Es gibt nie einen Hund

Es gibt nie einen Hund der bellt
Und doch bellt immer einer
Wenn du nachts vor die Hütte trittst: weder Mensch noch Hund
Weder Haus noch Hilfe
Und doch bellt ein Hund in das seidene Schweigen der Nacht hinaus
In den Bergen im Osten wie Augen brennen Feuer und du
Kurzatmig und barfüssig in deinen Garten gelaufen: blinder
Blanker Mensch
Allein wie eine zu weit gerollte Murmel
Stolperst in die Dornenbüsche und zerreisst dir die Hakama: stehst lange und lauschend im Scherenschnitt der Nacht: es gibt nie einen Hund der bellt
Vielleicht ist es der Atem der Nacht: und doch bellt immer ein Hund
Den eine Ratte gebissen hat: in deinem Kopf haben bereits die Murmeln mit schwerem Kugelgepolter über die Planken des Schifferstegs zu rollen begonnen und verschwinden mit einem gierigen Klatschen da drüben im See: du denkst an die Stoff-Falten über den schlafenden Kindern
Und an den einen Freund
Plötzlich wie der schrei eines Hundes den es nicht geben kann
Der am andern Ende des Landes seine Stirne beugt in die Hände oder in das Kissen drückt: du bist ein Wels
Langsam unter den aufgeregten Furchen der Wellen hindurch gleitend
Den silbernen Staub
Da ist endlich auch der Mensch mit seinem Himmelsrasen
Den silbernen Staub des Grundes aufwirbelnd: niemand sieht ihn
Niemand hört ihn
Und du hörst die Murmelgedanken der Wellen über dir wie die Winde in den Hinoki-Kiefern und das aufgeregte Tuscheln der Eschen in deinem Rücken
Aber der Hund schweigt wie eine Muschel die deinen Fingernägeln widerstrebt: du siehst im Mondweg des Wassers das Gesicht deines einen Freundes
Abgekehrt wie das Geknäuel eines vom Sturm ausgerissenen Wacholders am Berghang: zu viel Fels und Kies und zu
wenig
Wirkliche Erde und wankst mit blanken blinden Schritten zurück zu deiner Hütte: die Talgkerze russt dir ins Gesicht wie eine fremde Sprache
Immer gibt es einen Hund der bellt
Und doch bellt nie einer
Wenn es darauf ankommt
Und lange liegst du wach und kratzt dich an unmöglichen Stellen mit den leisen Geräuschen eines Hundes
Der in seinem Fell nach den Zecken schnappt
Die ihn geweckt haben.

Durchlöchert: einzige Sickerstelle

Durchlöchert: einzige Sickerstelle: vom Regen durchbohrt
Die Schieferbrust dieses Berges: nichts kann mehr auf lange sicherstellen seine Fortdauer
Und ich rede nicht einmal im Ansatz
Am Fuss figürlich: leidenschaftsloses Zusammenrücken aus Material und Schwerkraft: erstarrt starrst du auf die Formation und fühlst
Wie das Leiden an den Dingen auf dich zukommt und schon wieder
Von dir wegschiesst wie ein D-Zug: in deinem Rücken fallen die Wellen in deinem Rücken in sich zusammen wie Konstellationen: ich rede nicht einmal mehr mit einem Anspruch auf Zufriedenheit und hocke
Kauere mehr auf diesem Abhang wie eine nasse Katze auf ihrem ersten Wurf: was für ein Kinderspiel die Schieferzungen doch sind: unerlässlich zerfallen sie
Um dem Gras Nahrung zu geben und das Leiden dem du begegnest mit offenen Augen und wunden Armen unterhält kaum mehr die Angst vergessen denn den Mut mehr aufrecht: durchlöchert
Von den Blicken der Bettler stehst du im Tor und wartest
Auf die Ausfertigung des Stempels und das murrende «Hinein» des Wächters und die Bettler keifen in deinem Rücken hinterdrein wie die lachenden Gänse im Hof deiner Grossmutter damals auch sie nur Gäste wie ich: wenn ich auch gokenin und sie blosses Fussvolk: eine Mischung aus Salz und aufrecht erhaltenem Fall wie ein Pinselzeichen auf der Fusssohle des Berges: einzige Sicherstellung kann im achtlosen Lachen geschehen im sitzenden wiegenden Summen: und dadurch das Wasser wie ein Einschuss von Ekel und Magensäure: sauer fällt der Schnee
Eitergelb in die zusammensinkenden zusammensickernden Geschosse der Erde: im Osthimmel sammeln sich die Federn der Fasane und Sumpfhühner und schwärmen
Krakeelend aus in die Gassen der Stadt: streifen den Shojis und Drachenziegeln weisse Zeichen aus Naturschrift über und ich neige meinen ganzen Körper vor meinem Daimyo ein letztes Mal: seine starre Miene hat mich früher erschreckt aber heute
Sehe ich nur die Leidenschaft die durch ihn sickert wie ein Stromstoss aus einem surrenden vibrierenden Generator mitten im Steingarten: durchlöchert
Von dem fliessenden Strom aus Begehren und Wünschen höre ich seine Stimme fluchen
Und du kehrst der Fortdauer seiner Herrschaft buchstäblich den Rücken: wie eine
Regenrinne: und ich rede nicht einmal von Erleichterung.

