Die schweren Schuhe machen zuerst grosse Schritte Dann kleinere. Der Atem beginnt zu fliegen Zu flattern. Du spürst dein Herz im Hals An dem der Rucksack zieht Denn im Aufstieg neigst du dich nach vorne. Krähen fliegen über den Weinberg Vom See herauf bellen die Möwen. In deinem Rücken das karierte Tuch des Sees. Du verschwindest im braunen angehaltenen Wogen des Weinbergs Man sieht dich nicht mehr. Du beginnst deine Sprache zu behandeln wie ein Handwerker: Genau sein in jedem Schritt In jedem Laut: in kleinen Schritten trägst du deine Geschichte den Hang hinauf Mit kurzem Atem lässt sich nur das Notwendige sagen Den Blick nur auf den Boden des Wegs gerichtet Sind die Ausflüchte verflogen Denn so drängt sich der Weg auf Zwingt es dich zum Weg Hinauf in die Geschichte. Die andern Worte Die schöneren Worte und die Synonyme Die man dir in der Schule und in Büchern beigebracht hat Schnell hast du sie im Aufstieg behändigt und für zu leicht befunden Da kugeln sie wie Kastanien den Berg hinunter Ein wenig wie schwarze Katzen im Garten Hinunter zur farblosen Fläche des Sees Und du steigst weiter hinauf Erleichtert um ein Wissen Das dir nicht gehört hat Die schweren Schuhe machen ihre kleinen Schritte Zwischen den trockenen Flügeln deiner Geschichte. Dein Atem hat sich beruhigt Fuss in der Geschichte gefasst Dein Herz schlägt mit guten Schlägen Auf das heisse Eisen deiner Erinnerung. Der Berg ist noch lang und es schmerzt Den Kopf in den Nacken zu legen Der Schweiss kühlt deinen Rücken.
Ich bin schwach: aber kein Schaf. Von der Kraft eines Regenwurms: Kaum schaffe ich mir mein eigenes Loch Denke nicht einmal an die Überquerung der grossen harten Strasse Werfe getreu mein Häufchen auf Wenn es heller wird und ziehe Die herbstbeschriebenen Blätter unter die Erde Wenn es dunkler wird: ich singe nicht Wie der Schnabel der mich erntet. Aber die Härte der Strasse schafft mir Mühe. Wo ist nur Mutter Erde?
Ich bin schwach: aber kein Schaf. Von der Kraft einer ranzigen Frucht: Kaum schaffe ich mir mein eigenes Grab Hier auf der harten grossen Strasse Über die ohne Umkehr die Nacktschnecke Kriecht und oft ihre Spur nochmals kreuzt: Ihr silberner Faden trocknet glitzernd ein Wie ein Zeichen aus einem anderen Land Das niemand lesen kann. Selbst sie Scheut meine Säure. Kein Feld Nimmt mich auf. Ich singe nicht: Die Füsse auf der grossen harten Strasse Die Regenwurm Schnecke und mich zertreten Auf der wir weich und verletzlich liegen Können das ja auch nicht.
