der Trunkenheit mitten im dunkeln Schilf unserer Tage
Mitten im windumtosten Königreich der Wut: die verschmierte Vernunft selbst
Wird sich erweichen und klären und mit linden Atemzügen mitten im wilden Kreisen deiner Füsse: Otosan
Zeige deiner Wut deine blanken Sohlen: vor der unwaschbaren Schwärze des fernen Landes aus dem das Krähen der Hähne lang ausdauernd aufsteigt und wende deinen Blick doch ab Otosan
Von der blinden träge werdenden Zukunft ab und wende dein aufgeblähtes Segelgesicht Otoutosan zu und mir
Mit wenigen Atemzügen siehst du unsere silbern blendenden Antlitze dir entgegenkommen und hinter dir spannen wir die Shimenawa vor den dunkeln Ort.
Mizaru! Mizaru!
Wie ein Lederschild erhebt: beugt sich der See in den gelben Morgenhimmel und ich sauge an den strengen Erlebnissen
Die vormals die Heiterkeit aus den blanken Anlässen gewunden haben: es ist nichts zu sehen
In dieser frostverbissenen Haltung des Landes ist nicht zu sehen
Wie sehr die Dinge sich immer noch in ihren Eigenschaften verkrallen: fast leidenschaftlich anklammern: die Affen mit ihren leuchtenden Ärschen besammeln sich an deinen Knien und zwängeln um deine Hand
Zu lecken das menschliche Salz
Das du dir aus den Augen gewischt: unerwacht stehe ich im Winter und
Sehe nichts von den Anhaftungen
Nichts sehe ich von den mizaru-Schreien der Blesshühner mit ihren spitzen Visagen und den Echsen-Augen und die Algenbärte schwenken ihre grauen Fortsätze in den Sand: ich sehe nichts
Das nicht jeden Zweiten tötet: und der Lederschild
Über dem breiten Rücken von Namazu-san beugt den Rest von Klang
Den Rest von einer fünfsilbigen Überzeugung
Die du bisher in freundliche Anstalten von Pause und Aufatmen
Von Schau und Ansicht setztest
Von zugehaltenen Entscheiden und abgehaltenen Unterschieden: in eine fiepende Unruhe beugt er sie
In eine unverzierte Erinnerungs-Scheide
In einen unverifizierten unlackierten Taumel von leidenschaftlichen Erinnerungen
Von im Stirngraben an der Hecke des freundlichen Nachbars freigelegten weisslichen Wurzelschnäuzen: die Wellen an der Nasenwurzel vertiefen sich
Und die blanken Anlässe
Die vormals die Heiterkeit den Entscheidungen entwunden haben
Kriechen blind durch die Augen der Polarhais unterm Lederschild und die Reichweite meines Blickes verbindet sich mit den mizaru-plärrenden Blesshühnern
Die unter diesem nicht länger hüpfenden Spiegel finden
Im schlüpfrigen kalten handtiefen Wintersud des Sees
Was sie brauchen: wie schwarz lackierte
Wippende Pegelzeichen markieren sie den Ort
Wo der Karpfen auf halber Höhe mit dem Ausdruck eines Weisen durch die blanke Schwärze gleitet
Mit seinem schwertlosen Scheidenmaul über die von fast gelbe grünen Algenhaaren bedeckten Geheimratsecken der Namazu-Burg
In der Tiefe wo du die zweiten Gründe versenkst
Dahin staunt.
Todesangst
Mein Sohn fürchtet den Tod.
Ohne Vorwarnung
Bricht der Schrei aus ihm heraus:
Nicht wie Sirenen in Friedenszeiten.
Mein Sohn ist in meinen Armen.
Sein Körper zittert und windet sich
Wie eine Muschel unter dem Zitronentropfen.
Ich musste hell auflachen über seine Angst:
Abwehr und Sorge in einem. Ironie
Schäumt in meiner Kehle wie heller Schmerz.
Hier helfen keine Worte.
Und doch braucht mein Sohn
Jetzt Worte. Meine Hände auch
Die über seinen Rücken streichen.
Mein Sohn fürchtet sich nicht wirklich
Vor einem Meteoriten
Der die Erde treffen könnte und alles Leben darauf
Auslöschen. Er fürchtet vielleicht nicht einmal
Seinen eigenen persönlichen Tod.
Niemand Lebendes kann sich den Tod vorstellen.
Ich sage: «Wir Menschen sind Lebewesen
Die um ihren Tod wissen können.
