Psalm für Isaak / Einmal nur

Gibt es denn einmal nur, was zählt,
einen Brunnen, einen Erben,
einen Segen, eine Schote mit einem Samen,
gibt es denn einmal nur diesen einen Platz an der Sonne,
diesen einen Gemüse-Acker, dieses eine Getreidefeld,
diesen einen Altar, diesen einen Entschluss,
diesen einen Weg? SELA

Es gib den verlorenen Sohn, der unterm Johannisbrotbaum weint,
weit weg von den guten Feldern,
kein Tau befeuchtet den Ort, den seine Sohlen berührt haben,
die wilden Tiere sind seine Früchte,
die wilden Beeren sind sein Erbe,
vom Rost seines Schwerts kann er nicht leben,
vom Rest deines Segens kann er nicht heilen,
gibt es denn einmal nur das Gute,
die Güte und die Teilhabe,
den Umtausch und den Widerruf,
und wer hat gesagt, wer hat bestimmt,
es könne einmal nur den Brunnen Rehobot geben,
einmal nur den Brunnen Schiba,
wer hat bestimmt, wer hat verlangt,
zwei Söhne sind wie Esek und Sitna, wie Zank und Streit? SELA

Da geht dein Sohn, den du verloren hast, dahin,
in die roten Hügel hinaus,
in die fremden Länder,
als gäbe es einmal nur sein rotes Haar,
einmal nur seine wolligen Arme,
einmal nur seine weite Brust,
einmal nur sein breites, bereites Verzeihen,
in die fremden Länder,
zu den Schweinetrögen geht er da hinaus,
denn es gibt einmal nur die Knechtschaft,
einmal nur die Aufgabe seiner selbst, die Genügsamkeit,
die lang erlittene, die lang erdauerte,
einmal nur die selbstverschuldete Armut,
und den jetzt noch verzerrten Mund zieren bereits Flecken von Honig,
die Augen blitzen wie das Gerippe eines Löwen in der Mittagssonne,
denn Gott, einmal nur gibt es ihn,
einmal nur gibt es sie, denn Gott,
einzig und allein,
schätzt sein versehrtes Leben mehr,
und der Johannisbrotbaum senkt Schatten und Schoten auf ihn hinab.

Psalm für Abraham

Denk an den Berg Moriah,
an den rettenden Widder:
denk an die Holzscheite auf dem Rücken deines Sohnes,
denk an den zurückgelassenen Esel –
lasse niemals einen Esel zurück! –
vergiss nicht die Entschlossenheit, mit der du das Messer ergriffest,
erinnere dich an die Verschlossenheit, –
niemand konnte sie öffnen, niemand konnte sie verschliessen –
die dich umschloss und schützte, so glaubtest du,
besinne dich auf die Verschlossenheit, –
niemand konnte erschauen, niemand konnte erriechen:
warst du denn wirklich dort drüben,
warst du denn wirklich auf dem Berg, der dir genannt wurde?
dort drüben, wo der Bergsalbei mit seinen sieben Armen dich hätte unterweisen können,
unterweisen von der Sträflichkeit deines Zutrauens, –
oder sollte von Hörigkeit gesprochen werden? –
hätte richten können über deinen Verstoss,
hörst du denn nicht, Abraham,
hörst du denn nicht das linke Horn deines Widders schon blasen,
hörtest du es nicht damals schon vom Sinai herunter blasen,
dort drüben auf dem Moriah,
und du in deiner Verschlossenheit, vergiss es nie,
in diesem einen tauben Lauf gegen alle Pläne,
gegen alle Erwartungen und gegen alle Versprechen,
und vielleicht nennst du es auch heute noch einen Wettlauf für,
glaubst noch immer, nicht auf dem Laufenden zu sein,
das sei eine Stärke der Gläubigen,
Gott sorgt vor, stotterst und strauchelst du durch deinen Abgesang eines Männerlebens,
deine Arme wie die Blinden, wie die Skrofulösen, du Skrupelloser,
wie diese jeder Erwartung und jedes Versprechens beraubten Frauen und Männer vor den Toren deiner Liegenschaft,
wie der Widder seine Hörner vor sich herträgt, ohne Schuld auf sich geladen zu haben,
ausgestreckt nach dem rettenden Dornenmäuerchen der Zeit,
nach dem erlösenden Dornenmärchen, es gebe keine Grenze für die Sorge,
und du warst nicht einmal barfuss, Abraham,
deine Füsse waren ungewaschen, schrittest du aus nach dem Dorngestrüpp,
das dir endlich deine Blindheit,
die dich so ertauben liess gegen die Zeit, gegen deinen Sohn,
aufschliesst, aufschliessen würde, denke daran, denke daran.