Ich bin schwach: einem verknoteten Traum gleich Zu einem Viertel zertreten und der Rest der sich immer noch windet Einem Baumstamm gleich der das Eisengitter umarmt Das ihn begrenzen will grabe ich meine Füsse in den wegrollenden Sand In das nachgiebige Fruchtfleisch der Erde Unbelehrt und unbelehrbar schwach: («du wirst noch ein verbitterter Mensch») Und von allen Seiten kommen sie Mit ihren gutbesohlten Worten Und von allen Seiten wissen sie wie zu leben Mühen sie sich zu leben wie zu leben sei Erklären mir das Warum der Kinder («Kinder wollen nicht die Ursache der Wirkung wissen Sie wollen Bedeutung und Grund kennen») Beschwören meine Vernunft («nur als arbeitender Mann Hast du einen Wert für andere») Beharren auf einmal eingeschlagenen Wegen («du beendest dein Studium Denn man führt Angefangenes zu einem Ende») Während rechts und links die Fäulnis Im dunklen Schlupfloch des Erbguts An ihrem faulenden Geist keuchen und fleuchend sich stärkt («die Frauen steigen hinauf bis zu mir Und wollen mir an den Kragen») Oder («ich lasse die Schulden Aus Spielsucht und Hurerei Hinter mir: kümmert ihr euch darum») Oder («wir schätzen andere Indem wir sie schlecht machen») Oder («ich sterbe obdachlos und frei Weil meine Geschwister keine Geschwister sind») Oder («ich fresse mein Leben in mich hinein») Oder («ich nage an jeder Entscheidung Weil Skelette sich nicht regen») Oder («ich kann mit Geld nicht umgehen») Oder («das einzige was zählt ist Geld») Oder («ich habe es ausgerechnet Ich werde 100 Jahre alt») Oder («meine Mutter legte ihr Haar über ihr Gesicht Und ich musste sie darunter suchen») Oder («da ist jemand mit einer Pistole vor der Türe») Oder («er ist wieder in Königsfelden») Oder («Verkehrspolizist – das würde noch passen für sie») Oder («Schau mal: die Frau da Die würde ich sofort ficken») Oder («Kaschdi sam sa sibie») Oder («wenn ich eine Pistole hätte Würde ich mir das Gehirn wegschiessen Und das Blut würde auf diesem roten Bild aufschlagen Und niemand würde eine Veränderung merken») Oder («sie ist eine Hexe») Oder («ich habe mein Leben vergeudet») Oder («du lebst von der Sozialhilfe Da bin ich mir sicher») Oder («ich wünsche euch Dass dieses Kind in der Gosse landet») Oder («lass den Bagger dort liegen Sonst komme ich raus und verhaue dich») Oder («ich schlage ihn hier und jetzt Damit er nicht mehr das Bett nässt») Oder («wie geht’s dem Schwartenfigger?») Und im Neonlicht hier unten Ist die Weichheit der Erde Fluch und Segen: begrenzte feuchte Sicht Und in jeder Kehre (nimmt denn ein Wurm wie ich Sein Winden wahr?) Und in jeder Windung des Weges (weiss denn eine Frucht wie ich Um ihre Lage?) Von einer unbegrenzten Durchlässigkeit Voller organischer Spuren und Vorgängen: Meiner Schwachheit allmählich mächtig In aller Mühe allmählich mächtig –
Doch da In der unklaren Sicherheit Eingerichtet wie in einem Strumpf Der Windungen zu viele Der Räte zu wenige Mitten in der raschelnden Stummheit des Lebens Vom Wind umgeben statt von meinen treibenden Schwestern Auf der herbstlich glatten Oberfläche der Strasse Neben meinen stinkenden Schwestern Zwischen Gingkoblatt und Zigarettenkippe (ah meine neun Gingkobäume am Ende der Freiburgstrasse) Auf dem Rücken ausgestreckt wie Gregor Samsa: Der schreiende Wurm meines Kindes ringelte sich im Schock Und ich verlor die Richtung Das Gleichgewicht und Vertrauen Die ich vorher schon verloren: Aufgegeben hatte: noch einmal: ich bin schwach Aber das Wühlen und Werken wie zuvor Kann mich nicht mehr vorantreiben Noch weniger Schaf als je zuvor Über meine allzu herbstliche Müdigkeit gekrümmt Als hätt ich eben meine Kleider zusammengetragen und noch nicht sortiert In meine saure Nichtigkeit gehüllt Als hätt ich das einzig Richtige erkannt Und gelernt: von der Strasse aufgelesen Aus dem Erdreich gepult Lausche ich einem knarrenden Deutsch Aus dem Land der weiten flachen endlosen Traurigkeit: Der Ernte zwar viel Die Arbeiter wenige – Bittet nun den Herrn der Ernte Auf dass er Arbeiter ausschicke In seine Ernte. Geht fort – Ich schicke euch wie Lämmer Inmitten von Wölfen. Und ich hörte auch: Ich schickte euch zu ernten Worum ihr euch nicht gemüht habt – Andere haben sich gemüht Und ihr seid in ihre Mühe eingetreten.
