Merabs Rache

Den Widder bei den Hörnern nehmen,
ihn einführen in die Welt des Gehorsams,
den Widder koten lassen in die Laken der Brautleute und auf die Fladenbrote im frühen Ofen;
den Widder bei den Hörnern packen,
ihn ausliefern der Nacht der Willfährigkeit,
um ihn morgens seinen Pupillenstrichen zurückzugeben,
seinem breiten Sichtfeld, das den Himmel vernachlässigt.

Ich möchte ein Lied bauen,
Mutter, das hält wie die Streben eines Tempels,
hart wie die Hörner des Widders und weich wie die Haut zwischen den Fingern,
ich möchte ein Lied anfangen in Gehorsam einzig gegenüber dem Widerspruch,
zurückweisen möchte ich die hufigen Worte des Vaters und die Borkenworte des Bruders,
ich möchte ein Lied aus meiner Tasche voller Kiesel und Käfer und Eicheln nehmen,
das Lied an seinem rosigen, an seinem buschigen Schopf zwischen Zunge und Zahn und Gaumensegel hervorzupfen,
ich möchte einen roten Mann im Liede gebären,
im Liede einen roten Mann tragen,
einen Mann wie ein ruckelndes Eselfohlen im frühen Feld, Mutter,
ich möchte ein Lied von seinem Mund singen, von seinen Lippen,
die wie beim Fische vorstehen wie eine gespaltene, breite Nase,
ich möchte in meinem Lied über das Waschen der Laken reden und über das Backen der Brote,
über die Stille im Haus und über das Rascheln der Tauben auf dem Dach,
ich möchte in meinem Lied seine Knöchel küssen,
Knöchel behaart und zart wie die einer Hindin,
und ich möchte seinen Moschus erschnüffeln bis in seine engen, kleinen, engeren Gedanken,
und ich möchte, o Mutter, das Lied wie ein geschorenes Lamm in meinem Schosse wiegen,
wie ein totes eigenes Kind.

Und die Sehnen des Widders sollen den Burschen binden,
quälend soll die Zeit ihm vergehen,
wie im Dunkeln einer Höhle auf der Flucht soll er in meinem Schosse kauern,
die Brautworte sollen wie Schaben in seinem Munde hausen,
in seine Hörner fülle ich deinen Gehorsam, Mutter,
und ich leere darein all seinen Willmut aus.

Ahinoams Lied

Können sie uns denn nur dieses Schweigen geben,
diese Hinnahme in den Nächten, diese Hinnahme in den Tagen,
dieses Seufzen und dieses Händeringen,
dieses stumme Wühlen, dieses taube Bohren in Herz und Nieren,
die Nasen riechen doch den Gestank vom Kopfe her,
halten sie diese Gabe etwa in ihrer tätigen Güte wirklich für eine Gabe?

In den Tagen schicken wir die Augen weit hinaus,
in den Erkern und Fenstern stehend,
in den Nächten horchen wir steif und schweisskalt auf die Unruhe des Viehs im Stall und auf die Widerklänge aus dem Gebirge und aus den Klüften,
als handelte es sich um die ersten Regungen eines Lebens in unserem Leben,
als beweise ein Feuer in Mikhmas, ein Räuchlein über Anatot die Ursache unserer Strafe, unserer nächsten Schuld;
ein Schweigen, kalt wie früher Schnee, ein geruchloser Hauch wie ein Lid über dem Land,
ein Unfrieden und ein Kummerwort, heiss wie Sandsträhnen in unserem Gedenken, in unserem Gedächtnis,
ein Ableben mit jedem Schaf, das aufheult unter der Mutter,
ein Absterben mit jedem Hund, der aufschreit unter seinem Bruder,
und wir sind nicht nur Mütter, und wir sind nicht nur Mütter,
und von unseren Betten aus, und von unseren Dächern aus
ist das Land ein Leichnam,
ist das Land eine Nachgeburt,
und selbst unsere Brüder in Anmut verlieren die Sterne des Versprechens in den Augen,
aus den Augen verlieren sie die Sterne des Versprechens,
entbehren die Sonne in ihrem Schritt, den Mond entbehren sie in jedem Schritt,
und unser Mann hat nur Augen und Hände für das,
was unser Schweigen nicht schon endgültig und geduldig verschlungen hat.

