Sorgende Worte sind mein Auftrag Bergende Blicke sind meine Mühe Angleichende Ohren sind mein Wohlsein Ausgestreckte Hände sind mein Abzeichen Nach Muskat riecht mein Heil Auf der Zunge vergeht das letzte Salz meiner Zukunft
Hingewandt will ich lauschen Vorgeneigt will ich erkunden Mit jungfräulichen Fingerbeeren will ich befinden Worauf wir uns beziehen Was uns zweie stützt und hält
Schnuppern am Schweiss der Einsamkeit Der über unseren Ort gegossen ist wie das Fruchtfleisch der Passionsfrucht Was den einen quält und die andere stählt Vorgebeugt die Maschen prüfen Zählen und prüfen Prüfen und preisen Die federleichten Reepe Preisen und halten Vorgebeugt wie ein Ringer Schmecken am Lachen Was die eine grämt und den andern wärmt
Grade Worte fallen schwer Kein Leichtes sind präzise Blicke Im Lebenslärm die Ohren verloren Schon lange haben diese Hände nicht mehr liebkost Zunge ist ein dumpfer Hebel der würzigen Wörter Riechzellen meiner Nase begingen gemeinsam Apoptose
Zuverlässig will ich zeugen von deinem Leben Zuversichtlich will ich bauen Woran wir beide glauben Was uns zweie eint und teilt Errichten und lichten den Weg vom einen zur andern und zurück Mit der Nase wühlen im erdigen Schlund der Löwengrube In dem das Heulen und Zittern süss brennt wie Nelken
Mit den Fingerspitzen die Waage berühren Die schwankende Mutter der Freundschaft In deren Schalen aufbewahrt ist Was die eine freut und den andern reut Berühren und erhören Den Hebeldrehpunkt wo sich trifft Was den einen grämt und die andere wärmt Erhören und beschwören Über die ganze Distanz zwischen den Schalen Ausgestreckt wie ein Kranich im Flug
Sorgende Worte sind mein Auftrag Bergende Blicke sind meine Mühe Angleichende Ohren sind mein Wohlsein Ausgestreckte Hände sind mein Abzeichen Nach Muskat riecht mein Heil Auf der Zunge vergeht das letzte Salz meiner Zukunft
In meinem Rücken rauschen die Wälder aus Schs, mit leisem Brummen erklimmen sie die Gründe meines Herkommens, meines Stammes: derzeit können sie nur auf das Geflatter der Äste zählen, auf die Falten aus Distanz und Luft. In meiner Nase schwillt die Vertröstung wieder rauchig und pelzig auf, der ich doch nicht mehr begegnen kann hier im Wakan. Denn hier im Wakan bin ich doch in der Sekundenblüte aus Starre, Winkeln, Schlunden, Löchern, Abgründe. Im Grasland des Grossen Geistes, sagt mir das, Namen! Ihr könnt nicht ewig zirkeln, kreisen, krümmen, wippen, nicht wahr? Sagt mir das, Namen! Sagt mir das Namen! Meine Lippen sind zerbissen von der Geduld. Lasst mich aus der Zeit, die mich lehmt… und es kommen die Arbeiter aus den Kokosplantagen / und schreiben Liebeslieder / die die Schwestern der Umgebung / nicht zu kennen nicht kennen… Der Stein ist zu lebendig, sein Beben erregt mich zu sehr. Die Toten, die Toten! Der Stein ist zu lebendig, seine Erregung