Du hast keinen inneren Halt Du saugst an fremden Knochen Du interessierst dich nicht für mich Du stellst keine Fragen oder unverfängliche Du spekulierst mehr als du weisst Du findest Muttis Die helfen und sorgen sich Du träumst dich gern hinweg Aus Konflikten und Ansprüchen Du hast keine Überzeugungen Du bist angelesen Du weichst Irritationen aus Du fragst nie nach Du suchst einen Kuss und fürchtest den Griff an meine Brust Du redest von Liebe viel zu schnell Du bist nicht für die Freundschaft gemacht Deine Ideen sind geliehen Dein Schreiben ist nur vorgeschoben Du läufst kindlichen Vorstellungen hinterher Du scheust das tiefer Graben Du schüttest lieber Gräben auf Du glaubst an den Berg und willst nur das Plane Du bist von deiner Freiheit überzeugt Als wärst du ohne mich Und ohne uns Überhaupt möglich Du schmückst dich mit Fremder Wörter und Fremdwörtern Du tanzt auf allen Hochzeiten Du hast zu viele Interessen Du kannst nicht ehrlich sein zu dir Wenn du das mit mir nicht kannst Du hast noch nie etwas zu Ende gebracht Du hast noch nie etwas zu Ende gedacht Du träumst von der Wildnis und suhlst dich auf der Couch Du liest Bücher und Geschichten Um etwas zu sagen zu haben Du möchtest nach dem Mund geredet werden Du willst es nicht unnötig schwer machen Du verstehst unter Freiheit etwas anderes Du bist undankbar Du redest ja nicht mit mir Du rechtfertigst dich immer Du machst im entscheidenden Moment dicht Du willst nicht über die Beziehung sprechen Du kreist nur um dich selbst Dein Leben ist nur möglich dank all der anderen Du hast ein Begehren ohne Worte Du hast ein Begehren ohne Wissen Du hast ein Begehren ohne Wirklichkeit Du hast zu viele Worte Und wenn es darauf ankommt keine Du hast ein schüchternes Herz Du bist der Widder im Gestrüpp Du hattest einfach Glück.
Auf Geld warten Keine Ausreden: das ist Was du kannst: nichts anderes Kannst du besser Es ist dir sehr angemessen Eingewachsen ist dir das Schreiben Wie das Miom in Mutters Gebärmutter Das darin über Jahre wuchs Gross wie eine geballte Faust Und bei einer Kontrolle plötzlich fehlte Abgebaut vom Wohlergehen
Keine Ausreden: irreversibel ist das Ein Makel der Haltung Falsche Prioritäten und gute Vorsätze Dazu stehen ist nicht so leicht wie sagen Ich schreibe Heisst zugeben Nicht dazugehören zu können Nicht dazugehören zu wissen
Denn in meinem Heide-Herz wohnt Pharao nicht Keine Schlangen-Stele thront über der Weide Und die Klumpen der Scham stehen nicht im Weg Den Währungs-Strömen Die meine Vorstellungskraft im Tulpen-Gelände meiner Nieren verlaufen lässt Und die Thrombosenfäuste Die auf die Stille meiner Schläfe eintrommeln Lassen mich nicht zu Rhythmen tanzen Die den Rubel rollen machen