Das Schwein

Da strauchelt er daher,
die Arme ausgestreckt wie ein Insekt,
die Hände baumeln an ihren Enden wie verdorrte Früchte,
sein Gesicht ist wie ein gestrandeter Wal,
und seine Lefzen sind schaumig von der Einsprache mit dem sträflichen Gott,
schwielig sind seine Augen vom Ansehen von einer heischenden Hand,
die am Kuschen Freude hat,
die am Wiederkehren Gefallen findet, –
doch findest du sie jedes Mal in ihrem Hunger auf verkohltes Kindesfleisch abscheulicher,
wie sie da mit ihren gespaltenen Hufen im Unrat rührt,
wühlt mit gespaltenen Hufen in den Rückständen ihrer Versprechen nach den eingelösten Schwüren der Menschen,
diesen hochgehaltenen Handflächen eines Widerstand-ist-zwecklos,
diesen leeren Händen, diesen sich immer noch leerenden Händen,
diesen Händen, die zum Ausleeren wie gemacht sind,
zum Nicht-Festhalten geschaffen sind, –
stockdunkel kommt er daher,
der geifernde Mund ist nicht vom Wiederkäuen voller Schmeissfliegenschleim,
die Furchen seiner gewaltigen Stirn sind nicht vom Nachdenken wie schwarze Schluchten voller Aule,
voller Sprüche, Tabaksaft und Weinmaische auch die Schoten seiner Worte,
mit ausgestreckten Armen strauchelt er auf dich zu,
er hat kein Davar Acher bei sich,
er hat weder Wort dabei, das heilt,
noch Ding dabei, das gesundet,
er kommt mit seinem schlechten Atem zu uns Schafen,
er kommt mit seinem Wolfshauch,
mit seinem Hyänenauswurf,
da ist kein Davar Acher darin,
seine koddernden Lippen sondern ungerechtfertigten Zorn und ungläubige Rechthaberei aus,
hüte dich, dass seine ausgestreckten Arme dich nicht fassen!

Selbst bestimmen

Schau auf diese Männer, Heilige,
zögere nicht länger und schau sie dir an, diesen Haufen von Wehrlosen,
mit ihren hängenden Köpfen auf ihren langen gierigen Hälsen,
die sie eben noch festlich hochgereckt haben,
die sie eben noch mit klapperndem Lachen hin- und hergeschwenkt haben wie die Federwedel an den Helmen der Philister,
hör sie dir an,
diese Staubwedeltruppe,
diese Ritzenschlüpfer,
hier schenke ich dir reichlich Blut von starken Tieren,
von wohlgenährten Ochsen und stämmigen Lämmern,
auf dass sie nicht auseinanderlaufen wie feuchte Katzen,
ich habe keine Zeit mehr zu stottern,
ich habe keine Furcht mehr vor der Entscheidung, Heilige,
denn nicht allein will ich dastehen mitten in den Strassen Gilgals,
denn nicht allein kann ich diesen Kampf bestehen vor den Männern unserer Dörfer,
soll ich denn mich mit Schafen und Ochsen bewaffnen und von Gad die Schweine holen,
um sie wenigstens von unseren Weiden zu vertreiben,
die sie mit den Rädern ihrer lächerlichen Wagen durchpflügen,
als könnten sie damit einem Mann oder einer Frau aus Benjamin beikommen,
die über die Hügel und in den Schluchten laufen gelernt haben,
doch die Hängehälse sind müde geworden,
sie wollen nicht mehr ihre Hälse vor sich hertragen und nicht länger laufen, laufen, laufen,
und ich will endlich Ruhe vor ihrem Quäken und Schnattern,
ich will endlich Ruhe für meine Ohren,
Stille für meine anderen Gedanken,
Schweigen für meine Tage auf den Weiden,
eine Flöte im Gürtel und die Flocken der Schafe im grauen Grün von Bet-Awen,
ich habe gewartet, Heilige, gewiss habe ich gewartet,
ich warte noch, Heilige,
jetzt aber nehme ich mein einziges Schwert und schneide Kehlen durch und stosse Ochsen tot,
damit die Schmalhälse ein Gefühl davon erhalten,
was es heisst, selbst zu bestimmen.

