Psalm für Hiskija

Unter deinen frischen Sohlen glühten die Kohlen,
vor dir lag der Schlund des Gottes Baal,
hinter dir blühte die graue Rose des väterlichen Grimmes,
der väterlichen Entschlossenheit,
die vor dir und hinter dir alles verschliesst,
und in dir über den kosenden, kitzelnden Flammen webte das Lied deiner Mutter,
webte ein gebogenes Lied,
wie der Lauf einer Zibbe vor dem Rodungsbrand eines grossen Heeres,
wie das zuckende, ruckende Vorangehen einer Echse auf dem heissen, heissen Stein,
unter deinen weichen Sohlen, zwischen deinen Zehen,
die wie die Näschen schüchterner Gespielinnen blinkten,
ragten die Flammen herauf und leckten an deinen rosa Knien,
vor dir das Feixen des Gottes Baal,
hinter dir der Abgrund namens Vater,
und die Feuerzungen heben die Luft in den Himmel,
du gehst im schwarzen Raum des Alls,
du gehst in der tauben Zeit eines Gottes,
lau und feucht wie die Schnauze eines Schakals,
der hüpfend neben dir geht,
als erwarte ihn ein Kadaver, mit reichem Fleisch umkränzt,
und vor deinen Augen zuckt der Schwanz eines Leoparden aufreizend wie ein Sonnenfleck in der Armbeuge einer Eiche,
unter deinen Füssen ist es still wie in der Wüstennacht,
du hörst das Hecheln der Schakale und über dir die Schwingen des Geiers,
rauschend wie der Jordan im Frühjahr,
und dumpf fielen die Flüche des Vaters auf die Kohlen wie Feigen ins raschelnde, trockene Gras,
und du sahst den haarigen Spalt in Gottes Gestalt,
da krochest du hindurch,
auf dem silbernen Bauch eines Kindes krochest du hindurch,
und du spürst das brechende Hymen der menschlichen Entschlossenheit,
das aufbrechende, wie das Brüllen eines Löwen reissende Gewebe aus verschlossener, verschossener Zeit,
feuergeboren, feuergeformt,
Sohn der Hitze mit dem Gesicht weiss wie der Schnee auf dem Hermon.

Psalm für Isaak / Einmal nur

Gibt es denn einmal nur, was zählt,
einen Brunnen, einen Erben,
einen Segen, eine Schote mit einem Samen,
gibt es denn einmal nur diesen einen Platz an der Sonne,
diesen einen Gemüse-Acker, dieses eine Getreidefeld,
diesen einen Altar, diesen einen Entschluss,
diesen einen Weg? SELA

Es gib den verlorenen Sohn, der unterm Johannisbrotbaum weint,
weit weg von den guten Feldern,
kein Tau befeuchtet den Ort, den seine Sohlen berührt haben,
die wilden Tiere sind seine Früchte,
die wilden Beeren sind sein Erbe,
vom Rost seines Schwerts kann er nicht leben,
vom Rest deines Segens kann er nicht heilen,
gibt es denn einmal nur das Gute,
die Güte und die Teilhabe,
den Umtausch und den Widerruf,
und wer hat gesagt, wer hat bestimmt,
es könne einmal nur den Brunnen Rehobot geben,
einmal nur den Brunnen Schiba,
wer hat bestimmt, wer hat verlangt,
zwei Söhne sind wie Esek und Sitna, wie Zank und Streit? SELA

Da geht dein Sohn, den du verloren hast, dahin,
in die roten Hügel hinaus,
in die fremden Länder,
als gäbe es einmal nur sein rotes Haar,
einmal nur seine wolligen Arme,
einmal nur seine weite Brust,
einmal nur sein breites, bereites Verzeihen,
in die fremden Länder,
zu den Schweinetrögen geht er da hinaus,
denn es gibt einmal nur die Knechtschaft,
einmal nur die Aufgabe seiner selbst, die Genügsamkeit,
die lang erlittene, die lang erdauerte,
einmal nur die selbstverschuldete Armut,
und den jetzt noch verzerrten Mund zieren bereits Flecken von Honig,
die Augen blitzen wie das Gerippe eines Löwen in der Mittagssonne,
denn Gott, einmal nur gibt es ihn,
einmal nur gibt es sie, denn Gott,
einzig und allein,
schätzt sein versehrtes Leben mehr,
und der Johannisbrotbaum senkt Schatten und Schoten auf ihn hinab.

