Zweiter Traum (9. Nacht)

Aus dem Krebelborn kommt das Öl der Barmherzigkeit
Und fliesst in einem weiten Bogen um die Stadt

An den Ufern blühen die Blumen der Unbeugsamkeit
Ein Meer aus winkenden Versprechen

Die alle davon erzählen
Wie das Nicht vernichtet wird

Das Nicht wird nicht vernichtet rüscheln sie
Es wird veretwast

Die kalten Samthandschuhe des Nebels
Streichen über die Türme der Stadt

Die Segel im Fluss leuchten gelb wie die Haut von Zitronen
Aus den Schluchten kommt der Serpentruf der Verschollenen

Die Trompeten der Vertriebenen beschallen die Strassen der Stadt
Und in der Stille ihres Schalls kichern die Kinder ungeduckt

Sie werfen sich huschende Bälle zu
Die mit Bonzen-Innereien gestopft sind

Zwischen den glühenden Wangen der Mädchen
Steigt ein Lied auf von geschmolzenen Trümmern

In der Hitze des Lieds schmilzt auch die letzte Saite
Die noch an den Wirbeln des Fortschritts aufgedreht war

In den kunstvoll gezwirbelten Schnecken der Herren
War doch ihre Herkunft nicht verborgen gewesen

In den Marktständen füllt sich die Leere auf
Mit den summenden Wörtern des Etwas

Das die Kinder als ihres erkennen
Das die Mütter als ihres erkennen

Es war einmal Nichts
Jetzt ist es vieles wie die Blumen der Unbeugsamkeit

Und im Zenit des Tages
Wenn die Sonne fast den Nebel durchdringt

Erheben sich die Purpurschlünde
Die im feuchten Grund des Krebelborns geruht haben

Um in sich weitenden Kreisen die Wüste dahinter
In der die Menschen wohnten

Abzusuchen nach Erbarmenswürdigen und aufzufressen die
Die das Nicht noch auf den Lippen tragen

Und du hörst ihr gütiges Gebrüll weit draussen
Verklingen in den Abendstunden.


(Image by Manfred Antranias Zimmer from Pixabay.)