Hier bin ich mit den Asseln,
hier bin ich mit den scheuen Huschern,
hier bin ich mit dem tränenden Kies und Ziegel,
hier bin ich mit dem Himmelsauge.
Hier ist gut sein,
hier ist gut warten,
vielleicht auch schlafen,
vielleicht gar träumen.
Hier ist die Stille,
hier ist die Einkehr.
Mit dem Rücken an der dumpfen Wand,
den Kopf im Nacken wie eine offene Amphore,
die Füsse im letzten, nageltiefen Wasser,
ist in die Ferne gerückt,
worum es geht,
wird schattig und umwölkt jenes,
was dir noch eben krallend an die Kehle langte,
jenes, was dir noch eben den Siegelring auf den Befehl zwang,
jenes, was dich gefesselt hielt mit seiner unabweislichen,
mit seiner aufdringlichen, hechelnden Schnauze im Schritt,
hier ist keiner der Anlässe, die dich reizen,
hier ist kein Geschehnis, auf das du antworten musst,
antworten, als wüsstest du bereits lange schon eine Antwort darauf,
hier sind die Asseln und die scheuen Huscher,
an deinem Rücken wächst Brunnenmoos und unter deinen Füssen nickt der Algenbart,
hier ist keine Hitze aus Entscheidung und Kampf,
keine Brutwärme auf nächtlichem Dach mit dem Gedankentamburin im Hals,
hier hätte sich Vater Josef heimisch gefühlt,
hier hätte er seine Träume wie langsame Fühler ausstrecken können in die verheissenen Landmarken,
die ihm in seinen Sinn ragen wie die Nasen seiner Brüder,
hier hätte er seine Träume überprüfen können
wie andere Entscheidungen,
wie eines der blinzelnden Blätter der Akazie,
die sich dort oben wie eine Mutter über das Gesicht ihres Sohnes neigt,
hier verstummen deine Entscheidungen,
hier geschieht nichts,
hier ist Vergangenheit und Zukunft ohne ein einziges Tätigkeitswort,
hier geschieht, unter den lichtscheuen Huschern und in den Himmelsspiegeln, etwas,
das dein Zögern zu einem Ereignis macht.
Kategorie: Psalmen
In die Dornen, in die Gräber!
Wenn ein Krieg beginnt, ist es weise, sich in die Dornen zu flüchten.
Wenn ein Angriff bevorsteht, ist es geraten, in die Höhlen zu schlüpfen.
Wenn du die Plänkler durch die unwegsame Landschaft ausschwärmen siehst, suche Zuflucht in einer Grabkammer.
Wenn das Rumpeln der Streitwagen in der Gluthitze des Mittags erklingt wie das Räuspern eines Kamels, ist der trockene Schatten einer Zisterne eine traumhafte Einkehr.
Wenn die Staubwolke der Marschierenden über Bet-Awen schon aufsteigt und die Trommeln der Feinde und die sirrenden Rufe ihrer Pfeifen dich schon umnebelt haben, kannst du immer noch wie die Echse in einem Felsspalt verschwinden.
Das Getriebe des schwarzen, öligen Himmels da oben,
in dem sich nur die Sterne vom Platze rühren wie die rollenden Augen eines verblutenden Stiers,
worin nur die Geier wie die Fingerbeeren eines Gottes ihre Lettern ziehen,
setzt Dinge in Gang, Tatsachen in Lauf,
die, fasstest du in ihren Lauf, sperrtest du dich gegen ihren ruckenden Gang,
dich zwischen ihren Backenzähnen wiederkäuten und schliesslich erbrächen,
ganz und gar zerschlagen und kaum mehr zu erkennen als Mensch,
und der letzte Zipfel deiner Wut hinge aus deiner rechten Flanke wie ein Waw,
und der letzte Keim deiner Tatkraft schösse pulsierend aus deinem Hals wie eine Strähne vom Haar deiner Mutter, schwarz und ölig-heiss,
darum denken nur an die Grabkammern in Michmas,
darum krieche nur in die grünen Dornen des Wadi es-Swenit,
darum zwänge dich nur in die Gimel der Felsen in der Schlucht,
darum hast nur über die Hügel hinunter an den Jordan,
denn wenn der Krieg beginnt,
nachdem du die Säule in Geba zerschlägst, mein Sohn,
ist es weise, sich vor dem Fussvolk der Feinde in Schutz zu bringen.
