Salzschwarz:
Rechne nicht mit Land –
Für dich gibt es kein Land mehr:
In der Höhle der Hochsee
Und im Olivenhain
Und in der Mühle der Einkaufszentren
Armst du: nicht einmal
Kleid Klagen Knochen Knirschen –
Einfach eine Plastiktüte voll Gebet:
Leicht reissen die Tragegriffe
Selbst wenn du zwei drei Tüten ineinanderstülpst –
Nicht einmal das Leiden ist das Land
Das aus dem salzschwarzen Strom der Zeit auftaucht:
Breite nicht die Arme aus –
Für dich gibt es keine Arme mehr:
Denn die Armen habt ihr immer bei euch
Könnte es geschrieben stehen
In den Annalen der Anläufe zum Menschen –
Für dich gibt es auch kein Spiel mehr
Wenn du hinaustrittst aus dem Olivenhain
Schweiss und Erde im Gesicht
Menschensohn: einfach die salzschwarze Ruine
Eines ehemaligen Landes
(kein Land gibt es mehr für dich)
Im Überall der Wellen: Fluten von Gebeten
Mit dem Kopf auf einem Kissen brauner feuchter Erde –
Im Überall des klastischen Glühens
Und der zertrümmerten Feigenbäume:
Rechne nicht mit Land
Das du erben würdest: dort oben
Hört niemand dir zu: du hättest es
Wissen müssen.
Zitate: aus Mat 26,11 und „Unterwegs“ (Jack Kerouac); höre dazu auch den aufgesprochenen Text auf Soundcloud
Eine Reaktion auf den Film „Das neue Evangelium“ von Milo Rau