Auch die Rede ist uns nicht gegeben,
ich stottere doch,
ich lispele, ich mauze Flüche im Dunkeln des Hauses, im Milchlicht des Hofes,
ich hauche die lange angehaltene Besorgnis,
die lange ausgehaltene, die lange auszuhaltende Furcht,
während in meinem Hals der zurückgehaltene Schrei der Wut sich sammelt,
der einen Namen hat voll Liebe,
Jonathan, Jonathan,
und wir sind nicht nur Mütter, und wir sind nicht nur Mütter,
als könnte ich diesen grossen Mann zurückstopfen in mich zurück und hinein,
als könnte ich mit langen Nägeln, mit Wartenägeln, dem König seinen Hoden abreissen noch im Hof.

Selbst die Heilige

Selbst die Heilige,
selbst die weisesten, blindesten und treuesten Menschen,
können nicht hinabsteigen in die Talgtruhen,
wo des Menschen Kraft ruht,
können nicht hinabdringen durch die Harzringe der Entschlüsse und hinunter in ein Nachal aus Sand und Staub und Spinnenhöhlen,
wo ein letzter Kiesel unter all den andern grauen sonnengebleichten noch sein letztes braunes Mäntelchen aus Moos trägt von der letzten langsam ausleckenden Sturmflut,
ein letzter Kuss von Scham und Würde vorzeigt,
wenn die Geduld nicht mangelte und nicht die Neugier zögerte,
selbst ein liebender Mensch vermöchte es nicht,
mit ihrer ganzen Erbarmungsgewalt vermöchte die Heilige nicht,
diese in den Himmel und ineinander verkeilten Felsen,
in deren Schatten ein laues Ruhen und sicheres Schlafen ist,
auf deren Schultern sich die duftenden Schöpfe von Zistrosen festgeklammert haben,
nicht einmal sie vermöchte die Gründe für ihre Aufrichtung,
nicht einmal sie könnte die Ursachen für ihre Auftürmung ergründen,
lange mit den Fingerbeeren der Rechten den rauen Kanten entlangforschend,
in den Spalten die Feuchte von Sand und Salz schmeckend,
im Windschatten hier unten im Tal,
das wie eine Linie in der Handfläche des Kontinents sich der schabenden Tröckne darbietet,
während oben die Disteln der Propheten rollen,
wispernd rollen sie dahin, am Rand des Nachal dahin,
von Gott weiss woher haben sie sich losgerissen,
doch hier unten im Windschatten der Ebene,
wo keines der Gerüchte und keine der Geschichten über die Bosheit und über die Abgründe des Menschen hinlangen,
singen die Steine ihre unergründlich langsamen Lieder von den Gründen der Menschen,
selbst die Heilige und keiner der verständigen Menschen können Anfang und Ende der Lieder unterscheiden.

Zeitalter der Spinne

Die Fäden sind gespannt,
singen im Wind,
die hauchdünnen Schnüre fädeln sich durch das ganze Land,
sie schnüren kein Gewand,
sie hüllen Personen ein, als lägen sie auf ihrem Leichenbett,
sie rollen Dinge ein, als handele es sich um Geschenke aus Saba,
sie spinnen Tiere ein, als seien sie bereits ausgestorben,
selbst die Zedern im Libanon stehen in ihrem dichten Nebel,
die Sprache wird zu einem undeutlichen Gemümmel,
die Höhle des Noah ist unauffindbar,
der Zwirn beginnt auf den Bergen die Wolken zu befestigen,
er bindet die Laute von Kindern und die Seufzer der Alten in ein Rascheln wie von Laub- oder Blütenfall,
das ganze Land hat zu sirren begonnen,
die eigenen Gedanken sind darin versponnen,
mitten im Tag stolperst du wie im Schnee über Gespinste, die für einen Augenschlag deine Knöchel umwinden und die Haut einritzen,
und im Bücken legen sich die Fäden um deine Kehle,
und ein bestürztes Hecheln entringt sich deinem Hals, als lägest du im Wochenbett,
im ganzen Land, auf Feldern, im Acker, auf Pfaden, in Häusern, in Gassen, an Tischen und in Betten,
beginnen Glieder und Züge zu rucken und zucken,
als finge ein Strippenzieher mit seinem Werk an,
und die Menschen und die Tiere und die Gärten spüren das Schnüren,
das Zupfen und Zeuckeln und das Gezeuch,
kein Wort endet ohne eine Silberspur in die Luft zu legen wie eine Zündschnur,
die Sänger verlieren den Faden ihrer Lieder,
die Tänzerinnen kreischen, als sich ihre Gewänder auflösen,
die Fäden ihrer Kleider tanzen durch den Raum und fahren hinaus durch die Fenster und Türen,
verfangen sich im Garten an Ästen und reissen mit einem metallischen Geräusch,
das ganze Land ein einzig Ohr,
horchend auf den Klang der Saiten,
und wo ist die Spinne,
und wo ist die Spinne?

