
Ich höre die Lieder der Spinne leise glitzern wie eine Tränenkette über meinen aufgelösten Haaren: Schlaf und weine nicht, / deine Mutter ist tot, und doch stillst du deinen Durst an meiner Brust, / Oh-oh-la-la-la-la, oh-oh. Bevor ich einschlafe, schaue ich noch einmal über mich. Ich erinnere mich an das süsse Lispeln des Busches, voller Volk, Versprechen und Freundschaften. Da unten. Da unten war es. Thain-mom, sage ich leise zu meinem inneren Wesen, thain-mom. Ich möchte mich erheben, ich möchte entschweben. Wie fern die Wurzeln des Busches jetzt in der Erde sind, sie hängen wie Rauchfahnen in der Luft, sie schlängeln wie Blindschleichen durch den erdigen Duft. Sie stecken gar nicht im Boden, auf dem mein Körper ruht. Sie stechen gar nicht in den Boden hinein, in den mein Körper gehört, zu den Freunden und Versprechen. Wo denn sind die andern? Wohin sind sie verschwunden? Ich möchte noch einmal thain-mom, beschwöre es mit der gewaltigen Kraft der Verlassenheit, denn die Schwarze Witwe jagt, keines ihrer Augen sucht nach mir, ich höre nicht ihr Tappen an den Fäden ihrer Haube. Seltsam ist es in der höchsten Nacht. Die Schale der Nacht riecht wie die Schale einer bleichgesichtigen Erdfrucht, ein Geruch aus Schmerz und Belohnung, mit harten, süssen Kanten. Ich taste im Sand nach den Schs, die eben noch gewimmelt haben. Der Sand ist wie die Innenseite eines Lederbeutels, riecht nach den Hufen einer Giraffenartigen. Ich spüre nicht mehr die Fasern des kräftigen Weizens in meinen Gliedern ihre Pfade ziehen, die mich durchdrungen und bedungen haben. Ich bin allein, auf einmal allein. Jemand hat mich verlassen, vergessen, entlassen, und über die Terrassen des Himmels wandeln heute keine Sterne, keine Sterne. Wo ist mein Zwilling, wo ist mein Zwilling hin? Schwarz, mit greisen Haaren steht die Nacht über meinem Auge. Ich sehne mich nach den Kammhaaren meiner Mutter, die mir die Furcht aus den klebrigen Sinnen streichen. Die Finger der Königskerze versperren den Horizont. Ich versuche zu singen: Höre, mein Kind, die Geschichte vom Beutel des Lebens. / Es ist, Liebling, die Geschichte vom gebenden Streben. / Anfangs war nichts in dem Beutel, das Füllen schien vergebens. / Blicke begannen zu sammeln und Wörter zu weben. // Küsse verschwanden im Beutel, Gerüche von Fingern, / suchend im Sand der Gestaltung, und wurzelnd in Dingern; / lausche, mein Kind, dem Gelichter der Sterne, die singen, / zwingen das Licht in die Steine, gesammelt von Schwingen, // weit geflogen, und so weit gespreizt übers Erdreich; / spüre, mein Sohn, an den Gliedern die Tropfen des Taus, / silbern erglänzend in den Schatten von Mütterchen Mond; // tief wie der Himmel der Beutel geworden, und schau, / Liebstes, wie voller Geschichten, hast dich nicht geschont, / leere nun aus, und verteile, und scheu keinen Vergleich.
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(Mit Dank an Jgiammateo für das Bild der Schwarzen Witwe.)
