
Der Tag erstarb; am Ufer war’s, am Meer, das schäumt.
Ich hielt die Tochter an der Hand – ein Kind, das träumt,
Ein Geist, der schwieg im Lauf!
Die Erde neigte sich, dem lecken Schiffe gleich,
Sie drehte sich im All, taucht ein ins Schattenreich.
Die Nacht stieg fahl herauf.
Die bleiche Nacht hob aus den Wolken ihre Stirne;
Die Dinge schwanden schon, ergrauten, wurden minder,
Ein formlos-blasses Weben.
Wenn Schatten steigen, liegt bald Asche über allem;
In gleichem Masse fühlte man die Trauer fallen,
Die Schmerzen sich erheben.
Die da mit Denker-Aug Natur betrachten, sahen
Von hoch die Urne, vage dunkle Öffnung, nahen,
Sich überm Himmel neigen,
Und giessen auf die Berge, auf die hellen Felder,
Die wirren Fluten, die erfüllt von tiefen Reden,
Den Abend aus, das Schweigen.
Es krochen Wolkenbänder übers Vorgebirge;
Die Seele, wo sich Schatten mit dem Scheinen mischte,
Sie fühlte unbestimmt,
Entsteigen diesem Meer und auch der ganzen Erde
Und unter Gottes Aug ich-weiss-nicht-was, was Strenges,
Erhabnes, was sanft stimmt.
An meiner Seite ging die Tochter, die ich liebe,
Die weite Nacht, wie Rauch kam sie heraufgestiegen.
Ich träumte, wie ich bet
Zu dir, mein Herr, ich sah und schlug die Wimpern nieder,
Den Schatten, der entsteht in unserm Denken wieder,
Wenn deine Sonne geht.
Da sagte dieses Kind, gesegnet ist’s, ich fühle es,
Ich hielt es an der Hand, und meine Seele hielt es,
Ein Engel, der fast Frau,
Und zeigte auf das Wasser, die Küste braun und herbe,
Und dort zwei Lichterpunkte, auf der Düne bebend,
Sie sagte, Vater, schau,
Schau doch, da drüben, wo die Schatten hangwärts robben,
Die Zwillingslichter leuchten wie ein Lampen-Doppel,
Bewegt im starken Wind!
Was sind die beiden Heime, dort im Nebel fern?
– Eins ist ein Hirtenfeuer, andres ist ein Stern;
Zwei Welten sind’s, mein Kind!