Da kommen die Hocker!

Da hocken sie und glotzen,
glotzen auf das, was sich zeigt,
immer auf das, was sich zeigt, glotzen sie,
wie Götzen glotzen sie auf das, was geworden ist,
als könnte es nicht anders geworden sein,
als könnte es nur meinen, was sie argwöhnen, es sei,
hocken und argwöhnen, kauern und starren auf eine neue Lage,
die wie ein Trieb in ihrer Mitte, wie ein Ausschlag an ihrer Seite wuchs,
die sich ohne Deutung zeigt,
eine neue Form von Gegenwart,
eine neue Art von Hindernis auf ihrem Weg in die ewigen Duckgründe, in die unendlichen Beugeformen des Kommenden,
dem sie kauernd und harrend standhalten,
denn diese Alten mit den Ellbogen auf den Knien,
mit ihren verkümmerten Denkmustern und mit ihren vorgefertigten Antworten,
ausgedörrt unter der Sonne dieses unbarmherzigen Landes ohne Honig und voller Harz,
Grabredner der Vernunft und Leichenfledderer des Moments,
der da ist und sich zeigt wie das Weichteil eines lebenden Gottes,
der sich offenbart, wie sie mümmeln,
der verkündet nichts als das, was er zeigt,
diese Läuse im Haar der Zeit, diese Mäuse im Korn des Herzens,
aufgeschreckt von dem, was ist,
was wurde ohne Dazutun,
mit krachenden Hüften, mit knallenden Kniegelenken erheben sie sich,
wie witternde Hunde schleichen sie durch die Gassen Gibeas,
wie räudige Katzen jaulen sie in den Strassen Ramas,
da kommen sie daher mit knirschenden Hälsen,
mit kauenden Mäulern und mit einem Knistern aus den trockenen Kisten ihrer Nieren,
schlurfen und schleichen auf dich zu und an dem, was ist, vorbei,
das sie nicht sehen können mit ihren rollenden Distelaugen,
das sie nicht mehr sehen im aufrechten Gang, aber in ihren Gliedern noch zu spüren glauben,
die Steife des Hockens, die verkürzten Muskeln,
verkürzt wie die Gedanken, steif wie die Erwägungen,
haben schon die pergamentenen Hände ausgestreckt,
um dir den Trauerrandfinger in den Nabel zu stossen,
siehe, krächzen sie,
das ist der Lohn Gottes dafür, was du getan hast,
dass du zeigst, was du geworden bist.

Urim und Thummim

Diese beiden Knochenplättchen zeigen in ihrem Fall Gottes Willen,
diese beiden Schrifttäfelchen sagen Wahrheit oder Falschheit aus,
und die spitzen Finger des Lackaffen tasten nach ihnen im Brustpanzer,
ich sehe seine Zunge wandern von einem Mundwinkel zum andern,
seine Augen flattern nicht,
sein Gesicht bleibt verschattet wie das eines Menschen im Schatten eines anderen,
im Schatten eines helleren Menschen,
noch einmal will ich mich aufrichten zu meiner empfundenen Grösse,
und auch Jonathan soll es tun und ragen,
aber mein Sohn betrachtet lieber seine Hände,
klaubt Schmutz unter den Nägeln hervor,
die Stille der Menschen ist wie das Rauschen eines Waldes,
der auf einen zukommt mit Wind und Dornen und Nadeln,
ich fühle die aufhebenden Schritte des Mondes über den Bergen,
das rollende Gut der Nacht im Flattern der Zeltbahnen,
und ist der Herr denn nun mit uns oder nicht,
meine Augen suchen die des Lackaffen,
der immer noch in dem Beutelchen gräbt,
als öffnete sich in ihm ein Abgrund, ein Schlund,
der durch keinen Trost und keinen Grund wettzumachen sein wird,
den nicht einmal dieser Eisfittich-Gott bedecken kann,
im Licht des Mondes sieht sein Augenweiss aus wie Honigtropfen auf Kothaufen,
die zum Hohn aus dem Erbarmen des Himmels auf uns herabgefallen sind,
nur zwei stehen in der grossen Menge an Glaubenden,
an zuversichtlich der Wahrheit zugewandten,
an gewissenhaft von der Falschheit abgekehrten,
an zähneknirschend auf die erfinderische, auf die spielerische Falschheit schielende Glaubende,
nach der klärenden Scheidelinie der Wahrheit gelüstende Gläubige,
nur du und ich, mein Sohn, mitten in dieser mondgebackenen, fröstelnden Menge,
für die ein Knöchelchen, ein Täfelchen fallen soll,
für die ein Täfelchen, ein Knöchelchen mehr sein soll als ein fallendes Knöchelchen, ein aufgeworfenes Täfelchen,
und erschallt nur in unseren Ohren noch das Röhren des Sieges,
das Kreischen der Feinde in ihrer barfüssigen Hasenflucht,
und in keinem der Schatten kann Gott doch atmen, kann Gott noch raten,
der Lackaffe zieht und wirft das fluchwürdige Stängelchen,
das unterm Mond aufblitzt wie die Zähne einer Frau im Dunkeln des Zeltes.