Wut und Tatkraft
Welcher Tatkraft bist du schuldig?
Wie hast du dich der Wut entledigt?
Wie sehr vermisst du den eingängigen Refrain deiner Angst,
der dir aus den Hainen voller Löwengerippe entgegenschallte?
Gibt es denn noch ein heiseres Zeichen von Entschlossenheit,
das dem unablässigen Schleppen an den chitinigen Schleppen aus Beharrlichkeit und Widerwort,
Ungestalt zwischen Vogelbauer und Salzlecke,
in dieser unerwartet von der Zukunft durchbrochenen,
in dieser knienden Form von Zuverlässigkeit zu widerstehen vermag?
Sind die dumpfen Münder der Ünder wirklich schon auch für dich verstummt,
verschlungen vom Ameisenlöwen in der leicht abschüssigen Fläche vor deiner Haustüre,
und genügt es dafür, sich als Bittsteller zu tarnen?
Sehen die Armen ein, wie sehr du in Tat und Wahrheit,
mitten in einem Jubel und mitten in einem Geheul,
das wie ein Mann anschwillt,
unanständig wie eine Verletzung im Rücken,
wie sehr du tatsächlich dein Herz knetest wie einen Hut vor dem Herrn,
deine Kehle wie ein ungeschlachter Keil unter deinem buttrigen Gesicht?
Sind die erbittert-forschen Schritte über das Pflaster vor deinem Haus,
und du rollst die Schultern katzenhaft wie eine philiströse Maschine,
und du bückst deine Stirn in den Starkregen,
ein Stier dem, der dich nicht kennt,
ein Nilpferd denen, die sich Menschen glauben nennen zu dürfen,
ist dieses Anrennen mehr als eine weiche Form von Mut,
eine lappende Vorhaut der Vorsicht,
zu Sand fallende Pfeiler, Halme letzter Ratschlüsse,
mutest du dir in all der Wut nicht zu viel der Tatkraft zu?
Aus der Hand dein Tag, deine Stunde, die Augenblicke
Dein Tag ist aus der Hand geraten,
deine Stunden sind wie flüssiges Eisen,
deine Augenblicke umspinnen dich mit drahtigen Sprüngen,
die Gesichter sind wie Schrunden,
die Gedanken ein Wühlmeer voller Mehlwürmer,
nicht das Geringste entgeht mehr deinem durchlöcherten,
deinem fassungslosen Herz,
die Stunden sind wie Scherben an deinen Sohlen,
die Tage sind wie Mühlsteine aus Mondlicht.
Du bist König, du bist König,
doch fasst du nicht die Leere deiner Aufgaben,
doch erkennst du wohl die Fülle deiner Preisgabe,
breit wie Ochsenrücken,
handlich wie Oliven,
und mit hängenden Wangen und losen Mündern versammeln sich die Menschen an deinem Tor,
in dir ein Ohr zu finden für ihre Talente,
in dir eine Hand zu finden für ihre Unfertigkeiten,
dein Tag ist an den Rand geraten,
eine Leichtsal sind deine Stunden,
ein wogender Abtrieb deine Augenblicke,
wildeste Geräumigkeiten eröffnen sich dir in den kleinsten Wörtern,
Schlupfräume und Bruträume,
niemand kann dir helfen, König,
niemand wird dir helfen, König,
da stehen sie still anstarrend, mit ausgerenkten Kiefern,
mit ausgeruhten Kiefern, Konig, oh König, was kannst du da tun?
Deine Hände sind noch geballt im Schlaf,
dein Herz erstickt deine Nieren,
deine Kehle ist überwachsen von den kurzfingrigen Blüten des Kreuzkümmels,
und deine Tage heben und hecken die Vielfalt ihrer Blattschneiden in deine geweiteten Nüstern,
pruste nur, oh König, pruste nur die Hitze deiner Kraft,
atme ein, oh König, atme ein die Nacht-Tröckne ihrer Achseln,
du riechst die süsse Bitternis der Ohnmacht,
du windest deine Hände wie eine Tänzerin in deinem Rücken.
Niemals mehr Mizpa!
