Noch nicht (6. Tag)

Innen gibt es nicht
Weder Tafel noch Schrank
Drachenfüsse hängen aus dem Nebel
Hecken das in die Luft geschriebene Wort
Aufgelesene Pflaumen
In der ein Milchzahn steckt:
Traut es sich eine Stiege zu
Über den aufgeriebenen Fluss
Als habe der Pfirsichquell
Der in der Nacht an mir vorüberstrich
Blaue bittere Sohlen

Drachenfüsse hängen aus dem Nebel
Wie übrige Geschichten
Die Schrift bietet einen Unterstand
In dem noch immer Möglichen
Ich wünschte mir die Heidelbeerfasson meines Freundes Li Po
Ich bin zu sehr aus der Fasson
Am Kies lutschend
Am eigenen Speichel sich verschluckend
Der nach altem Wein schmeckt
Schimmelblau holzig und faul zu sehr aus der Fasson
Um ein Wörtchen mitzureden
An meinem inneren Stand
Weder Tafel noch Schrank gibt es für ich

Mögen auch irgendwo die Blätter rascheln
In Schränken oder Katen
Ich halte meinen Kopf gesenkt
Lasse den leisen Schweiss
Die letzte Hautsülze meiner Wange
In das beschriebene Papier eindringen
Türen waren nicht zum Verschliessen da
Tafeln nicht zu Beschreiben

Es gibt für mich die Einstiege
In die kühnsten Listen nicht mehr
Es gibt für mich die ersten Zeichen
In den gestreckten Tod nicht mehr
Weder Mantel noch Trank –

Noch nicht aber
Die Fische durchbrechen schon
Mit ihren vorgestreckten Kusslippen
Den braunen überbordenden Saum
In dem ich bis jetzt geschwommen bin
Selbst in der Armut wandelte ich sicher
Durch den eingedickten Sud aus Hohlräumen und Oberflächen
Und noch jetzt
Noch nicht beschenkt mit den Gütern des Gartens
Noch nicht erlöst von den träumenden Lüsten
Nach der rosenhäutigen Luft des späten Nachmittags schnappend
Erkläre ich mich nicht als mündig
Selbst im Hunger
Der meinen Mund und meinen Schlund entmachtet hat
Überflüssig sind sie
Diese beiden Spiessgesellen

Noch nicht tot
Noch nicht bereit
Noch nicht gescheit
Noch nicht im Lot:
In meiner Geringe immer noch
Hoch aufgeschossen
Wenn auch nicht mehr aufgerichtet
Nicht mehr aufrecht
Zusammengesurrt auf die wahre Grösse
Kleines Beterlein für einen Schrank
Kleines Zifferlein für eine Tafel
(unten links) –

Leise schrappen die Drachenfüsse des Nebels
Über die Ockerfläche des Stroms
Und ich bin noch nicht
Ganz hinten im Schrank meines Leibes angekommen
Und ich bin noch nicht an den Schiefersplittern erstickt
Als sich meine Tafel zerschlagen hatte.

(Bild von Amy Art-Dreams auf Pixabay.)