ist zu innig. Ich greife ins Gras, das wie Speere um mich den Himmel erreichen will. Ich erinnere mich, erinnere mich an etwas. Ich griff ins Gras, das tat ich damals. Die Geschichte kommt mir durch Röhren entgegen, hallt wie ein Funkspruch aus den parsec-Tiefen, beendet das Erschauern der Sterne, die Materie gierig schluchzend schlucken, ein Keuchen kommt in das Wakan gelaufen, die Leisten weiten ihre Seiten. Ich kann mich nicht erinnern an das Nicht-Erinnern. Ich höre zwischen den versammelten Stimmen der Namen – atti, atti – ein Kind sagen: Aber Herr Füglister, wenn ich weiss, dass ich es vergessen habe, warum weiss ich dann nicht, was ich vergessen habe? Wie kann ich wissen, was ich nicht weiss? Es war in Odaiba, Miyuko war an meiner Seite. Mit den Augen am Himmelswinkel, der sich färbte, Sakura-Sintflut, die Hände in unserem Rücken aufgestützt, im Sand und spärlichen Gras, Büsche im Rücken mit ihrem Rascheln. Miyukos Hand so nah, keine Distanz wäre trennender gewesen. Ich erzähle das im Wakan. Ich halte den Stein umfasst, der sich schält in seinem Beben, Jahrmillionen flüstert, kann ich ihn denn nicht beruhigen, will er mir von den Toten erzählen, die mich nicht allein lassen werden? Miyukos ganzer Körper verschattete meinen eigenen, verlappte sich deinem Körper. Der Schmerz war zu gross, mit einem Seufzen beugte ich mich über meine Knie, kaum sahst du den Rüssel der Rainbow-Bridge, ich rupfte am Gras, konnte Miyuko nicht fassen, nicht anfassen, weil die Distanzen uns verwoben hatten, ihre Hand so nah und warm an meiner Hüfte, ihre Stimme eine wippende Ähre hinter meinem Ohr, ein Schmelzen von Haut und Kosmos, ein Ballen von Mangel, hättest du sie angefasst, hättest du die Weite aufgerissen, Lichtjahre von heute. So zittern Steine von dem Leben der Toten. Noch hier im Wakan, lassen sich nicht beruhigen. Stöhnen ist nicht erlaubt, / soll ich es dir sagen, / und gibt es auch keinen Winter, / so macht das noch keinen Sommer, / so rupfte ich an den Gräsern, Liebstöckel, bummel und laibe mit mir im Gras, Wollkraut, Königskerze, Kermesbeere, Holunder, ein Zerren und Zupfen, und ich höre noch Miyukos Worte wie die Namen zischen – atti, atti, –, sie längen sich hier im Wakan wie das Licht von den Sternen, über Lichtjahre gealterte, gereifte, wahnsinnige Tränen, ich erinnere mich an die Trauben, die hinter meinem Ohr schmelzen, harzig ist ihr Schmelzen, ein Knistern hinterm Ohr dringt in mein Ohr, die Haut wellt sich mit dem ganzen Schläfenbein, hebt sich aus dem Körper, ich erinnere mich, noch hier im Wakan, und ich rupfte an den Gräsern, ich bin ins Wakan gelaufen mit diesen blossen Füssen, und das Kielschwein meines ganzen Körpers hebt sich aus meinem Leben, ein Einbaum aus Schläfenbein, ausgehöhlt von Miyukos Stimme, bin ich denn so weit gelaufen, um so nah zu kommen?
