Cottard, dieser Heuchler

Von Henri de Toulouse-Lautrec – PAHagccN_wKZEg at Google Cultural Institute maximum zoom level, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21977124

Cottard ist ein Hasardeur, ein peremptorischer Prestidigitateur, solche Worte kenne ich nun, verdanke es mir, selbst in den Redewendungen vergreift er sich, ich stelle mir vor, wie er den Kitzler seiner Frau in ihren Marisken, ich aber liebe mein Bein, liebe mein Bein über meiner Brust, Cottard ist ein Heuchler, Auslöser von Komplikationen, ein Pilzsucher in Pripjat, ich kreische und drehe mich, meine Schenkel blitzen auf, ein gesunder herber Geruch breitet sich aus, offene Mäuler, zuckende Adamsäpfel, ich bin Eva, in meiner Kehle hat sich das Heulen angestaut, meine Kehle war euer Damm, verdammt, da verliert man einmal die Fassung, verwirft die Beine, donnernde Stiefel, reissende Nähte, damit einer wie Cottard, Hausvater «Leber», der für das Sagen keine Rede hat, seinen Triebaufschub lockert, Heia, ich tanze mit Andrée, jauchze, Brust an Brust, Lippe im Hals, Hals in Lippe, und Cottard hört nur Wigalaweia, damit einer wie der, stier in seinem Professorenfett, einzig sein Monokel ist blitzgescheit, einer wie der, Ay-Ay-Ay-Ayyy, uns auf seine Lust setzt, ausgekugelte Augenhoden, nichts anderes als ein weiterer haariger Bürgerpimmel, dem die Sprache fehlt, was für seine Lust hält, was für seine Lust nutzt, aber ich tanze brüllend, siehst du mein Höschen, mein Röschen, ich stampfe nicht für deine Reize, ich reize mich selbst, Andrée und ich, Warzen an Warzen, Nabel an Nabel, verwirf nur die klebrigen Hände, ich schleudere dir meine Knöpfe entgegen, höre meine Stimme, rieche die Zitrone meines Schweisses, ich habe eine Sprache, die Cottard noch weniger beherrscht, dieser Angepisste.

Erste Begegnung

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Wen siehst du, was willst du, wen kennst du, hinterm Weissdorn hervortretend, kastanienfarbenes Haar, Lippen ablecken, Zungen-Muschel, wer bin ich, wer verliert mich, was hast du von mir, besitzen geht nicht, was hasst du an mir, wen willst du, wen hast du, ich bin nicht die Kammerzofe, siehst du nur meine Schenkel unterm Pianola, was trage ich, wen meinst du mehr, wen erträgst du nicht, was kannst du feststellen, bin ich davongelaufen, werfe ich mich auf dein Bett aus Erschöpfung oder Erwartung, warum beäugt mich Françoise als ein Lamm, wem schulde ich keine Rechenschaft, wer sagt, ich hätte grüne Augen, wer behauptet kupferne Wangen, ich habe nie gesagt, der alte Knabe, der tut mir aber echt leid, der ist ja schon halb verreckt, wer bringt mich zum Tod, warum küsst du meine Wangen, wer bin ich ohne Brüste, ohne ein Wiegen in den Hüften, wer nennt mich einen Vielfrass, tanzt du nicht eng umschlungen, die Wärme der anderen zu spüren, warum rieche ich nach Geranien, wer gibt mir die Freiheit wieder, vielleicht zum ersten Mal, bevor ich zu lügen begann, wer war ich da, könntest du mich lieben, löge ich nicht, warum bin ich dir, warum hältst du mich, du hast mich noch nie geschlagen, nicht mit deiner Hand, wer wird mich begraben, wer wird um mich trauern, die ich bin, ausser dir, der mich will, wirst du um mich trauern, wenn du weisst, wer ich war, ich bin das fleischige Plüsch, das dir fehlt, ich kann die Grossmutter nicht sein, wen liebst du, weisst du, was ich wünsche, was wünsche ich, die schwarzen Haare hochbindend, mit blauen Augen, die fast milchig scheuen unter den schweren Brauen, ich liege in deinem Bett, siehst du mich, als hättest du die Gazebänder um deine Brust im Alptraum abgestreift, wen kennst du mehr, wen kannst du nicht, was habe ich von dir?