Ein alter Mann aus Gibea erzählt

Ich habe Saul gesehen auf seinem Weg in den Krieg.
            Gross war er wie ein Pfahl auf der Anhöhe Garizim.
Seine Schritte waren wie das Schleichen eines Löwen im Morgengrauen.
            Sein Gesicht trug den hohen Helm Gideons.
Wenn er redete, flogen seine Hände wie Tauben.
            Wenn er wartete, sanken seine Schultern bis zu seinem Kinn vor.
In seinen Augen hinter all dem Glanz habe ich keine Furcht gesehen und keine Wut.
            Alle Kinder haben in umringt,
die Kleinen haben seine eisernen Schienbeine berührt,
            die Grösseren wie ich seine ausladenden Hüften, von denen ein Schwer hing,
ein Schwert wie Adonais Stimme.
            Ich habe gesehen, wie er sich auf der Schwelle der Stadt bückte und sich Sand über Kopf und Achsel streute.
In seinen Augen hinter all dem Schein habe ich das Licht verschwinden gesehen.
            Seine Stimme, als er die Männer musterte, war heiser und leise,
und aus der Ferne klangen die Rufe der Männer wie das Blöken von Schafen.
            Die Mütter hatten uns verboten, vor die Stadt zu gehen.
Es war mehr als Mittag, als die Männer alle beisammen waren.
            Den ganzen Morgen über hatte Saul ihre Hände geschüttelt.
Es waren vorsichtig ausgestreckte Hände gewesen,
            Hände wie die Zungen von Vögeln,
nicht wie die Hände der Männer aus Gad,
            denen Sauls Haus Obdach geboten hatte.
Jene Hände waren wie die Zungen von Hunden gewesen.
            Ich war damals noch ein Kind,
und ich spüre noch die Hand Sauls auf meinem Haar,
            sie war leicht und langsam.
Ich habe ihn damals geliebt und liebe ihn heute.
            Als sie aufbrachen, war er inmitten der Männer
Wie eine Wolke vor dem frühen Mond im Osten.

Eine Frau aus Juda

Bald werden wir nicht einmal mehr klagen können,
            bald wird unsere Zunge erlahmen,
unsere Kehle ertauben,
            und von Beerscheba bis Hebron, von En-Gedi bis Ziklag,
wird ein flüsterndes Hauchen und Heulen herrschen,
            ein Röcheln erblindeter Hoffnung,
ein totgeborenes Stammeln der Entrüstung,
            und die Männer werden sich gürten mit dem bleichen Haar ihrer Frauen,
die Frauen werden sich baden in der Spucke der Hebammen und Brautwerberinnen,
            und über das Meer wird der Geruch von tausendfacher Opferung zu uns dringen,
aus dem Osten werden die Freudenfeuer aufsteigen wie die Augen von Tieren in der anbrechenden Nacht,
            und ich lausche auf die Stimmen der Männer auf dem Dach, einmal heftig, einmal sanft,
die Kinder bewegen sich im Bett wie gestrandete Fische
            und ich selbst kaue auf meinen Locken wie eine Deborah auf der Suche nach einem Traum,
auf der Suche nach einem Traumgesicht,
            in dem ein Morgenstern über den grauen Blutungshorizont aufsteigt wie die stupfende, kühle, ferne Schnauze
eines Zickleins,
wie der Finger eines tränenden Grossvaters, der meinen Kindern segnend über die Stirnen streicht,
            bald nämlich wird in Erfüllung gehen,
und der Fleischbrocken liegt immer noch umsummt auf meinem Küchentisch,
            das Tuch nur halb aufgeschlagen,
ich höre die Insekten, als kröchen sie über meine Augenlider,
denn alle wussten sofort, worum es sich handelte,
was dieses Nierenstück heissen sollte,
das in seinem blutdurchtränkten Tuch auf die Türschwelle geworfen worden war,
ja, ich sehe die Erfüllung herankommen wie ein hinkendes Füllen, das die Jungen im Dorf gebunden haben,
            und es hebt seinen schweren Kopf mit den grossen Wangenknochen und ruft,
ruft in den aussergewöhnlich stillen Morgen hinaus,
            es kreischt um Luft, es hechelt vor Erschöpfung eine Klage,
mit diesen leidbereiten quellenden Augen eines bereits erwachsenen Tiers,
            und ich hebe meinen Jüngsten an meine Brust,
bald wird uns das Klagen gänzlich vergehen,
            bald werden unsere Herzen gänzlich verblöden im Klagen,
und nur noch die Katzen werden ihr Hochzeitsgeheul aus den Gassen der Stadt in die Wüste schicken.