Warum hat Saul dieses Volk nicht vom Erdboden gefegt? Warum hat er dieses Volk an der Kehle gekitzelt, um es wieder stark werden zu lassen? Warum hat der König nicht den Fluch des Herrn an diesem Volk vollstreckt? Warum hat er dieses Volk nicht in seinem Blut gesotten? SELA
Alles fällt zurück auf die Unschuldigen, alles schlägt jene, die Unrecht ausbaden; alles ist zum Zeichen für die Zweifler, alles ist Lebewesen, scheues schützenswertes Lebewesen für jene mit dem Kinn in der Hand, ein fein gesponnenes Netz erkennen sie dort, wo ich nur Fäden und Fallstricke sehe, die ich durchtrenne, die ich abschneide; alles fällt zurück auf die Unschuldigen, alles schlägt jene, die Unrecht ausbaden. SELA
Zuerst haben wir geweint, geheult, die Säfte verliessen uns, ohnmächtig sassen wir in den Toren Ziklags, dann wurden alle von Zorn erfasst und wollten mir an die Kehle, steinigen wollten sie mich, doch ich, der Wache mit der Rache, nahm sie zum Heiligen, der würde sie uns in die Hände geben, der würde sie uns unter die wütenden stampfenden Sohlen legen, da sprangen sie auf an meine Seite, wollten mitwirken bei der Gerechtigkeit, die ich anstiften würde, den Fehlern Sauls nicht eingedenk, mitmorden würden sie, auslöschen helfen den Brand dieses Volks, dann habe ich sie am Schopf genommen wie eine gute Gelegenheit, durchzog die Wüste und fand sie dort am Bechern und Zechen, denen habe ich es gezeigt, es lagen nur noch Leichendinge im purpurnen Sand, und mit den Köpfen habe ich gekegelt, alle gestohlenen lieben Menschenwesen waren noch unversehrt, das war ein Schmusen, Küssen, Beieinanderliegen, Ahinoam oben und Abigajil unten und umgekehrt, das war Davids Beute. SELA
400 Lebewesen konnten fliehen, 400 Lebewesen wurden verschont, 400 unschuldige Mitgehangene und Mitgefangene sind noch am Leben, 400 Lebende sind am Leben von diesem Volk, können von Gerechtigkeit erzählen, von diesem Volk, das aus der Wüste muss, um Leben und Recht zu finden. SELA
Alles fällt zurück auf die Unschuldigen, alles schlägt jene, die Unrecht ausbaden; alles ist zum Zeichen für die Zweifler, alles ist Lebewesen, scheues schützenswertes Lebewesen für jene mit dem Kinn in der Hand, ein fein gesponnenes Netz erkennen sie dort, wo ich nur Fäden und Fallstricke sehe, die ich durchtrenne, die ich abschneide; alles fällt zurück auf die Unschuldigen, alles schlägt jene, die Unrecht ausbaden.
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(Bild aus dem Egbert-Psalter, 10. Jahrhundert; gemeinfrei.)
Lange habe ich den Mund verschlossen vor dir, geduldig habe ich meine Lippen aufeinander gepresst, denn ich wollte dir nicht schaden, ich wollte dich nicht wandeln, im Wandeln dich nicht verletzen, ohne Harm wollte ich dich lassen, so lange warte ich schon darauf, die Rüstung meines Mundes abzulegen, gegen dich mit meinem Wort ins Feld zu ziehen, die Hoffnung hat das Schwert geschmiedet, dein Zögern und Zaudern hat den Stahl abgekühlt, scharf ist sein Mund wie die bittere Frucht der Liebe, heisst ist sein Mund wie eine Flamme, ich werde dich damit schlagen, ich werde dir damit Wunden reissen wie die Bärin, die ihren Wurf verteidigt, doch halte ich immer wieder inne, hast du mich angesteckt, hast du das Wort vom König verdorben, hast du das Wort des Königs abgestumpft, das ein einziges schnelles treffendes sein soll, ein Leid zufügendes, ein Flächenbrand über Generationen im Körper meines Volkes auslösen wird, hustend und um Atem ringend werden sie durch die umwölkte Gegenwart torkeln, nur um sich in der Vergangenheit wiederzufinden, ein solches Wort will gut gesprochen sein, eine solche Tat will gut erwogen werden, nochmals will ich es mir verkneifen, seine Kraft einschätzen und seine Macht stählen, ich will dieses eine Wort noch in meiner Scheide stecken lassen, ich zweifle, ob es bereits genügend geschliffen ist, will es noch einmal besehen und gewichten, den Arm meiner Zunge stählen und üben, denn ich fühle meine Leber schwer in meinem Bauch lasten, schwanger ist sie mit Unmut und Groll, und meine Nieren sind zerschlagen von der Erwartung, meine Nieren wollen in deiner Galle baden und triumphieren, ein gutes Wort, eine gute Tat will ich wetzen in meinem Herzen, und hörst du nicht mein ruheloses raues Brummen und Summen, das Volk meiner Worte, sie alle warten auf ihren Flug, auf ihre Blüte, spürst du seine lullende Kraft, seine betäubende Macht, denn Schmerzen sollst du nicht leiden, wenn ich das Schwert aus meinem Mund an deine Kehle lege.