Eine Ameise: eine Forelle: ein Rotkehlchen
Glaube ich leben wie Kinder:
Für sie ist das Leben unendlich
Fast ewig. Ich stelle mir vor
Sie sind wie Kinder ihr ganzes Leben
Und plötzlich sterben sie. Dann sind sie tot.
Vielleicht geht es sogar den grossen Tieren so:
Löwen: Bären: Walfischen.
Und ich sage: «Ich finde es gut
Dass du an den Tod denkst.
Das gehört dazu
Um ein Mensch zu werden.»
Aber mein Sohn hat Angst vor dem Tod.
Jetzt hat er Angst davor. Ich muss ihm sagen
Dass ich keine Angst davor habe.
Ich versuche ihm mit Zahlen zu helfen.
Er ist 12 und ich 47. Wenn er nur so alt wird wie ich
Wieviele Jahre wird er dann noch mindestens zu leben haben?
Mein Sohn findet heraus: 35.
Das ist fast dreimal seine jetzige Lebensspanne.
Langsam beruhigt er sich und schmiegt sich an.
Ich denke an meine nächste Operation.
Ich denke mit meinem Sohn im Arm
An meinen Grossvater
Der im Dementenheim endlich mit 97
Ausgelöscht ist: Er kann gar nicht sterben
Denn in all den Erinnerungen ist er jung und
Krakeelt und hat uns Enkel in seiner rauen Art gern:
«Der Rabe sitzt ab. Der Rabe fliegt auf.»
Ich hänge die Todesanzeige für ihn gut sichtbar in der Küche auf.
«Ich weiss auch nicht wie es sein wird aber ich finde es gut
Dass unser Leben ein Ende hat» sage ich nach langem engen Schweigen.
Ein Gedicht schreiben: dem Lauf der Sprache nachgeben
Das Schreiben eines Gedichtes ist natürlich und immer ein Prozess, wie alle Schaffensarbeit. Ein Gedicht kann durchaus und sogar leicht auf einem Ton, in einer Stimmung beginnen und in einer ganz anderen Sprach- und Klangfarbe enden. Nicht zu vergessen: in einer ganz anderen Sinnbildlichkeit sich einrichten, die nicht „vorgesehen“ war; auf eine ganz anderen Stoffebene auf- oder absteigen, vielleicht sogar (im besten Fall) gegen den Willen der Autor*in.
Lange habe ich mich darum bemüht, Gedichte „einstimmig“, „harmonisch“, „ausgeglichen“ zu halten, sie in eine gewisse Neutralität und vorgespiegelte Finalität einzubetten. Immer wieder sind sie mir aber „drausgelaufen“. Ich hielt das ebenso lange für eine Schwäche, einen Fehler meinerseits: eine solche Zufälligkeit und Zusammenhangslosigkeit zuzulassen oder gar von vornherein mit in den Schreibprozess einzubeziehen.
Doch je mehr Erfahrung ich gesammelt, je mehr Gedichte ich geschrieben habe, und insbesondere seit ich ausdauernd und konsequent an einem Roman arbeite – denn Prosa-Arbeit ist etwas so vollkommen anderes als Gedicht-Arbeit! -, desto deutlicher wurde mir, dass es sich dabei nicht nur um ein kalkuliertes Risiko, sondern in allem Ernste um eine Aufgabe handelt: die Sprache wie ein durchgehendes Pferd zu lenken. Nur so, glaube ich jetzt zu wissen, kann sie, und mit ihr das Gedicht, das sagen, was zu sagen ich niemals vermöchte – so sehr ich mich auch um eine kontrollierte und vielleicht gar beherrschte Katastrophe bemühte.
Mit dem Einstieg in das serielle Schreiben stelle ich nun fest, was für eine Erlösung das für eine überbordende Fantasie und unaufhaltsame Sprachwut ein solcher Ansatz sein kann. Denn so kann sich das Sprachmaterial immer wieder adaptieren und verändern. Das Gedicht befasst sich mit einem Grundmaterial an Wörtern und Sätzen, Haltungen und Stimmungen – und variiert diese von Mal zu Mal, von lnkarnation zu Inkarnation.
So handele ich als eine Art „Durchlauferhitzer“ für die Sprache. Ich „kanalisiere“ ganz unesoterisch einerseits, was für Stimmungen und auch Leerungen in mir drin sind und gebe ihnen im Gedicht einen Raum und eine Zeit. Andererseits achte ich darauf, dass sich der Sprachstoff „entfalten“ kann: gebe dem wörtlichen Zerren und dem syntaktischen Zupfen nach, das ich ständig in mir verspüre.