Ein Mann aus Manasse

Da ist er nun, ein Brief aus Fleisch,
            und ich hatte gedacht,
ich hatte mich irrigerweise im Denken gewiegt,
aus Benjamin sei mehr zu erwarten als blutige Argumente
in der Hitze des Tages haben sich schon Maden gebildet wie weisse Vokale in der dunkelroten Schrift,
            und der Brief liegt zu meinen Füssen,
der ich nichts ahnend vor meinem Tor sass,
            der ich unbeteiligt im Schatten meiner Schwelle ruhte,
und die Fliegen umsummen silbern den blutigen Brocken vom Hals eines gut genährten Rindes,
            das vielleicht sogar einen Namen trug;
das wird nur wieder ein Gemetzel zur Folge haben,
            das wieder weder etwas ändert noch etwas löst,
denn wer hat schon davon gehört,
            dass aus eingeschlagenen Köpfen eine tapfere Entschlossenheit zur Güte sickert,
denn wer hat das schon einmal gehört,
            dass aus Verletzungen Gesundung kommt,
aus einer Schmach der Stolz,
            aus einer Erniedrigung die Ermutigung,
doch hier ist er nun, der blau dunkelnde Schatten eines Mordes,
            von einem Kind überbracht,
von einem lachenden Kind aus Benjamin,
            mit diesem Lachen eines Auftrags in den dunkeln Augen,
mit diesem Keuchen der eigenen Bedeutung in der Kehle,
            eine Botschaft aus Fleisch,
um wieder meine Söhne zu rufen
            zu einer Rettung, die Vergällung heisst,
zu einer Aussetzung von Leiden,
            die zu einer Fortsetzung von Leiden führt,
meine Söhne zu beteiligen an der vermeintlichen Lichtung des Dorngestrüpps,
            und in ihrem Rücken hebt sich schon der erste fette Finger einer Aloe aus dem sandigen Land,
der auch bald gebrochen seine bittere Milch des Trostes in deine Kehlen giessen wird,
            ich klage über die Enge des Landes, mich jammert die Enge der Kehlen,
und ich hebe den Klumpen auf und trage ihn zu meinen schreienden Frauen.

Bekenntnis zur Schönheit

Ich liebe diesen einen Topf auf meinem Balkon
Morgens nach dem Giessen fast schwarz
Darin nichts wächst ausser
Ein paar letztjährige verdorrteWiesenblumen. Neben ihm
Steht eine verdurstete Venusfliegenfalle
Mit schwarzen dürren Blättern.
Wildes Gras hatte sie bereits vorher
Fast ganz erstickt: Es war schneller im Wuchs.
Auch das Gras ist trockengelb
Doch seine Spitzen sind noch gereckt.
Ich liebe diese beiden Töpfe sehr
Und denke an den vertrockneten Bonsai
Auf dem Regal mit den Horrorfilmen
In der Videothek an der Bismarckstrasse: Ein Schild sagte
«Winter». Ich liebe das:
Dürre und Unfruchtbares
Für nichts mehr Gutes.

