Es wird Tag

Sophistication is a nice word, isnt it? Da äugen die Glucliche, da stielen sie mit ihren Halsaugen, aus ihren Halskrausen, dies giraffenartigen Flughunde. Sie warten noch zu und klicken ganz leise lächelnd in ihren kotigen Kehlen, in ihren verknoteten Seelen. Sie wissen um ihre Aufgabe. Das wissen sie. Tuwà thókea kephíca šni Wakhá thá-ka, niyé thokéya nicága. Tuwà thókea… Das heisst, die Wetiko-Krankheit hat das europäische Denken derart korrumpiert, dass Wetiko-Verhalten und Wetiko-Absichten als der eigentliche Stoff der europäischen Entwicklung angesehen werden müssen. Daher werden jene, die den Wetiko-Werten, dem Imperialismus und der Ausbeutung widerstehen, der heilige Franziskus, das Schweizer Bergvolk, die schottischen Clans, als «Merkwürdigkeit», «Freak» oder raue Demokraten («Bauern») angesehen, die niemals genügend Menschen ausbeuten könnten, um einen Petersdom oder ein Versailles zu bauen. Ich möchte singen, warum ist meine Kehle so eng? Ich möchte singen, warum ist meine Kehle so eng? Ich nachricht allein. Wer hat mich denn verlassen? Warum klammern sich die wolkentragenden Beeren so sehr an mich? Warum ist mein Beutel so schwer, dass er platzen könnte? Ist das noch Wakan, wenn ich mich so ängstige, wenn der Tag steigt auf den Felsenbaum? Wo ist der Binnenkeil aus Gras und Wollkraut und leichtem Ostwind? Höre mein Kind die Geschichte vom Beutel des Lebens. Höre mein Kind… Ich grub in meinen Taschen nach dem Kleingeld für meinen Anruf nach Hause, um dem Vater meiner Tochter zu sagen, ich schaffe es nicht. Ich zitterte am ganzen Leib, als ich die Münze einwarf und die Nummer wählte. Bitte komm und hole mich, sagte ich ihm, ich schaffe es nicht nach Hause. Natürlich schaffst du es nach Hause. Bitte, bettelte ich, ich weiss nicht, wie. Ich war zu spät; er hatte schon die Kartoffeln zu schälen begonnen. Und dann hängte er auf. Du warst allein. Ich war allein. War dies das Kreischen der Schs? Der Tag nahm zu wie der Mond, der Mund, es wurde nicht heller. Ich dachte an die Euphorbien draussen in der Steppe, die sich ihre Akazien gefunden hatten. Ich dachte an die Akazien draussen im weiten Grasland, die sich ihre Euphorbien gefunden hatten. Und würden sie auch im schweren Wind von Sturm und Monsun von den Euphorbien zerfetzt, waren das nicht Liebesspuren? Ich erinnere mich an die Namen, an die zarten Schöpfe ihrer noch frischen Bedeutung. Wohin sind sie aufgebrochen? Haben sie sich in den Dingen verkrochen? Meine Füsse waren ganz kalt, und mein Gesicht war heiss wie vor Scham. Bluteten die Akazien auch, wenn die Euphorbien ihnen in die Weichen schlugen, ins Gesicht? Es war ihnen sicher lieber, von eigenen geschlagen zu werden als von Messern aufgeschlitzt und von Keilen geweitet zu werden. Die Menschen brauchen Keile, die Menschen brauchen Messer. Die Messer machen sie zu Menschen, die Keile machen sie zu Menschen. Ist das die Rache der Namen, die ausgewandert wurden, in Reservate getrieben? Wo sind die Beutel voller Geschichten, Grossmutter Schwarze Witwe? Aber sie ist tot, und das ist unser Fehler. Wie lange ist das schon her? Wir hatten die Schlange getötet, erinnerst du dich daran? Du? Bist du auch noch da? Mein Eigenes, mein Gleiches? Wir dürfen es eurozentrischen Gelehrten nicht länger erlauben, «Menschenopfer» in solcher Weise zu definieren, dass sie uns zu glauben verleiten, damit ein Opferakt ein Menschenopfer sei, müsse ein Prieser in einem merkwürdigen Kostüm das Herz eines Opfers herausschneiden. Wie nur kannst du ihm nur sagen, dass sogar ein einziger Schritt zu machen unbegreifbar war? Dass es jenseits jeglichen Unbegreiflichen wäre, die mehreren tausend Schritte für eine Meile zu gehen? Du