Nicht mehr wie in Mizpa,
niemals mehr wie in Mizpa,
das sage ich euch heute,
denn was soll ein Wachturm,
was soll ein Pfahl in unserem Fleisch, der keine Verjüngung bringt,
der uns an Ort und Stelle bannt,
ein Ort, der hinausschaut in den Norden,
ein Ort, der hinausschaut in den Süden,
sehe ich nicht auch Gibea im Staublicht des Mittags,
drüben die Stiegen hinauf nach Bet-Awen,
in meinem Rücken die Blutstiege,
nicht mehr wie in Mizpa,
kein Horn mehr über unseren Herzen,
kein Dorn mehr in unseren Hirnen,
keine Beige von Entscheiden, wachend über die Geschicke von zu vielen,
die nicht eins sind, die niemals einer sind,
die wie die Terebinthe vor Jabesch ihre Arme, ihre Knie in die Richtungen von Diesseits und Hierseits ausstrecken sehnsuchtsvoll,
kein hoch lodernder Sennabusch mehr auf der Anhöhe mitten im Ocker der Wüste,
vor dem nur Barfüssige knien sollen,
unsere Haut ist wie die kiesige Erde zu unseren Füssen,
unsere Herzen sind die rollenden Körner einer Düne,
und Gott ist kein Wind, der uns triebe,
kein Säuseln, das uns lockte,
kein Rascheln in den Sträuchern, das uns zu beissen kommt,
unsere Locken haben die Farbe feuchten Sandes,
doch mittendrin rinnt das Blut unserer Schwestern, ihr Männer, unserer Töchter, unserer Frauen,
laut wie der Ruf unserer ungeschorenen Kehlen aus der Tiefe unserer Nieren,
mitten durch die Schlucht unserer Untaten,
lasst uns nicht mehr schwören,
lasst uns niemals mehr bannen,
lasst uns nicht mehr wachen,
lasst uns niemals mehr auftürmen einer den anderen zu einem Pfahl, zu einem Opfer auf dem Wege in die vielen Richtungen, in die vielen Höhen, in die vielen Schluchten, in die vielen Flecken, in die vielen Jaboks,
fliessend oder stockend,
lasst niemals mehr wie in Mizpa uns besammeln,
lasst uns nicht mehr wie bei Mizpa,
einander ausspähend, eine
Richtung wählen.
Und Auch
Drohungen schallen uns entgegen, Samuel,
Drohungen und das ewige Gottes-Aber,
als könnte das eine oder andere noch locken.
Eng und enger wird es uns in dieser zweiseitigen Welt,
diese zweischalige Perspektive schnürt uns die Kehle ab, Samuel.
Es ist uns nötig ein neues Und,
kein sowie, kein zudem, kein dazu, kein aber-ja, kein überdies,
ein unduldsames Und,
das wie ein geschleuderter Stein den Weg überfliegt, der sich angesammelt hat,
der sich anhäuft wie ungebranntes Unterholz,
der sich selbst äufnet im immer gleichen Zweischritt,
und niemals noch hat dieser Stein sein Ziel getroffen, Samuel,
die Stirn des Auch,
ach und sei es auch die Knöchel seiner Hand.
Du ödest uns mit deinem Entweder-Oder,
du bringst uns an der Rand von Verstand mit deinen Listen, Samuel.
Du zählst uns die Reihe von Paragrafen auf, die doch nur gelten, solange einer von uns lebt.
Das Handeln, das du uns vorschlägst, liegt immer schon auf einer Waage,
die keinen menschlichen Massstab kennt,
es liegt immer schon unter einem Auge, das nichts Menschliches noch kennt.
Unsere Worte dringen zu Ohren, die eine Sprache verstehen, die aufzählt und aufrechnet,
müde sind unsere Lippen vom Anschein der Anhörung,
von der Lüge, es gehe uns so, wie wir handelten,
unsere Füsse sind schon wund,
denn in welche Richtung sind wir nicht schon gelaufen wie eine Herde von Schafen über eine nächste Klippe,
und wieder bietest du uns das gleiche Und,
das uns abtrennt von der Fülle des Lebens und vertröstet auf später,
weder den Regen noch das Unwetter können wir die mehr glauben,
du hast uns so sehr entfernt von diesem Auch,
gegen das wir gestern noch gestritten haben, Samuel.
Dieses eine Wort
Wüst und leer ist, was gut ist.
Wüst und wirr ist, was böse ist.
Es gibt so viele Auslassungen.
Es gibt so viele Ankünfte.
