Den Widder bei den Hörnern nehmen,
ihn einführen in die Welt des Gehorsams,
den Widder koten lassen in die Laken der Brautleute und auf die Fladenbrote im frühen Ofen;
den Widder bei den Hörnern packen,
ihn ausliefern der Nacht der Willfährigkeit,
um ihn morgens seinen Pupillenstrichen zurückzugeben,
seinem breiten Sichtfeld, das den Himmel vernachlässigt.
Ich möchte ein Lied bauen,
Mutter, das hält wie die Streben eines Tempels,
hart wie die Hörner des Widders und weich wie die Haut zwischen den Fingern,
ich möchte ein Lied anfangen in Gehorsam einzig gegenüber dem Widerspruch,
zurückweisen möchte ich die hufigen Worte des Vaters und die Borkenworte des Bruders,
ich möchte ein Lied aus meiner Tasche voller Kiesel und Käfer und Eicheln nehmen,
das Lied an seinem rosigen, an seinem buschigen Schopf zwischen Zunge und Zahn und Gaumensegel hervorzupfen,
ich möchte einen roten Mann im Liede gebären,
im Liede einen roten Mann tragen,
einen Mann wie ein ruckelndes Eselfohlen im frühen Feld, Mutter,
ich möchte ein Lied von seinem Mund singen, von seinen Lippen,
die wie beim Fische vorstehen wie eine gespaltene, breite Nase,
ich möchte in meinem Lied über das Waschen der Laken reden und über das Backen der Brote,
über die Stille im Haus und über das Rascheln der Tauben auf dem Dach,
ich möchte in meinem Lied seine Knöchel küssen,
Knöchel behaart und zart wie die einer Hindin,
und ich möchte seinen Moschus erschnüffeln bis in seine engen, kleinen, engeren Gedanken,
und ich möchte, o Mutter, das Lied wie ein geschorenes Lamm in meinem Schosse wiegen,
wie ein totes eigenes Kind.
Und die Sehnen des Widders sollen den Burschen binden,
quälend soll die Zeit ihm vergehen,
wie im Dunkeln einer Höhle auf der Flucht soll er in meinem Schosse kauern,
die Brautworte sollen wie Schaben in seinem Munde hausen,
in seine Hörner fülle ich deinen Gehorsam, Mutter,
und ich leere darein all seinen Willmut aus.