Nichts ist gewiss

Deine Hand berührt die Stirn, das Kinn, deine Finger fahren über die geschlossenen Augen,
die ihre Müdigkeit mit leisem Klickern kund tun,
aber kaum geöffnet, den Morgen über dem Hügelland bei Michmas sehen,
die leichte Trübung in den Sandtönen des Himmels und im Rosaschimmern der Erde kann auch ein Nebel sein, der aus den Tälern aufsteigt,
deine Zehen spreizen sich im grobkörnigen Sand, der leise flüstert wie eine Mutter über ihrem in der Mittagshitze dösenden Kind,
du atmest ein und wieder aus,
dein Bauch wölbt sich wie ein Weinschlauch unter deinem löchrigen Arbeitshemd,
deine Zunge regt sich wie eine Raupe im Kokon, um den tauben, übeln Geruch von Schlaf und Traum abzustreifen an den Zähnen und am Gaumen,
du schmatzt leise, und es klingt wie Abscheu,
wie das Fallen von Kuhfladen,
es gibt kein Wissen über diesen Moment hinaus,
deine glänzende Haut stellt ihre Härchen auf,
es schüttelt dich bis in die Schultern,
die Schwärze hinter deinen Augen ist deine eigene Schwärze,
die Schwärze deines Herzens,
ist dein eigener Horizont,
ist deine eigene Wand,
so weit entfernt, als rage sie in einer der grossen Städte des Ostens auf,
von denen die Händler träumen, aber kein Krieger,
so nah jedoch, dass du einen Schritt zurücktrittst davon,
als hörtest du das Räderdonnern der Philister schon früh im Morgen,
kein Blinzeln und kein Schielen kann dir diese schwarze fallende Sichtgrenze verschieben, vorantreiben, fortscheuchen,
und doch trittst du vor, den Fuss vor dem andern,
und doch gibt es noch Luft zum Atmen,
gerade noch und wieder,
auch wenn die Böe, die dich eben geschreckt hat im Haar der Weide am Brunne deines Hauses noch lebt,
und doch weisst du nichts vom nächsten Schritt,
noch was auf dich zukommt.  

Nichts ist wichtig

Du dehnst dein Denken aus,
du weitest den Zirkel für den Stein des Anstosses,
du heiterst den Schatten über deinen Taten auf,
spannst den Bau deiner Zweifel bis nach Midian,
der Horeb selbst ist nur ein Knoten unter Tausenden,
und die unterschiedlichen Arten der Verzweiflung sind in deine Augen gestiegen wie Elritzen,
sie sind in deine Sprache geklettert wie eine Katze vor dem Hund des Hirten,
und so sehr deine Männer wie Kerzen in der Sonnenglut stehen und warten darauf,
dass du einen Entscheid fällst,
so sehr leuchten die Äste des Busches dir ins Gesicht,
des Busches, durch den du dich schlägst,
und immer ein neuer zuckt dir ans Kinn,
den du schon abgeschlagen glaubtest,
als befühlte ein Sklavenhändler dein Kinn,
was für ein Gewimmel,
das ein Beil abstumpft,
denkst du und stehst,
denn nichts war sehr wichtig,
nicht viel war wichtig,
und je weniger wichtig es war, umso unwichtiger wurde es,
es war nie wichtig genug,
weil schlimmere Dinge geschehen waren,
geschehen würden,
und du hörst die Männer nicht singen,
die Köpfe ihrer Frauen liegen an ihren Brüsten,
ihre Nasen weiten sich vom erdigen Geruch ihres Haars,
und du siehst ihre Zungen wie goldene Krebse hüpfen in der Abendsonne,
dein Denken ist ausgestreckt wie die Knie der Kraniche im Flug,
die über dem Papyrus-Meer im Norden kreisen,
du nickst wie jemand, der zu wissen befürchtet,
dein Gram ist wie eine der Töchter am Brunnen,
deine Trübsal ist wie eine der Töchter Reguëls,
von den Hirten mit ihren Hunden vertrieben,
wie eine Gazelle hüpft sie über die Oberfläche deines Auges,
wie ein Kamel lugt ihre lange Schnauze aus deinen vorsichtigen,
aus deinen kreisenden,
aus deinen vorgestreckten,
aus deinen vorgeschürzten,
aus deinen verletzlichen Worten,
und das Feuer der Äste nimmt dir den Atem.

