Auszureden ist es nicht:
Die Karussell-Stufen schlingen sich um dich wie ein Kind das dich lange vermisst hat
Die ausgewürgte Scham steigt aus deinen Augen mit ihrem Ebergesicht und den Kakerlakenfüssen
Die früheren Zeiten streiten nicht mehr mit den kommenden Zeiten
Die letzten Gedanken vor dem Schlaf sind Mutterbrüste voller lächelnder Kehrichtdeponien
Und unter das Dach deiner Gedichte hat noch kein Wurm sein Erdhäufchen hingebracht.
Kategorie: Sommergedichte
Lagrimas Negras
Sein wie
Der Mann im morgendlichen Park
Der zuerst im Nebel und dann in zunehmender Sonne langsam ausschreitet
Fast im Tanz
Die weissen Kopfhörer gut eingesteckt
Als seien es Wurzeln der Realität
Die sich aus seiner Jackentasche windet
Bedächtig und bedacht schreitet er aus
In seiner rechten Hand hält er eine Bierbüchse
Den ganzen Morgen hält er diese Bierbüchse in seiner rechten Hand
Grade wie sein Rücken und geht
Rund und rund um die Rasenfläche herum
Den ganzen Morgen
Sein wie
Das blonde Strubbelmädchen
Vier Jahre etwa
Das mit knarrender und krächzender Stimme
Miniaturrabe
In den Morgenpark hineinläuft
Schiesst und fuchtelt und kichert
Entgegen der Warnung der hochschwangeren Mutter auf hohe Steine kriecht
Sich unter unserem Tischtennistisch verkriecht und herausschiesst wie ein Eichhörnchen
Sich vom Ball ablenken lässt und ihn wieder lässt
Sein wie der alte Herr mit Krawatte
Jetzt im hellen schrägen Herbstmorgenlicht im Park
Mitten in der Matte
Seine Gitarre glänzt und sein Haar
Seine Gitarre trägt nicht weit
Aber seine laute tragende Stimme
Er singt in das Grün hinaus
Spanische Weisen
Die Sonne im Gesicht und ernst
Als ginge es um Brot und Leben.
Mehr als der Wall
Ich bin mehr als der Wall
In dem ich bin.
Ich bin weniger als die Wut
In der ich schreibe.
Ich bin die Mühe um Wind
Und mehr: eine Kaskade über dem schwarzen Gestein
Das in mir immer noch widersteht einer Berührung
Einer Rosenaufzucht
Und unter dem schwarzen Gestein die Dornen der Hecken im Spiegel der Zeiten
Und unter den Dornen die Bise der Abwendung.
Aufgewirbelt ist die mutlose und richtungslose Wut
Zerfetzt das Zahnfleisch der Betriebsamkeit und auf dem Wall
In dem ich hause
Schneidet meine Lunge tranige Brocken Zeit von meiner Freiheit ab.
Brackwässerige Augen sind eingefasst in die roten Wangen Adams:
Ich bin mehr als die Wut mit ihren Wurzeln in der Scham
Ich bin weniger als der Wall mit seinen Backensteinen aus Schuld
Und mehr: ich bin das Grausen der Trittsicherheit und
Die Speise des Aufstiegs.
Ich bin der Vorkoster des Abschieds und der Kataster von den krallenwerfenden
Anfängen diesen sturen Böcken
Die mitten in der Nebel-Matte stehen und die Hörner senken
Und harre katatonisch mit einem leichten Zwinkern auf den Wind
Der durch die Lücken meines Walls und in die Röte meiner Wut führe
Und kaue mit dem nötigen Schwindel am Zuckerrohr
Das aufgeschossen ist in meinem schweigenden Rücken
Verkrustet von den fehlenden Händen.
