Ein neuer Mensch

Du wirst ein neuer Mensch werden,
            mit Lippen wie Brüsten,
mit eichelharten Worten,
            mit einem Herz wie eine Katzenzunge,
mit Füssen wie Minze,
            denn auf nichts wirst du mehr treten,
nichts wirst du mehr beschädigen in deinem Gang,
            ein neuer Mensch wirst du werden,
mit Augen wie eine Mutter,
            mit Augen wie Kreuzkümmel wird deine Gegenwart erfüllt,
und milde wird der Schatten deines Blicks auf den Menschen liegen,
            die Hass noch hegen und Zorn unter Schmerzen gebären,
deine linke Hand wird in deiner Schulter sein,
            deine rechte Hand ausgestreckt wie die Ranke einer Weinrebe,
schlingend und die Abtrünnigen bei Sinne haltend,
            eine neuer Mensch mit neuer Kehle,
deren Atem weihrauchwarm den Mut und den Willen stärkt,
            mit einer Brust wie der Karmel,
und deine fiederschnittige Zunge werden deine Taten sein,
            aber es werden andere Taten sein,
denn breit ist deine Hüfte nun,
            denn ausgedehnt wurde deine Achsel,
um die Grundfesten des Menschen zu tragen,
            um die Erstgeborenen Kraft durch Milde zu lehren,
um den Töchtern die Kehle zu weiten,
            um den Töchtern die Räte zu öffnen,
um ihrem Tun und Denken das Land zu Erbe zu geben,
            auf dass sie mit Reichardien-Wimpern über die noch trauernde Erde gingen,
du wirst ein neuer Mensch werden,
            der ein Mann nicht mehr ist,
der keine Frau noch wird,
            und deine Ohren werden selbst die Gesänge der Wegwarten hören,
werden die schmalen Lieder des Dills belauschen,
            deine Ohren werden wie offene Hände,
wie das Becken einer Frau sein und aufnehmen,
            ohne zu unterbrechen aufnehmen wie die Erde im Tal der Rafaiter, und der Augenblick wird verrinnen.

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