Keine Fluchten mehr: ich kann nicht mit Geld umgehen Warte immer auf Geld Lasse mich einladen Schamröte ist meine Kriegsbemalung Die ich für euch trage Die ihr Sicherheit findet im Geld haben Die ihr Zukunft baut auf Vorsorge Häuser für die eigene Ewigkeit «Innendekoration allein hat 30’000 gekostet Weil wir die Kacheln aus Portugal kommen liessen»
Ich höre das pfefferminzfrische Trippeln der Mäuse… Ich höre die Kosten der Seitensprünge… Ich höre die kreischenden Bremsen des Lastwagens Der euren Sohn erfasst und in die Kuhweide hinausschleudert… Ich höre die Versprechen eures Gebetes…
Ich habe dich zuerst nicht gefunden… Ich habe dich fast nicht gefunden… Klein und wenig warst du am Rand des Kreises Wie eine Mutter lief ich zu dir hin Wie ein Kind kam ich bei dir an… Überm tannigen Geruch strecktest du die Hand aus Bevor ich noch bei dir angekommen war… Unterm Puder-Gesicht ein Lächeln Wie das eine gute Wort Und über den dunkel wogenden Falten von Wange und Kinn Diese Fruchtwasser-Augen… Und haltend hielt ich deine blütenleichte Hand Und haltend küsste ich deine blütenweisse Hand… Sollen die Besitzer rufend und weisend durch den Kreis gehen Soll der Aufseher am Gerüst schraubend und rüttelnd seine Zitronenblicke auf uns zielen… Ich habe auf dich gewartet Wo warst du denn fragst du… Wo warst du denn so lange… Deine Hand an meinen heissen aufgerissenen Lippen Ich schmecke das Magnesium Ich küsse die Wurzel deiner Hand und den Schlag deines Blutes Ich koste den Schweiss von Metall und den Fischduft der Güte Deine Brust wogt noch… Aus meinem ganzen Körper dringen Tränen hervor Auf den Knien lege ich meine Stirn auf deine rechte Hand Hell und warm wie Asche… Warum bist du denn so bleich Du bist ja ganz grün im Gesicht… Fragst du und bewegst dich im Stuhl wie eine Gefesselte Und kniend sah ich den Aufseher kommen Unter den Zurufen der Besitzer sah ich ihn kommen… Näher kamen die gelben Augen Muskeln glänzten… schnell Lass uns gehen sagtest du und haltend meine Hand Führtest fort aus dem Kreis Der nach Harz duftete Nach Hufschlag und Krallen und Lachen Und nach stiebendem Staub… Wenig und klein sassest du auf meinem Schoss Deinen Kopf auf meiner Schulter Dein glühendes Haar rauschte Kitzelnde Worte in mein Ohr… Auf dem Felsen war es still… Auch kein Wind ging… Ich habe dich fast nicht gefunden… Unter uns erstreckte sich die Weide der Welt Weich wie das Fleisch der Leber Über ihr kreiste eine grauer Falke Unermüdlich in der Flaute… Ich habe dich zuerst nicht gefunden… Und du legtest deine rechte Hand Wie der Atem einer Katze Auf meine nasse Wange…
Über mir tanzt das lichte Laub, Kühl ist es im gefleckten Schatten. Langsam dreh ich die grosse Frucht In meinen Händen: schön zu halten Ist sie, die Haut ist rosig wächsern, Riecht wie die Haut von kleinen Kindern.