Inzwischen – als reife, „geprüfte“ Schreib-Persönlichkeit – weiss ich auch, dass Schreibende eigentlich nichts zu sagen haben, nicht nur, wie ich als junger Mensch (bis 40 Jahre alt) dachte, weil schon alles gesagt ist, sondern weil-obwohl es nichts zu sagen gibt: die Sprache hat einen Willen, uns anderes sagen zu lassen, wenn wir genügend achtsam mit ihr umgehen, uns auf Umwege zu führen, die uns eher zu dem führen, was wir sagen können, was wir wirklich sprachlich gesehen sind.
Und wenn ich nun von einem Gedicht zum andern gehe in dem aktuellen Zyklus, fühle ich mich befreit von der Last, sowohl linear als auch begründet und-oder zweck- und zielorientiert, ganz vergessen leistungsorientiert sagen zu wollen: müssen. Ich kann der Sprache dabei zuhören, zusehen, wie sie mich führt. Ich kann der Sprache bei ihrem Lauf über das Papier und durch „meinen“ Stoff folgen, ihren Neigungswinkel verändern. Sie nimmt mich an die Hand und führt mich in die Gefilde hinaus. Dabei entstehen musikalische Kunstwerke, denen es mehr um die grossen Bögen geht, um das „laut Denken“. Und je tiefer ich in die Sprachwelt meiner Gedichtreihe eintauche, umso erfüllter wird das Schreibgefühl und der Schreibprozess. Und ich bin entspannt und glücklich: ich bin nur Zuschauer oder Zuhörer. Ich höre dem Diktat der „höheren Instanz“ zu, und das ist ja recht eigentlich die Grundbedeutung von „Dichtung“.
Schon immer eine
Schon immer eine
Die im Tal zwischen den Wellen und den abseits liegenden Fährten: in den Formen der verformten Schiefergelände: in den
Kämpfen der Fische gegen das Gemüse ihre Stirnen bewegten und die Augendotter in ein Vielfaches zerspringen liessen: Eifer und Hunger: schon immer eine
Die den Spiegeln in den ständigen Höhlen der Pilze zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat: mit abgewandtem Kopf murmelst du vom ungeraden Abseits
In dem der Wels sich längt und allmählich seine Zeit findet wie eine Glocke aus Spiegeln: die Farben der Täler haben die Wellen mit ihren starken Strichen schon verlassen und wie eine Ähre schüttelt du dein roggengelbes Haar: die unbewegten Beweger haben sich ein wenig abseits aufgestellt
Unbeeindruckt vom rosaroten Bauch der Lachse und den dunkelroten Wangen der Beeten und bewegen nur leise ihre krautstieligen Lippen
Als Vorbereitung für einen Kuss denkst du mit einer Hast in den Füssen
Den Tempel umkreisend
Den Tempel wo alle versammelt sind
Pflaumen und Datteln: Rogen und Rochen
Den Tempel mit deinem raumzeitlichen Erregungszustand in ein Beiseite rückend
Kreischend auf seinen spiegelnden Schieferplatten
Auf eine Linie weder gerade noch folgerichtig
Und deine aufgeschlagenen Augen
Die im Tal zwischen den Strömungslinien von Atem und Neigungswinkel aufgehängt als Botschafterinnen nur mehr das Offensichtliche: die Gesetze sind keine Gesetze mehr: plärrend verkünden
Die Gesetze an die sich ein Wels oder eine Steckrübe in ihrer weder entseelten noch beseelten Vorform und mit grosser Wahrscheinlichkeit immerzu optimistischen Auffahrt aus der Lethargie und dem Dunkel von Erde und Wasser nicht
halten könnten: die Blicke nicht nur getrübt von ihren ungeraden unvertieften
Ungekauten Anlässen: Go Ryo schenkt uns seine seine sommersprossige oder gesprenkelte Ansicht kaum mehr zu den verabredeten Zeiten und die Täler
Die Täler mit ihren Löchern und Sickergründen und unscharfen Aussichten: bronzefarben wie die Kehle von Ume-Boshi
Doch warst du schon immer eine
Die den Strichen und Lettern sich nur mit grossem Widerstand zugeneigt hat: als seien sie Narben im Gewebe der Wirklichkeit:
Weil die Farbtöne einer Brühe
Oben in der Burg von Meister Kessel
Den diagonalen Strichen der Winde und den gewundenen Linien des Alters widersprechen
Und die Fläche des Tals bestreichen mit ihrem priesterlichen Pastell:
Und du wischst dir den Satz aus der Stirn
Den Satz aus Kielwasser und Erdkrümel an deiner bronzenen Schur und ziehst deine Seele ab
In die Herzen der Rüben im schwarzen Mund der Erde: abseits vom Glanz der Schuppen.