Zitternd wie die Feige am Wegrand,
abgeschlagen wie eine Wolke im Sommerhimmel,
alle Verbindungen verloren stehst du vor den Toren und hast nur noch den abgerissenen Scherz:
ein Und nicht wie eine Brücke,
ein Und nicht wie eine Hand,
ein Und nicht wie eine Schulter,
ein Und wie ein erster Tag:
mehr als jener Bogen in den Wolken,
wenn die Regentage nicht mehr zu zählen sind über dem umgebrochenen, unfertigen Land:
auch das Und ist dann Geschichte,
Weitergang und Wiederkehr,
Abhall und Abkehr,
gut und böse heisst dann Und,
weiss und schwarz heisst dann Und,
Wissen und Unwissen heisst dann Und,
Rebe und Wein,
aufgeschwungen in den Himmelsstarrkrampf wie ein Geier wird Und sein,
seine Schwingen werden den Verstand Jafets verdunkeln,
seine geussenden Rufe werden das Herz Sems zerreissen,
und Ham wird aus der Vergessenheit herausgelassen wie das wirre Stirnhaar eines scheuen Mädchens,
und diese eine Silbe, dieser lallende Laut,
nicht länger als Zwinkern eines Hahns im Morgen,
schmal wie die Pupille im Auge einer Ziege,
mitten im Eigelb dieser menschenüberfluteten Welt,
kaum mehr ein Fuss passt zwischen dich und mich, meine Tochter,
dieses hingeworfene Zugeständnis von Wort,
diese Verbindungs-Abschande,
ist dir wie ihm gegeben, klein und verbindend, klein und trennend,
zu gross für einen Handschlag,
zu weit für eine Umarmung,
zu klein für eine Brücke,
zu fern für den Himmel,
zu kalt für den Sommer,
ein Irrsal fruchtet in ihm,
ein Wirrsal quillt in ihm,
halte es in deinem Schoss wie ein züngelndes Auge,
und wenn der Mann kommt zu dir,
und wenn die Frau kommt zu dir,
wirf es fleischig ihnen ins Gesicht.
Feld von Tatsachen
Ich bin ein Feld von Tatsachen,
ich häufe an, was geschieht,
ich sammle auf, was brach ungeschehen liegt,
ich bin ein Wurzelgrund für «genügt nicht»,
die Spuren meiner Schritte sind ein leichtes Tappen über die gesprungene Scheibe der Zeit,
die Eindrücke von dem, was geschieht, sinken unter meine Zunge,
wo sie Schatten finden und Feuchte,
wo ich sie rolle wie den Kern einer Olive,
mein Geläuf hinterlässt Schwangerschaftsstreifen auf den Wirklichkeiten,
die in ihren Banden um unsere Kehlen wachsen wie die Weinrebe,
ich bin ein Hügel von Sachverhalten, die kein Sachwalter mehr einzuordnen vermag,
ich bin ein Tell von Fakten,
die kein Archäologe mit Glaubensinhalten in Übereinstimmung zu bringen vermag,
ich bin ein Ausdruck, der so sehr Eindruck ist,
dass Geschehenes noch geschieht,
ich bin ein Eindruck, der so sehr Ausdruck ist,
dass in dem kleinen Raum meiner einzelnen Kehle möglich wurde, was passieren wird,
als schnurrte eine Katze in deinem wartenden Schoss,
ich bin so sehr Mann, dass meine Brüste anschwellen von Kolostrum,
ich bin so sehr Frau, dass meine schwielige Hand das Antlitz der Besitzenden eindrückt mit einem Schlag,
wenn sie denn je eines hatten, die da haben,
ich bin ein Feld von Tatsachen,
das deinen Atem einlädt zur Paarung,
ich bin eine Spur von Mensch, dessen ganzer Kopf Gesicht ist,
ich bin ein Wort, das immer wieder ausgesprochen wird wie ein fliegender Samen,
ich bin ein Wort, das selbst als Strich in der Landschaft mehr als nur verbindet,
in meiner Erdschale liegend, sehe ich die Finger der Blätter über mir,
die aus meinen Untaten wachsen,
die ich in die Zukunft geworfen habe,
und ich höre sie flüstern wie das Wasser des Kidron, und?
Es gibt keinen festen Boden
Was für Spuren hat sich das Handeln dieser Männer in ihre Gesichter gegraben?
Was für Fährten hat das Denken dieser Männer in ihre Züge gelegt?
Schau genau hin, mein Sohn!