Noch einmal nur

Einfach noch einmal innehalten,
            einfach noch einmal verlangsamen,
was in Gang kommt und in das unaufhaltsame Vergangene zu rutschen sich bemüht,
            schüchtern, fast angstvoll die Hand ausstrecken nach den Tagen,
da du nur kein Tier verlieren solltest im Gang durch das Gebirge,
            da du nicht in der Pflicht standest,
für andere zu entscheiden,
            du bürdelos und ohne Verantwortung im Staub sassest und den Staub formtest mit ein wenig Wasser,
mit Stöckchen die Völker rechts vom Jordan schlugst und einhegtest,
            noch einmal nur noch innehalten wie ein Staunender vor der Schönheit eines Tiers, Esel oder Pfau,
und hinwegblicken auf all die kleinen Dinge,
            die man unwichtig nennt,
und die wie wirbelnde Blätter sind und wie fallende, spitze Nadeln,
            in deinem Rücken schon den blutroten Boden in den Wäldern des Libanon,
die noch niemand abgeholzt hat für einen Tempel,
            du möchtest noch einmal auf einen Berg steigen,
und es müsste auch nicht der Garizim sein, und schon gar nicht der Zion, dieser Unheilsberg,
            das weisst du schon jetzt in deinem heilen, stillen Herz,
noch ist es still, noch ist es heil,
            noch denkt es wie das Herz eines kundigen Menschen,
hinaufsteigen und hinunterschauen auf die gefleckte, auf die schwielige Haut deines Landes,
            auf die grünen Felder und die Schilfwälder am Fluss,
auf die Felsspalten und die Städtchen im Würgegriff von Staub, Sonne und Wind,
            und ohne Menschen sieht es schön aus und wie gemacht für das Gute, für das Schöne,
und noch einmal deine Stimme von den Felswänden zurückschallen hören,
            als umarmtest und besässest du die ganze kleine Welt,
die dir gegeben ist zu durchleben, mit einem Ruf und einem Wort,
            dich festgraben im Sand auf dem Gipfel, mit jedem Zeh dich festhalten am Gipfel,
und in deinen Händen die Kiesel rollen und reiben wie Klumpen aus Teig und Sand,
            als könntest du daraus noch einmal eine Armee oder ein neues Volk kneten,
so gerne möchtest du das,
            noch einmal stehen bleiben und lauschen und warten,
bevor du springst.  

Gehorchen und gehören

Noch sammeln sich die Folgen im Hintergrund,
            noch ist es, als gehorchtest du,
noch gehörst du dazu:
            noch auf den Feldern in den Hängen, wo die Steine spriessen wie die Augen Gottes,
denn immer sucht sie nach Gründen,
            denn immer sucht sie nach Ergründung in deinem leicht gewandten Herzen,
noch im Wäldchen, wo die Waben quellen,
            wo nur die Zikade ihren widerstrebenden Tanz aufspielt,
mitten im Brummen und Gefleuch eines Sommermorgens,
            noch in den tauben matten Stunden auf dem Dach,
bevor die Vögel ihren ersten Ton wagen, um die zähe Luft zu bewegen,
            gehörst du deinem Volk, nicht dir,
gehorchst du seiner Angst, nicht deiner,
            die nimmer verklingt,
unter den Gemsen-Jägern nicht und nicht unter den Gemüsebauern,
            jeder deiner Schritte ist eine Bitte,
jeder deiner Winke ist eine Opferung,
            und deine Feinde, die sich abseits sammeln und überall deine Wege bläuen wie Wegwarten,
denn noch kommen die Folgen allmählich zusammen wie die Ältesten unter der Terebinthe,
            hockend in ihrem summenden Schweigen, langsam anrollende Steine,
über die du stolperst,
            und das Gehorchen ist dir ein Leichtes,
solange du nur dem Boten begegnen musst,
            solange du nur dem Klang von Unglück und Unbill folgen musst,
gehorche also,
            gehorche also, mein Sohn,
es ist nichts dabei,
            mit fremden Stimmen zu sprechen,
fremde Anrufe anzustimmen,
            und noch träumst du nicht von den augenleeren rollenden Köpfen deiner Feinde,
die du auf dem Weg in den Schlaf zertrittst wie Beeren,
            die dich am Morgen, an der Leiter zum Dach baumelnd wie Trauben im Garten deiner Mutter,
der solange schon verwaist und unbetreten ist,
            aufschrecken, und doch sind sie ohne Arme,
wenn auch nicht ohne Folgen,
            die dir bereits gehören,
und die dir nie gehören,
            und die dir nie gehören.

