
Ich lausche dem Flattern der Schs. Die Ruhe liegt über Wakan, ein Kristall. Und über die einfallende Nacht, die in diesen Breiten plötzlich kommt wie ein Dieb, legen die Sterne ihre Bögen: O ka lipo o ka la, o ka lipolipo / O ka lipo o ka la, o ka lipo o ka po. / Du schreibst: «Ich habe kein Interesse mehr an allgemeinen Aussagen zu mir, meiner Person und meiner Lebenserfahrung, das ist eng und bringt nicht weiter. Ich fühle mich wie eine Haut, die auf Helium wartet.» Po wale hoi, / Hanau ka po. / Es ist Nacht, / die Nacht ist geworden: ohne das Licht ist es weniger gefährlich, / hier bin ich nun, unterhalte mich, / ich fühle mich dumm und ansteckend, / lasst mich einen Trinkspruch tun… Po wale hoi, / Hanau ka po, / ich lege mich ins Gras, ich wickele / die grüne Flagge meines eigenen Gemüts um mich, sie ist aus hoffnungsgrünem Tuch gewoben,… / oder ich meine, das Gras ist selber ein Kindlein, das der Pflanzenwuchs zeugte… / alles wird enthüllt, alles wird erleuchtet: o ka lipo o ka pa, / o ka lipolipo, / po wale hoi, / hanau ka po. Ich wende mich aus dem Heilen den Träumen zu. Nicht wahr? Dem Kampf der Mütter am Jabbok. Straff ist die Haut hinterm Ohr gespannt. Zart die Zunge, die sie sucht. Es ist Nacht. Was noch zu leben ist, lass es uns entdecken. Lass uns finden, was in den Röhren der Pilze und in den Filamenten der Sterne lauert. Die Haube stellen wie der Rotkardinal, kiesen so gut wir können. Erinnern, was uns träumte, schwante, plante. Mit langen Schritten ins Ried hineinschreiten, die Egel aufsammeln und Veilchen. Das Blut des andern von den Lippen saugen. Nach dem Pochen des Herzens fassen, feucht und wild, zitternd in den Knien, schmelzend in den Lenden, am ganzen Körper Schlange. Wallalalala weija, wallalala leijahei! Den Kopf in den Nacken werfen wie ein Pianist, auf dem du spielst. Die Mütter ächzen in der fallenden Nacht, die haarig über die Furt, die trocken lag bei Tag, streiten, stampfend im sanften Schlamm. Ich höre sie singen unter ihrem Keuchen: «mein Sohn, mein Edelstein, meine reiche Quetzalfederpracht: du bist am Leben angekommen, du bist geboren, der Schöpfer und Eigner hat dich in die Welt kommen gemacht,» und es ist Nacht, wie eine Feder streichst du um mich, streichst du über mich, fliegende Sterne wirft das Dunkle hinter deinem Auge über den Schatten des Lids, tief fällt die Feder in mich ein, kühl wie ein Stein auf dem Mantel eines Schneefelds, feucht wie die Haut des Leviathans, sprühender Regenbogen sein Blas, «bist du vielleiht, wie eine Kornähre,» höre ich die Mütter am Jabbok, am Rande von Wakan, schnaufen, um Luft ringen, mit der Luft ringen, «bist du vielleicht eine Getreideähre, die was in ihrem inneren Wesen ist freigibt? Kannst du sehen, kannst du enthüllen, was du in dir drinnen hast? Gut genutzt, gut geleitet, gut gehütet im Schwarzen deiner Augen, so sei du in deinem inneren Wesen, wie in einer Brust oder einem Geldschrank,» und feucht schiesst die Stärke durch deine Glieder, durch deinen Geist, Zitronenkerne spriessen in dir, in deinen Kniekehlen, hinter deinem Ohr, alles wird offenbar, alles wird offenbar, fühlst dich blöd und ansteckend, denn in der Nacht ist es weniger gefährlich, weiss und körnig wie Mais blüht die Stärke aus den schwächsten Stellen deines Körpers, deines Geistes, deine Füsse wurzeln im Nebel deines Körpers, japsend umringen sich die Mütter, schillernder Schweiss auf ihren Rücken, ich bin der Dichter des Weibes gleichwie des Mannes, / und