Psalm für Abraham

Denk an den Berg Moriah,
an den rettenden Widder:
denk an die Holzscheite auf dem Rücken deines Sohnes,
denk an den zurückgelassenen Esel –
lasse niemals einen Esel zurück! –
vergiss nicht die Entschlossenheit, mit der du das Messer ergriffest,
erinnere dich an die Verschlossenheit, –
niemand konnte sie öffnen, niemand konnte sie verschliessen –
die dich umschloss und schützte, so glaubtest du,
besinne dich auf die Verschlossenheit, –
niemand konnte erschauen, niemand konnte erriechen:
warst du denn wirklich dort drüben,
warst du denn wirklich auf dem Berg, der dir genannt wurde?
dort drüben, wo der Bergsalbei mit seinen sieben Armen dich hätte unterweisen können,
unterweisen von der Sträflichkeit deines Zutrauens, –
oder sollte von Hörigkeit gesprochen werden? –
hätte richten können über deinen Verstoss,
hörst du denn nicht, Abraham,
hörst du denn nicht das linke Horn deines Widders schon blasen,
hörtest du es nicht damals schon vom Sinai herunter blasen,
dort drüben auf dem Moriah,
und du in deiner Verschlossenheit, vergiss es nie,
in diesem einen tauben Lauf gegen alle Pläne,
gegen alle Erwartungen und gegen alle Versprechen,
und vielleicht nennst du es auch heute noch einen Wettlauf für,
glaubst noch immer, nicht auf dem Laufenden zu sein,
das sei eine Stärke der Gläubigen,
Gott sorgt vor, stotterst und strauchelst du durch deinen Abgesang eines Männerlebens,
deine Arme wie die Blinden, wie die Skrofulösen, du Skrupelloser,
wie diese jeder Erwartung und jedes Versprechens beraubten Frauen und Männer vor den Toren deiner Liegenschaft,
wie der Widder seine Hörner vor sich herträgt, ohne Schuld auf sich geladen zu haben,
ausgestreckt nach dem rettenden Dornenmäuerchen der Zeit,
nach dem erlösenden Dornenmärchen, es gebe keine Grenze für die Sorge,
und du warst nicht einmal barfuss, Abraham,
deine Füsse waren ungewaschen, schrittest du aus nach dem Dorngestrüpp,
das dir endlich deine Blindheit,
die dich so ertauben liess gegen die Zeit, gegen deinen Sohn,
aufschliesst, aufschliessen würde, denke daran, denke daran.

Das Schwein

Da strauchelt er daher,
die Arme ausgestreckt wie ein Insekt,
die Hände baumeln an ihren Enden wie verdorrte Früchte,
sein Gesicht ist wie ein gestrandeter Wal,
und seine Lefzen sind schaumig von der Einsprache mit dem sträflichen Gott,
schwielig sind seine Augen vom Ansehen von einer heischenden Hand,
die am Kuschen Freude hat,
die am Wiederkehren Gefallen findet, –
doch findest du sie jedes Mal in ihrem Hunger auf verkohltes Kindesfleisch abscheulicher,
wie sie da mit ihren gespaltenen Hufen im Unrat rührt,
wühlt mit gespaltenen Hufen in den Rückständen ihrer Versprechen nach den eingelösten Schwüren der Menschen,
diesen hochgehaltenen Handflächen eines Widerstand-ist-zwecklos,
diesen leeren Händen, diesen sich immer noch leerenden Händen,
diesen Händen, die zum Ausleeren wie gemacht sind,
zum Nicht-Festhalten geschaffen sind, –
stockdunkel kommt er daher,
der geifernde Mund ist nicht vom Wiederkäuen voller Schmeissfliegenschleim,
die Furchen seiner gewaltigen Stirn sind nicht vom Nachdenken wie schwarze Schluchten voller Aule,
voller Sprüche, Tabaksaft und Weinmaische auch die Schoten seiner Worte,
mit ausgestreckten Armen strauchelt er auf dich zu,
er hat kein Davar Acher bei sich,
er hat weder Wort dabei, das heilt,
noch Ding dabei, das gesundet,
er kommt mit seinem schlechten Atem zu uns Schafen,
er kommt mit seinem Wolfshauch,
mit seinem Hyänenauswurf,
da ist kein Davar Acher darin,
seine koddernden Lippen sondern ungerechtfertigten Zorn und ungläubige Rechthaberei aus,
hüte dich, dass seine ausgestreckten Arme dich nicht fassen!

