Grosses im Kleinen (Hugo)

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Der Tag erstarb; am Ufer war’s, am Meer, das schäumt.
Ich hielt die Tochter an der Hand – ein Kind, das träumt,
Ein Geist, der schwieg im Lauf!
Die Erde neigte sich, dem lecken Schiffe gleich,
Sie drehte sich im All, taucht ein ins Schattenreich.
Die Nacht stieg fahl herauf.

Die bleiche Nacht hob aus den Wolken ihre Stirne;
Die Dinge schwanden schon, ergrauten, wurden minder,
Ein formlos-blasses Weben.
Wenn Schatten steigen, liegt bald Asche über allem;
In gleichem Masse fühlte man die Trauer fallen,
Die Schmerzen sich erheben.

Die da mit Denker-Aug Natur betrachten, sahen
Von hoch die Urne, vage dunkle Öffnung, nahen,
Sich überm Himmel neigen,
Und giessen auf die Berge, auf die hellen Felder,
Die wirren Fluten, die erfüllt von tiefen Reden,

Den Abend aus, das Schweigen.
Es krochen Wolkenbänder übers Vorgebirge;
Die Seele, wo sich Schatten mit dem Scheinen mischte,
Sie fühlte unbestimmt,
Entsteigen diesem Meer und auch der ganzen Erde
Und unter Gottes Aug ich-weiss-nicht-was, was Strenges,
Erhabnes, was sanft stimmt.  

An meiner Seite ging die Tochter, die ich liebe,
Die weite Nacht, wie Rauch kam sie heraufgestiegen.
Ich träumte, wie ich bet
Zu dir, mein Herr, ich sah und schlug die Wimpern nieder,
Den Schatten, der entsteht in unserm Denken wieder,
Wenn deine Sonne geht.

Da sagte dieses Kind, gesegnet ist’s, ich fühle es,
Ich hielt es an der Hand, und meine Seele hielt es,
Ein Engel, der fast Frau,
Und zeigte auf das Wasser, die Küste braun und herbe,
Und dort zwei Lichterpunkte, auf der Düne bebend,
Sie sagte, Vater, schau,

Schau doch, da drüben, wo die Schatten hangwärts robben,
Die Zwillingslichter leuchten wie ein Lampen-Doppel,
Bewegt im starken Wind!
Was sind die beiden Heime, dort im Nebel fern?
– Eins ist ein Hirtenfeuer, andres ist ein Stern;
Zwei Welten sind’s, mein Kind!

Nagelprobe

Straff liegt die Hand im Zaun.
Weshalb verschränklicht sich,
Was neulich ungenau
Spitz fiel ins endlich Nichts?
Rund wölbt es sich dem Tau gleich,
Öhrt durch die graslich Licht
Gebende Scheibe. Tauglich
Tastet Bericht Bericht
Rasenvergleichend ab,
Riecht noch nach hartem Trab.

Dastehen

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Ich will nicht mit einem Ständer
Dastehen, im Ernst und weiss,
Noch viel mehr muss sich verändern,
Will gar nicht, was ich schon weiss,

Entsprechen. Ich möcht verheissen
Ungestützt, was niemand kennt,
Geschützt von Geschirr aus Meissen,
Langsam wie die Scham mich brennt,

Gerötet und gestellt an Ränder,
Die immer Konkretes heischen,
Als sei ich ein Samenspender,
Ungeprüft und ohne Feilschen.

Ich will nicht mit einem Ständer
Dastehen, mit vollen Händen. 

