Etwas lügen

Mit diesem neuen Gedichtzyklus möchte ich ein Thema vertiefen, das in den „Ginkakuji-Variationen“ erstmals in der Gestalt des japanischen Gottes Susanoo aufgeklungen ist. Es handelt sich um das Thema des Trickster-Gottes oder Trickster-Helden.

Ich sehe diesen Zyklus als Fortführung eines poetologischen Textes, den ich in den Corona-Jahren 2020 und 2021 begonnen, aber nie zu Ende geführt habe: „Die Geschichte der Ironie“.

Dabei verstehe ich den Titel doppeldeutig:

  • einerseits meint der Titel, was er sagt: es geht darum, mit der Lüge etwas zu bewirken;
  • andererseits soll die Lüge auch als poetische und schöpferische Kraft gewürdigt werden, die „etwas schafft“: also „etwas lügen“ heisst hier auch „etwas schöpfen“ oder „etwas machen“.

Der Zyklus ist in die 6 Typen des Tricksters unterteilt. Derzeit arbeite ich am ersten Teil, der sich der Ambiguität widmet. Dafür habe ich die Figur des chinesischen Dichters Du Fu gewählt. Ich schildere seine Not und seine Ausfluchten, als er die letzten Tage seines Lebens durchleidet, von Hunger und Angst gezeichnet.