Du und ich (Akazie und Euphorbia candelabrum)

Die Ziegen sind unsere Mütter:
Wo sie koten finden wir den frusten Boden
Wieder und fristen in Staub und Stank
In Abgasen und Steppenwinden
Im Geruch fast verkohlten Fleisches
Und im hellen Schatten voll Zucker und Ameisenbeinen
Unsere erste Karenz: ruhen
Nahe beieinander und kaum zu unterscheiden
Von Mikroplastik und Staubkorn
Bis zum ersten Regenfall: Faruha
Ist unser Kern und Uhuru unser Ziel.

Zusammen wächst du mit mir
Während die Paviane am Strassenrand
Wie Buddhas hocken und ihre Pausbackenärsche verstecken
Und den Wabenzis ihren rosa Rüssel zeigen
Der untätig zwischen ihren Beinen hervorspringt
Springe ich aus dem ersten Gebüsch herauf
Das schnell wachsend verdorrt
Springe auf und beginne meinen Lauf um die Sonne
Strecke meine Arme aus wie jemand
Der zu lange im Kauern verharrte und häute mich
Um mitten in der Steppe die Farbe des Meeres zu bewahren
Um einen feingliedrigen Schattenkreis über Faruha zu ziehen
Einen sonnenlöcherigen Rock für die windhörige Erde –
Gleichen Bodens sind wir
Du und ich

Zusammen wachse ich mit dir
Während an uns vorbei die Menschen
Staub aufwirbeln wie auf der Flucht:
Die Dornen sind ein Schattenhut für mich und
Verdorren unter deinen saugenden Zügen
Halten die Erde zusammen
Durch die auch ich jetzt
Meine Rüssel senke und du
Hältst deine Krempe über meine ersten vollgesogenen Stummel
Die mit leisem Glucksen an deiner Rinde sich reiben –
Ein Krokodil in Liebe mit einer Giraffe –
Und endlich dich erreiche denn Uhuru
Uhuru ist sauer als hätten du und ich
Doch einen andern Grund und du
Schwingst deine messinggrünen Äste
In einem weiten Ring um uns
Denn Faruha ist ausgreifend
Ausladend: und seit der Zeit
Von Agu und Agu wachsen du und ich
Gleichen Bodens sind wir und ich

Durchstosse endlich kratzend und kraulend
Reibend und schabend aus unserem Boden saugend
An unserem Boden saugend wie eine Zecke
Am Ohr eines Löwen: am Ohr
Das den Sternen lauscht
Mitten im blauen Tag
Der nach Nyoma choma riecht und nach Mathare
Nach diesem dunkeln lieben verzweifelten kostbaren Geruch
Über den wir wachsen du und ich
Wie zwei Botschafterinnen
Mitten in der grillendurchstochenen mückenumfuchtelten Nacht
Die klingt wie ein aschestaubender schweissheisser Gong
Jener Nacht gleich in der Faruha
Uhuru zum ersten Mal erreichte
Oder Uhuru Faruha niemand von uns erinnert sich mehr genau
Und wer sind wir auch zu richten:
Durchstosse dein leichtes Gewirr
Das dem Wind dient mit meinen Borsten
Und erreiche bald die Reife für den Flug
Fort von den Leuten mit Ideen
Mit einem Gefühl der Dankbarkeit
Das nach deinen Harztränen schmeckt
Die ich dir entrissen habe:

Gleichen Bodens sind wir
Du und ich und unsere Wurzeln
Sammeln die Gewohnheit des Geldverdienens ein
Die gebrochenen Knochen von Saba Saba
Tom Mbois Blut in den Ngong Wäldern
Mzees Fliegenwedel und das Unbekannte
Das allein die Menschen schreckt
Die Aufrichtigkeit sammeln wir und den Mut
Der wenn er nicht in der Verantwortung wurzelt
Ein Armutszeichen ist und trinken
Von der hochmütigen Trunkenheit des Verzichts.