Hiersein

Es ist nicht leicht, hier zu sein.
Es ist nicht leicht, hierherzukommen,
an diesen ungleichen Knick in der Zeit,
an diesen kabbeligen Ort, wo die Absichten,
wo die Ansichten wie Schleimspuren über die Felsen laufen,
über die festen Felsen:
alles erhebt sich,
Blicke, Pflüge, Leiterin und Lächeln,
alles senkt sich,
Lippen, Krüge, Zeugen und Zentren,
die Sprachen selbst vervielfachen sich wie die Halme von Gras in den Ritzen auf dem Berg,
und es ist nicht leicht, auszuhalten
die wimmelnden unebenen Flächen von Zeit mitten im Sommer, die aus dem zinnoberroten Himmel fallen
wie taumelnde Spatenblätter,
es ist nicht leicht, hierhergekommen zu sein
mit hinterhergezogenen Köpfen und aufgeschlagenen Lippen,
die widerwilligen Zeugen eines widrigen Laufs:
alles ist gelenkt wie die steifen brüchigen Gelenke unserer Väter,
alles ist erhoben wie die verschrumpelten, eingebeulten Gesichter unser Vorfahren im Angesicht der Sterne,
als könnten diese Funken Vergangenheit wie absteigende Blasen im grauen Tümpelwasser unseres aufgehaltenen Lebens,
als könnten sie vordringen bis in dein und in mein Herz,
die nicht mehr leicht sind in ihrem Hiersein,
die wie die träge umwindete Masse einer Mazzebe ihre Stirn anreckt,
anreckt gegen die vielfältige Zeugenschaft von Gerede und Gereue,
und da bin ich: nicht leicht im Auge der felsigen Frucht, auf der Stirn des fruchtlosen Felsen,
auf der ungleichen Fläche hoch über dem Tal, kaum noch schwankend,
und möchte pflügen, möchte lachen mit gespreizten Lippen, die von Honig triefen,
möchte dem immerzu leichten, immerzu aufkommenden Wind ins Gesicht speien,
und mit unterschiedenen Worten die unterschiedlichen, leeren Geschichten bändigen.

Den Vogt erschlagen

Was hast du nur getan, Jonatan?
Was hast du dir dabei nur gedacht, mein Sohn?

«Ich habe den Vogt erschlagen, Vater, den Vogt der Philister.
Beten wollte ich bei der Mazzebbe, Vater,
wollte an den Sprossen Gottes rütteln, Vater,
die in Bet-Awen in die Höhe wachsen,
am Rande der Wüste, am Rande der Weiden,
ich hatte so lange nicht mehr geträumt,
ich hatte so lange schon keine Ruhe mehr gefunden,
unter meinen Männern war ein Gemurmel,
hell und deutlich wie der erste Stein, der sich unterm Schritt des Hirten löst,
bevor der ganze Hang mit Prasseln und Rumpeln in die Tiefe fährt,
in Bet-Awen habe ich gebetet,
tief habe ich meinen Kopf gebeugt,
eine ganze Nacht und einen ganzen Tag lag meine Kehle dort im Staub,
hustend und fluchend,
und meine Finger zucken und zerren, und meine Füsse scharren und schlagen aus,
und ich konnte nichts sehen, konnte nichts fühlen,
knochentrocken bleiben Auge und Traum,
meine Müdigkeit rieselt durch meine raue Kehle,
rau von den Befehlen und glatt von der Erwartung,
und ich wollte nach Hause,
ich wollte nur nach Hause.»

Doch warum erschlägst du mir den Vogt der Philister, mein Sohn, den Vogt der Philister?

«In Geba kam er mir entgegen, Vater,
mit seinem unterm Kinn geschnürten Federhut,
seine Schultern waren wie die Mauer eines Reichen in Michmas,
und er wusste, wer ich war, Vater,
er grüsste mich mit deinem Namen,
und er befahl mir seine Füsse zu küssen,
und da wurde meine Müdigkeit zur Überstürzung,
und ich griff einen Stein zu seinen Füssen und erhob mich gegen ihn.»

Das hast du gut getan, mein Sohn,
die Kraft Esaus und die Schläue Jakobs ist mir dir,
du hast gut daran getan,
jetzt werden wir erlöst,
jetzt werde ich befreit,
und meine Tage als König sind gezählt.