würdest sterben. Ich wärme meine Füsse mit meinen Tränen. Sonne brennt durch den glasigen Morgen wie eine Kernfusion. Billiger Kautschuk, Bananen, Kaffee, Uranium, welcher Rohstoff es auch immer sein mag, erfordert zuerst ein Blutopfer, ein Kannibalenfest. Du kannst deine Stimme hören, wie du ins Telefon sprichst. Sie war flach, eine dürre Ebene. In der Ferne war der Muskel eines drehenden schwarzen Tornados. Wie konnte er oder überhaupt jemand darum wissen? Niemand, der diese schmale junge Frau mit der eng um sich geschlungenen Jacke beobachtet, würde denken, sie ist am Sterben. Ich hebe meinen Kopf. Ganz wie am Anfang hebe ich meinen Kopf, ganz wie am Ende. Hat sie Sonne auf dem Felsenbaum niedregelassen? Wird sich jemand finden lassen, der sie von dort vertreibt? Monatelang zwang sie sich zu gehen und zu schlucken. Enorme Paniklöcher öffneten sich in der Atmosphäre. Das Überqueren von Strassen war besonders schwierig. Wenn sie an eine Strassenecke gelangt, hielt sie sich an Strassenschildern fest, an Laternenpfählen, oder klammerte sich an den Griff des Kinderwagens. Du möchtest singen, warum ist deine Kehle so eng? Bist du in Wyrai angekommen? Hat alles die Form eines Pyrits, aus dem die Zukunft wie eine schleimige Floskel stammt? Hast du dich nicht selbst in diese Lage gebracht wie eine Stadt am Meer, bei der zwei Kontinentalplatten aufeinandertreffen? In einem bedeutenden Ausmass entspricht die Entwicklung der Wetiko-Krankheit dem Aufstieg dessen, was die Europäer entschieden haben, Zivilisation zu nennen. Das ist kein purer Zufall. Da kommt das Wispern, da kommt das Wispern zurück. Was hat es angerührt, was rührt es an? Wie du da vor der Geschichten-Box sassest, da wurdest du zum Heiler, da wurdest du zum Kranken, da wurdest du zum Gedicht. Du wurdest einer Öffnung in dir gewahr. In einem rasenden, engen Spalt der Wahrnehmung wusstest du, du warst gekommen, dies zu vollbringen: du musst das Gedicht werden, die Musik, die Tänzerin. Du würdest für eine lange, lange Zeit nicht wirklich verstehen, wie. Ich bin eine Feder auf dem hellen Himmel. / Ich bin das blaue Pferd, das in den Ebenen läuft. / Siehst du, ich bin am Leben, bin am Leben. Schau in die Zelle dieses Sturms, schau in die Zelle dieses Geschwürs, das diesen Körper durchdringt: siehst du die rinnende Sanduhr darin? Condoleezza Rice und andere mächtige Frauen ausgenommen, sind der Wahnsinn von Gewalt, Aggression, Krieg, Angriff, Vergewaltigung, Mord, Eroberung, Beherrschung und Terrorismus hauptsächlich Formen von Irrsinn, die häuptsächlich Männer befallen. Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Lästerer, keine Räuber – Ich bin die Kälte des Morgens. / Ich bin eine vierfarbige Flamme. / Der Rücken schmerzt, der Kopf, das Fieber steigt an, Schüttelfrost setzt ein, im Rachen trocknet der Schleim aus, Borken bilden sich im Hals. Frauen sorgen dafür, dass es Männern gut geht. Sie selber bleiben aber auf der Strecke dabei oder danach. Es ist leider immer wieder dasselbe Muster, lautet die Nachricht, die dich erreicht, zu recht erreicht oder zu unrecht, das fällt dir zu entscheiden schwer. Du schüttelst abwehrend den Kopf, sie kann dich doch nicht mehr betreffen, nicht wahr? Ich bin das blaue Pferd, das über die Ebenen läuft. / Ich bin der Fisch, der schillernd im Wasser rollt. / Ich bin der Schatten, der einem Kind folgt. / Ich bin einem Pferd gefolgt, das sich nicht sehen lässt. Was ich getan habe, stand in keinem Buch. Noch keine Geschichte wurde davon erzählt. Jetzt höre ich immer mehr Stimmen, immer mehr Stimmen kommen hinzu und zu mir ins Wakan. Sonne hat die Sternendecke weggezogen. Aber ich höre die Schs nicht mehr bitten, ich höre sie nicht