Entscheidungen

Keine Ausreden
Das bin ich: entschlossen
Zu einem Weg
Sogar abseits von euch
Ich kann euch nicht unterhalten
Ich kann ja kaum mich selbst unterhalten
Und in dieser Form kann ich euer Vater sein
Nur in dieser Form ist mir dies möglich

Wenn wir etwas mit Papa machen
Weiss ich etwas Spezielles beginnt
Etwas Wundervolles oder schrecklich Misslungenes
Ein Abenteuer schrieb meine Tochter

Als sie etwa 12 Jahre alt war
Aber ich bin keine Hilfe
Wenn ihr Kleider bracht
Oder neue Sportausrüstung
Doch sofort für Bücher
Immer für Bücher

Schaut nur meine Kleider an
Sie sind so alt wie ihr
Ferien mache ich fast nie
Weil sie mich nur noch ärmer
Nur noch hilfloser machen
Und ich ja lieber Ferien mache
Dort wo die Fantasie wohnt
Die ist ja umsonst und kostet
weder Geld noch Anstrengung

Ich liebe mein Bett und meinen Balkon
und meine drei Kugelschreiber
einer davon das Geschenk meiner besten Freundin
und meine vollzukritzelnden Hefte
meine in enger ununterbrochener Schrift vollzukritzelnden Hefte
die immer anspruchsloser und billiger werden
Und vergesst nicht
Dass ich euch nicht verlassen habe
Dass ich nicht euch verlassen habe
Wie lange hat es gedauert
Bis ich euren Verlust in meinem Kellerloch genügen wiedergekäut hatte
Dass er schon fast angenehme geschmeckt hat
Auf meinem Herzen – dass ich zwar
Diese mindere Leben führe
Das euch vorkommen mag
Als verweigere ich Verantwortung

Aber für euch dieses Leben führe
Damit ihr wisst
Es ist möglich
Für sein Talent
Arm zu sein
Andere Ziele zu haben
Als mit Arbeit Geld zu verdienen
Rechnungen zu begleichen damit sie beglichen sind
Das ist möglich:
erfolglos und ohne Anerkennung zu schöpfen
Einfach weil ich es kann
Einfach weil ich es liebe
Einfach weil ich es will

Und mit jedem Gedicht
Auch mit diesem
Das wie ein Testament ist
An Reichtum zu gewinnen
Es ist möglich für euch:
Glücklich sein
Hat mit Aufgabe zu tun und
Mit Absage und mit Liebe für das
Was ich gut kann
Was ich allein tun will
Für das was ohne Lohn ist
Für das was niemand etwas bedeutet

Das Schreiben ist meine Art zu lieben
Und auch der Ort wo ihr mich
Immer finden werdet wenn ihr denn
Schliesslich Hinfindet.

