Das ist der Hinterbau von etwas Das so stark wie nichts ist Das ist die Abwesenheit von etwas Das mit keiner Übung bezwungen wird Es ist das zusammengezogene Schweigen einer Armee Die dem Frieden entgegen geht
Ich kaue auf der Haselrute Die ich zur Angel bestimmte Ich maule mit dem ganzen Kiefer auf der starken Luft Um ihrem braunen dicken Blut die letzte Würze zu nehmen Die noch nach Heimat zu klingen vorgibt Ich schaue auf den Hinterbauch von etwas
Ich hauche meinen Sinnen Verse ein Hart wie Hufe und weit wie Linnen Ich brauche schon kein Hinnen mehr Das mich mit gefügiger widerstandsfreier Zeit nährt Ich schaue hinter die Schwarze Mauer Wo das Lauschen aussen liegt und das Geschehende hinten
Im gläsernen Murmeln der Schwarzen Mauer Klingt das erdige Gurgeln der Schlafenden Und das würgende Schnalzen der Schlaflosen Ich schaue hinter die Schwarze Mauer In der das Licht meiner spröden Mutter rauscht In der die Schatten meines fluchlosen Vaters gebauscht
Ich baue hinter der Schwarzen Mauer eine erste Zeile Eine erste Strassenzeile Aufquellend aus dem ersten Stein Den ich ins Safranwasser des frühen Morgens geschleudert Lampione Ochsen und rauchende Pfeifen Kinderpatschen Röckerauschen und Speckschwarten
Ich schaue in die Sintflut Ich baue auf ihre Ringellocken und Würgewirbel Eine weitere Zeile Die auf eigenen Beinen steht Das heiter leichte Gerüst eines Turms In dem ein Summen haust
Ich kaue mit jedem Zeichen die Sintflut in Gerüche und Gestecke Und entringe ihr das lange Eingeweckte Und verschlinge ihre kantenlose Gestalt Die vom Qionglai Shan gezehrt hat Woher die bunten Breitgesicht-Horden einfallen Mit jeder Letter haue ich aus der Sintflut einen Zaun
Ich schlaue mich in die Sintflut Jeder meiner Seufzer gilt dieser gelben und blauen Stätte Die eine Stadt zu werden verdient hätte Aus der ich meine Verse wie Kinderköpfe ziehe Aus der mich meine ungebetenen Präsenzen speisen Aus der meine unerhörten Absenzen reissen
Ich kaue auf den Sprossen der Luft Ich baue aus den Stämmen der Luft Verheerende zuerst verlorene Zeichen Die vorsichtig schwingen und singen Nachgiebig nisten in meinem Gewissen Wo fernschwindlig ein Ort auf mich wartet
Ich pfaue die Marktstände entlang der Strasse Mit fast wütender Vorsicht Die Fleischverkäufer ermutigen meine schüchternen Schritte Einige werfen Innereien nach mir wie Matrosen Taue werfen Die Fischweiber reissen ihre verkniffen berechnenden Augen weit auf Und gurren mir entgegen und hinterher wie einem Palastschranzen
Ich schaue hinter die Sintflut Wohin weit die Schwarze Mauer ihren Schatten hinschlägt Die Hand eines zornigen Gottes an der herbstlichen Wange Einen hauslosen Menschen Und in diesem schorfigen Schatten glänzt Zinnoberrot diese erste Arterie einer Stadt.