Ein Königreich für einen Widder

Da lacht Gott wohl,
in seine abwesende Rechte lacht Gott doch da,
sein Antlitz ist nur ein einziger Wurfschlitz für Lose oder wiederkehrende Treppenwitze,
da soll mich der männliche Gott doch strafen, wenn ich dich nicht töten könnte,
das wäre doch gelacht,
wenn ich nach dieser Schlacht nicht auch meinen eigenen Sohn opferte,
als rieselte mir bereits das Hirn von den Lippen herunter,
als tröffe mein geringer Verstand aus den Nasenlöchern,
aber das ist doch mein Sohn,
aber bin ich denn Abraham,
verwandle ich mich in den treuen Hirten Abraham,
forme ich mich um nach dem blinden Gläubigen, dem Schafskopf,
nach dem blind Glaubenden,
warte ich schon auf den sprichwörtlichen Widder im Wacholder,
muss ich denn schon seine Hörner suchen gehen im Dickicht,
da lacht Gott wohl,
und mein Mund spricht Worte, die nicht für meinen Mund bestimmt sind,
sagt Worte, die nicht für mich gemacht sind,
meine Lippen saugen den letzten milchigen Rest Verstand aus meinem Herzensknoten,
aber ich habe gesagt, was ich gesagt habe,
meinen eigenen Sohn bin ich wohl bereit, dem Manngott zu opfern, dem Herrengott,
in Gibea warten noch viele Schösse auf meinen Samen,
auch wenn, auch wenn mein Sohn Jonathan doch immerhin mein Sohn Jonathan ist,
gütig im einen und übermütig im andern,
ein rechter Trost meinen geprüften Nieren,
ein Atemzug voll Myrtenduft für meine ausgedörrte Kehle,
aber ich wäre die Sorge los, befreit vom An-ihn-denken wäre ich doch,
nur noch ich wäre ein König,
stinkend vom Salböl, das klebrig wie Harz ist,
mein Herz droht im Knien einzusinken in die dünne harte Kruste der Welt,
die den totenvollen, die den gebeinerfüllten Morgengrund bedeckt,
aus dem die letzten Tage sind,
was für einen Bock schiesse ich denn da,
da lacht Gott mich wohl aus,
bin ich denn ein neuer Jiftach,
muss denn jeder aus Benjamin eine Schandtat begehen,
um sein Lachen und sein Erbarmen zu verdienen,
ach ich aus Gibea,
ach ich Zerstückeler von Frauen und Kindern,
nehmt meinen Sohn und lacht.

Hier kommt der Honigschlecker

Hier kommt der Honigschlecker,
der Unbeleckte,
der Taubenetzte,
der Traumgeliebte,
der erste sanfte Widerstand im vorgelagerten Gelände einer Flucht und eines Siegers,
ein Mann wie ein Kind,
ein Kind wie ein Mann,
dem nicht mehr alles Spiel und noch nicht vieles Ernst ist,
ein lachender Schrecken,
taucht seinen Stock in die Waben,
rosa vom Sommer und von den Myrtenblüten,
umschwärmt von Bienen im Myrtendickicht,
gebeugt über die Wabe,
mit einem Gesicht wie am Meer,
wenn die Sonne von unten herauf kommt,
mit einem Lächeln wie eine törichte Kröte,
und wirft seinen Kopf auf die Schulterblätter,
als ich ihm sage,
«Saul hat einen Fluch auf alle Fresser gelegt,
wer isst ist verflucht,»
aus dem Ernst seinen Lachens streckt er mir seine klebrigen Worte entgegen,
«siehst du nicht die frische Kraft in meinen Augen und in meinem Schritt,
die kräftigende Frische des Rosenhonigs auf meinen Backen und in meinen Schenkeln,
was mein Vater sagt, ist Unglück,
was mein Vater sagt, ist blaue Zorneszunge,
die am rechten Verstand lappt,»
und er, der Honigschlecker,
mit den dunkel schimmernden Haaren,
wirft sich in Position und beginnt mit dem tropfenden Stock zu fechten,
trifft meine Brust und schlägt meinen Scheitel,
ich weiche zurück,
Honigschlecker oder Gottesschrecken,
Gottesschmecker oder Waldschrat,
sein Haar im Myrten-Dickicht wie die Hitze des Sommers,
der Schatten eines Mädchenauges,
mit dem Ernst des Toren ruft er mir nach,
«und hätten wir die Schweine gefressen,
die die Philister brieten,
als wir sie packten und zerrissen,
wie wäre der Sieg ein grosser und endgültiger,
ein abschliessender Wurf und ein grausiges Zeichen gewesen,»
und er lachte und schrie und tanzte wie ein Besessener,
Honig troff um seine Lefzen,
und ich eilte zu dir, Abner,
was ist zu tun,
und da kommt er selbst mit dem breiten Gesicht einer Echse,
die wohnt in Hütten und Palästen.