Lange schon halt ich sie und wiege Ab ihr Gewicht für mein eignes Leben: Umbrüllt vom Lärm des Stadt-Verkehrs (Kaschdi sam pa sibia): Von was werd’ ich Morgen denn leben? Heute muss sie Genügen. Gleiche dem Gras, das morgens
Wächst, und am Morgen blüht es auf, Wächst schnell empor, am Abend schon ist’s Dürr und verwelkt. Ich stech hinein In den orangen Globus, Saft schiesst raus, Fast bis ins Aug, in meinen Händen Klebriges Blut der Frucht, Tränen
Tropfen herunter, heiss und brennend, Mitten im Lärm und umhüpft von Spatzen, Säure süsst meine Lippen, schmatzend Schlinge ich schnell, ich schlucke gierig, Denk an die Kinder, die ich verlassen, Mildigkeit über uns, und unsrer
Sorgende Worte sind mein Auftrag Bergende Blicke sind meine Mühe Angleichende Ohren sind mein Wohlsein Ausgestreckte Hände sind mein Abzeichen Nach Muskat riecht mein Heil Auf der Zunge vergeht das letzte Salz meiner Zukunft
Hingewandt will ich lauschen Vorgeneigt will ich erkunden Mit jungfräulichen Fingerbeeren will ich befinden Worauf wir uns beziehen Was uns zweie stützt und hält
Schnuppern am Schweiss der Einsamkeit Der über unseren Ort gegossen ist wie das Fruchtfleisch der Passionsfrucht Was den einen quält und die andere stählt Vorgebeugt die Maschen prüfen Zählen und prüfen Prüfen und preisen Die federleichten Reepe Preisen und halten Vorgebeugt wie ein Ringer Schmecken am Lachen Was die eine grämt und den andern wärmt
Grade Worte fallen schwer Kein Leichtes sind präzise Blicke Im Lebenslärm die Ohren verloren Schon lange haben diese Hände nicht mehr liebkost Zunge ist ein dumpfer Hebel der würzigen Wörter Riechzellen meiner Nase begingen gemeinsam Apoptose
Zuverlässig will ich zeugen von deinem Leben Zuversichtlich will ich bauen Woran wir beide glauben Was uns zweie eint und teilt Errichten und lichten den Weg vom einen zur andern und zurück Mit der Nase wühlen im erdigen Schlund der Löwengrube In dem das Heulen und Zittern süss brennt wie Nelken
Mit den Fingerspitzen die Waage berühren Die schwankende Mutter der Freundschaft In deren Schalen aufbewahrt ist Was die eine freut und den andern reut Berühren und erhören Den Hebeldrehpunkt wo sich trifft Was den einen grämt und die andere wärmt Erhören und beschwören Über die ganze Distanz zwischen den Schalen Ausgestreckt wie ein Kranich im Flug
Sorgende Worte sind mein Auftrag Bergende Blicke sind meine Mühe Angleichende Ohren sind mein Wohlsein Ausgestreckte Hände sind mein Abzeichen Nach Muskat riecht mein Heil Auf der Zunge vergeht das letzte Salz meiner Zukunft
Wenn ich aufwache Bin ich unvollständig Muss ich eine Lücke füllen Die in mein Leben hineinatmet Eine selbstöffnende Pforte Durch die das Weltall singt Und die Fragen nach meinem Tun Und ich setze mich an mein Tischchen Brenne die vier Kerzen an Wische mir den Schlaf aus den Augen Locke die Katze neben mich auf ihren Schemel Und blicke auf die weisse sich weitende Lücke Auf dieses atmende Fenster in den Tod Auf dieses äugende Fenster des Vergessens und des Vergessenen Und beginne mit grosser Ehrfurcht wie vor einem Altar Als opferte ich mein Glück Um es in die Bresche zu werfen Dieses Glück das nicht das Glück aller ist Das wie der erste Hauch in eine Posaune ist Das schüchterne Anreissen einer Saite Deren Klänge noch unbestimmt und unsicher sind Als wäre ich ein Kind Das seine Sexualität und sein Begehren entdeckt Vor seine einmalige Öffnung tritt Von der aus das Leben zu beobachten und gestalten ist Hoch über der Stadt mit ihrem Meer Auf dem Dach der Schule und die Arme ausbreitend Beginne ich mit dem in 40 Jahren gewonnenen Vertrauen Als würde ich um eine Sonnwendfeuer tanzen Dieser Kluft meine kleinen engen Zeilen entgegenzuhalten Voll von den süssen unvollständigen ungenauen unverständigen Wörtern Um das Glück auf mein Glück einzugrenzen Denn die Lücke lässt sich nicht füllen mit Alkohol oder Völlerei oder Freundschaften Lässt sich nicht füllen mit Masturbation oder Träumen finanzieller Freiheit Als jonglierte ich mit Flammenwerfern Und das Hauchen und Rascheln aus der Spalte nimmt ab Verstummt nie ganz Aber nach ein oder zwei Stunden ist die Lücke auszuhalten Wie eine Tür in der Oper Ein Fenster wie es sich gehört Bis ich sie im Schlaf wieder aufreisse Und das ist mein Glück.