Das Innenfutter der Generäle ist das Kichern eines gekitzelten Kindes Nach wenigen Sekunden hat es keine Kraft zur Gegenwehr mehr Ist eine zuckende Fliege oder ein zuckendes Würmchen Das überm Schatten der Fische dahinfliegt Und die Fische trauen sich aus dem Schatten
Das Innenfutter des Bauern ist der nächste Tag Der sich im Osten kräuselt mit Graupel und frühem Frost Der immer ein unversprochener ist Aber immer ein ausgleichender Wenn auch nicht im Sinne von Erwartungen
Das Innenfutter der Mütter ist die Völlerei ihrer Kinder Ach diese ersten Klammerer Gelb und runzlig werden Gesicht und Brust Der unstillbare Durst und der unstillbare Hunger Auf einen Menschen geworfen
Das Innenfutter der Landstreicher sind die ersten warmen Tage und die letzten warmen Tage Wenn der Frost nicht mehr und noch nicht droht in den härenen Nächten Wenn die Mücken noch nicht steigen und geigen Wenn die Bauern erschöpft vom Winzer Zuversicht und getröstet von Ernte Vertrauen fassen Wenn die Wege sich ins Fett von Blüte und Frucht zu schneiden beginnen
Das Innenfutter der Poeten ist die erträumte Einsiedelei Unweit der Ockerhöhlen von Gongyi Im klebrigen schweifenden Nebel eines luftigen Hügels In einem gut gedeckten aber wandlosen Hüttchen In durchtränkten Kleidern über das leicht reissende Papier gebeugt
Das Innenfutter der Söhne ist der erstickende väterliche Verrat Wenn die Taten nicht den Talenten folgen Wenn die Bärte niemals spriessen werden Wenn das Haus verlassen liegt Denn ein Vater fürchtet seinen Sohn
Das Innenfutter der Nebenfrauen ist das Flüstern der Mägde überm neuen Bauch beim Ankleiden Die Übelkeit und die Schwere einer Fröhlichkeit vor Honoratioren Das Verbeugen vor den Gästen eines Banketts Das flüsternde Klammern des Fürsten erlöst nicht Und im knisternden Schatten lauern die Ermahnungen der Mütter und die Vorwürfe der Väter
Das Innenfutter der Töchter sind die lachenden Geschichtenschritte der Väter Denn auf Erzählmirdochwas kommt immer was Und die Lücken des Schweigens sind Lichtungen des Beginnens In denen Verhärmtes und Entferntes aufquillt Schatten für das Licht ihres Lebens
Das Innenfutter der Flüchtenden ist der Schnee auf Pässen und der Ruf der stolpernden Gendarmen Das seelenlose wärmende Holz der Abwege Das hungernde Warten in Schneewehen und hinter Holzstöcken Der rosa Schein einer fernen Stadt Der letzte Schritt deines Freundes an deiner Seite
Das Innenfutter des Königs ist die welke Brust seiner Schwiegermutter Die mit leisem Singen ihm den Schlaf bereitet Der ihm angesichts ihrer Tochter fehlt Das Reich ein vom Ärmel dieser Tochter fast blankgefegtes Spielbrett Auf dem am Rand die pergamentenen Einflüsterer huschen
Das Innenfutter von Frieden-Immerdar ist das weit entfernte Donnern von Hufen Das Kreischen verlassener Frauen und Kinder Das Rumoren des Windes in den Ruinen der Dörfer und in den Worten der Ältesten Das Röcheln der Verwundeten und das Wimmern von Versen In den letzten Tagen vor dem Anfang einer neuen Neuen Ära.
Es kommt niemand Die Auswege sind aufgebraucht Die Ausreden ausgelaufen Erschöpft ist der Vorrat an Lügen Die aus Verletzung und Scham den Hochmut stärkten
Von blankem Gelb fliesst der Miluo Unerschütterlich schüttet es in die grünen Dulder Büsche Bambus Eschen und Martinsvögel Mein Bauch ist eine Mühlen-Mulde Vom rollenden Hunger ausgeschabt
Wo sind die Hütchenträger hin und wo die Doktoren? Will ich mir wirklich entkräftet und verlassen Nochmals Malepartus zusammenlügen Einen Schatz in den Dornen Der mich den Klammerern entreisst?
Ich hülle mich in Seegras Ich schlürfe aus den Pfützen Ich kaue auf dem Süssklee Ich schmecke an Stämmen die Spur des Fuchses Der vom andern Ufer aus meine Nächte durchlacht
Ich finde mich in den Armen des letzten Klammerers wieder Kauend auf einem bitterfrischen Haselstöckchen Er ist ein lieber Geist Er gleicht meinem Sohn und meinem Vater Die beide keine solchen Arme hatten
Hätten sie solche Arme gehabt Kein überbordender Strom hätte sie aus dem Leben gerissen Kein überbordendes Leben hätte sie aus der Erinnerung gerissen Doch die einfältigen Menschen zittern und maulen Auch wenn dem letzten Klammerer die Ohren gänzlich fehlen.