Der Blick deiner Katze
Meine Katze betrachtet mich:
In ihrem Blick
In ihrem langsamen Blinzeln
Sehe ich all die abgebrannten Scheunen in den überfluteten Träumen stehen
Die Löwenscherze meiner Bedürftigkeit –
Was hatte ich nicht alles eingenistet in diesen Lotterläden für meine Gedichte
Die sich niemals zu einem Gebet hinaufschwingen konnten
Hinaufschwingen können würden zu einem Gebet
Das da oben wie eine Klinge im Herbstregen sauste
Und ich sehe im Blick meiner Katze den Blick eines Wesens ohne Hoffnung
Weil Hoffnung etwas für den Menschen ist
Eine Art unendlicher Faden an dem zu ziehen der Mensch geboren wird
Um endlich am Ende des Fadens vielleicht
Eine Fliege oder eine Pfauenfeder mit dem Auge Allahs oder wenigstens
Einen Haken zu erlangen
Der leicht zu verschlucken ist und mit den ersten Rucken dann doch zu schmerzen beginnt
Aber leicht oh leicht sind die ersten Rucke wie ein Blinzeln
Und du tauchst ab und reisst alles mit dir mit in die Tiefe der Stille deiner Wohnung
In die fraglose Tiefe deiner Armut
Die wie immer keinen Ausweg verrät
Den sie dir bereit hielte für den Falle eines zu erfüllenden Gebets
Das dich abschnitte von diesem Faden an dem zu zerren du berufen bist
Und in den Augen der Katze siehst du die Unempfindlichkeit für deine Tränen und Seufzer und dein Lachen über deine Lage
Und während sie sich abwendet und die Scheunen mitnimmt und die Haken und die Regentropfen und die Tiefe und die Wünsche deiner Kinder
Hat das Gedicht schon begonnen wie eine Ankerkette.
Dein Traum
Ich habe ein Haus
Ich führe dich herum
Es hat so viele Zimmer
Ich gebe nicht zu
Dass ich einige noch nie betreten habe
Ich glaube sie entstehen vorzu
Das Haus wächst aus sich selbst heraus
Ich bin gerührt und beschämt zugleich
Und erfinde Geschichten und Erfahrungen zu den neuen Zimmern
In den Ecken der Zimmer liegt etwas wie silberner Tau oder Kaffeeflecken
Ich zeige dir auch dein Kinderzimmer wie es war bevor du auszogst
Der riesige braune staubige Teddybär hockt wie ein Gräuel im Tempel deines ungemachten Mädchenbetts
Als wollte er dir und mir den Zutritt verweigern zu unseren Kindheiten
Schnell führe ich dich ins Zimmer nebenan
Räume einen Grossmuttertisch frei
Damit du deine Musik schreiben kannst darauf
Deine Musik für meine Schreibteppiche
Die ich dir nun zeige im neueren Teil des Hauses
Das immer weiter wird und sich ausdehnt wie eine Lunge
Israelischer Bauhausstil sagst du anerkennend und drehst dich verwundert hin und her in den lichten schlichten kaum eingerichteten Räumen
Die alle auf einen schillernden Wald hinausgehen
Auf eine Moorküste mit hoch aufgeschossenen verdorrten rindenlosen Espenstämmen
Du willst dich vor diesem in der Nieselsonne glänzenden Gebiss abwenden
Doch ich drehe dich um und bitte dich
Schau genau hin
Denn aus dem Moor steigen Nebeltücher und bilden Gestalten
Frauen und Männer und Kinder
Und ich führe dich
Bevor du sie noch erkennen kannst
Eilig weiter in das Männerzimmer
In dem die dumpfen Gespräche auf Perserteppichen geführt werden
Von ratlosen Gesten und Farsi-Gedichtfetzen und keuchenden Seufzern begleitet
Sascha Dimiter Cebrail Matthias Marc Vinzenz
Doch ich führe dich weiter in eine grosse Halle mit Oberlicht
Hier hängen die Porträts meiner Familie
Sogar die Kinder meiner Kinder stehen dort umgedreht an der Wand
Und ich führe dich zu einem Bild
Das jetzt denn plötzlich ist Nach geworden
Besser als die anderen ausgeleuchtet ist
Und ich sage
Das ist Heinz
Und ich reiche dir eine der Phiolen
Die unter dem Bild
Die unter allen Bildern in kleine Holzgestellte gesteckt sind
Und nehme mir auch eine und
Wir trinken daraus in kleinen Schlucken
Zögernd zuerst und dann immer gieriger
Entscheidungen
Keine Ausreden
Das bin ich: entschlossen
Zu einem Weg
Sogar abseits von euch
Ich kann euch nicht unterhalten
Ich kann ja kaum mich selbst unterhalten
