Schaum-gewährt

(Mit Dank an Enrique für das Bild.)

Eingeboren in den Schaum
Rasen-Tafel im Frühlicht
Mustert es die Leitplanken:
Das Steuergetriebe im Vorwaschgang
Die Walbeute im Ansang
Hängt es im Andrang von Hebung und Zweck
Halb Koriander halb Salamander
Im Gelege: Schaum der letzten Magen
Brückt es auf zwischen frühen Zweigen und rüden Massen
Wishful thinking in gummierten Schleusen
Und endlich im Albanquartier die steppenbreite Situation von freien Malen und Neanderthalern
Beugt sich im scheuen Zwielicht in die Halskrone voller Kaviar und Bitterorangen:
Fakt bestrichen mit den Keimen von Folgerichtigkeit und Muttwitz
Maitanz aus Wut und Wachen
Gurgelt es im Aufguss
Gurrt es im Anhang
Selbsterfüllende Barkasse in der Waschstrasse des Feiertages:
Kümmernis in Safran getaucht
Mit Formularen überhaucht
Salzgestochen und ungebrochen
Glückt es im ersten Abstrich
Der Schleimhaut entstiegen
Strickleiter aus Walbein
Masst es sich etwas wie unvergleichliche Süsse an
Mitten im ölgetränkten Leberfleck
Im zerrütteten Organismus der Tage
Ein Bittbuch mit Haarfall und Stromnot:
Mustert es die käsigen Reihen
Umspült von den gaumenharten Kieselsteinen
Die ungesehen im Kreis gedreht und gewendet
Vom einkehrenden Wirbel aus Strich und Faden
Auf Bleiche und Grossem Wagen.

Gezellig

Ein Entwurf schiesst über mein Herz hinweg
Weit entfernt von einem Regenbogen
Mit einer Vielzahl von entrungenen langen
Rochaden und Samenpflegen – Samenflügen –
Ein Entwurf von einer entstellten Lade
Einer geprellten Nabe: ein Angesicht von unentzählten
Merkbereichen und nicht wahrgenommenen
Rachenlauten: bisher war ich
Traubenhaft in den gähnenden Zahnrädern verankert
Die leise und langsam sich ihr Soll erquälten
Die Brüste unzweckmässig vorgestreckt
Die Schwänze mit Haftzwecken festgesteckt
Doch ein Exkurs in die vielfarbigen tauenden Lande der Bemerkungen
Halb Erker halb Kerker
Scheiterbeigen der Mutmassungen
Hat mich die kalte Progression gekostet
Die ich mir aufgehoben hatte für den Moment
Da mein aufgefälltes Herz mitten im Winter
Weit entfernt vom Regenbogen
Mit einer Vielzahl von Zentren und Mantren zusammenfallend
Den einen Ton von sich zu geben beginnt
Den ich immer schon befürchtet habe:
Das ungesteuerte Lockern des Schlafes.

Abnahme von Satteltagen

Das verbissene Gesicht von Satteltagen
Aufgebracht von der Herstellung einer hysterischen Herrischkeit
In den Senkel gestellt von der naturlosen Nützlichkeit:
Auch es ein es
Ein Murmansk aus Kompatibilität und konstruierter Kalkulabilität
Abgefangen im Zahnreiz jener Stelle
Wo debilitierend die Erfahrungen überritten haben
Das leise Singen einer Kerze
Das verzischende Zischen eines aufgelassenen Traums:
Es klappt nicht mit der Metropole der Lust
Es funktioniert nicht mit der Kompatibilität von Teilen
Denn jemand hat die Summe schon aufgeworfen wie Bilanzen
Wie ein Habensollen in hektischer Entschlossenheit
Wie ein Trümmerfeld näherer Erwartungen oder
Eine Wunde an der Kehle
Und der Schaum vor dem Mund
Ein Erlachen aus Auf-die-Zähne-beissen
Und aus Parforceritten
Vermittelt nur allmählich und rückwändig einen Eindruck davon
Was gesagt wurde angesichts einer Entfernung
Die erst aus ungeschrittenen Zusagen bestand und dann
Die Tage abnehmen von der ungetragenen Order
Die in ihrer Unbeteiligtheit in den Morgen schnaubte.