Nichts

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Links die Erde
Rechts der Himmel –
Dazwischen ist die Kacke am Dampfen.
Ideen entstehen aus Armut.
Aus Niedergesunkenem wird hilflos
Liebe: schmeckt nach nichts
Denn gaumenlos gebiert die Erde
Strauch – Strauch – Strauch.
Darüber ist die Angst mit einer Stimme
Ausgekratzt: Morgenbrot für nichts
Dem nur Liebende Worte geben –
Worte wie Zweck und Ziel und Weg.
Wenn die kommen
Stehl ich mich draus.
Lege mich vor die Notaufnahme.
Aber links muss die Erde sein und
Rechts muss der Himmel sein.
Das ist zwingend. Lebend
Komm ich ja zu nichts. Nichts
Ist ein Feuer unterm Hintern.
Verstohlen äug ich an den Jupiter.
Hände Arme und hohle Wangen –
Immer nimmst du meine Ideen und machst sie zu deinen
Sagt der Geruch der Erde liebreizend.
Nicht im Mindesten lässt sich nichts
Ausdrücken: Liebenden erscheint es
Blind. Ein in der Ekliptik versenktes Auge
Von rechts nach links ziehend:
Unterm notdürftigen Pflaster
Kehrt sich die Zeit um.
Decke auf und kratze. Lebend
Hat die Liebe keinen Stand. Liebend
Komm ich hier nicht raus.
Mein Körper riecht schon steinig.
Ich habe keine Mittel mehr
Die ich ausdrücken könnte
Wie Pfeffer oder Pusteln.
Wenn ich um das Schwingen der Erde weiss
Sehe ich auch den Himmel schwingen.
Meine Zwänge sind keine Mittel mehr
Mit denen die Ideen hilfloser werden.
Das Unten kann mir gestohlen bleiben
Für das Oben sorge ich schon selbst.
Wenn die Kacke am Dampfen ist
Gehe ich eine rauchen. Das hilft
Beim Werfen von Strauch in Magenbrot.

Eine rauchen

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1

Du nimmst meine Ideen
Und machst deine daraus.
Du willst immer nur gehen,
Allein bleib ich im Haus.

Du kannst schon ganz gut wickeln
Und mit Kindern Radau.
Du wirst immer nur nicken,
als wär’s eine Art Stau:

Geduld, nur zu, und weiter…
Dann kommst du angerannt
Und willst alles nur heiter,
nicht das, was schon bekannt.

Sind wir denn noch zusammen?
Musst du jetzt eine rauchen?

2

Du kannst es nicht verstehen,
dein Ich, Ich ist ein Graus.
Ich kenn deine Ideen
Doch, sie sparen mich aus.

Spiel ich mit, wird es heissen
Ich sei viel zu entspannt,
Soll am Riemen mich reissen –
Der Scheiss, der ist mir bekannt.

Auch ich schlaf nur in Bitzen.
Du sagst, ich mache blau.
Du willst ja gar nicht wissen,
wie sehr es sich hier staut.

Ich kann fast nur noch stammeln.
Ich geh jetzt eine rauchen.

Im Grunde von Hass

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Nicht ganz braun und nicht ganz schwarz
Aber sonst gibt es keine Töne
Noch nicht ganz eingetrocknet und noch nicht ganz verdunstet
Vor dem Zerbrechen gibt es keinen Klang
Weder Zähneknirschen noch Lobgesang
Und doch dreht im Kreis ein gestrichenes Zeichen wie ein gebrochener Laut
Ein entwurzelter Buchstabe
Im Grunde von Hass
Ein fundiertes Gefühl aufgetragen mit einem Pinselstrich
Seine körnige Spur im Gesicht und im Ruf
Der unterm Lack noch vollzieht
Nach sich zieht
Was in der Freude sich auflöste
Ein Satz von ungespielter Drohung
Da unten und da drüben
weder roh noch verarbeitet
ein Jordan eine Saane ein Rhein
nasses Kartonschild und krustige Grenze
ausgeleckte Stimmung und salzige Zukunft
Im Grunde von Hass
Mit einem Räuspern daran kratzen
Mit einem ungeschönten Kinderzeichnungswillen anstehen
An der harten Grenze und einfahren
In den Tunnelblick
Den Kreis eckiger machen
Das Alphabet wieder zu Geissen und Hirtenstäben
Stummfilm-Kufiyya
Im Grunde von Hass
Dort unten und dort drinnen
Ungetönt und mit gespickter Zunge
Noch nicht ganz hohler Zahn der Zeit noch nicht ganz abgewetzt und auch nicht
Scherbengericht und artengerecht angestimmte Reinigung
Nicht ganz schwarz und nicht ganz weiss
Weder gezeichnet noch belassen
Nicht unbedroht noch sicher
Der Wolf und das Schaf
Der Löwe und das Rind
Aber noch undeutlich zu erkennen
Im Grunde von Hass.