ich sage, es ist ebenso gross, ein Weib zu sein wie ein Mann, / und ich sage, es gibt nichts Grösseres als eine Mutter des Menschen, / ich bin Zeuge und warte, / hechelnd umschlingen sich die Mütter am Anfang der Nacht, der Vater der Erde, quellend und schnellend, po wale hoi, / o ka walewale hookumu honua ia, / o ke kumu o ka lipo, i lipo ai, / nie war mehr Anfang als jetzt, / nie mehr Jugend oder mehr Alter als jetzt, / nie wird es mehr Vollkommenheit geben als jetzt, / oder mehr Himmel und Hölle als jetzt, / du fühlst deine Haut zum Segel werden, mein Atem dein Nordnordwest, gelb bläht sich das Meer, und dein Tausendkorngewicht fliegt auf, fliegt davon, leicht und feucht, leicht und feucht, hinauf in die schneeigen wahnsinnigen Sterne, ein wahnsinniges Gesicht, ein wahnsinniges Gedicht, und die Maiskörner springen und spicken durch das Land, du schluckst ihren Hagel, bist du schon auserwählt, doch hier im Wakan, wo die Mütter gerungen haben, ist die Vollständigkeit kein Gut, der Keim ist kein Gut, die Mütter sind kein Gut, die Füsse sind kein Gut, denn es gibt nichts Vollständiges, Vollendetes, Vollkommenes ausser dem Unvollkommenen, Unvollendeten, Unvollständigen, Unvollstreckten, das ist die Kraft des Wakan, Wind an meinem Ohr, / Farbe in meinen Augen, / die Zehen tanzen, / tanzen unterm hohen Gras, / aus dem Graben zwischen uns / steigt die Hitze auf, / Tränen und Schweiss fliessen schwarz, / es öffnet sich mehr, / es öffnet sich, öffnet sich, / hell weitet sich die Dunkelheit, / wie Funken über Stoppelfelder heben die dünnen Häute ihre Röcke und laufen in die Richtung der Sonne, die sie rauben wird, in der Dunkelheit rauben wird, in der Dunkelheit rauben wird, die süssen Häute, und auch die Mütter kämpfen noch, auch die Füsse schmerzen noch, das Blut pocht in den Schläfen, ich trage die Narben als einen Schild, die Ausschabungen aus ausgehöhlter Zeit und ansteigendem Schmerz, meine Haare schützen und kitzeln meine Hüfte, ich bin ein Zelt voller Anfänge, wie Mütter im Dunkeln am Fluss, eine gekappte Losung, eine diabolische Schwäche und Hinterlist, / Einige Forscher sagen, / die Welt begann mit einem «grossen Klapf», / aber es gibt keinen «Klapf» / ohne ein «Ohr», / ohne «eine, die hört», / denn Klang ist ein Strahlstrom, / der ohne Empfänger unvollständig ist. Ich lese die Sohlen wie Stirnen, sie sind lebendig wie der Stein, der durch die Zeit gekommen ist und diesen kleinen Raum in meinem Pochen beansprucht. Umringt von den knisternden Klängen, die an mir weiden, die auf mir weiden, die für mich weiden, umringt von diesen Älteren, diesen Vorfahren, diesen Vorgängern, ein Kriechen und Schleppen, ein Keuchen und Wispern, von allen Viechern, die über der Erde mäandernde Ebenen krabbeln und sich in den Schatten ihrer Bauchfalten aufhalten, ist ein Sch vielleicht das am Schwierigsten zu findende. Du stösst nicht jeden Tag auf eines von ihnen. Das liegt nicht an ihrer Seltenheit; tatsächlich sind sie ziemlich weit verbreitet, sogar in deiner Stadt. Und doch übersiehst du sie so leicht…, du kannst dich um deine Geschäfte kümmern, ohne einer begegnen zu müssen, dieses Stirnlecken, dieses Sohlenschmecken, umringt von dem Krabbeln und Kabbeln diese Mütter der Schöpfung, als wäre meine Haut zum Trocknen aufgespannt, ich lese die Sterne wie eine erste Geschichte, ausgefaltet vor meinem inneren Wesen.
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(Mit einem Dank an AndrejC für das sehr passende Bild.)