Ich bin eingeboren In die Tiefe des Sessels Im leisen Räuspern des Leders die Hand an der Stirne An den pickelfreien Stirne pickend An den Pickelgedanken pflückend Die ich zugleich säe Mit feuchten Augen und fallendem Mund In die Vormittage hinein In die kinderlosen Vormittage hinein Auf dem Eishang der Stirn
Ich bin eingeboren In das anschwellende Lachen der Plänkler In die scharfen Witze des Fussvolks In die rasselnde Heiterkeit eines Aufziehspielzeugs Das über den Festtisch saust und im Erbarmensschoss von Oma landet Es riecht nach Kerzenwachs und Zichorie dort Und ihre kleine Hand auf dem Kopf des Kindes Schliesst für Augenblicke allen Schall und allen Rauch aus
Ich bin eingeboren In das Theater des Zorns In die Ungehaltenheit der eigenen Gefühlswelt In den Klamauk der gereimten Worte In das Getrippel der Adjektive In das plötzliche Lot der Ironie Das meinen Grund streift und aufwühlt
Ich bin eingeboren Im verschlungenen Darm Der in mir seinen Weg findet Mich mit seinen Fingern ausfüllt ohne zu zeigen In dem meine Wünsche verwachsen mit ihren Polypenarmen In dem meine Träume versinken mit den zu kurzen Beinchen Der um die abgerissenen Senkbleie wuchert Um mich zu verschlingen und umzubringen
Ich bin eingeboren Nach Königsfelden Wo ich isoliert werde Wo ich gehalten werde wie ein ergrauter Paradiesvogel mit stumpfem Schnabel Wo ich im Schlaf im Sessel die Zeiten des Zweifels überdauere Wo ich befragt werde und Auskunft erteilen soll über jemand wie mich Mit Blick auf die Herbsthänge des Juras Die zum schweifenden Wandern einladen Wo ich an unseren Verkümmerungen arbeite Sie falte und entfalte Aufblase und zersteche Diese Schweinsblasen von einem Ich Diesen Schrumpfwachs Dieses Klingeln in den Ohren Diese Widerstände im Denken Um die ich schlaufe wie der Fluss um die Stadt Wo mein Selbstmord in den geschlossenen Fenstern im dritten Stock auf mich äugt
Ich bin eingeboren In die Bahnhofshalle Ein Engel im Anorak Dem die Züge nichts bedeuten Mit allem Besitz im Einkaufswagen Winters im Pfuusbus Sommers im Platzspitz und Höngger Wald Das Reden liegt weit zurück
Ich bin eingeboren Über die flirrende und unendlich wiederholte Terz in dieses Sucht mich nicht Ich bin schon fern Ich komm nicht mehr zurück Das sich selbst nicht loslassen kann Und zitternd überm Schwarzeis des Lebens steht
Ich bin eingeboren In den Verlust der Erinnerungen In das Höhlensystem hinter der Stirn In die verkalkten Verhaltensmuster Die aufrecht halten bis in den Tod In die Zitterbeinchen unterm Schwellbauch In das Gesicht Dem die Person zu fehlen beginnt
Ich bin eingeboren In das Saufen und Fressen In das überbordende Gemüt In den überbordenden Körper In das dröhnende Lachen In das Zuviel an Ich
Ich bin eingeboren In die in die Luft geschriebenen Verbindungen zwischen den Menhiren Die moosbedeckt warten auf die Gletscher Im feuchten Wald Im Moorland.