Guddo bai

Die Bahnen über dir schlagen um
Haben um dich genommen eine Bahre
Die Ware in dem ungeklungenen Lauf
Weit weg im Wort
Ganz nah im Dort
Und was ragen kann
Wird tragen in Sütterlin zum Bord
Das verwaist verwest
Mite einem ungelaufenen Laut am Tamagawajosui
Einem bahnentbrochenen Laut
Vermutlich Englisch
Aus der Stirn genommen von den Fluten
Mit kalten Füssen tragen
Was umgeschlagen die Truhen bewahren
Und fernstes Ziehen zerrt am nächsten Zahnen
Als risse der Himmel an seinen Spuren
Über dir fuhren die Bahnen
Kaum leer noch näher
Weder Vater noch Bruder
Schwünge jenseits der Ursprünge
Halb Zacken halb Strömungskurven
Unverwandt betrachtet
Unverwandt in ihrem Fahren fort
Abzutragen die Distanzen ausgesprochen vom Kreisen um dich
Die Ware mit Schande
Zirkel geschlagen ungetroffen hier oben
Vermutlich die spitze Kurve eines Sterns.

(Bild von Dazai: Von Shigeru Tamura – https://images.wook.pt/getresourcesservlet/GetResource?9MWVLntzzwpNXgzKXB6M9/kjHmoOXOr6DOACXrGglOQ=八雲書店『太宰治全集 第1巻 (晩年)』(1948年刊), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63251385).

Keine Einwände mehr

Stehende Endungen
Unruhige Markierungen:
Granulat aus Abrieb und Antrieb
In der Luft zwischen jeder Zacke
Eine Art Ausschlag
Von Rennweg zu Brennweg
Ich sehe die Knöchel versinken
Welle um Welle
Eine Strecke und ein Petticoat
Und über all das kein bisschen Regen kein bisschen
Mittelwege voller Zacken und sonorer Aufhebungen
Leitplanken an den Enden mit Aufforderungen versehen
Hier befinden Sie sich in guter Gesellschaft
Das ist keine Abzweigung
Schon mal an eine Verbeugung gedacht
Es riecht doch sehr nach Curry
Zacke um Zacke hält sich auf mit dem roten Stoff
Aus dem Strasse und Fantasie ist
Tonsäulen zwischen den Zinnen
Wolle um Wolle treibt es die Endgeräte vorbei
Breit wie Margeriten und zärtlich wie Euphorbien
Und nur der Rand
Zinne um Zinne
Nahe am unifarbenen Geritter
Und keine Maschinen weder verkürzt noch entspannt
Orgeluse oder Belakane
Und keine Vorwände mehr
Nur noch Endwände
Lammgestattungen oder Staubparzellierungen
S-S-Stauparzellierungen
Vorbeugen oder Verbeugen
Beides ist nicht fern genug
Zitternd sehe ich manche
Unter ihrem Schröpfen heisst es immer noch Liebe
Ich streue Kohle über Wickham
Die Unruhe markiert die Endungen
Als stehe ich in Jeschutes Rock.

Perhaps in a few days I am going to have another talk with Herr Hitler

Wenn du die Arschkarte ziehst
Das sieht man dir nicht an
Und kröchest du aus dem Arsch
Niemand könnte den Schaden mit Sicherheit benennen

Become the action of my fate

Die Lederhosen des Friedens sind die Versprechen der Invasion
Die Steine des Friedens sind wenn geworfen gut
Aber als Fundament taugen sie nicht
Auch Gott als Richter oder Vollstrecker taugt nicht
Liebe die Amalekiter
Als wären es deine Brüder

I live like a lover
Wasting her message

69 Jahre alt
188 cm hoch
Die Zunge rau vom Lecken
In Zivil
Das Arschloch aber ist selten in Zivil
Meistens voller Goldstuck
Aber kein Esel

The dead don’t give a damn

Auch die Ummauert-Behausten nicht
Lauter Erster-Zaunpfahl-Einschläger und Brüder-Retter
Die an der Stelle ihres Herzens einen Glauben haben
Aber keinen Gott
Der ist das eine Senfkorn das in die Blüte zurückgekrochen ist
Und zwischen den Dornen-Marisken wächst rassenfrei das Ungeziefer
Das Rahab rettete und bei dem Rut Heimat fand

In merciless accelerating rhythms

Und das Blut suppt von der Arbeit der Polypen
Du kannst dich mit Palmenblättern abwischen
Dein Samen kriecht an den Schenkeln hoch
Zurück in die Hoden
Dein Werkzeug Empathie ist nicht zu unterscheiden vom Werkzeug des vollgeschissenen Ohrs
There is no one to forgive me
Und nicht nur die Erschöpfung lässt dich gut schlafen
Immerhin werden Gebiete abgetreten
Fast wie dein Entgegenkommen.