Haifische zählen
Kannst du die Haifische zählen
Über die du gestiegen: unter dir dieser graue Optimismus
Dieser grausame Optimismus und dein Fell verkrustet vom Salz: möchtest du nicht ein Loch nehmen im Boden
Dir zu eigen nehmen im Boden und hineinsprechen oder deine Ohren hineinlegen wie Räucherstäbchen um die Linien der Wellen
Die alle wie die Gesichter von Gaffern bei einem Hochseilakt in ungefähr die gleiche Richtung weisen
Mit den Händen an ihren Ohren aber du
Gehst über dem Hiei auf wie ein Tor ohne Torii: kannst du für mich die Haifische zählen
Über die du steigst: vom Osore-San bis hierher zu mir: Kikazaru
Flüsterst du mit deiner gespaltenen Lippe: du bist der Fährmann: der Stegwärter: der jeden zweiten tötet beim Übersetzen: als könntest du in Wahrheit über Würde und Zweck
Über Gründe und Ziele entscheiden: zwischen Grund und Ziel
Unterscheiden auf den Wanizame balancierend
Sie mit deinen kräftigen sahneweissen Schenkeln in Form und Anstalten stampfen: als seien sie schon immer
Anlässe für angenehme Gefühle und erhebende tragende
Gründe gewesen: läufst mit deinem Kikazaru-Zwitschern durch die Wellen und Berge und die Münzen klingeln helle wie die Stimmen der Neugeborenen in der Erde
Der leichten grasigen aufstiebenden Erde: unter deinen Haken aufstiebenden Erde: üer die raue grausame Haut der Haifische
Hinweg geht dein Weg: wenn ihr nach Buddha sucht wird euch der Buddha-Teufel holen:
Deine Spur sind die Sterne wie Reiskörner im Abendhimmel und die Seemonster mit ihren ausgestülpten Kiefern: das Kinn vorgestreckt wie ein Sakebrauer: mit ihren ausgestülpten Mägen: im Nebel und im Mehl des Erbrochenen
Schipperst du durch die stille starre Luft: Kikazaru
Kikazaru: kannst du die Haifische zählen
Über die du gestiegen auf deinem Weg
Der dich das Fell gekostet hat: eine Erkältung vom Fall durch die Maschen des Netzes entfernt: sprich hinein in den hoch und wie eine Linie aufragenden Bambus-Hain: sprich hinein
Hinter dir bäumen sich die Wellen auf von den Flossenschlägen der Wanizame in ihrer vergeblichen Bemühung der optimistischen Zerstörung aber du
Du bist bereits zu hoch am Himmel.
Die Kraft der Wellen
Die Kraft der Wellen: Masse und Stoss: ausgesandt von der Mitte des Sees
Als fiele in gleichmässigen Abständen der gleiche Schieferstein auf seine Oberfläche und liesse die Botschafterinnen ausschwärmen: die Kraft der Wellen:
Geschwindigkeit und Gewicht: ist ohne Anfang und ohne Ende: kann sich nicht erschöpfen: es sei denn
Ihre Energie verliert sich am Ufer in all den Tropfen und versprüht lauwarm in mein Gesicht: die Kraft der Wellen ist nicht vergeudet
Niemals ist die Kraft der Wellen vergeudet in ihrer Abhängigkeit vom Land: doch mein Denken und Handeln
Hier am steifgeschlagenen Land
Aufgebracht aus der Trägheit meines Daseins
Aus der Schwere meiner Nutzlosigkeit
Aus der schwankenden Gewissheit einer unaufhaltbaren Gegenwart in der Form eines unherstellbaren Selbst: einer kraftvollen aus mir stürmenden Abwesenheit
Mein Denken weniger als mein Handeln
Mein Handeln mehr als mein Denken
Heben sich vor dem Hintergrund der Zeit wie der hüpfende Schieferstein ab vom angespannten Wasser
Grau wie der Wolkenschlauch
Der von den östlichen Pässen herunterkommt und keine Hindernisse kennt
Im Gegensatz zu den Wellen des Sees
Die mit vergleichbarer Eindringlichkeit anstossen an die Kante der Erde
Auf der ich mit meinem unsagbaren Körper stehe
Der seine Kraft in Schritten vergeudet
Die nirgendwo hinführen
Auch nicht zu einem dinglichen Selbst
Der seine Gedanken im Kreise führt
Die immer kleiner und enger werden