Und in dieser Form kann ich euer Vater sein
Nur in dieser Form ist mir dies möglich
Wenn wir etwas mit Papa machen
Weiss ich etwas Spezielles beginnt
Etwas Wundervolles oder schrecklich Misslungenes
Ein Abenteuer schrieb meine Tochter
Als sie etwa 12 Jahre alt war
Aber ich bin keine Hilfe
Wenn ihr Kleider bracht
Oder neue Sportausrüstung
Doch sofort für Bücher
Immer für Bücher
Schaut nur meine Kleider an
Sie sind so alt wie ihr
Ferien mache ich fast nie
Weil sie mich nur noch ärmer
Nur noch hilfloser machen
Und ich ja lieber Ferien mache
Dort wo die Fantasie wohnt
Die ist ja umsonst und kostet
weder Geld noch Anstrengung
Ich liebe mein Bett und meinen Balkon
und meine drei Kugelschreiber
einer davon das Geschenk meiner besten Freundin
und meine vollzukritzelnden Hefte
meine in enger ununterbrochener Schrift vollzukritzelnden Hefte
die immer anspruchsloser und billiger werden
Und vergesst nicht
Dass ich euch nicht verlassen habe
Dass ich nicht euch verlassen habe
Wie lange hat es gedauert
Bis ich euren Verlust in meinem Kellerloch genügen wiedergekäut hatte
Dass er schon fast angenehme geschmeckt hat
Auf meinem Herzen – dass ich zwar
Diese mindere Leben führe
Das euch vorkommen mag
Als verweigere ich Verantwortung
Aber für euch dieses Leben führe
Damit ihr wisst
Es ist möglich
Für sein Talent
Arm zu sein
Andere Ziele zu haben
Als mit Arbeit Geld zu verdienen
Rechnungen zu begleichen damit sie beglichen sind
Das ist möglich:
erfolglos und ohne Anerkennung zu schöpfen
Einfach weil ich es kann
Einfach weil ich es liebe
Einfach weil ich es will
Und mit jedem Gedicht
Auch mit diesem
Das wie ein Testament ist
An Reichtum zu gewinnen
Es ist möglich für euch:
Glücklich sein
Hat mit Aufgabe zu tun und
Mit Absage und mit Liebe für das
Was ich gut kann
Was ich allein tun will
Für das was ohne Lohn ist
Für das was niemand etwas bedeutet
Das Schreiben ist meine Art zu lieben
Und auch der Ort wo ihr mich
Immer finden werdet wenn ihr denn
Schliesslich Hinfindet.
Flughafengedicht mit Hilfe von Nikki
Vom Rollfeld aufs Rollband
Aufs Laufband an Töpfen mit Plastiknatur
Vorbei und an Bildschirmen
Bildschirmen in Händen
Bildschirmen an Wänden
WE ARE CONSUMED
Bildschirmen auf Pfählen
Bildschirmen auf Dächern
Und die Kinderaugen wurzeln darin
Und die Zeigefinger reden damit
Kein Joch ist zu sehen
Und doch beugen sie ihre Hälse –
WE ARE CONSUMED BY PEOPLE
Und Kilometer um Kilometer wandere ich vorbei
An nicht essentiellen Gütern ich die
Nicht essentielle Person
Aufgebahrt zum Opfer
Für Gaumen und Magen
Für Handgelenk und Drosselgrube
Für Intimbereich und schönen Schein
Für den Ausbruch aus der dunkeln Einzelkammer
Und die Trinkfontäne ist versiegt
Doch der Boden rundherum glitschig
WHO SING THE SAME OLD SONG
Und ganz am Ende der Wanderung
Doch noch essentielle Güter
Für jemand nicht essentielles wie mich
Dick verpackt in aufgedrehte Bässe
Vielleicht um abzuschrecken
Und überflutet von zerbrechlichen
Leicht ersetzlichen Dingen
Bücher auf Tischen mit
Blutigem Fleisch oder schleimigem Fisch
Kerouac begrüsst mich mit grosser Selbstverständlichkeit
Als wohnte er hier schon sehr oder allzu lange
Rumi auch und Salinger
WE ARE CONSUMED BY PEOPLE WHO SING THE SAME OLD SONG
Und auf dem Weg zum Gate
Nach dem Abschied von Heimat
Dem Wesen im Wort
Das Bild wird in der Geschichte
Und nach dem Waschen der Hände
Das wie eine Neugeburt wirkt auf meinen erschöpften Zustand
Ein Gedicht aufsagen im Takt des eigenen Schritts
Les Assis oder Die Ballade von des Cortez’ Leuten
Leise und vernehmlich wie ein Selbstgespräch
WE ARE CONSUMED BY POEPLE WHO SING THE SAME OLD SONG
STAY und in das Flugzeug treten STAY
Wie auf eine Brücke STAY
Mann in der Schwebe
Ein Ding ruft auch
Ein Ding redet auch
Ein Ding will mich greifen
Ein Ding will mich ergänzen
Gut machen
Ein Ding ist wie die Haarbürste meiner Tochter
«Papa das ist Kohlenstoff
Weisst du das nicht?»