Kaum älter als du, Jonatan

Ich bin kaum älter als du, Jonatan,
ich begreife immer noch nicht alles,
ich verstehe die Zusammenhänge nicht so wie die Menschen,
ich sehe die Folgen vor meinen Augen aufziehen wie ein Heuschreckenschwarm,
ich klammere mich an Erfahrungen, die nur einmal gelten und ein zweites Mal wie die Kehrseite eines Schekels
zwinkern, den ich für einen Ratschlag in die Höhe werfe,
ich fühle den kindlichen Trotz noch ebenso wie das kindliche Vertrauen,
ich empfinde immer noch das Staunen eines Kindes, das eine Ameise tötet,
die schreckliche, mächtige Ohnmacht eines Kindes, das ein Fohlen in seinen Armen hält, mein Sohn,
alle meine Erfahrung ist nur altes Fleisch,
ist nur müde Muskeln,
ist nur schlaffe Haut und Zornfalten und Lachfalten,
und ich erinnere mich nicht an mein letztes Lachen, wohl aber an meinen letzten Zorn,
ich erinnere mich an das Keuchen danach,
an die tauben Lippen, das Sirren in den Fingerspitzen, den wohltuenden, Beine wegschlagenden Schwindel, Knie die Sülze,
und lange noch spüre ich meine Nasenspitze nicht,
ich bin wie eine Kiefer am Hang,
die sich klammert an Stein und Disteln und Schiefer und hinaufwächst in den dunkeln Himmel,
um immer weiter hinauszuschauen in das Land, das ihr zu Füssen liegt,
doch weiss sie weder woher sie kommt noch kennt sie ihren Auftrag,
wie die fliegende Münze mit ihrem blinkenden Ratschlag, mein Sohn,
ich befürchte, es gibt ihn nicht, den Auftrag,
nicht für mich, das fühle ich,
ich habe viele Frauen besessen, wie die Menschen sagen, besessen und geschmeckt,
doch besitzt niemand ein anderes Leben, ein anderes Fleisch, eine andere Kehle,
für Augenblicke strich ich mit Torenfingern das Gespinst von ihren Gliedmassen,
doch konnte ich sie nicht ansehen,
ich war ganz eingesponnen in meine Scham,
sie bedeckt mich ganz und gar,
und jede meiner Taten ist eine abgewogene Unwissenheit,
die ich kundig mit Schweiss und Bauernregeln, mit Tränen und abschätzigem Überschlag vermische,
wie ein Kind, das mit Stöckchen spielt und einen Turm baut,
ich bin noch nicht einmal so alt wie du, mein Sohn.

Da kommt der Mond

Da kommt der Mond,
lange musstest du warten,
lange musstest du dich gedulden,
färbt die Augenblicke der Akazienblätter mit dem Quecksilber des letzten Gerichts,
wagt den Schritt über den Brunnenrand,
noch erglänzt keiner der Lachen zu deinen Füssen,
wie der schwere Abdomen einer Tarantel tritt er in den Zenit,
spinnt er seinen Traumkreis, seinen Zauberkreis,
hängt er seinen Deckel über dein Fluchtgefäss,
und du bist ohne Gott und ohne einen Plan, in dem die Frevler zappeln,
du vertraust längst nicht mehr auf die Wickelsprüche der Ammen und Generäle,
da bewegt sich der Mond, der Stellvertreter,
bewegt sich wie ein Totgestellter,
als fachte der Wind ihn an,
als packte der Wind ihn an,
spinnt in deinen Augen das alte Spiel vom Ergeben und vom Erheben:
Ergebung in deinem Herzen und Erhebung in deinem Herzen,
und du bist nicht länger eine Beute,
du bist nicht länger ein Abdomen voller Eier,
da kommt der Mond wie ein Gespinst aus Seide über deinem Schlupfloch,
und niemand hat dich noch zerdrückt,
niemand hat dich noch zermalmt,
dich und deine Brut,
und der Wind mag dort oben in seinem Säuseln die Geschehnisse auslösen,
der Wind mag dort oben in seinem Pfeifen die Geschehnisse ausbrüten wie eine Gaze auf einer Wunde,
wie die Silberfäden über einer Schürfung,
der nicht Heilung bestimmt ist,
die für die Hitze und für den Eiter bestimmt ist,
lange hast du auf seinen Trost gewartet
auf seinen kühlen, auf seinen blauen Trost,
lange hast du auf deinen Anteil am Frieden gewartet,
der kommt wie der Mond über deinem Loch,
der aushält über deiner Grube,
für einen Augenblick des Trosts in Silber und sandiges huschendes Gold legt,
was wie sein Licht eben erst und längst schon geschehen ist.