Ohne je durch die gewonnene Geschwindigkeit auslaufen zu können: kein Land in Sicht für diese Kraft: ich erinnere mich an die Schreie der Ashigaru
Die in Gottvertrauen oder in der Verleugnung des eigenen Todes oder in der Furcht vor der Züchtigung
Auf die Nanigata der Gegner zustürmten nach meinem Befehl und sich dort verfingen
An ihre Schreie die niemals dem Schaumrascheln der Wellen gleichen werden
An die Schreie des Hirsches an sein dumpfes Keuchen mit meinem Pfeil im Bauch und meine Schreie gleichen ihnen ebensowenig wie der jubelnde Ruf des Adlers an den Abhängen in meinem Rücken
Denn die Kraft der Wellen ist nicht vergeudet
Ist in Abhängigkeit gespendet: eine Gnadentat
Eine Botschaft: ihre kreisenden Läufe: ihre fast spielerische Zurückhaltung bei der Annäherung an das Land: ihre demonstrierende Höhe vor dem Zusammenfall mit dem Land: gehört zum Land: gehört zum See: vielleicht sogar zur Bergspanne
Und meine ausufernden Schritte: meine auslaufenden Gedanken sind vergeudet: gehören nicht in diese Abhängigkeit und in dieses Geben.
Das den Wellen vorgelagerte Land
Auch wenn das Land den Wellen vorgelagert ist in deinen Ansichten von Ernte und Schmerz: auch wenn die Perspektiven noch vor den Stirnen in rasende
Vorhersehung zerspringen: nimmst du mit jedem Schritt
Dessen Wort zwar ausgelöscht wird von den Zügen an der Ufertasche
Mit jedem Augenblick von Boden und Ferse
Mit dem du die Zeit sprenkelst
Den Raum in negativer Pradikation aufteilst: nimmst du einen silberfreien Rahmen auf der erntetief in Richtung deines Handlaufs läuft: die Kälte nimmt den Indigenen nicht einmal die Fusssohle: auf den Brettern: schwarz von Feuchte: pressen sie ihre vokalfreien Fakten an ihre bodenlose Brust: die Ufertasche füllt sich mit dem weissen Brosamen von Entführung und Behändigung: die Sprache ist Mann: Susanoos Nägel ausgespannt wie die Mondsichel in die Zukunft: in deinen Aussichten von Leid und Tenne lagern die Wellen in den Ufertaschen wie haltlose Hände voller Ohnmacht
Die nur darauf warten die Stirnen mit ihren rasenden
Vorgelagerten Fakten zu verschütten mit den zwei Silben aus dem Mund eines Bauern: den Wettervorhersagen oder der Unruhe des Geschlechts: selbst die Ianfu sollen hinüber und die Berge schütteln in den ersten Stunden des Frühlings den silberfreien Staub ab und aus den Spalten sprengen die ersten Nächte
Die dem Bushi gehörten:
Wie die Nacht schlüpft Yasuke zurück in den Mantel der Geschichte: wie zerrissener Stoff klingt sein Lied: die heulenden Frauen umzäunen die Flüsse und die Sprache: du selbst
Bist nichts: negativ prädikativ wölbst du deine Stirne wie ein Kinn in die Windstille: ein Mikroklima gegen die Mondsohlen in den Augen: gegen die aufgehobenen Schultern und die eingeschlagenen Waben ist kein Kraut gewachsen und die schwarze feuchte
Erde mit ihren schmatzenden Fakten sagt aus
Was dein Töchterlein nicht fühlte: nochmals fällt den Indigenen die Finstersonne auf den Körper wie ein Bart: wie eine Waldschneise
Die sich auf deine Ufertasche öffnet: Sprache ist Mann sagst du mit dieser springenden Saitenstimme einer Schnee-Augen-Ianfu: alles liegt angehäuft in den Scharten von Holz und Weg: das Schlimmste beherbergen: das Schlimmste lecken wie die erste Wunde: die Biometrik richtet die Proportionen
Auch wenn das Land von den Wellen vorgelagert wird in deinen Absichten von Enden und verminderten Terzen aufgesprengt von den Perspektiven Susanoos
An den Himmel gekränzt von den Perspektiven der Ianfu: niemals ist die Steppe fern und das Fell: und die Garben des Meers und die Garben der Fersen streuen die Tuschefäden
Sprengen die Tuschelettern: Ejakulation der Konsonanten in deine erstfreien Träume.
