Das Bild eines Drachen

Es duftete nach Salmiak und heissem Teer. Je weiter ich in den Wald hineinkam, desto öfter waren die Bäume verletzt, die Kragen geplatzt, das Hart tropfte würzig auf die Farnhüte des Waldbodens, die Hälse trugen Schmauchspuren. Das Brummen war jetzt in ein tiefes Röhren übergegangen. Auf eier Lichtung lag der Drache. Sein haupt war massloss gross, schwarz behaart, sein kahles Maul war so lang wie ein Mann hoch ist, breit wie der Nacken eines Stiers, scharf und spitz wie eine frisch geschliffene Lanze, die Zähne ragten daraus hervor wie die Hauer eines Nilpferds. Sein Schwanz besass drei Enden, und in jedem hielt er einen Menschenleib gefangen. Gelenke rasselten in ihren fleischigen Pfannen. Der Bauch des Drachens war grau, grau-grün, an den seiten trug er eine gelbe Schuppenhaut, sein scharfer Grat war fast goldfarben, der Kamm auf seinem Haupt leuchtete rot und schwankte bei jedem Atemzug ein wenig hin und her. Seine im Schlaf zuckenden Ohren waren die eines Esels. Von seinen fünf Augen hatte er immer eines rot glühend offen. Aus seinem Rachen kam ein fauliger Gerucht, schlimmer als das Aas, das lange Zeit in der Sommerhitze liegt. Seine Füsse waren die eines Adlers, starkt behaart, er hatte zwei Flügel angelegt, die wie Pfauenfedern schillerten. Seine Kehle war ganz knorrig wie das Horn eines Steinbocks. Um ihn her waren viele Tierkadaver verstreut, aus einigen von ihnen wuchsen mächtige blaue violette Pilze empor, die ihre Sporen bei jedem donnernden Atemzug in hellblauen Wolken abwarfen. Die Luft auf der Lichtung war senfig heiss, und auf der Zunge breitete sich ein sauer-saftiger Geschmack aus. Kaum hatte ich diese Landschaft erblickt, erfreute mich ein Zorn.