Flughafengedicht mit Hilfe von Nikki

Vom Rollfeld aufs Rollband
Aufs Laufband an Töpfen mit Plastiknatur
Vorbei und an Bildschirmen
Bildschirmen in Händen
Bildschirmen an Wänden
WE ARE CONSUMED
Bildschirmen auf Pfählen
Bildschirmen auf Dächern
Und die Kinderaugen wurzeln darin
Und die Zeigefinger reden damit
Kein Joch ist zu sehen
Und doch beugen sie ihre Hälse –
WE ARE CONSUMED BY PEOPLE
Und Kilometer um Kilometer wandere ich vorbei
An nicht essentiellen Gütern ich die
Nicht essentielle Person
Aufgebahrt zum Opfer
Für Gaumen und Magen
Für Handgelenk und Drosselgrube
Für Intimbereich und schönen Schein
Für den Ausbruch aus der dunkeln Einzelkammer
Und die Trinkfontäne ist versiegt
Doch der Boden rundherum glitschig
WHO SING THE SAME OLD SONG
Und ganz am Ende der Wanderung
Doch noch essentielle Güter
Für jemand nicht essentielles wie mich
Dick verpackt in aufgedrehte Bässe
Vielleicht um abzuschrecken
Und überflutet von zerbrechlichen
Leicht ersetzlichen Dingen
Bücher auf Tischen mit
Blutigem Fleisch oder schleimigem Fisch
Kerouac begrüsst mich mit grosser Selbstverständlichkeit
Als wohnte er hier schon sehr oder allzu lange
Rumi auch und Salinger
WE ARE CONSUMED BY PEOPLE WHO SING THE SAME OLD SONG
Und auf dem Weg zum Gate
Nach dem Abschied von Heimat
Dem Wesen im Wort
Das Bild wird in der Geschichte
Und nach dem Waschen der Hände
Das wie eine Neugeburt wirkt auf meinen erschöpften Zustand
Ein Gedicht aufsagen im Takt des eigenen Schritts
Les Assis oder Die Ballade von des Cortez’ Leuten
Leise und vernehmlich wie ein Selbstgespräch
WE ARE CONSUMED BY POEPLE WHO SING THE SAME OLD SONG
STAY und in das Flugzeug treten STAY
Wie auf eine Brücke STAY

Selbst bestimmen

Schau auf diese Männer, Heilige,
zögere nicht länger und schau sie dir an, diesen Haufen von Wehrlosen,
mit ihren hängenden Köpfen auf ihren langen gierigen Hälsen,
die sie eben noch festlich hochgereckt haben,
die sie eben noch mit klapperndem Lachen hin- und hergeschwenkt haben wie die Federwedel an den Helmen der Philister,
hör sie dir an,
diese Staubwedeltruppe,
diese Ritzenschlüpfer,
hier schenke ich dir reichlich Blut von starken Tieren,
von wohlgenährten Ochsen und stämmigen Lämmern,
auf dass sie nicht auseinanderlaufen wie feuchte Katzen,
ich habe keine Zeit mehr zu stottern,
ich habe keine Furcht mehr vor der Entscheidung, Heilige,
denn nicht allein will ich dastehen mitten in den Strassen Gilgals,
denn nicht allein kann ich diesen Kampf bestehen vor den Männern unserer Dörfer,
soll ich denn mich mit Schafen und Ochsen bewaffnen und von Gad die Schweine holen,
um sie wenigstens von unseren Weiden zu vertreiben,
die sie mit den Rädern ihrer lächerlichen Wagen durchpflügen,
als könnten sie damit einem Mann oder einer Frau aus Benjamin beikommen,
die über die Hügel und in den Schluchten laufen gelernt haben,
doch die Hängehälse sind müde geworden,
sie wollen nicht mehr ihre Hälse vor sich hertragen und nicht länger laufen, laufen, laufen,
und ich will endlich Ruhe vor ihrem Quäken und Schnattern,
ich will endlich Ruhe für meine Ohren,
Stille für meine anderen Gedanken,
Schweigen für meine Tage auf den Weiden,
eine Flöte im Gürtel und die Flocken der Schafe im grauen Grün von Bet-Awen,
ich habe gewartet, Heilige, gewiss habe ich gewartet,
ich warte noch, Heilige,
jetzt aber nehme ich mein einziges Schwert und schneide Kehlen durch und stosse Ochsen tot,
damit die Schmalhälse ein Gefühl davon erhalten,
was es heisst, selbst zu bestimmen.