Auflösung 3

Angezecktes Nagerhirn
Unterwegs im Klein-Klein
Mit Erdbeeraugen auf Profittour
Den spärlichen ausgewaschenen Pelz laust es
Dem Nächsten hinter den Marktständen
Wo die Katzen sich sonnen
Das Nierenleiden kurieren
Die Koliken: das nachwachsende Gebiss ist gesetzt
Kein Kriterium mehr:
Hinter den Ohren und am Walfischbauch sitzen die Sprösslinge
Und saugen noch ein letztes Mal von dem guten Blut
Das keine Erinnerungen mehr trägt von Göbekli Tepe oder Gunung Padang:
Im Overdrive vom Klein zu Klein –
Noch einmal sich festbeissen mit Pilzen in den Augen und Myzelien an den Beinen
Noch einmal auf dem Präsentierteller die grosse Erzählung verzecken mit
Weit aufgerissenen Augen
Laufender Nase
Zähnefletschen
Und in den Stein hauen
Für die nächsten Nagerhirne:
Wo sind die Vögel hin
Wo die Erzwespen –
Und im Scheinwerferlicht noch einmal die Nackenstarre spielen lassen

Auflösung 2

Die Erdbeschleunigung umläuft mit ihren zitternden Muskelsträngen die reglosen Schläfer
Deren Augen die quantenmechanischen Diagramme und Geschehnisse ablaufen
Die wie Füchse durch ihre schlaffen Erfolgshinterläufe schnüren
Und die Bisse fahren in die Entscheidungsgründe von Kapitänen
Die vor Tollwut ihren Schwanz suchen
Der ihnen eine neue Kurve von steif gereihten Züpfen beschreibt
Und die Muskelberge über den Mengen
Halb Süssspeise halb kalbende Gletscher
Lockern ihren Griff um das Bündel von Wirklichkeit und Perspektive –
Die Schläfer halb schon bedeckt von blenden zarten Knochen
Die sie über Lenden und Brust streuen
Tief in ihren zwielichtigen Abmahnungen und Versuchsanordnungen
Rühren nur ihre ausgehöhlten Finger im angewehten Sand
Führen nur ihre angewärmten Stirnen und ihre rinnenden Nasen ins Sichtfeld hinaus
Wo die Erdbeschleunigung auf ihr Beineln wartet
Auf ihr Gelämmer –
Die Schläfer verstehen nicht und haben verstanden
Die Anzahl und die Unzeit der Anzahl und
Führen ihre Läufe durch die Maschinenhallen und durch die Unterdrucktempel
Bis nach Goma und Idlib
Bis nach Wuhan und Conakry
Und über den Tropenmeeren strecken sie ihre Gottesfinger nach dem Mars aus:
Die Erdbeschleunigung streift ihre Gummisohlen ab
Bevor sie ihre Erregung den Rändern mitzuteilen beginnt
Wie ein unsichtbarer Planet jenseits der Goldschlingen von Versprechen und Schutz
Dessen Umlaufbahn die Schläfer berechnet zu haben glauben
Aber er ist nicht da –

Auflösung 1

Von den Rändern her wird es kommen
In der Form von Mäusen und Ratten
Von Schweinen und Fledermäusen:
Von den buschigen Hügeln Madagaskars herunter
Aus den Rodungswüsten des Amazonas –
Und in den Palmhainen Borneos geschieht es
Bereits mit dem gierigen Lappen eines Alleskönners:
In der Kapitalismusform eines Nagergebisses
Im Dichtestress einer Mückentilgerin
Im Ödewerden des Landes:
An den Rändern flirrt es
Als gäbe es dort noch
Nicht kompetente Wirte zur Genüge
Und vielleicht noch weit weit hinten
Im letzten Hektar Primärwald
Wo sie alle zwischen den Luftwurzeln der Mangroven kauern
Wie bei einer Konferenz oder einem Abschied.