Die See erhebt ihre weisse Kleidung

Die See erhebt ihre weisse Kleidung: wie fliessender Schnee kommen die Wellen
Haltlos auf das Ufer zu und weichen wiedergleich
Wie von Ekel abgestossen zurück: nähern sich meinem Elend vorsichtig und voller Abscheu
Dem Weilen im wiedergleichen Sink-Sand meines bescheuerten Wählens: die blank gescheuerten Felsen des Strandes und die vagen Gestalten der Kii-Bergzüge: die betenden Familien erfasst von Pest und vom viralen Keulen zerschlagen in die östlichen Winde wie die Rufe eines Makaken und weit in die unwirtlichen seelenlosen verholzten Regionen des Ostens getrieben: keine
Schwester des Unwetters hat bisher noch meine Hütte berührt oder gar nach ihr zu greifen gewagt aber diese
Diese hier mit diesem erweiterten verschnittenen Lächeln
Diese hier mit diesem wiederkehrenden Schlafgebot
Diese hier mit dem Leib eines vergewaltigten Mädchens: ich könnte vor Erstaunen
Sterben: man stirbt für weniger: die See hebt ihre weisse Kleidung über den Strand hinweg wie eine verfolgte Frau
Wie ihre blanken Knie silbern aufscheinen fast wie die Gesichter von einer Jorogumo: meines bescheuerten Wählens Schampartien zu sehen
Seine schmalen Schultern und abwegigen Blicke auf Hüfthöhe
Könnte ich nur lachen wie die andern mit ihren Fratzen in den Westen gewandt
Doch im Versuch schon erkenne ich: mein Lächeln ist wie das Lächeln des Haifisches: er lächelt
Weil er das weisse Wasser säuft dort unten mit jedem Flossenschlag um weiter zu leben und schliesst er sein Maul
Schiesst er bald verbissen von unten nach oben: ich höre seine Zähne knirschen aber
Die Brandung kommt näher ohne Zähneknirschen oder ist das Knirschen des Holzes unter mir
Schwankt meine Hütte auf ihren Pfählen die vom Salz erbleicht sind wie das Gesicht meines Freundes
Als ich wählen musste zwischen ihm und ihr: die See springt schwesterlich hüpfend ihr weisses Kleid lüpfend durch die Staudenknöteriche und am Wacholder vorbei: zeige mir doch
Einen Menschen der gut ist
Einen guten Menschen der keine Menschen abzustumpfen fähig ist
Fähig wäre: die weisse Kleidung des Meeres umspielt meine blanken Füsse
Das Wasser brennt kalt in meine Waden herauf: könnte ich nur lächeln wie die andern und Wiedergleich zurückweichen in die schwarzen Schatten meiner haltlosen Zukunft.