Psalm für den Prediger

Hier bin ich, Prediger,
ich bin hier, Prediger,
ich komme endlich an,
darüber hinaus gehe ich,
hier ist siehst du meine Genüge,
hier hörst du meine Güte,
du fasst an meiner Kehle die allmähliche,
die anschwellende Fülle,
diese Füsse schritten schon lange auf deinem Weg,
auf diesem eben ansteigenden Hohlweg,
in den die Sonne und der Mond nur zünden,
wenn dein Wort eine Anstrengung vermocht hat,
weil dein Wort eine Anstrengung vermocht hat,
durch den Wust des Dringenden, durch die Rahmparade der Wünsche zu kommen zu mir,
auf dem Gestell der abgesägten Träume, auf dem Regal der abgesagten Gedichte,
wo es dunkelt und pilzig-schütteres Licht eine Form von Genugtuung bietet,
dort hinten zu leben, wirklich dort hinten
zu leben,
in den silbern erodierenden Wänden des Weges,
wo die Böen versiegen und die Luft steht wie eine Stele auf dem Berg Garizim,
ich bin hier, Prediger,
in meinem Rücken schmerzen die Blicke von andern,
in meinem Nacken saugt noch der Kuss der Angst,
auf meinen Schultern kauert noch die Entschlossenheit,
die ich aufbrachte, weil ich dein Wort in mich gelassen hatte,
weil ich es geschluckt hatte, geschluckt,
Prediger, hier bin ich,
ich komme endlich dazu,
ich komme endlich zu dir,
um die Sonne gut zu heissen,
um das Scheinen der Sonne gut zu heissen und das Fallen des Regens,
das Ziehen des Nebels, vor allem des Nebels, und das Schwanken des Monds,
um die Qualität der Erfrischungen, die Höhe der Sichtweiten, die Schönheit der Feste und die Abwechslung der Speisen
zu schätzen,
mein Auge glänzt,
siehst du es glänzen, mein Prediger,
aus deiner haltlosen Ferne,
glänzen wie ein Schild für die Dauer,
wie ein Schild für die Ausdauer,
ich habe mich befreit von den Hoffnungen,
ich bin drangeblieben an deinem Wort,
ich habe ausgeharrt mit deinem Wort,
ich bin ihm nicht ausgewichen, nicht mehr, nicht länger,
ich habe mich herausgelöst aus den Ansprüchen,
ich habe festgehalten an den Erwartungen meiner Gedichte,
ich bin durchbohrt von deinem einfachen vielen Wort,
hier bin ich, Prediger, sieh mich an,
hier werde ich sein, wie du noch lange sein werde ich:
nichts ist wichtig,
nichts ist notwendig,
nichts ist hell,
nichts ist gut ausser das, was du im Munde getragen hast und was
an meinem Gaumen weiter glüht.

Nichts ist gewiss

Deine Hand berührt die Stirn, das Kinn, deine Finger fahren über die geschlossenen Augen,
die ihre Müdigkeit mit leisem Klickern kund tun,
aber kaum geöffnet, den Morgen über dem Hügelland bei Michmas sehen,
die leichte Trübung in den Sandtönen des Himmels und im Rosaschimmern der Erde kann auch ein Nebel sein, der aus den Tälern aufsteigt,
deine Zehen spreizen sich im grobkörnigen Sand, der leise flüstert wie eine Mutter über ihrem in der Mittagshitze dösenden Kind,
du atmest ein und wieder aus,
dein Bauch wölbt sich wie ein Weinschlauch unter deinem löchrigen Arbeitshemd,
deine Zunge regt sich wie eine Raupe im Kokon, um den tauben, übeln Geruch von Schlaf und Traum abzustreifen an den Zähnen und am Gaumen,
du schmatzt leise, und es klingt wie Abscheu,
wie das Fallen von Kuhfladen,
es gibt kein Wissen über diesen Moment hinaus,
deine glänzende Haut stellt ihre Härchen auf,
es schüttelt dich bis in die Schultern,
die Schwärze hinter deinen Augen ist deine eigene Schwärze,
die Schwärze deines Herzens,
ist dein eigener Horizont,
ist deine eigene Wand,
so weit entfernt, als rage sie in einer der grossen Städte des Ostens auf,
von denen die Händler träumen, aber kein Krieger,
so nah jedoch, dass du einen Schritt zurücktrittst davon,
als hörtest du das Räderdonnern der Philister schon früh im Morgen,
kein Blinzeln und kein Schielen kann dir diese schwarze fallende Sichtgrenze verschieben, vorantreiben, fortscheuchen,
und doch trittst du vor, den Fuss vor dem andern,
und doch gibt es noch Luft zum Atmen,
gerade noch und wieder,
auch wenn die Böe, die dich eben geschreckt hat im Haar der Weide am Brunne deines Hauses noch lebt,
und doch weisst du nichts vom nächsten Schritt,
noch was auf dich zukommt.