Da bleibt was hängen
Darin sind noch die Bittervanillehaare
Grau wie der Bauch eines Hais meiner Frau
Ein Ding ist lange her
So lange leer
Und mit einem Mal weine ich darum
Nicht einen Abschied zur Sache machen zu können
Zu einem Wirtshausschild
Zu einer Erinnerungsplakette
«Hier wohnte…»
«in diesem Haus…»
Eine haardünne Linie zwischen Wasser und Staub:
Und die Zecke kriecht beharrlich über das Fenstertischchen im Zug auf mich zu
Was: wieder eine Zecke?
Woher kommt diese Lebensform
Die nur auf Klammern angelegt ist,
wie du es einmal warst
und auf das Saugen
Aussaugen wie sie von dir behauptet hat
Und von deinen Pheromonen angelockt kriecht dieses uneinsichtige
Uneinsichtbare Wesen das du wie ein Ding von dir wegschnippst
Haarschuppen oder Platanenwolle
«Sie Herr Füglister gäll
Daraus kann man Kleider machen»
Ja und Teppiche
Und Dinge rufen auch
Wie sie gerufen hat und ruft
Wie sie mich
Wie du
Wie sie müde
Wie du müde
Heimkehrt habe ich mir oft vorgestellt
Und ich beobachte die Liebenden
Wie sie Gesten tauschen durch das staubige Fenster und mit den Lippen Laute vormachen
Die auf keine Sprache zurückzuführen sind
Es könnte auch Hebräisch sein oder Griechisch
Eine dieser Sprache vom Anfang einer Welt
Plüschig und schaumig
Kehlig und mehlig
Und du blickst auf seine Lippen
Auf seine gerüschten Lippen
Und sie ruft mich
Aber ich habe keine Ohren für sie
Aber ich habe keine Ohren mehr für dich
Meine Ferne ist in die Ferne gerückt
Wie ein Insekt mit seinem Willen wenn du das Willen nennen darfst
Noch nennen darfst
Sie klammert sich an das Papier
Mit dem du sie wegzuwischen versuchst
Einen Moment ist dieses Lebewesen
Das du Ding zu nennen wagst
Denn keine Augen siehst du daran
Denn nur dieses Vorwärtsdrängen Vorwärtskriechen
Und ich achte sie für ihr Rufen
Aber ich habe keine Kraft mehr für das Achten auf ihr Rufen
Es mir zu viel
Ich sage es laut
Es ist mir zu viel
Die Lippen erinnere ich
Die fern harrten unter dem Vaselineschutz und
Wie Schlussstriche unter meine Rammzunge
Du siehst ich bin immer noch verdeutlicht in
Bemühungen zu dir selbst hier im Zug mit den
Schäumenden Augenbrauen und den haarigen Lippen des Liebenden mit gegenüber
An denen ich immer wieder festhänge wie die Zecke
Ich brauche diese Rufe
Und habe die Bücher aus der Schuhschachtel am Strassenrand rufen hören
Wie ein Gruss aus meinem Leben
Denn sie wissen du bist inzwischen bereit
Bereit für ihre Botschaft aus der Zeit vor
Aus der Ferne die weder von dir weiss noch bis zu dir zu reichen vorhatte
Sie geben dir Antworten auf deine ungestellten Fragen
Sie reichern dich an diese Bücher mit einem neuen Wissen um dich
Und du hörst ihre Worte noch einmal: «ohne mich
Wärest du jetzt nicht derjenige der du bist»
Und ich danke den Dingen
Diesem «Mann in der Schwebe»
Am Strassenrand rief er mich an
Ja sie sprechen zu dir
Über den Bözberg und den Sempachersee hinweg
Über die deutsche Tiefebene und den Harz hinweg
«Sie Herr Füglister
Warum hast du zwei Uhren an?»