Empfindet ein Pfeil

Empfindet ein Pfeil auch Schmerzen wenn das Fleisch
In das er eingebrochen ist ihn im Sturz
Bricht nach einem hohen Flug über die Burgmauern: sein Gefieder stimmte eine Art summendes Lied an hinter ihm und hat erst einige Töne davon singen können und im Moment des Brechens
Der nie nur ein Vorher und Nachher ist: wie der Lauf des Mondes im See
Ein Ziehen Nachgeben Fliehen papierenes Reissen und ein Enthärten ist
Und der Mond kann das Wasser ja nicht trüben: nach der kühlen säuselnden Luft die ihn singen liess die Hitze und feuchte Dichte eines Körpers erfahren: Leiden
Ist getrübte Sicht: ist wie der verlorene Glanz in der Eberesche: keine Beere mehr übrig
Allein die immer starrenden harrenden Nadeln: auf einen Herbst oder eine Axt
Die sich nur mehren können: ist auch das
Leiden und Schmerz: leiden die Sperlinge und Meisen am leergefressenen Baum
Und wenn die Berge unterm Erdschub buckeln
Der mit Pfeifen und Röhren und Stottern die Erde selbst schüttelt wie eine alte Eiche am Steilhang im Herbst vom Sturm geprüft wird
Die Wellen aus Schmerz
Wenn von einem Augenblick zum andern Augenblick das Gleichgewicht von Garten Mauern und See zerstört ist und im Kippen schon
In den ungewohnten Winkeln schon
Ein Beharren wieder möglich ist: in der Umgeworfenheit im Sturz der Landschaft bereits
Dauer ist: empfindet auch das im abgedeckten Stall stehende und rufende Vieh mehr als nur Verwirrung: denn Sturz ist Flug und Flug ist
Sturz in ein Leben
Das sich dinglich erfährt und erhoben hat: jeder Gegenstand und jedes Lebewesen erfährt die leuchtende Fahrt des Mondes über den See und die abgeschrägten Lichtwinkel und die aufgehobenen Grenzen
Als Leiden wie auch der Pfeil
Abgesandt ohne ein Ziel zu sehen und kennen
Die Brust den Schenkel die Kehle findet
Ein willenloses Geschoss wie du und doch im Leiden begriffen
Die papierleichte Haut zerreisst wie der Ast eines Strauchs lange gegen die Shoji geschlagen hat bis auch der Wind der feuchte kalte Wind
Einlass erhielt sein Brausen ausbreiten konnte in einem neuen Raum
Den er dringlich und beharrlich ertastet und erstrebt hat ohne ihn zu sehen und kennen: und im Fallen
Seitwärts wie eine zu schnell gewachsene Fichte im Wald dort im Osten
Im Fleisch stecken bleibt und der Mensch um ihn herum schreit auf im Augenblick fast danach: die Wellen von Schmerz ersticken seinen Ruf und seine Augen trüben sich in Voraussicht:
Lebt noch
Lebt noch
Wenn im Lazarett der Feldscher das Holz herauszieht
Geschmack von Leder auf der Zunge
Damals in den Hügeln von Yoshino.

Mit schmalen Schultern

Mit schmalen Schultern rollen sie heran: als verfügten sie über die
Härte von Stahl die denen gegeben ist
Die nach Ruhm streben und sich versteifen
Sich verrenken und immer mehr versteifen wenn die scharfen Hinterköpfe
Gesichtszüge annehmen und die Landschaft aus ihrem Nicken und Wippen
Aus ihrem Ululieren und ihren unerwarteten Hornklängen
In eine quäkende und krabbenhafte Aussicht
Ausbricht wie der Winter im Sommer: du siehst das Lächeln des Kindes gegen seine eigene
Mutter in diesen schmallippigen greinenden Wellen heranrollen
Wie Gegenstände die jemand für verzichtbar gehalten hat: du siehst das gelegentliche Azur
Dessen Schönheit du niemals einzugestehen bereit sein wirst: mit tief im Schädel versunkenen Augen – cerclés
de bagues vertes – rollen sie ohnmächtig wie der geringste deiner Freunde heran und ächzen zu deinen Füssen aus mit diesem Ausdruck auf der Stirn
den du von den Gesichtern kennst: die Härte von Stahl und die Charakterkraft von Priestern
in einem tollkühnen Lauf entgegen der Güte und dem Guten:
die nach Ruhm streben mit knirschenden Zähnen
mit in Voraussicht schon mahlenden Zähnen: denn die Kiesel am Strand werden sie auflaufen lassen und zerstreuen wie eine Herde von Schweinen vor dem Abgrund: und doch werden sie
stürzen auf das Land wie jedes Mal: den Ruhm vor Augen wie ein unsichtbares Geschirr und du siehst
ihre schmalen Schultern wie in Unterleibsschmerzen gerafft und auf nachfolgende Schmerzen gefasst: oh wenn die Ohnmacht sich wandelte in
Allmacht: selbst dann könnte ich nicht glauben an ihre Freundlichkeit: ihre heissen verklärten Gesichter
Ihre verzogenen angeschmolzenen Gesichter starren wie Metall voraus
Auf den Schlammpfad des Grossen Regens gerichtet: du siehst
Die aufgestülpten Schreiner ihrer Lust und letzten Hoffnung weit in der See draussen
In der heimtückisch menschlichen See heraussen
Die ihre Faltenwürfe beispielhaft ans Ufer schickt: Emissäre deines stählernen Starrens und Harrens: auch deine Schultern sind schmal geworden mit der Zeit
Nachbarn deiner Ohren: auch deine Augen glühen noch von einer sengenden und hasserfüllten Reue
Am abgelegenen Ufer deines Exils im Alter.

