Ratschlag für mich selbst (Louise Erdrich)

Lass das Geschirr.
Lass den Sellerie im untersten Fach des Kühlschranks verrotten
Und ein Erdklumpen auf dem Küchenboden hart werden.
Lass die schwarzen Krümel ganz unten in der Toastmaschine.
Wirf die gesprungene Schüssel hinaus und flicke die Tasse nicht.
Flicke gar nichts. Heile nichts. Kauf Sicherheitsnadeln.
Nähe nicht einmal einen Knopf an.
Lass dem Wind seinen Willen, dann der Erde,
Die als Staub hineinkommt und dann den Toten,
Die in grauen Rollen unter der Couch aufschäumen.
Sprich mit ihnen. Sag ihnen, sie sind willkommen.
Behalte nicht alle Teile des Puzzles
Oder in Paaren die winzigen Schuhe der Puppe, sorge dich nicht darum,
Wer wessen Zahnbürste benutzt oder ob etwas zu etwas
Überhaupt passt.
Ausser ein Wort zum andern. Oder ein Gedanken.
Folge dem Authentischen – entscheide zuerst,
Was authentisch ist,
Folge ihm dann mit deinem ganzen Herzen.
Mit deinem Herzen, dem Ort,
Den du nicht einmal aufzuräumen denkst.
Diese Kammer voller wilder Erinnerungen.
Sortiere nicht die Büroklammern von den Schrauben von den aufbewahrten Milchzähnen
Oder sorge dich nicht, ob wir alle wieder nur Müesli
Zum Abendessen essen. Nimm das Telefon niemals ab,
Oder weine über irgendwas, das zerbricht.
Im Kühlschrank wird rosa Schimmel in diesen versiegelten Schachteln
Wachsen. Nimm neue Formen von Leben an
Und sprich mit den Toten,
Die durch die abgedunkelten Fenster hineingeweht kommen, die sich geduldig
Oben auf Einmachgläsern und Büchern versammeln.
Verwerte die Briefe wieder, lies sie nicht, lies gar nichts
Ausser dem, das die Isolierung zerstört
Zwischen dir und deinen Erfahrungen,
Oder dem, was hinunterzieht
oder dem, was einschlägt auf
oder zerschlägt
Diese List, die du Notwendigkeit nennst.

(Eine Eigen-Übersetzung aus dem Englischen.
Gefunden in Harjo, Joy (Ed.): When the Light of the World was subdued, our Songs Came Through, 2020.)