Den Bergen übergestülpt eine braune Haube aus geronnener warmer Milch Die Ziehväter-Kiefern schwanken ausgiebig im Freundschaftswind Die Augenbrauen des Nebels zittern überm Safransand Das Knäckebrot des Kahns in feuchte Krümel gebrochen
Erstmals befeuchtet Regen meine ausgerungenen Lippen Ich brauche keinen Spiegel für meine einsamen Gebärden Steinknäuel in meinen Knien und altbackene Fransen dort Wo einmal Chao Fen yen über die Dornen hinweg mir die Hand reichte
Über die Dornen der Sintfluten und Einfälle hinweg Täubchen im Flug: im peitschenden Regen erhebt es sich Über den trüben Spiegel des Flusses und leuchtet wie ein Brot Wie ein Wort aus dem Mund einer über die Reissprösslinge gebückten Bäuerin
Verquollene Gelenke und Reissen im Rücken und faulende Zunge Auskunft für eine weitere Li und Aussicht auf feuchtes Strohlager Ein Blinken im Auge wie die spritzenden Schuppen eines Karpfens Und aufgebrochene Hände die aus dem Kiesrascheln kommen
Wo einmal die Musse wie eine Schule Delfine in Ufernähe spielte Und meine ausgesungenen Freuden sich hoben wie Röcke im Tanz Und erstmals die Knöchel zu sehen waren hell aufblitzend Wie das warme dampfende Innere einer Wurzel
Ich kaue auf den Namen meiner Freunde herum Ich wälze meine Zunge wie einen schmelzenden Käse Ich breche in Lachen aus in den kitzelnden Sonnenstrahlen Ich rufe über den überbordenden Fluss hinweg
Einzelne Silben und einzelne Stunden und einzelne Atemzüge Ich bemüssige mich des Sitzens und ich schaue nicht aus Nach einem rettenden Boot oder einer treibenden Insel Die Berge erheben sich wie die Glatzenstirnen der Doktoren am Hof
Ich habe nicht rinnenden Sand in den Händen Schwer und rötlich klumpend wie das Blut ausserhalb des Körpers Der Fluss hat seine Aufgabe des Spiegels aufgegeben Die Berge warten wie Eierköpfe mit ihren Nebeldeckeln auf Beschlüsse
Der Strom ist eine altersgelbe rollende Schriftrolle Von einem unzuverlässigen ausdauernden Pinsel beschriftet Und ich sehe den Reiher fliegen und den Raben Denen das Warten nicht geschenkt wurde
Hier gibt es weder Kaiser noch Hunnen oder die schönen Bewegungen Von schmalen Handgelenken in weiten Ärmeln sind hier nicht Die einzigen Zeichen für Beziehung stehen in meinen Gesichtsfalten Die wenigen geäusserten Worte sind stampfende Kinderfüsschen
Meine Lippen springen auf wie aufmerksame Ammen beim ersten Schrei Mein Magen ist der zerknüllte Gesetzesentwurf Meine Zunge der zerrissene Ehevertrag Und im schnell wachsenden Bambuswäldchen der Geduld verirrt sich selbst die kundige Angst
Denn nichts meine Lieben ist ungewiss auf den Pfaden ins Hinterland Die voller zerbrechlicher Entscheide und wilder Gleichmut sind Denn nichts meine Lieben ist als Hunger zu ertragen Wenn du an die vollen Gassen von Friede-Immerdar denkst
Wo die plötzlich aufschiessenden Hühnerdiebe an die Kurtisanensänften Und Gemüsekarren stossen und an den herben Duft der Suppenküchen Und Poetenstübchen an die in die zischende Stille schneidende Stimmes eines Herolds An die stumpfe Stille der schriftlosen Gärten
Ich kaue auf es gibt Das es gibt in der Wasserwüste Dass es gibt in der Wasserwüste Mitten im Nicht-Geben kaue ich genüsslich darauf
Auf den zerstobenen Freunden Auf den zerbrechlichen Barken Auf den zerstörten Brücken Auf den zerwühlten Saaten.