mehr tuscheln. Es ist in der Regel links von Laternenpfählen, Strassenschildern, Kinderwagen vorbeizugehen. So hast du dein Geschick in der Hand. So gibst du nichts ab davon, was du dir vorbehalten hast, was dir vorbehalten zu sein hat. Die Dimensionen verschoben sich eigensinnig. Die Dimensionen verändern die Gelände. Ich stehe in guter Beziehung zu allem Schönen. / Ich stehe in guter Beziehung zur Tochter von Tsen-tainte. / Siehst du, ich bin lebendig, ich bin am Leben. Du nimmst die verkürzten Perspektiven wahr, die schräg ins Gesicht ragenden Laternenpfähle, die schiefen Schatten des Kindes, die Impf-Pusteln im Abendlicht, ich bin der fernste Stern, / ich bin die Kälte des Morgens, / ich das Röhren des Regens, / Aber deine Hirn-Gesichte / sind nicht unser allein, / wir sind nicht ihre Erfinder, / denn die Wahrnehmungsvorgänge, / der Jekt-Strom, / der Regenbogenpfad / fliesst ob wir es wollen oder nicht, / es hängt über uns, / es heult in uns, / es läuft uns mit seiner Kraft über den Haufen, / es liebkost uns mit seiner Süsse, / es überrascht uns unablässig und andauernd, / es ist unser Universum, / und wir sind nicht von ihm begrenzt, / wir sind in Tat und Wahrheit seine bebenden, / leuchtenden Rezeptoren, es ist, als hättest du den Schlaf des Schliefers geschlafen, während die Störche ihre Flügel schüttelten, die Gänse ihre Geometrie überprüften, die Falken ihre Vorliebe für Tauben, die Geliebte ihre Zunge spitzte für die Haut hinter dem Ohr, die auf sie wartete wie die Erde auf den Herbstregen, und im Spalt zwischen den Laternenpfählen, die links umgangen werden, links, den Kinderwagen, die davon rollen, keimte vielspelzig diese Welt eines Teilzeitindianers, dieses Wechselbad der Erscheinungsformen, die auf Unterdrückung und Ausrüstung ausgerichtet sind, spriesste der Affe mit den sechs Armen, es war eine Warnung, ausgesprochen von der Mentalen: sei vorsichtig, du bist in grosser Gefahr, und sie schloss ihr zärtlich die offenen Hände, du bist in grosser Gefahr, aber es war zu sehen, was sie gesehen hatte, das Wrack ihres Lebens, Küsse, Schläge und Tasten nach anderem, mehren, mehrigen, Tasten, die aufgeschlagen wurden wie Wörterbücher, wie Thesauren des Verlusts: niemand konnte es sehen, denn sie erschien normal, sie erschien in sich geschlossen, ein Kraftwerk von Mutter und Frau, und in dieser Lücke wurde das Schreiben möglich, das Malen: in der Bewegung des Stifts über das raue billige Papier, in der Bewegung der Pinselhaare, schwer von Farbe, über das billige raue Papier kam die Grossmutter, deine Grossmutter, mein Kind, wieder ins Leben, die öfter als merkwürdig oder unheimlich wahrgenommen wurde, weil sie näher am Tod denn am Leben stand, in ihre silbernen schwarzen Mantillas gewickelt, sie existiert selbst jetzt in mir, wie ich in den Letztgeborenen meiner Kinder, und in dieser Scharte war eine Geschichte möglich, die den Mann öffnete für seinen Mangel, die ihn neu nähte und drehte für eine neue Form von Behältnis, keine Köcher mehr, keine Scheid, die den Mann-Dichter entblösste von seinen Zorngesichten und unwilligen Unfähigkeiten, von seinem Grimm, und sie hätte ihn damals, in diesen Momenten nach seinem Sprung vom Dach der Kneipe, sie hätte ihn damals verlassen müssen, während sie mit ihre Freunden zurückfuhr, die sie überzeugen wollten, ihn zu verlassen, das würde nie mehr passieren, das wird nie mehr passieren, versicherte er jedes Mal von Neuem, wir können nicht politisch für eine bessere Welt für unser Volk kämpfen, wenn wir es nicht mal im eigenen Haus zusammenzuhalten vermögen, Luschkow, öffne deine Augen

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(Danke an kangbch für das schöne Bild.)