
Schreibe an den Engel in Ziklag:
In der Tochterstadt Beerschebas sehe ich schlangenwindige Dinge geschehen,
Märchen über Märchen, Zungen über Zungen,
Prophetenworte aus Straussenmund,
ein Verbannter haust in deinen Mauern,
einem Ausgestossenen hast du deine Tore geöffnet,
dem Verbündeten meiner Feinde,
den gottlosen Schweinefressern,
einem Ismael, der die Wüste verdient hat,
einer Hagar, die keiner Lebendigen zu begegnen würdig,
an keinen Brunnen, an kein grünendes Tal hättest du diesen da lassen dürfen,
doch habe ich dir versprochen,
ich würde dir Menschen schicken, die zum Totenreich gehören,
das in der Leere vor deinen Toren liegt,
Menschen, die aus Raubzügen ihre Kraft ziehen,
die die Schlüssel meiner Städte zerstören,
weil sie Worte haben, die mir genommen wurden. SELA
Schreibe an den Engel in Ziklag:
Du bist am Tor zur Wüste in den Süden,
die sich wie ein heisser Atem vor Juda öffnet,
an der Schwelle zum sandigen Himmel,
über den die Adler ziehen,
die hinweg sich heben von den glühenden Felsen,
die nicht länger lauern über den kühlenden Höhlen,
was für ein Los, was für eine Aufgabe hast du dir gewählt,
an der Grenze zur Leere die Fülle zu suchen,
hast du daher diesen Flüchtigen aufgenommen,
der mit Engelszungen von gerechten Zeiten spricht,
der mit Seidendüften bei deinen Töchtern liegt,
seine Haare wie die Schlingen des Nachal Gera um deine Ohren windet,
seine Unterwelt-Gesänge wie ein Rückkehrer aus der Wüste stammelt,
in der Tochterstadt Beerschebas den Schwur versiegen lässt,
die Treue zum Schwur verdorren lässt,
den die Lebendige Hagar zugesprochen hatte,
den die Lebendige ihrem fröhlichen Sohn hingestreckt hatte wie einen Zweig jener Tamariske,
die sein Vater auf den rohen Felsen pflanzte,
was hast du mit Raubzügen,
was hast du mit stockenden Märchen denn zu schaffen? SELA
Schreib an den Engel in Ziklag:
Ich werde meinen Mund mit Schwertern füllen.
(Bild der archäologischen Städte Tell-a-Shera benutzt gemäss der Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International Lizenz.)