Das sind Männer, die ihre Kindheit hinter sich gelassen haben, ohne dass sie Spuren hinterlassen hätte:
Ihre Zehen sind krampfhaft in den festen Boden gekrallt,
die Furcht vor dem Schlick, auf dem sie zu stehen haben,
die Verzweiflung über den Pflotsch, auf dem selbst die Grundfesten ihre Standfestigkeit verlieren,
verlieren sollten, denn siehe, die Tatsachen sind weich und nachgiebig wie die Backen eines Säuglings,
wie die frischen Myrtenzweige im Hain der Grossmütter, mein Sohn,
aber schmerzlich ist ihr Schlag dennoch,
Verzweiflung aus Ohnmacht und Furcht aus vielleicht gar Fürsorge haben ihren Mienen für immer das Zeichen für das Eine oder das Andere eingeprägt,
schau gut hin, denn das sind die Männer, die ihre Kindheit hinter sich gelassen haben, ohne dass sie Spuren hinterlassen hätte,
und du wirst sie immer an ihrem Gemeinsinn erkennen, dem das Eigene näher ist als das Andere,
du wirst sie immer an ihrem gesunden Menschenverstand merken, der die Tatsachen wie die Glieder einer Kette um deine Kehle zu legen versucht,
doch siehe, mein Sohn, immer wirst du sie hocken sehen,
wie Kröten im Winter kauernd und erschauernd und schluckend über die Schattenwürfe von Babybacken und Myrtenwinden,
denn die Tatsachen sind furchtbar fruchtbar,
du siehst es in ihren gaffenden Augen,
denn was geschieht, mein Sohn, lässt nur zweifeln,
lässt nur die Hände ringen, wer nicht lauscht auf das Säuseln im Herzen, das langsam umarmt das Geschehene wie eine Mutter ihr erstes Kind,
und sei es ein Schlag, und sei es ein Ausschlag,
wer gackernd krallt nach dem ersten Korn im Hofe des Herrn,
das ledrige, rote Tuch des eigenen Kamms mitten im Gesicht.
Samuel Wiederkehrer
Da ist er wieder,
da kehrt er wieder,
da käut er wieder,
ohne Zögern und Scham prasseln seine Worte wie in der plötzlichen Kälte eines Morgens erfrorene Weinbeeren auf unsere abgenützten Kehlen ein,
immer die gleichen wiederkehrenden Haken schlägt er vor unserem Angesicht,
als lernten wir nimmer dazu,
und da ist er wieder,
mit diesem ungerührten ausdruckslosen Gesicht eines Gelähmten,
und nur die Augen rollen in ihrem Gefäss wie Kiesel in einem Krug,
er sagt immer noch das Gleiche wie zuvor,
denn seine Diät ist immer noch die gleiche wie zuvor,
und immer noch hat er das Glück, das Wetter zu lesen wie andere im Osten ihre Tontafeln und Steinmale,
Teufelswerk: aufschreiben, was du Tochter und Sohn erzählen kannst,
damit diese das ihrem Sohn und ihrer Tochter erzählen werden,
mit lebendigen Wörtern wie die abendlichen Fliegenschwärme unter den Bäumen, wo die Alten sitzen,
er holt uns ein Gewitter herbei mit seinem klappernden Mund,
das unsere Weinberge schlägt und unsere Olivenhaine,
den Weizenhalm zerbricht und den Hafer zu Stroh macht,
und will noch Dank für seine Wiederkehr, für seine Wiederholung,
für seinen grünen Wortschleim, der auf unsere Kehlen spritzt wie das Gift jener ersten Schlange,
die nichts anhatte, aber viel drauf,
wo er viel anhat und immer das Wiedergleiche drauf,
da kommt einem gleich die Sehnsucht,
doch seine Kehle ist so reif, dass sie selbst im wenigen Wahren das Böse herausschält und uns als den Kern darbietet,
aus dem doch etwas wird, was vorher nichts gewesen war,
seine Kehle ist so alt, dass ihre Güte wie von Kindern in einem Feigenhain zertrampelte Feigen ist, die doch für die Armen aufgehoben werden sollen,
seine Kehle ist so erwachsen wie nur bei Männern, die ihre Kindheit hinter sich gelassen haben, ohne dass sie Spuren hinterlassen hätte,
da kehrt er wieder,
da ist er wieder,
waren wir ihn nicht losgeworden,
da käut er wieder seinen grünen Hader und seine gottesschrumplige Eifersucht.