Wut und Geist, Geist und Wut

Ist deine Wut der Geist,
            fährt sie aus Müdigkeit und Erschöpfung in dich,
der du zurück vom Felde kommst,
            eine schlummernde Entrüstung über Entrechtung,
die auf den Geist nur gewartet hat,
            auf seine glühende Zeichensprache?
Ist dein Geist die Wut,
            hältst du darum den Kopf gesenkt wie die Beter beim Opfer, mit tränenden Augen im Rauch,
halb unwürdig halb demütig,
            damit niemand sehe, wie tief das Feuer wurzelt und zehrt,
zerrt an den Muskelsträngen deines Herzens?
            Ist die Wut dein Geist,
ein mächtiger Fischleib, kalt und schwielig,
            der sich aus dem Wasser schiesst,
für einen Moment wie der Geier ganz im Licht der Sonne hängt,
            mit der Spitze der Flosse noch den Schaum seines Sprungs berührt,
und mit Donnerlaut ins schneeweisse Grün zurückfällt;
            eine Natter unterm Stein,
ein Wort auf deiner Stirn, das deine Locken verdeckt,
            ein schon zu lange zurückgehaltenes Wort?
Ist der Geist die Wut,
            allmählich bis zum zetern anschwellende Kehle eines Menschen ohne Haltung und Erbarmen,
ein Kern jener Frucht vom Anfang,
            der immer noch in deiner Kehle zu keimen versucht wie ein Ruf nach Mutter,
kennt Gott im Ende keine Milde?
            Ist die Wut der Geist,
Quell heissen Wassers und Tränen,
            salzig und schwelgend im Schwefel aus der Tiefe,
quälende Niederungen, zu denen hochzuschwingen es dir nicht leicht ist,
            entmenschende Unternehmung und gnadenloses Vorhaben?
Ist der Geist die Wut,
            Lindwurm, dessen Fleisch niemals lind auf unseren Zungen lag,
so sehr wir an ihm auch schlangen,
            ein von der Tücke aufgerissenes Gesicht wie ein praller Bauch,
eine zum Streicheln ausgestreckte Hand, die schlägt,
            ein Fuss, der nicht vorangeht, aber in die Lenden trampt und niederhält,
ist deine Wut dein Geist?
            so fragen wir dich, Saul.

Auge um Auge

Dieses Land ist zum Auf-die-Füsse-treten.
            Es braucht einen Meister auf Zehenspitzen.
In der Ockerenge der Berge,
            in der Flussschlinge und in der Schluchtzuflucht,
da lauert dein Nächster.
            Du kannst ihm nicht aus dem Weg gehen,
du kannst ihm nicht ungefragt ausweichen,
            selbst die Esel grüssen sich schnaubend.
Jede schwenkt ihre Hüfte ausladend, wegversperrend;
            Jeder geht seinen Weg mit ausgerenkten Ellenbogen und Händen in den Hüften wie zum Tanz.
Ein Wort gibt ein anderes,
            in der Mittagshitze, der Narrenzeit,
in der Abendkühle, der Versenkungszeit,
            in der Morgenkälte, der Zeit von Plan und Hast,
und die Wörter wurzeln tief in den Eingeweiden,
            wenn sie einmal nicht auf Stein gefallen sind,
krallen sich fest in der Leber und in den Nieren wie die Geschichten,
            die selbst zurückreichen fast vor die Zeit in Ägypten. SELA

Uns so steht plötzlich ein kleiner Häuptling,
            dem vor Jahren oder vor Jahrzehnten ein Dorn eingefahren war,
den niemand ihm gezogen,
            und Stachel wandern im nachgiebigen weichen Fleisch der Menschengeister,
wandern und suchen Auslass,
            suchen das Herz, suchen das Auge, suchen den Mund,
um durch sie zur Rede und zu Rechten zu finden,
            zur glaubwürdigen, verständlichen Menschenrede,
und sind doch meist nur Würgelaute und Spuckgeräusche,
            so steht der kleine Wütling nun vor deinen Toren, Jabesch,
die du hinausblickst auf den Fluss und in das Land der Josefsöhne,
            und der kleine Wüstenpirat mit einem vor Schameswut verzerrten Froschgesicht steht unter deinen Mauern und brüllt die einzige politische Regeln hinauf,
die er aus deinen Schriften kennt:
            Zum Ausgleich ein Auge.