Die Nussschal zerschlagen Über den Stirnen der Steine Ein weiches Weiss Nachgiebig wie Schenkelfleisch Vollgesogene zerrissene Wecken Ich betrachte das Bötchen Aufgeschlagener Kamelkopf Fruchtig leuchtet das leichte Holz Und will nicht brennen Die Steine schütteln ihre grünen Bärte Langsam rollender Tanz aus Zeit und Moos Nicken mir umflossen zu Ernst und gelassen Schiffbruch ist nichts Aussergewöhnliches Das geschieht aller Tage Hier am überbordenden Fluss Starre nur auf uns weises langsames Ungestüm Die stumpfen Zähne des Ufers Die deine Bootsfahrt Staunend zerrissen Mit offener Kinnlade kommen sahen Mit dem Greisenlächeln einer Insel aufschlugen Was noch im Innern lag Und nun schau über das Dotterwasser Und nun äuge durch den sahnigen Nebel Leise klappern die zerschlagenen Ruder Um die Uferglatzen Und das Rauschen des Flusses An deinem Ohr Wie das Flüstern von Federn in Kissen In Streifen hängt die Seele an dir Mein Körper weiss wie Papier Aus den Achseln wachsen mir Tintenschwarz Barteln hervor Als kitzelten mich Grashalme Rinnt der Regen über mein Gesicht Ich lasse mir den Mund füllen Von der Himmelsfülle Es gibt kein Halten mehr Das Wasser will ins Meer Wie der Mensch in seinen Tod Und in seinem Hunnenhirn rasen die Gestalten Zehntausendfach Gestecken gleich Stuhlbeine und Wagenräder Pinselbüschel und Raupenhaare Durch die Kloake von Frieden-Immerdar In deren Schaum zu baden Auszeichnung und Reinigung ist In den Morgenstunden nach einem Gelage Ergraut und zitternd Über dem Rollen Die überrollend rollen Winken die Beamtenbärte Von manchem Unwetter und Ungeschick gezaust und gelängt Im reifen Koriandergeruch Versteift auf die Satzungen Vertieft in die Regeln Kauen sie auf Menschenpfriemen Den Saft von ausgelutschter Lust und Den Schleim von nächtlichen Gedichten Das Mus von Konkubinenkichern Sammelt sich in ihren hängenden Backen Tropft in die Vorzimmer der Zukunft Wo die Aspiranten ihre Knöchel baden Ihre Pinsel auswaschen Mit denen sie kopieren Was die Gestalten verschmieren Die in den Hunnenhirnen hausen Die zehntausend Gestalten Aus zehntausend Gefässen Für zehntausend Gefährten In zehntausend Gärten Wo die alte Leier erklingt Vom gestohlenen Leben Vom verlorenen Leben Vom verflossenen Leben Wo die zehntausend Gestalten Sich im Königslob ergehen Wo die zehntausend Gefährten Sich im Rügen der Konkubinen üben Wo die zehntausend Gärten Ihre Äpfel immer höher hängen Damit die Füchse ohne Heimstatt Durchdrungen von Schläue Getränkt von Umwegen Demütig in Unterzahl Ihre Zungen stählen Ihre Verse zählen Ihre Stimme wählen Denn im Abluchsen und im Beschwören Ist ihre Bestimmung Sie entheben sich den Notwendigkeiten Den verbindlichen Botschaften Den verhärmten Liebesschwüren Füchse aus Henan Füchse aus Tokmak und Shu Füchse aus Shanxi Die unablässig und zäh Wie der überbordende Fluss Dahin streben Mit unermüdlicher Musse Denn die Notwendigkeiten Die bemühen sie nicht Wie unreine Milch fliesst der Fluss Und darüber das verklebte Grün der Kiefern Und der körnige Schmelz des Nebels Immer lächelnd in seinem Spiel Verdecken ist entblössen Enthüllen ist vorsehen Und angekommen auf diesem Elend Und angekommen auf diesem Eiland Betrachte ich das Splitterweiss meines Kahns Faserig wie Hühnerfleisch Knirsche mit den Zähnen auf dem Sand Der leise zirpt und schmeckt Nach vergangenen Tagen Nach Exilsgestaden Nach Kirschensteinen Betrachte das aufgebrochene Gefäss meiner Reise Diesen roten Lack Diese madenfarbenen Bruchstellen Und die rieselnden Erbsen des Ufers Verflossene Pflichten Entrissene Söhnchen Verspielte Versprechen Und wende mich dem Himmel zu Mit seinen Falten Die nachwachsen und nachwachsen Wie die Arme eines Seesterns.