Bericht vom Grünen

Ich grüne
Werfe mich hin
Als Schal in das Land
Eine Gestalt von Käfer und Kuss
Das Bein eines Hags ausgeschwenkt in die Zähren einer uneintauschbaren
Armut wie Grasnaben
Und hühne mich
Dem höhnischen Boden entsprossen
Hebe mich über den Stein des Anstosses
Unter dem der Bettler sich bettet
Dem die Freunde einwuchsen
Eingerollt in die Nervendecke aus Gegenwart und Zuversicht
Im leisen Schaben der Maden im Fleisch seiner und meiner Seele
Mitten im Menschental grüne ich
Noch eine Weile noch eine kleine Weile bitte
Schicke meine Papillen hinaus wie luzide lytische Antennen
In den Wald hinaus
Mit grünenden Lauten wie eine Katze im Schlaf
Schlage ich aus unter der Hand von Armut und Zumutung und
Werfe mich hin
Als Saite in die Geschichten
Die zu erfahren nicht erlaubt ist
In die Landschaften in die ich nicht geboren bin
In die Blutkreise in denen ich ersticken würde
Und höre die feinen Füsse eines Mistkäfers auf meinem Halmrücken:
Da bist du ja.

Psalm für Hiskija

Unter deinen frischen Sohlen glühten die Kohlen,
vor dir lag der Schlund des Gottes Baal,
hinter dir blühte die graue Rose des väterlichen Grimmes,
der väterlichen Entschlossenheit,
die vor dir und hinter dir alles verschliesst,
und in dir über den kosenden, kitzelnden Flammen webte das Lied deiner Mutter,
webte ein gebogenes Lied,
wie der Lauf einer Zibbe vor dem Rodungsbrand eines grossen Heeres,
wie das zuckende, ruckende Vorangehen einer Echse auf dem heissen, heissen Stein,
unter deinen weichen Sohlen, zwischen deinen Zehen,
die wie die Näschen schüchterner Gespielinnen blinkten,
ragten die Flammen herauf und leckten an deinen rosa Knien,
vor dir das Feixen des Gottes Baal,
hinter dir der Abgrund namens Vater,
und die Feuerzungen heben die Luft in den Himmel,
du gehst im schwarzen Raum des Alls,
du gehst in der tauben Zeit eines Gottes,
lau und feucht wie die Schnauze eines Schakals,
der hüpfend neben dir geht,
als erwarte ihn ein Kadaver, mit reichem Fleisch umkränzt,
und vor deinen Augen zuckt der Schwanz eines Leoparden aufreizend wie ein Sonnenfleck in der Armbeuge einer Eiche,
unter deinen Füssen ist es still wie in der Wüstennacht,
du hörst das Hecheln der Schakale und über dir die Schwingen des Geiers,
rauschend wie der Jordan im Frühjahr,
und dumpf fielen die Flüche des Vaters auf die Kohlen wie Feigen ins raschelnde, trockene Gras,
und du sahst den haarigen Spalt in Gottes Gestalt,
da krochest du hindurch,
auf dem silbernen Bauch eines Kindes krochest du hindurch,
und du spürst das brechende Hymen der menschlichen Entschlossenheit,
das aufbrechende, wie das Brüllen eines Löwen reissende Gewebe aus verschlossener, verschossener Zeit,
feuergeboren, feuergeformt,
Sohn der Hitze mit dem Gesicht weiss wie der Schnee auf dem Hermon.