Da konntest du nur die Hände erheben

Da konntest du nur beten,
            da konntest du nur die Hände erheben,
in der Schwäche deines Alters, oben auf dem Berg,
            menschlicher Geier mit ausgebreiteten Schwingen,
den Stab, der Schlange war,
            die Schlange, die Stab wurde,
in deiner Schrifthand,
            die seit jeher an die harzüberströmte Herzesrinde deines Volkes pochte und schlug,
«wolltet ihr nicht bedenken»,
            das trampelnd sich auf deinem Weg mühte,
durch die Sandesschluchten und die dünne trockene Luft der Hochtäler,
            die deinem Volk ein Land vorspiegelte,
sonnenseitige Oase,
            eine Stunde lang und einen Tagtraum breit,
ein wenig wie der Schlund Gottes,
            ein wenig wie die stumme Kehle Gottes,
das Gaumensegel von Sennabüschen und Akazien zugestanden,
            die Stimmbänder von den Lockenblüten der Dattelpalmen verhängt,
wie eine trauernde Frau ihr Haar über das Gesicht breitet,
            und so konntest du nur beten,
du konntest nur die Hände erheben,
            gegen dieses Wüstenvolk,
das Adams Auftrag nicht gehört hatte,
            «Staub von der Erde bist du», sagen die Staubigen, die Windigen, die Ziehenden,
sagen die Weder-Noch,
            «Nehmt die Erde in Besitz», sagen die Zähler, die Zeichenerfinder,
sagen die Zeichenfinder und die Aufzähler,
            und so geht es um mehr als Wasser,
hier in Refidim, wo du nur die Hände erheben konntest,
            gestützt auf deine Söhne zu beten begannst,
wie ein Kitzlein nach der Zitze der Mutter stösst,
            da sankst du auf einen Stein nieder,
dein Kissen für die Träume,
            deine Unterlage für Gesetze,
hart wie die versteinerten Nieren deines Volkes,
            und doch sind die Amalekiter nicht geschlagen,
ihr Wille ist nur zerstreut,
            der Bann nur aufgeschoben für jemand anderen,
und du wirst die Kehle deines Herrn nicht betreten,
            wirst deinen Kopf nicht in den gelb umlockten Schoss des Herrn legen,
einen Tagesmarsch lang und einen Geierblick weit.

Dieses Buch

Dieses Buch, das du schreibst mit meinen Fingern,
und ich fühle deine Finger an meiner Kehle wie das suchende Saugen eines liebenden Menschen,
und ich zittere und schäume fast, ich fürchte mich davor,
            du mögest den Ort hinter meinem Ohr erreichen,
diese Verse, die du findest in dem überwucherten Olivenhain,
wo die Schwerter noch klingen und der Ruf «es ist genug» und die Schlange um die Bäume sich noch schlingt,
die wissende nackte freie Schlange,
            es ist wie ein Mund am falschen Ort,
sie sind wie Zähne aus dem Herzen gezogen,
            Weisheitszähne, denen Rolle und Platz verwehrt blieben,
ein Mund, der die Schande liebt und lutscht,
            abstehende, ausstehende Zähne,
und mein ganzer Leib bäumt sich wie ein Engel vor Adam,
            «ich bin besser als er»,
die Schande vor den Frauen,
            die gerissene Wunde in meinem Menschen,
oh Gerechte, Gerechter, Gerechtes,
und die Taten, die meine Hand mit zuckenden, zögernden Fingern erringt und ersingt wie Moses mit schwankem Stab den Felsen bei Massa und Moreba,
sie sind wie Stein und rostiges Erz,
            sie vergiften mein rotes Blut,
sie erreichen mein Erbarmen und finden es ausgeschlürft,
            nicht einmal mehr als Häufchen Salz an den Wänden des Stirnbrunnens,
den du, Gerechtes, in mich getöpfert hast,
            «schliesse dich nicht der Mehrheit an, wenn sie auf der Seite des Unrechts steht»,
heuschen deine Finger an meiner Kehle,
            und die Vögel sind alle verstummt,
eine Grabesstille vor Sonnenaufgang,
            als könne der Tag nicht werden,
dieses Buch, das du mit meinen Fingern,
            lass es, oh Gerechtes,
und ich fürchte mich vor seinem Ende wie vor dem Ende von Nacktheit und Liebesspiel und wortlosen Augen,
            lass das Buch Menschen machen.