Mit dem Regen kommt

Mit dem Regen kommt das steife Starren: die langsamen
Fliessenden Partien im gekämmten Sand und die strebenden
Striemen von Glast auf dem tränenden Auge: das fleischigste
Wollen und das zäh heischende Verlangen des Morgens fesseln die Gedanken: den Vögeln haben sie die Kehlen
Umgedreht und nur die Amphibien haben noch die Kraft ihre blökenden Rufe und ihre kalten Leiber über die unerschütterliche Erde zu schleppen wie die ersten
Zeichen eines stotternden Gedichts: bei der Betrachtung der Sicheltanne denke ich an die gelblichen Augen und die wie verwunderten hohen Brauen meiner letzten
Frau und ihre wippenden Mundwinkel beim Sprechen: wie lange ist das her und fast keine Zähne gab es dabei
Und ich streiche durch das raue nasse Fell der Streunerin
Die um Milch bettelt oder Wärme
Und stemme meine Masse durch die Räume und werfe Tassen und Vasen von den Möbeln und stehe am klemmenden
Hoftor und reisse es auf mit einiger Mühe und höre das tippelnde Bitten der Äste in den Büschen des Abhangs: nur die
Schlieren des Nebels wandern vorüber wie die Nachzügler eines Saubannerzugs fast noch in den Windeln
Und rufe die Amme mit ihrem bekümmerten kümmerlichen Gesicht auf dem sie mir eines ihrer Schuppenlieder singe die wie
Ausufernde Erstickungsanfälle ertönen und streiche mit dem Finger meiner linken Hand über die rillenreichen und unebenen Bohlen der Engewa: meine Fussspitzen scharren im Kies und mit dem Regen kommt
Das Stelzen durch die Stille: die fliessenden beknöpften Arme der Sicheltanne deuten
Einen Flug an: Zentimeter nur über dem Kies und doch
Meilenweit entfernt von jedem menschlichen Anspruch an Freiheit oder Zuneigung: die Alte
Kämmt mein Haar nochmals und spricht ihre alten Trostworte wie ein Naturphänomen während ich den Holzstecken in der Hand balanciere mit dem ich mir im Hof mit schlurfenden weiten Schritten den Kampf gelernt habe: immer mit beiden Füssen ganz auf dem Boden und das Gewicht im Knie
Und ich denke an das harte pockennarbige Gesicht des Sensei: wie lange habe ich geübt
Mich vom Schwert führen zu lassen.

Ginkaku-ji Variation 3

Schenk ein schenk nach
Wie sehr das Wasser auch die Ufer tritt und unsere Füsse
Umspült: es gibt eine Zeit zum Küssen und eine Zeit
Zum Versinken in freundlichem Abscheu und im herben gefrässigen Vergessen
Und der Reiswein ist warm und überschwemmt das Hirn mit den seltsamen Blüten die wie Hände von Mägden
Sich weiter und weiter röten und unter meinen Augen ist es blass
Aufgeplustert wie ein Vogel im Herbst: so schenk jetzt
Noch und wieder: die Wellen kommen auch nicht wieder und laufen aus
Verlieren ihre flüsternden Geschichten in Kies und Sand und ihr kurzer Kristallglanz
Trügt wie Speichel am Kinn: oh wie er trügt
Sind nicht auch die Berge da hinüben betrogen mit ihren fernen schweren Körpern heben sie
Ihre Nackenbänder in die Nebelbrandung verdammt verdammt dazu
In die Eingeweide der Erde zu starren in die abgesunkene erstarrte
Vergangenheit: überspielt von Eiswasser ihre Füsse wie hier auch: schenk ein
Noch mehr bis es überfliesst
Damit der Ruf des Regenpfeifers wieder wie die Stimme einer Frau im Liebesspiel klingt und nicht wie
Die mattgelben Blätter in ihrem Fall auf den klammen matten verbrauchten Boden und in der Kehle
Wie schnell kommt die Kühle wieder und lässt nicht nach wie die Hand
Von meinem Herz auf der Suche nach hellem Licht aber eimfach nur
Ein wenig vom schnurrenden Azur den zu schlürfen
Nie genug: Senk ein
Senk nicht den Kopf ist auch alles bemessen und kannst du das Mass des Biwa nicht
Ermessen und liegst auf dem Grund hingestreckt und wartest wie der Wels mit seinen Barteln auf den rollenden Kieseln: schnelle dein Kinn vor
Bis auf den Nabel den unausgeleckten
Nabel auch er ein Masch in das unablässig dein Schweiss fliesst und fliesst und noch mitten in der Kälte fliesst: so umspült und gekrümmt
Kaum grösser als zwei Eisvögel in der lehmigen Schteilwand: noch mehr
Mehr noch – Freund: die gesuchten Küsse vergessen rollten schie doch
An dem Kinn hinunter wie warme Nudeln schlürfen
Schlürfen schlürfen wollte sie sie
Sie nicht und die Nebel sinken im Hirn auf das Verständnis herunter und die Stirn glättet sich mit frühem Schnee
Der nass in die Niederungen herunterzüngelt.