Keine Klärung

Klarnamen happen nach Sachen
Die von wortwörtlicher Direktheit geprägt sind
Nach jenen Momenten im Leben eines Zustands
Der sich fast Person zu nennen imstande ist
Da die ausgelösten Angelegenheiten wie rücksichtslose Memoriale oder übriggelassene Sänften
Noch im Zugwind des Vorfallens und Verschellens und noch nicht im Flussarm der Abgebrühtheit liegen
Wo es weich und friedfertig nach Katzengras riecht
Da die Loswürfe über Entscheide
Die Personenleben betreffen
Noch warten auf die Fallstricke frisch erschlossenen Faustrechtes
So happen die Klarnamen nach Sachen
Die weder dem Spieltrieb des Raums noch der Unlust der Zeit unterliegen
Noch jenen tobenden Instanzen von Verfremdung
Wenn selbst Wirkliches von seiner schieren Blindheit überzeugt ist
Die allen Definitionen vergessen denn Erwartungen widerspricht
Nach jenen Popanzen
Die wie Tiere zu reden und handeln beginnen
In unseren Seiten sich ausbeulen wie Tumore mit einem verbrieften Recht auf Lebensechtheit
Um zu verdeutlichen
Welcher Klärung du nicht bedarfst.

In Hilthausen

Dort in Hilthausen haust ein Grauen
Unter der alten Linde
Die noch alle sehen
Sie steht seit Varrus nicht mehr
Liegen zwei Menschen
Rechts und links vom in Marmor geformten Strunk
Die Wurzeln umarmen ihre Sarkophagleiber
Und sie tragen Helme mit Geweihen und Hauern
Und dort im staubigen Schatten der Autobahnbrücke
Die niemand mehr befährt
Seit der Tunnel verschüttet
Wo noch letztes graues Moos sich hält wie die einst grünen Tränen des grossen Waldes
Dem das Land gehörte
Dort im hallenden Raum der angehaltenen Zeit
Wo sich manchmal eine Gruppe chinesischer Touristen hinverirrt
Ihre Aliensprache wie das Raunen einer Invasion
In Hilthausen kam ich zu spät
In Hilthausen kam ich zu früh
Es fehlen dazu genaue Berichte
Du hattest deine Arme einmal gehoben für meinen Hals und
Dein Mund hauchte den grauen Schatten des Lebens aus
Aber ich kam zu spät
Aber ich kam zu früh
Genaue Berichte dazu gibt es nicht
Und ich fand dich nicht wieder
Und tobte und tobe und kratzte mit meinen Fingernägeln an den Sarkophagen
Die zu leuchten begannen mit Lettern
Wie Augen sich öffnen in der Nacht auf ein fremdes Gesicht
Unter der alten Linde
Der Wind hauchte in die Farnbüschel
Die du im Warten niedergetreten hattest
Dort in Hilthausen
Unter der alten Linde
Die noch alle sehen
Sie steht seit Varrus nicht mehr.

Leviathan

Die Stimmen kommen
Kommen wie eine feuchte Kehle zu mir
Wie eine leuchtende Meerbucht
Die in Sternennächten mit dem Heringsilber lockt
Und mich mit der grossen Oberlippen des Dorschs in den Kniekehlen kitzelt
Kommen die Stimmen
Kommen und heben mich hoch und heraus
Leicht und beharrlich wie Leim
Komme ich aus den Stimmen heraus
Ich schwimme
Schwimme in dieser Binnensee
Getragen von Stimmen
Die niemals meine sein werden
Die niemals meine sein können
Aber jetzt
Aber heute ausgeliehen um mir blühen wie ein Husten oder die Arme eines Polypen in meinem Bauch:
Ich schwimme
Seelenruhig über die tiefen Abgründe
Die andern sich aufgetan
Und starre in dein Auge Leviathan
Das beseelt vor Gottesfurcht ist
Als forschte ich darin nach einem Zug von Trug darin
Und finde nur das Augenweiss in deinen Wachtelaugen
Ich schwimme über die vielgesprenkelte See hinweg wie ein Lachs
Und mein rosaroter Bauch wölbt sich einer Liebe entgegen
Die den Stimmen bekannt ist und nicht mir
Ich schwimme und könnte mein Zelt aufschlagen mitten im Busen dieser Stimmen
Mit der verzweifelten Hoffnung eines Kindes
Das Mama heiraten möchte.

Nachtisch-Lampe

Das Sucht-Staken im Zufluss –
Die Rampe verlassen
Frisch im Gras
Gut aufgebahrt
Die Pontoniere suchen wie Dochte
Und im Huckleberryschoss
Das Schloss am Tisch zur Türe:
Ampeltuchnacht bringt mir eine Nachtisch-
Zumutung mit Butternuss –
Dolchwürfe mit Fischen
Und Knorpeln aus dem Gesicht.