Die Zeit schäumt in Nichtschauen und im Nichtachten
Schleimt die Brillengläser voll
Ich ergänze viel
So viel an diesen Dingen
An diesem Gewand
Gabriel an diesem unseren vorübergehenden Gewand
Das vor meinem Antlitz sich bauscht
Und durch das sie mich ruft
Durch das Insektengemetzel hindurch:
Die Zecke liegt für eine Sekunde auf dem Rücken
Denkt jedoch nicht daran sich totzustellen
Sie hat mich gerochen und hält weiter an diesem Geruch fest
Schon tickert sie wieder auf mich zu über den Fenstertisch hinweg
Und ich denke an diese Distanz zwischen uns in der Zeit
Von Anfang an diese zögernde Distanz zwischen dir
Die ich nicht zu überwinden weder vorhatte noch lernen wollte
Du solltest kommen einfach kommen
Ganz wie eine Sache den Platz einnehmen
Und verströmen diesen heiseren Ton deiner Haare
Da fuhrst du nun und ich rannte dem Wegen noch nach
Mit dem dir zugewandten Gesicht und bereits
Ein wenig Erlösung im Herz die ich dann
Auf der Suche nach Ergänzung oder Erfüllung
In Pringles badete und im Blut
Das von Lucille tropfte.
Bekenntnis zur Schönheit
Ich liebe diesen einen Topf auf meinem Balkon
Morgens nach dem Giessen fast schwarz
Darin nichts wächst ausser
Ein paar letztjährige verdorrteWiesenblumen. Neben ihm
Steht eine verdurstete Venusfliegenfalle
Mit schwarzen dürren Blättern.
Wildes Gras hatte sie bereits vorher
Fast ganz erstickt: Es war schneller im Wuchs.
Auch das Gras ist trockengelb
Doch seine Spitzen sind noch gereckt.
Ich liebe diese beiden Töpfe sehr
Und denke an den vertrockneten Bonsai
Auf dem Regal mit den Horrorfilmen
In der Videothek an der Bismarckstrasse: Ein Schild sagte
«Winter». Ich liebe das:
Dürre und Unfruchtbares
Für nichts mehr Gutes.
Wedernoch, Nichtnurnicht
Es gibt kein Ja von mir
Du kriegst ein Nein: beschreite ich doch
Schon Auswege bevor du noch
Nachfragst: aber mein Nein ist auch
Kein Nein: weder ein Nein noch ein Ja
Nicht nur nicht kenne ich
Was war oder was kommt: auch
Was jetzt ist gibt es für mich nicht:
Sondern ich weiss um meinen immer
Tragenden Schoss mit seinem Entwederbeutel –
Sondern ich schwelle um meinen immer
Zeigenden Finger mit seinem Odersack an –
Es gibt kein Nein: du kriegst nur
Ein Ja: beschreite ich doch schon
Einen Abweg bevor du noch
Nachfolgst: ich habe mein Joch
An den Mond gehängt und mein Weberschifflein in die Ebbe:
Ich gebe dir meinen Zahn und keine Fingerspitze: sauge du doch
Am eigenen Daumen: ich schultere meinen Korb
Hoch oben zwischen den Platanen und im Seeglast des Nachmittags:
Ich bin Weide: ich bin Traube:
Ich bin Stift: ich bin Pfahl:
Ich bin Hanfseil: ich bin Schamlippe:
Ich bin Vorhaut: ich bin ein Weder
Das nochmals und nochmals besteht
Auf dem Nochnicht und Nichtschon
Auf dem Nichtschonwieder und auf dem
Machtvollen Tropfen: auf dem kräftigen Bizzen
Der dich noch würgen: der dich noch aufschlagen:
Der dich noch fortspülen wird: ich bin der Abstand
Zwischen Ja und Nein: und dieser wächst mit jedem Wort
Das hier fällt wie das erste Blatt aus der Krone:
Wie der erste Stein aus der Krone der Schöpfung:
Und im Abstand innen rinnen: rinnen innen
Meine Wesenzüge nicht nur nicht aus
Sondern führen in die Poren
Die sich wie Ohren weiten in den unbeschrittenen Breiten
Wo du noch nie warst und wirst zu mir:
Mit einer letzten entscheidungsfreien:
Entscheidungslosen Geste gebe ich dich dir.
